Gold ist das dehnbarste aller Metalle. Aus einem einzigen Gramm lässt sich eine Fläche von rund einem halben Quadratmeter Blattgold schlagen. Diese hauchdünnen Blätter werden seit Jahrtausenden verwendet, um Kunstwerke, Altäre, Möbel und Gebäude zu vergolden. In den letzten Jahren ist Blattgold zudem in der Küche angekommen: auf Pralinen, Torten, Burgern, Cocktails und Desserts.
Dieser Ratgeber erklärt, wie Blattgold hergestellt wird, wofür es verwendet wird, wann es essbar ist und warum sein Materialwert trotz des edlen Glanzes gering ist.
Wie Blattgold hergestellt wird
Die Herstellung von Blattgold ist ein altes Handwerk, das Goldschlagen. In Deutschland ist die Stadt Schwabach in Mittelfranken seit Jahrhunderten das Zentrum dieses Handwerks und nennt sich selbst Goldschlägerstadt.
Der Prozess läuft in mehreren Schritten ab:
- Legieren und Gießen: Feingold wird je nach gewünschter Farbe mit kleinen Mengen Silber und Kupfer legiert und zu einem Barren gegossen.
- Walzen: Der Barren wird zu einem dünnen Band gewalzt, das nur noch Bruchteile eines Millimeters stark ist.
- Schneiden: Das Band wird in kleine Quadrate geschnitten.
- Schlagen: Die Quadrate werden zwischen Lagen aus speziellem Papier oder Folie gelegt und mit Hämmern oder Maschinen geschlagen. Dabei dehnt sich das Gold immer weiter aus. Der Vorgang wird mehrfach wiederholt, wobei die Blätter immer wieder geteilt werden.
- Zuschneiden und Einlegen: Die fertigen Blätter werden auf ein Standardmaß geschnitten und zwischen Seidenpapier in kleine Büchlein gelegt.
Am Ende ist das Gold nur noch rund ein Zehntausendstel Millimeter dick, also etwa 0,1 Mikrometer. Ein Blattgoldblatt ist damit so dünn, dass grünliches Licht hindurchscheint, wenn man es gegen eine Lichtquelle hält.
Wie viel Gold steckt in einem Blatt?
Ein Standardblatt hat häufig ein Format von 80 mal 80 Millimetern. Bei einer Dicke von rund 0,1 Mikrometern und der hohen Dichte von Gold ergibt sich ein Gewicht von nur etwa einem Hundertstel Gramm pro Blatt. Ein Büchlein mit 25 Blättern enthält damit insgesamt nur rund 0,3 Gramm Gold.
Zum Vergleich: Ein 1-Gramm-Goldbarren enthält mehr Gold als drei ganze Büchlein Blattgold. Bei einem angenommenen Goldpreis von 100 Euro je Gramm hätte ein Büchlein mit 25 Blättern einen reinen Materialwert von rund 30 Euro, ein einzelnes Blatt von gut einem Euro. Der Verkaufspreis von Blattgold liegt wegen der aufwendigen Herstellung deutlich darüber.
Echtes Blattgold und Schlagmetall
Nicht alles, was golden glänzt und als Blatt verkauft wird, ist Gold. Es gibt zwei grundlegende Varianten:
Echtes Blattgold besteht aus Gold mit hohem Feingehalt, häufig 22 bis 24 Karat. Es läuft nicht an und bleibt dauerhaft glänzend. Es gibt verschiedene Farbtöne, von Zitronengold mit mehr Silber bis zu Rotgold mit mehr Kupfer.
Schlagmetall, auch unechtes Blattgold genannt, besteht aus Messing, also einer Legierung aus Kupfer und Zink. Es ist deutlich günstiger, sieht frisch aufgetragen ähnlich aus, läuft aber mit der Zeit an und muss durch einen Lack geschützt werden. Schlagmetall ist nicht essbar.
Daneben gibt es Blattsilber, das ebenfalls in der Vergoldung und als Lebensmittelzusatz verwendet wird, und Blattaluminium als günstigen Silberersatz.
Verwendung in Kunst und Handwerk
Blattgold hat eine lange Tradition:
- Kirchen und Paläste: Kuppeln, Altäre, Stuck und Statuen werden mit Blattgold veredelt. Bekannte Beispiele sind vergoldete Kirchturmspitzen und Kuppeln, die auch nach Jahrzehnten im Freien glänzen.
- Bilderrahmen und Möbel: Vergolder verwenden Blattgold für Rahmen, Konsolen und Spiegel. Man unterscheidet die Polimentvergoldung, bei der Gold auf einem Tonuntergrund poliert wird, und die Ölvergoldung, bei der das Gold auf eine Klebeschicht aufgelegt wird.
- Ikonen und Buchmalerei: Goldgründe in Ikonen und mittelalterlichen Handschriften wurden mit Blattgold hergestellt.
- Schriften und Schilder: Hochwertige Schilder und Schaufensterbeschriftungen nutzen Blattgold.
Wegen der geringen Goldmenge pro Fläche ist die Vergoldung großer Flächen erstaunlich materialsparend. Die Kosten entstehen vor allem durch die aufwendige Handarbeit.
Essbares Gold: E 175
Gold ist in der Europäischen Union als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 175 zugelassen. Es darf als Farbstoff für bestimmte Lebensmittel verwendet werden, insbesondere für die äußere Verzierung von Süßwaren, Schokoladendekorationen und in Likören. Essbares Gold wird als Blatt, Flocken oder Pulver angeboten.
Für den Einsatz in Lebensmitteln muss das Gold eine hohe Reinheit haben, üblich sind 22 bis 24 Karat. Es darf keine gesundheitlich bedenklichen Legierungsbestandteile enthalten. Achten Sie beim Kauf darauf, dass das Produkt ausdrücklich als essbar oder als Lebensmittelzusatzstoff E 175 gekennzeichnet ist. Dekoratives Blattgold für Bastel- und Vergoldungsarbeiten ist dafür nicht zwingend geeignet.
Ein bekanntes Beispiel für Gold im Lebensmittel ist das Danziger Goldwasser, ein Kräuterlikör mit schwebenden Goldflocken, der seit Jahrhunderten hergestellt wird.
Ist essbares Gold gesund?
Gold ist chemisch äußerst reaktionsträge. Es wird im Verdauungstrakt nicht aufgelöst und nicht vom Körper aufgenommen, sondern unverändert wieder ausgeschieden. Es hat deshalb weder einen Nährwert noch eine besondere gesundheitliche Wirkung. Die in Lebensmitteln verwendeten Mengen gelten nach heutiger Einschätzung als unbedenklich. Behauptungen über heilende oder verjüngende Wirkungen von essbarem Gold sind wissenschaftlich nicht belegt.
Was essbares Gold kostet
Blattgold für die Küche wird in kleinen Packungen angeboten, etwa als Büchlein mit wenigen Blättern, als Flocken in Streudosen oder als Pulver. Die Preise liegen weit über dem reinen Materialwert, weil Herstellung, Verpackung, Lebensmittelzulassung und Handel hohe Kosten verursachen. Für eine Torte reichen oft wenige Blätter oder eine Prise Flocken, sodass die Kosten im Verhältnis zum Effekt überschaubar bleiben.
Essbares Gold richtig verwenden
Wer Speisen mit Blattgold verzieren möchte, sollte einige praktische Tipps beachten. Blattgold ist so leicht und dünn, dass es an trockenen Fingern haftet und beim kleinsten Luftzug davonfliegt. Arbeiten Sie deshalb in einem windstillen Raum, mit trockenen Händen und am besten mit einer Pinzette oder einem weichen, trockenen Pinsel.
Es gibt zwei gängige Formen für die Küche. Lose Blätter liegen zwischen Seidenpapier und lassen sich in Stücke zupfen oder als Ganzes auflegen. Sogenanntes Transferblattgold ist leicht auf einem Trägerpapier fixiert und lässt sich einfacher auf glatte Oberflächen wie Schokolade oder Fondant übertragen, indem man das Papier mit der Goldseite auflegt und sanft andrückt. Für Getränke und Cremes eignen sich Flocken, die einfach aufgestreut werden.
Auf feuchten oder fettigen Oberflächen haftet Blattgold gut. Auf sehr trockenen Flächen hilft ein Hauch Wasser, Zuckersirup oder Speiseöl als Untergrund. Blattgold verträgt Kälte und Wärme, sollte aber nicht stark gerieben oder gekocht werden, weil es zerfällt.
Bewahren Sie Blattgold trocken, staubfrei und flach liegend auf. Da Gold nicht verdirbt, ist es praktisch unbegrenzt haltbar, sofern die Verpackung sauber bleibt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Lebensmittelpackungen bezieht sich vor allem auf Verpackung und Hygiene.
Blattgold als Wertanlage?
Gelegentlich wird Blattgold mit dem Argument beworben, man kaufe damit „echtes Gold“. Das stimmt, aber als Wertanlage taugt Blattgold nicht:
- Der Goldgehalt ist winzig.
- Der Kaufpreis liegt ein Vielfaches über dem Materialwert.
- Ein Rückverkauf an Edelmetallhändler ist praktisch unmöglich, weil die Mengen viel zu klein sind.
- Einmal aufgetragenes Blattgold lässt sich nicht wirtschaftlich zurückgewinnen.
Wer in Gold investieren möchte, sollte zu Barren oder Anlagemünzen greifen. Welche Größe sinnvoll ist, beschreibt der Ratgeber Goldbarren kaufen: welche Größe?.
Die besonderen Eigenschaften dahinter
Dass sich Gold zu so dünnen Blättern schlagen lässt, liegt an seiner Kristallstruktur und seiner außergewöhnlichen Duktilität. Kein anderes Metall lässt sich so stark verformen, ohne zu reißen. Zusammen mit seiner Korrosionsbeständigkeit macht das Gold ideal für dauerhafte Vergoldungen. Mehr zu den physikalischen Eigenschaften erklärt der Ratgeber Gold: Dichte und Eigenschaften. Wie Gold in Technik und Industrie eingesetzt wird, zeigt der Ratgeber Gold in Industrie und Technik.
Fazit
Blattgold wird seit Jahrtausenden durch Goldschlagen hergestellt und ist nur rund ein Zehntausendstel Millimeter dick. Ein Standardblatt enthält nur etwa ein Hundertstel Gramm Gold, ein Büchlein mit 25 Blättern rund 0,3 Gramm. Echtes Blattgold mit hohem Feingehalt ist als Lebensmittelzusatzstoff E 175 zugelassen und gesundheitlich unbedenklich, weil der Körper Gold nicht aufnimmt. Schlagmetall aus Messing sieht ähnlich aus, ist aber weder echtes Gold noch essbar. Als Wertanlage eignet sich Blattgold nicht, weil der Materialwert winzig ist und der Kaufpreis weit darüber liegt. Den aktuellen Goldpreis finden Sie auf der Seite Goldpreis.




