Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Dieses Sprichwort hat einen sehr konkreten Hintergrund. Seit Jahrhunderten werden Legierungen aus Kupfer und anderen Metallen hergestellt, die Gold täuschend ähnlich sehen. Sie stecken in Medaillen, Abzeichen, Orden, Modeschmuck, Kunsthandwerk, Musikinstrumenten und sogar in Münzen, die wir täglich in der Hand halten.

Wer Erbstücke sichtet oder auf Flohmärkten stöbert, sollte diese Materialien kennen. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten goldähnlichen Legierungen, zeigt, wie Sie sie von echtem Gold unterscheiden, und was sie wert sind.

Die wichtigsten goldähnlichen Legierungen

Material Zusammensetzung (typisch) Typische Verwendung
Tombak Kupfer mit hohem Anteil, meist über 80 %, Rest Zink Medaillen, Abzeichen, Orden, Modeschmuck
Messing Kupfer und Zink, Zinkanteil etwa 5 bis 45 % Beschläge, Instrumente, Modeschmuck, Patronenhülsen
Bronze Kupfer und Zinn Skulpturen, Medaillen, historische Münzen
Nordisches Gold Kupfer mit Aluminium, Zink und Zinn 10-, 20- und 50-Cent-Münzen
Talmi Tombak oder Messing mit dünner Goldauflage Schmuck des 19. Jahrhunderts
Pinchbeck Kupfer-Zink-Legierung des 18. Jahrhunderts historischer Schmuck und Uhrengehäuse

Tombak

Tombak ist eine Kupfer-Zink-Legierung mit hohem Kupferanteil. Je nach Mischung reicht die Farbe von rötlich bis goldgelb. Tombak lässt sich gut prägen und emaillieren und wurde deshalb häufig für Medaillen, Vereinsabzeichen, Orden und Plaketten verwendet. Viele vermeintliche Goldmedaillen von Sportfesten, Schützenvereinen oder Firmenjubiläen bestehen aus vergoldetem oder unbehandeltem Tombak.

Messing

Messing ist ebenfalls eine Legierung aus Kupfer und Zink, jedoch mit mehr Zink als Tombak. Es ist heller und gelber. Messing wird für unzählige Gegenstände verwendet, von Türklinken über Blasinstrumente bis zu Modeschmuck. Auch Schlagmetall, das unechte Blattgold, besteht aus Messing. Mehr dazu im Ratgeber Blattgold und essbares Gold.

Nordisches Gold

Nordisches Gold ist eine Legierung aus Kupfer, Aluminium, Zink und Zinn, die für die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen des Euro verwendet wird. Trotz ihres Namens enthält sie kein Gold. Die Legierung wurde ursprünglich in Skandinavien für Münzen entwickelt, daher der Name.

Talmi

Talmi, auch Talmigold genannt, war im 19. Jahrhundert ein beliebtes Material für günstigen Schmuck. Es besteht aus Tombak oder Messing, das mit einer dünnen Goldschicht überzogen ist. Der Begriff „Talmi“ wird im Deutschen bis heute im übertragenen Sinn für etwas Unechtes verwendet.

Pinchbeck

Pinchbeck ist eine Kupfer-Zink-Legierung, die im 18. Jahrhundert vom Londoner Uhrmacher Christopher Pinchbeck entwickelt wurde. Sie wurde für Schmuck und Uhrengehäuse verwendet und ist heute vor allem für Antiquitätensammler interessant.

Abgrenzung zu vergoldeten Gegenständen und Doublé

Neben massiven goldähnlichen Legierungen gibt es Gegenstände aus unedlem Metall mit einer Goldschicht. Je nach Dicke und Verfahren spricht man von Vergoldung, Doublé oder Gold filled. Diese Stücke enthalten etwas echtes Gold, aber meist nur sehr wenig. Mehr dazu in den Ratgebern Vergoldeter Schmuck: Wert und Doublé: Wert und Erkennung.

So erkennen Sie unechtes Gold

1. Punze suchen

Echter Goldschmuck trägt in der Regel eine Feingehaltspunze wie 333, 585 oder 750. Fehlt sie, ist das ein erster Hinweis, aber kein Beweis. Bei Medaillen und Abzeichen fehlt oft jede Kennzeichnung, oder es finden sich Herstellerangaben ohne Feingehalt. Hinweise zum Lesen von Punzen gibt der Ratgeber Goldpunzen lesen.

2. Gewicht und Dichte

Gold ist sehr schwer. Feingold hat eine Dichte von rund 19,3 Gramm je Kubikzentimeter, 585er Gold je nach Legierung rund 13 bis 14. Messing und Tombak liegen dagegen nur bei rund 8,4 bis 8,9. Ein Stück aus Messing ist also bei gleicher Größe nur etwa halb so schwer wie eines aus Feingold. Wer zwei gleich große Stücke vergleichen kann, spürt den Unterschied oft schon in der Hand. Genauer ist eine Dichtemessung, beschrieben im Ratgeber Gold-Dichtetest mit Wasser.

3. Verfärbungen

Kupferlegierungen laufen an. Messing und Tombak bekommen mit der Zeit eine bräunliche oder grünliche Patina, besonders in Vertiefungen. Auf der Haut können sie grüne Verfärbungen hinterlassen. Echtes Gold mit hohem Feingehalt läuft dagegen kaum an. Bei niedrig legiertem Gold können allerdings ebenfalls Verfärbungen auftreten, wie der Ratgeber Warum läuft Gold an? erklärt.

4. Abgeriebene Stellen

Bei vergoldetem Tombak oder Talmi zeigt sich an stark beanspruchten Stellen, etwa Kanten und Erhebungen, oft die rötliche oder blassgelbe Farbe des Grundmetalls.

5. Magnettest

Messing, Tombak und Bronze sind wie Gold nicht magnetisch. Der Magnettest hilft deshalb bei diesen Legierungen nicht weiter. Er erkennt nur Stücke mit Eisen- oder Nickelkern. Mehr dazu im Ratgeber Gold-Magnettest.

6. Säuretest

Die Strichprobe mit Prüfsäuren unterscheidet zuverlässig zwischen Gold und Kupferlegierungen. Messing und Tombak reagieren auf Salpetersäure mit einer grünlichen Verfärbung, während Gold unverändert bleibt. Der Test sollte an einer unauffälligen Stelle oder auf einem Prüfstein durchgeführt werden. Eine Anleitung gibt der Ratgeber Gold-Säuretest Anleitung.

7. Professionelle Prüfung

Juweliere und Goldankäufer können die Zusammensetzung mit einer Röntgenfluoreszenzanalyse innerhalb von Sekunden bestimmen. Bei Messing und Tombak zeigt das Gerät dann hauptsächlich Kupfer und Zink an. Mehr dazu im Ratgeber Röntgenfluoreszenzanalyse bei Gold.

Typische Verwechslungen

Gegenstand Häufiges Material Hinweis
Sport- und Vereinsmedaillen Tombak, Messing, vergoldet fast nie echtes Gold
Orden und Ehrenzeichen Tombak, Bronze, vergoldetes Silber Sammlerwert möglich, Goldwert meist nicht
alte Taschenuhren Messing, Doublé, Pinchbeck Kennzeichnung im Deckel prüfen
Modeschmuck Messing, vergoldet grüne Verfärbung auf der Haut typisch
Münzrepliken Messing, vergoldet Hinweis „Copy“ oder „Replik“ suchen
Euro-Cent-Münzen Nordisches Gold kein Gold enthalten
Bilderrahmen, Möbelbeschläge Messing, Schlagmetall keine Goldvergoldung

Ein Beispiel aus der Praxis

Angenommen, Sie finden im Nachlass eine goldfarbene Medaille mit 40 Millimetern Durchmesser, ohne Punze, mit der Aufschrift eines Schützenvereins. Sie wiegt 25 Gramm. Eine Goldmedaille dieser Größe aus Feingold würde bei gleicher Dicke deutlich mehr wiegen, ein Stück aus 585er Gold ebenfalls spürbar mehr. Das geringe Gewicht, die fehlende Punze und leichte bräunliche Verfärbungen in den Vertiefungen sprechen für Tombak, möglicherweise mit einer dünnen Vergoldung. Ein Säuretest an einer unauffälligen Stelle bestätigt den Verdacht: Die Probe verfärbt sich grünlich.

Der Materialwert einer solchen Medaille liegt bei wenigen Cent. Als Erinnerungsstück oder für Sammler regionaler Vereinsgeschichte kann sie dennoch interessant sein. Ähnlich verhält es sich bei vielen goldfarbenen Medaillen von Sportfesten, Firmenjubiläen oder Gedenkanlässen. Welche Medaillen tatsächlich aus Edelmetall bestehen, erklärt der Ratgeber Gold- und Silbermedaillen: Wert.

Häufige Fragen

Kann vergoldeter Tombak einen Goldwert haben? Praktisch nicht. Die Goldschicht ist so dünn, dass sich eine Rückgewinnung nicht lohnt.

Warum heißt es Nordisches Gold, wenn kein Gold enthalten ist? Der Name beschreibt nur die Farbe und die skandinavische Herkunft der Legierung, nicht den Inhalt.

Was unechtes Gold wert ist

Der Materialwert von Messing und Tombak ist gering. Schrotthändler zahlen für Messing einen Kilopreis im einstelligen Eurobereich, der je nach Kupferpreis schwankt. Für einzelne Schmuckstücke oder Medaillen lohnt sich der Verkauf als Altmetall kaum.

Allerdings können manche Stücke aus unedlen Legierungen einen Sammlerwert haben:

  • historische Orden und Ehrenzeichen,
  • seltene Abzeichen und Plaketten,
  • antiker Talmi- oder Pinchbeck-Schmuck in gutem Zustand,
  • Medaillen bekannter Medailleure,
  • Kunsthandwerk und Designerstücke.

Diesen Wert bestimmen Sammler, Antiquitätenhändler oder Auktionshäuser, nicht Goldankäufer.

Fazit

Tombak, Messing, Bronze, Nordisches Gold, Talmi und Pinchbeck sind Kupferlegierungen, die Gold ähnlich sehen, aber kein Gold enthalten oder nur eine dünne Goldauflage tragen. Sie stecken in Medaillen, Abzeichen, Modeschmuck, alten Uhren und den Euro-Cent-Münzen. Erkennen lassen sie sich an fehlenden Feingehaltspunzen, geringerem Gewicht und niedriger Dichte, Verfärbungen und abgeriebenen Stellen sowie zuverlässig per Säuretest oder Röntgenfluoreszenz. Der Magnettest hilft hier nicht, weil diese Legierungen nicht magnetisch sind. Der Materialwert ist gering, einzelne Stücke können aber einen Sammlerwert haben. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Stück echtes Gold ist, hilft der Ratgeber Wie prüfe ich, ob Gold echt ist.