Gold ist eines der dichtesten Metalle überhaupt. Diese Eigenschaft lässt sich für eine einfache, zerstörungsfreie Prüfung nutzen, die schon der griechische Gelehrte Archimedes vor über 2.000 Jahren beschrieben haben soll: den Dichtetest im Wasser. Mit einer genauen Waage und einem Glas Wasser können Sie zu Hause feststellen, ob ein Barren, eine Münze oder ein Schmuckstück plausibel aus Gold besteht.

Dieser Ratgeber erklärt das Prinzip, zeigt Schritt für Schritt, wie Sie den Test durchführen, rechnet Beispiele durch und benennt die Grenzen der Methode.

Das Prinzip: Gewicht und Volumen

Die Dichte ist das Verhältnis von Masse zu Volumen. Reines Gold hat eine Dichte von 19,32 Gramm pro Kubikzentimeter. Die meisten Metalle, die zum Fälschen verwendet werden, sind deutlich leichter: Messing etwa 8,5, Kupfer 8,96, Silber 10,49, Blei 11,34. Mehr zu den Eigenschaften von Gold erklärt der Artikel Gold: Dichte und Eigenschaften.

Das Gewicht eines Stücks lässt sich leicht bestimmen. Schwieriger ist das Volumen, gerade bei unregelmäßigen Formen wie Ringen oder Münzen mit Relief. Hier hilft das archimedische Prinzip: Ein Körper, der in Wasser getaucht wird, verdrängt genau so viel Wasser, wie er Volumen hat. Weil ein Kubikzentimeter Wasser fast genau ein Gramm wiegt, entspricht die Gewichtszunahme einer Waage, auf der ein Wasserglas steht, beim Eintauchen des Stücks dem Volumen in Kubikzentimetern.

Was Sie brauchen

  • Eine Feinwaage mit einer Genauigkeit von mindestens 0,01 Gramm, besser 0,001 Gramm für kleine Stücke. Taschen- und Schmuckwaagen mit 0,01 Gramm Auflösung gibt es günstig.
  • Ein kleines Glas oder einen Becher mit Wasser, der auf die Waage passt.
  • Einen dünnen Faden oder Angelschnur, mit dem Sie das Stück aufhängen können.
  • Destilliertes oder abgekochtes Wasser, idealerweise bei Raumtemperatur. Leitungswasser funktioniert auch, ist aber minimal ungenauer.
  • Einen Tropfen Spülmittel, um Luftblasen an der Oberfläche zu vermeiden.

Schritt für Schritt

  1. Trockengewicht bestimmen: Wiegen Sie das saubere, trockene Stück. Notieren Sie das Gewicht als Wert A.
  2. Wasserglas tarieren: Stellen Sie das Glas mit Wasser auf die Waage und setzen Sie die Anzeige auf null.
  3. Stück eintauchen: Hängen Sie das Stück am Faden vollständig ins Wasser. Es darf weder den Boden noch die Wand des Glases berühren. Die Hand mit dem Faden bleibt ruhig.
  4. Gewichtszunahme ablesen: Die Waage zeigt nun eine Gewichtszunahme an. Das ist das Gewicht des verdrängten Wassers. Notieren Sie es als Wert B.
  5. Dichte berechnen: Dichte = A ÷ B.

Wiederholen Sie die Messung zwei- bis dreimal und bilden Sie einen Mittelwert. Kleine Luftblasen, Bewegungen und Temperaturschwankungen können das Ergebnis leicht verfälschen.

Rechenbeispiele

Beispiel 1: Ein 1-Unzen-Goldbarren

Trockengewicht A: 31,10 Gramm. Gewichtszunahme im Wasser B: 1,61 Gramm. Dichte: 31,10 ÷ 1,61 = 19,32 g/cm³. Das entspricht exakt Feingold.

Zum Vergleich ein vergoldeter Messingbarren mit demselben Gewicht: Er hätte ein viel größeres Volumen. Die Gewichtszunahme läge bei etwa 3,66 Gramm, die Dichte bei 31,10 ÷ 3,66 = 8,5 g/cm³. Die Fälschung wäre sofort erkannt.

Beispiel 2: Ein Krügerrand

Trockengewicht: 33,93 Gramm. Der Krügerrand besteht aus 916,7er Gold mit Kupfer. Erwartete Dichte: etwa 17,5 bis 17,9 g/cm³. Gemessen werden etwa 1,91 bis 1,94 Gramm Gewichtszunahme. Liegt das Ergebnis in diesem Bereich, ist die Münze plausibel echt.

Beispiel 3: Ein Ring aus 585er Gold

Trockengewicht: 4,20 Gramm. Gewichtszunahme: 0,30 Gramm. Dichte: 4,20 ÷ 0,30 = 14,0 g/cm³. Das liegt im typischen Bereich für 585er Gold. Weil die Gewichtszunahme sehr klein ist, wirkt sich ein Messfehler von 0,01 Gramm hier bereits deutlich aus: Bei 0,31 Gramm läge das Ergebnis bei 13,5, bei 0,29 Gramm bei 14,5. Für kleine Schmuckstücke ist eine Waage mit 0,001 Gramm Auflösung deshalb sinnvoll.

Typische Dichten nach Feingehalt

Material Typische Dichte (g/cm³)
Feingold 999 19,3
916 (22 Karat) 17,7 bis 17,9
900 (historische Münzen) 17,1 bis 17,3
750 (18 Karat) 15,2 bis 15,9
585 (14 Karat) 12,9 bis 14,6
333 (8 Karat) 10,8 bis 11,8
Sterlingsilber 925 10,3 bis 10,4
Messing 8,4 bis 8,7
Wolfram 19,25

Die Spannen bei den Goldlegierungen ergeben sich aus den unterschiedlichen Beimischungen. Weißgold mit Palladium ist eher am oberen Ende, Rotgold mit viel Kupfer eher am unteren Ende der Spanne.

Was der Test kann und was nicht

Der Dichtetest ist ein wirksames Werkzeug, aber kein Allheilmittel.

Was er kann:

  • Fälschungen aus leichten Metallen wie Messing, Kupfer, Zink oder vergoldetem Silber zuverlässig erkennen.
  • Hinweise auf den ungefähren Feingehalt von Schmuck geben.
  • Bestätigen, dass ein Barren oder eine Münze plausibel zu den Herstellerangaben passt.

Was er nicht kann:

  • Wolframkerne erkennen: Wolfram hat mit 19,25 g/cm³ fast dieselbe Dichte wie Gold. Ein Barren mit Wolframkern besteht den Test. Wie solche Fälschungen erkannt werden, beschreibt der Ratgeber Goldbarren mit Wolframkern.
  • Hohle oder gefüllte Stücke korrekt bewerten: Hohlschmuck enthält Luft, gefüllte Stücke andere Materialien. Die gemessene Dichte ist dann zu niedrig.
  • Schmuck mit Steinen bewerten: Edelsteine haben eine andere Dichte als Gold und verfälschen das Ergebnis.
  • Einen exakten Feingehalt bestimmen: Dafür sind die Spannen der Legierungen zu groß.

Alternative: Volumen über die Abmessungen berechnen

Bei Barren mit regelmäßiger Form gibt es eine zweite Möglichkeit, die Dichte zu überprüfen, ganz ohne Wasser. Sie messen Länge, Breite und Höhe mit einem Messschieber und berechnen das Volumen. Bei einem geprägten Barren mit rechteckiger Form gilt: Volumen = Länge × Breite × Höhe. Teilt man das Gewicht durch dieses Volumen, erhält man die Dichte.

Ein Beispiel: Ein geprägter 10-Gramm-Barren misst 31,0 × 18,0 × 0,93 Millimeter. Das ergibt ein Volumen von 519 Kubikmillimetern, also 0,519 Kubikzentimetern. 10 Gramm geteilt durch 0,519 ergibt 19,3 g/cm³. Die Methode ist allerdings empfindlich: Schon eine Abweichung von wenigen Hundertstelmillimetern bei der Dicke verändert das Ergebnis spürbar. Prägungen und abgerundete Kanten verringern zudem das tatsächliche Volumen. Für eine Plausibilitätsprüfung reicht sie trotzdem, und viele Hersteller geben die Maße ihrer Barren auf der Verpackung oder online an.

Für gegossene Barren mit Trapezform, Münzen und Schmuck ist die Wassermethode deutlich besser geeignet.

Spezielle Geräte für den Dichtetest

Für Sammler und Händler gibt es Dichtewaagen mit einem Aufbau speziell für die hydrostatische Wägung. Sie haben eine Halterung, an der das Stück ins Wasser gehängt wird, und berechnen die Dichte automatisch. Solche Geräte arbeiten genauer und schneller als der Aufbau mit Glas und Faden und kosten je nach Ausführung von einigen hundert bis über tausend Euro. Für den gelegentlichen Gebrauch reicht die einfache Methode mit einer guten Feinwaage.

Häufige Fehlerquellen

  • Luftblasen: Bläschen an der Oberfläche erhöhen scheinbar das Volumen. Ein Tropfen Spülmittel im Wasser und leichtes Bewegen helfen.
  • Berührung des Glases: Berührt das Stück Boden oder Wand, überträgt sich sein Gewicht auf die Waage und verfälscht das Ergebnis völlig.
  • Zu schwerer Faden: Ein dicker Faden verdrängt selbst Wasser. Verwenden Sie dünnes Garn oder Angelschnur und tauchen Sie möglichst wenig Faden ein.
  • Ungenaue Waage: Bei kleinen Stücken ist die Gewichtszunahme gering. Eine Waage mit 0,1 Gramm Auflösung ist für Ringe und kleine Münzen nicht ausreichend.
  • Schmutz und Fett: Verunreinigungen können Luft binden und das Ergebnis verändern.

Den Test mit anderen Prüfungen kombinieren

Am aussagekräftigsten ist der Dichtetest in Kombination mit weiteren Methoden:

  1. Stempel und Herstellerangaben prüfen, siehe Goldpunzen lesen.
  2. Gewicht und Maße mit Feinwaage und Messschieber messen.
  3. Magnettest als schneller Vorfilter, siehe Ist Gold magnetisch?.
  4. Dichtetest wie beschrieben.
  5. Säuretest bei Schmuck, siehe Gold-Säuretest.
  6. Professionelle Prüfung bei Barren aus unsicherer Quelle.

Einen Überblick über alle Methoden gibt der Ratgeber Wie prüfe ich, ob Gold echt ist.

Fazit

Der Dichtetest nach Archimedes ist eine einfache, kostengünstige und zerstörungsfreie Methode, um Gold zu Hause zu prüfen. Sie brauchen nur eine genaue Waage, ein Glas Wasser und einen Faden. Das Trockengewicht geteilt durch die Gewichtszunahme im Wasser ergibt die Dichte. Werte um 19,3 sprechen für Feingold, niedrigere Werte für Legierungen oder Fälschungen. Gegen Wolframkerne ist der Test machtlos, gegen die meisten anderen Fälschungen aber sehr wirksam. Kombiniert mit Stempelprüfung, Maßen und Magnettest ist er ein wertvolles Werkzeug für jeden Goldbesitzer.