Der Magnettest ist der wohl beliebteste Schnelltest für Gold. Er kostet nichts, dauert Sekunden und lässt sich mit einem Kühlschrankmagneten scheinbar überall durchführen. Doch was der Test aussagt, wird häufig überschätzt. Ein Magnet kann eine Fälschung entlarven, aber er kann nie beweisen, dass ein Stück echt ist.
Dieser Ratgeber erklärt, warum Gold nicht magnetisch ist, wie Sie den Test richtig durchführen, welche Ergebnisse Sie wie deuten sollten und welche Prüfungen danach sinnvoll sind.
Warum Gold nicht magnetisch ist
Metalle verhalten sich in einem Magnetfeld unterschiedlich. Physiker unterscheiden drei Grundtypen:
- Ferromagnetische Stoffe wie Eisen, Nickel und Kobalt werden stark von Magneten angezogen. Sie bleiben an einem Magneten hängen.
- Paramagnetische Stoffe wie Aluminium oder Platin werden nur sehr schwach angezogen. Mit einem Haushaltsmagneten ist das nicht spürbar.
- Diamagnetische Stoffe wie Gold, Silber, Kupfer und Wismut werden minimal abgestoßen. Auch das ist ohne Messgerät praktisch nicht wahrnehmbar.
Gold gehört zur dritten Gruppe. Ein echter Goldbarren, eine Goldmünze oder ein Ring aus Gelbgold wird von einem Magneten also nicht angezogen. Bleibt ein Stück am Magneten haften, enthält es mit großer Wahrscheinlichkeit einen erheblichen Anteil eines ferromagnetischen Metalls.
So führen Sie den Magnettest richtig durch
Den richtigen Magneten wählen
Ein dekorativer Kühlschrankmagnet ist für den Test zu schwach. Er zieht zwar Eisen an, aber bei kleinen Stücken oder geringen Eisenanteilen spüren Sie nichts. Besser geeignet ist ein Neodym-Magnet, wie er im Baumarkt oder Bastelbedarf für wenige Euro erhältlich ist. Neodym-Magnete sind so stark, dass schon geringe ferromagnetische Anteile spürbar werden.
Vorsicht: Starke Neodym-Magnete können Finger einklemmen und elektronische Geräte, Kreditkarten und Herzschrittmacher beeinträchtigen. Halten Sie sie von Smartphones fern.
Den Test durchführen
- Legen Sie das Stück auf eine glatte, nicht magnetische Unterlage, etwa einen Holztisch.
- Nähern Sie den Magneten langsam von der Seite.
- Beobachten Sie, ob sich das Stück bewegt oder zum Magneten hingezogen wird.
- Heben Sie das Stück mit dem Magneten an, wenn es haftet.
Bei Ketten lohnt es sich, den Verschluss separat zu prüfen. Viele Verschlüsse enthalten Stahlfedern, die angezogen werden, obwohl die Kette selbst aus Gold ist.
Der Gleittest für Barren und Münzen
Eine verfeinerte Variante eignet sich für flache Barren und große Münzen. Legen Sie das Stück schräg auf eine Unterlage, etwa im Winkel von 45 Grad, und lassen Sie einen starken Magneten langsam darüber gleiten. Bei Gold und Silber wird der Magnet durch Wirbelströme spürbar gebremst. Bei vielen Fälschungsmetallen gleitet er schneller. Dieser Effekt ist bei Silber besonders deutlich, bei Gold schwächer. Ohne Vergleichsstück ist das Ergebnis schwer zu deuten.
Was die Ergebnisse bedeuten
| Ergebnis | Bedeutung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Stück haftet stark am Magneten | Fast sicher kein massives Gold, sondern Eisen, Stahl oder Nickel mit Goldauflage | Nicht kaufen, beim Verkauf nicht als Gold anbieten |
| Stück reagiert leicht | Mögliche Stahlteile (Verschluss, Federn) oder minderwertige Legierung | Teile einzeln prüfen, Säuretest oder Fachprüfung |
| Keine Reaktion | Kein ferromagnetisches Metall in relevanter Menge. Echtheit damit nicht bewiesen | Gewicht, Maße, Punze und ggf. Säuretest prüfen |
Die letzte Zeile ist entscheidend. Kupfer, Messing, Bronze, Zinn, Blei, Aluminium und vor allem Wolfram sind ebenfalls nicht magnetisch. Ein vergoldeter Messingring besteht den Magnettest genauso wie ein echter Goldring. Fälscher wissen das und verwenden deshalb gezielt nicht magnetische Grundmetalle.
Warum der Magnettest Wolfram-Fälschungen nicht erkennt
Die gefährlichsten Goldfälschungen haben einen Kern aus Wolfram. Wolfram ist nicht magnetisch und hat fast dieselbe Dichte wie Gold. Ein Barren mit Wolframkern und einer dicken Goldummantelung wiegt deshalb so viel wie ein echter Barren, passt in die richtigen Maße und reagiert nicht auf Magnete. Solche Fälschungen lassen sich nur mit Ultraschall, Leitfähigkeitsmessung oder durch Aufbohren sicher erkennen. Mehr dazu im Ratgeber Wie prüfe ich, ob Gold echt ist.
Weißgold, Rotgold und Spezialfälle
Nicht jedes echte Goldstück verhält sich identisch:
- Weißgold mit Nickel: Ältere Weißgoldlegierungen enthalten teils Nickel, das ferromagnetisch ist. Bei einem hohen Nickelanteil kann ein echter Weißgoldring minimal auf einen Neodym-Magneten reagieren. Moderne Weißgoldlegierungen in der EU enthalten wegen Allergierisiken meist Palladium statt Nickel.
- Lote und Federn: Kleine Bauteile aus Stahl in Ohrringen, Broschen und Verschlüssen reagieren auf Magnete, obwohl das Schmuckstück aus Gold ist.
- Goldmünzen mit Fassung: Münzen, die als Anhänger gefasst sind, haben oft eine Fassung aus einer anderen Legierung.
Ein Stück, das teilweise reagiert, ist also nicht automatisch gefälscht. Es braucht dann eine genauere Prüfung.
Welche Tests nach dem Magnettest sinnvoll sind
Der Magnettest ist ein Filter, kein Urteil. Wer sicher gehen will, kombiniert mehrere Methoden:
- Stempel prüfen: Ist eine Feingehaltspunze wie 585 oder 750 vorhanden und plausibel? Hinweise gibt der Ratgeber Goldpunzen lesen.
- Gewicht und Maße vergleichen: Bei Barren und Anlagemünzen gibt es exakte Herstellerangaben. Schon ein Zehntelgramm Abweichung bei einer Unzenmünze ist auffällig.
- Dichte bestimmen: Mit einer genauen Küchenwaage und einem Wasserglas lässt sich die Dichte überschlagen. Die Kennwerte von Gold erklärt der Artikel Gold: Dichte und Eigenschaften.
- Säuretest: Bei Schmuck ist der Strichtest mit Prüfsäuren eine verlässliche Methode, die jeder Goldankäufer beherrscht.
- Professionelle Analyse: Röntgenfluoreszenzgeräte bestimmen die Zusammensetzung der Oberfläche zerstörungsfrei in Sekunden.
Typische Fälschungen und ihr Verhalten am Magneten
Wer weiß, aus welchen Materialien Fälschungen meist bestehen, kann das Ergebnis des Magnettests besser einordnen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Grundmetalle in der Praxis vorkommen und wie sie sich verhalten:
| Material | Magnetisch? | Dichte (g/cm³) | Typischer Einsatz bei Fälschungen |
|---|---|---|---|
| Eisen / Stahl | ja, stark | 7,9 | Billigschmuck mit Goldauflage, Verschlüsse |
| Nickel | ja | 8,9 | ältere Weißgold-Imitate, Unterschichten bei Vergoldung |
| Messing | nein | 8,4 bis 8,7 | vergoldete Ringe, Ketten, Münzimitate |
| Kupfer | nein | 8,96 | Kern von Münzfälschungen, Doublé |
| Blei | nein | 11,3 | früher bei gegossenen Barrenfälschungen |
| Wolfram | nein | 19,25 | hochwertige Barrenfälschungen mit Goldmantel |
Die Tabelle zeigt das Dilemma: Gerade die Fälschungen, die finanziell am gefährlichsten sind, weil sie aussehen und wiegen wie echtes Gold, reagieren nicht auf Magnete. Billige Imitate mit Stahlkern entlarvt der Magnet dagegen zuverlässig. Für Schmuck vom Flohmarkt ist der Test deshalb nützlicher als für einen angeblichen Kilobarren aus unbekannter Quelle.
Häufige Fehler beim Magnettest
Auch beim einfachsten Test lassen sich Fehler machen, die zu falschen Schlüssen führen:
- Zu schwacher Magnet: Ein dekorativer Ferritmagnet spürt geringe Eisenanteile nicht. Wer damit testet, hält ein Stück mit Stahlkern womöglich für unbedenklich.
- Magnet direkt auf Metallunterlage: Liegt das Prüfstück auf einem Stahltisch oder einer Metallschale, zieht der Magnet die Unterlage an, nicht das Stück. Testen Sie auf Holz, Glas oder Kunststoff.
- Nur eine Stelle geprüft: Bei Ketten, Armbändern und Broschen können einzelne Glieder oder Bauteile aus anderem Material bestehen. Prüfen Sie mehrere Stellen.
- Verpackung nicht entfernt: Barren in Blistern mit Metallfolie oder Münzen in Kapseln mit Metallring können das Ergebnis verfälschen. Seriöse Verkäufer erlauben den Test außerhalb der Verpackung, sofern das Siegel dabei nicht zerstört werden muss.
- Bestandenen Test überbewerten: Der häufigste und teuerste Fehler. Kein Magnet der Welt bestätigt die Echtheit eines Goldstücks.
Magnettest beim Kauf auf dem Flohmarkt oder privat
Gerade bei Käufen von Privatpersonen, auf Flohmärkten oder über Kleinanzeigen ist ein Neodym-Magnet in der Tasche sinnvoll. Ein Verkäufer, der einen kurzen Magnettest ablehnt, sollte Sie misstrauisch machen. Aber auch wenn das Stück den Test besteht, sollten Sie bei größeren Beträgen auf einer professionellen Prüfung bestehen oder nur bei etablierten Händlern kaufen. Welche Maschen bei Online-Auktionen verbreitet sind, beschreibt der Ratgeber Gold-Betrug bei Auktionen.
Fazit
Gold ist nicht magnetisch. Ein Stück, das deutlich an einem Magneten haftet, ist kein massives Gold. Umgekehrt sagt ein bestandener Magnettest wenig aus, weil die meisten Fälschungsmetalle ebenfalls nicht magnetisch sind. Nutzen Sie den Magneten als kostenlosen ersten Filter und kombinieren Sie ihn mit Stempel, Gewicht, Maßen und bei Bedarf einer Säure- oder Geräteprüfung. So erkennen Sie die meisten Fälschungen, bevor sie teuer werden.




