Wer einen Nachlass sichtet, findet häufig Schmuckstücke, Uhren oder Brillengestelle, die wie Gold aussehen und sich solide anfühlen, auf denen aber nicht „585“ oder „750“ steht, sondern „Doublé“, „GF“ oder „1/20 14K“. Viele Besitzer hoffen, dass es sich um echtes Gold handelt. Die ehrliche Antwort: Ja, es ist Gold enthalten, aber meist so wenig, dass ein Verkauf zum Goldwert kaum lohnt.
Dieser Ratgeber erklärt, was Doublé ist, wie es hergestellt wird, wie Sie es erkennen, wie viel Gold tatsächlich enthalten ist und welche Verwertungsmöglichkeiten es gibt.
Was ist Doublé?
Doublé, im Englischen „Gold Filled“ oder „Rolled Gold“, ist ein Verbundmaterial. Ein Kern aus einem unedlen Metall, meist Messing oder Tombak, wird mit einer Schicht aus einer Goldlegierung überzogen. Anders als bei der galvanischen Vergoldung wird die Goldschicht nicht elektrochemisch abgeschieden, sondern mechanisch aufgebracht: Ein Goldblech wird unter Hitze und hohem Druck mit dem Grundmetall verbunden und anschließend gemeinsam gewalzt oder gezogen.
Das Ergebnis ist eine deutlich dickere und haltbarere Goldschicht als bei einer gewöhnlichen Vergoldung. Doublé-Schmuck kann jahrzehntelang getragen werden, ohne dass das Grundmetall durchscheint. Deshalb war Doublé im 19. und 20. Jahrhundert ein beliebtes Material für Schmuck, Taschenuhrgehäuse, Brillengestelle, Füllfederhalter und Accessoires, die nach Gold aussehen sollten, aber erschwinglicher sein mussten.
Doublé, Vergoldung und massives Gold im Vergleich
| Merkmal | Massives Gold | Doublé / Gold Filled | Vergoldet (galvanisch) |
|---|---|---|---|
| Aufbau | durchgehend Goldlegierung | unedler Kern mit aufgewalzter Goldschicht | unedler Kern mit hauchdünner Goldschicht |
| Typische Kennzeichnung | 333, 585, 750, 14K, 18K | Doublé, GF, 1/20 14K, 1/10 12K, RG | GP, HGE, vergoldet, vergoldet 1 µ |
| Goldanteil am Gewicht | 33 bis 99,9 % | meist um 5 % Goldlegierung | weit unter 1 % |
| Haltbarkeit der Oberfläche | dauerhaft | sehr lange | begrenzt, nutzt sich ab |
| Ankaufswert | voller Materialwert | gering bis kein | praktisch keiner |
Die Angabe „1/20 14K“ bedeutet: Ein Zwanzigstel des Gesamtgewichts besteht aus 14-karätiger Goldlegierung, also 585er Gold. „1/10 12K“ steht für ein Zehntel des Gewichts aus 12-karätigem Gold. Mehr zu den Feingehalten erklärt der Ratgeber Gold-Feingehalt und Karat-Tabelle.
So erkennen Sie Doublé
Doublé ist oft schwer von massivem Gold zu unterscheiden, weil die Oberfläche tatsächlich aus Gold besteht. Diese Hinweise helfen:
- Kennzeichnung: Die zuverlässigste Spur. Achten Sie auf „Doublé“, „Dublee“, „GF“, „Gold Filled“, „RGP“ (Rolled Gold Plate), „1/20“, „1/10“ oder Kombinationen wie „1/20 12K GF“. Bei alten deutschen Stücken findet sich auch „Doublé“ mit einer Mikrometerangabe.
- Fehlender Feingehaltsstempel: Massives Gold trägt meist eine Punze wie 585 oder 750. Fehlt sie und es steht stattdessen eine Doublé-Angabe, ist der Fall klar.
- Abnutzungsstellen: An stark beanspruchten Kanten kann nach vielen Jahren das Grundmetall durchschimmern, meist gelblich-messingfarben oder rötlich.
- Gewicht: Doublé-Stücke sind etwas leichter als gleich große Stücke aus massivem Gold, weil Messing eine deutlich geringere Dichte hat.
- Säuretest mit Anfeilen: Der Strich von der Oberfläche reagiert wie Gold. Erst beim Anfeilen bis in den Kern zeigt sich das unedle Metall. Wie der Test funktioniert, erklärt der Ratgeber Gold-Säuretest.
Typische Doublé-Gegenstände sind Taschenuhrgehäuse aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Brillengestelle, Manschettenknöpfe, Krawattennadeln, Medaillons, Ketten und Armreifen.
Wie viel Gold steckt in Doublé?
Rechnen wir ein Beispiel durch. Ein Armband aus Doublé mit der Kennzeichnung „1/20 14K“ wiegt 20 Gramm. Ein Zwanzigstel davon ist 585er Gold: 20 g ÷ 20 = 1 Gramm Goldlegierung. Dieses eine Gramm enthält 1 × 0,585 = 0,585 Gramm Feingold. Bei einem angenommenen Goldpreis von 110 Euro pro Gramm entspricht das einem theoretischen Goldwert von rund 64 Euro.
Das klingt nicht schlecht, aber in der Praxis erhalten Sie diesen Betrag nicht. Das Gold ist fest mit dem Messing verbunden. Um es zurückzugewinnen, muss das gesamte Stück eingeschmolzen und aufwendig geschieden werden. Die Kosten dafür übersteigen bei Einzelstücken den Goldwert meist deutlich.
Bei Doublé ohne Angabe des Anteils, etwa nur mit „Doublé“ gekennzeichnet, ist der Goldanteil oft noch geringer. Ältere deutsche Doublé-Waren hatten häufig Goldauflagen von nur wenigen bis einigen zehn Mikrometern.
Warum Ankäufer Doublé meist ablehnen
Die meisten Goldankäufer und Edelmetallhändler kaufen Doublé nicht oder nur zu symbolischen Preisen an. Die Gründe:
- Der Goldanteil ist gering und lässt sich nur mit hohem Aufwand trennen.
- Messing und andere Grundmetalle verunreinigen beim Einschmelzen das Gold und erhöhen die Scheidekosten.
- Ohne Analyse ist der genaue Goldgehalt unbekannt.
- Die Mengen, die Privatpersonen anbieten, sind zu klein für eine wirtschaftliche Verarbeitung.
Nur einige Scheideanstalten nehmen größere Mengen Doublé oder Gold Filled an, etwa ab mehreren Kilogramm, und vergüten nach Analyse. Für einzelne Stücke ist das kein realistischer Weg. Was eine Scheideanstalt leistet, beschreibt der Ratgeber Scheideanstalt.
Wann Doublé trotzdem einen Wert hat
Doublé-Stücke können als Gebrauchsgegenstand, Vintage-Accessoire oder Sammlerobjekt einen Wert haben, der über das Material hinausgeht:
- Taschenuhren: Uhren in Doublé-Gehäusen bekannter Hersteller werden von Uhrensammlern gekauft. Hier zählt das Uhrwerk, nicht das Gehäuse.
- Vintage-Brillen: Gestelle aus Doublé aus den 1920er- bis 1960er-Jahren sind bei Liebhabern gefragt, vor allem von bekannten Marken.
- Jugendstil- und Art-déco-Schmuck: Gut erhaltener Doublé-Schmuck mit interessanter Gestaltung findet Käufer auf Antikmärkten und Online-Plattformen.
- Füllfederhalter: Doublé-Kappen und Beschläge bei Sammlerstücken.
Für solche Stücke sind Antiquitätenhändler, Uhrmacher, Vintage-Läden und Online-Marktplätze die richtigen Adressen, nicht der Goldankauf.
Doublé beim Verkauf von Erbschmuck
Wenn Sie einen gemischten Bestand verkaufen möchten, sortieren Sie Doublé-Stücke vorab aus. Das schützt Sie vor zwei Problemen: Erstens vermeiden Sie Diskussionen über das Gewicht, wenn Doublé versehentlich mit massivem Gold zusammen gewogen wird. Zweitens vermeiden Sie, dass ein unseriöser Ankäufer echtes Gold als „Doublé“ deklariert, um weniger zu zahlen. Wer jedes Stück selbst sortiert und dokumentiert hat, kann das Angebot prüfen. Eine Anleitung zum Umgang mit Erbschmuck gibt der Ratgeber Goldschmuck geerbt.
Weitere goldähnliche Materialien, die oft verwechselt werden
Neben Doublé gibt es weitere Materialien, die wie Gold aussehen und in Nachlässen häufig vorkommen. Die folgende Übersicht hilft bei der ersten Einordnung:
| Material | Aufbau | Goldwert |
|---|---|---|
| Tombak | Kupfer-Zink-Legierung mit hohem Kupferanteil, goldähnlich | keiner |
| Messing | Kupfer-Zink-Legierung, gelblich | keiner |
| Talmi | historische Bezeichnung für vergoldetes Tombak oder Messing | praktisch keiner |
| Vermeil | Sterlingsilber mit Vergoldung | Silberwert, Gold vernachlässigbar |
| Goldlack, Goldfarbe | Lackierung oder Farbe, oft bei Dekoration | keiner |
| PVD- oder IP-Beschichtung | goldfarbene Hartstoffschicht auf Edelstahl | keiner |
Besonders Vermeil wird häufig unterschätzt: Weil der Kern aus Sterlingsilber besteht, hat ein vergoldetes Silberstück zumindest den Silberwert. Auf solchen Stücken steht meist der Silberstempel 925.
Doublé in historischer Perspektive
Doublé erlebte seine Blütezeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Mit der Industrialisierung wuchs die Nachfrage nach Schmuck, Uhren und Accessoires, die nach Gold aussahen, aber für breitere Schichten bezahlbar waren. In Deutschland war Pforzheim ein Zentrum der Doublé-Herstellung, in den USA die Region um Providence und Attleboro. Viele Taschenuhrgehäuse mit Doublé-Gehäuse wurden mit Garantieangaben wie „garantiert 10 Jahre“ oder „garantiert 20 Jahre“ verkauft. Diese Angaben bezogen sich darauf, wie lange die Goldschicht bei normalem Gebrauch halten sollte, und erlauben heute Rückschlüsse auf die Dicke der Auflage.
Doublé tragen und pflegen
Doublé-Schmuck ist robust und lässt sich wie Goldschmuck tragen. Für die Pflege gilt:
- Mit lauwarmem Wasser, mildem Spülmittel und einem weichen Tuch reinigen.
- Keine scheuernden Mittel und keine Ultraschallbäder bei bereits abgenutzten Stücken verwenden.
- Kontakt mit Chlor, Salzwasser und aggressiven Kosmetika vermeiden.
- An Stellen, an denen das Grundmetall sichtbar wird, kann ein Goldschmied das Stück neu vergolden. Das verbessert die Optik, nicht aber den Materialwert.
Personen mit Nickelallergie sollten bei älteren Doublé-Stücken vorsichtig sein, weil Grundmetalle manchmal Nickel enthalten.
Häufige Fragen
Ist „Gold Filled“ dasselbe wie Doublé?
Im Wesentlichen ja. „Gold Filled“ ist die amerikanische Bezeichnung für Doublé. In den USA ist geregelt, dass der Goldanteil mindestens ein Zwanzigstel des Gesamtgewichts betragen muss.
Was bedeutet „RGP“?
Rolled Gold Plate ist eine Variante mit dünnerer Goldschicht als Gold Filled, häufig mit einem Anteil von 1/40 oder weniger.
Kann ich Doublé zu einem Goldschmied bringen und daraus Gold gewinnen lassen?
Technisch möglich, wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die Kosten übersteigen den Goldwert bei Weitem.
Fazit
Doublé ist kein massives Gold, sondern ein Verbundwerkstoff aus unedlem Kern und aufgewalzter Goldschicht. Die Goldauflage ist deutlich dicker und haltbarer als eine Vergoldung, macht aber typischerweise nur etwa ein Zwanzigstel des Gewichts aus, bei vielen Stücken noch weniger. Weil sich das Gold nur aufwendig zurückgewinnen lässt, kaufen Goldankäufer Doublé meist nicht an. Wert haben Doublé-Stücke vor allem als Vintage-Accessoires, Uhren oder Sammlerobjekte. Sortieren Sie Doublé vor dem Verkauf von Altgold aus, und bewerten Sie massives Gold separat mit dem Goldwert-Rechner.




