Bevor es Röntgengeräte gab, prüften Goldschmiede und Händler Gold mit einem schwarzen Stein und ein paar Tropfen Säure. Die Methode heißt Strichprobe und ist bis heute in fast jedem Goldankauf und jeder Goldschmiede im Einsatz. Sie ist schnell, günstig und erstaunlich genau, wenn man sie richtig anwendet.
Dieser Ratgeber erklärt, wie der Säuretest funktioniert, welche Ausrüstung Sie brauchen, wie Sie das Ergebnis deuten und wo die Methode an ihre Grenzen stößt. Er richtet sich an Interessierte, die verstehen möchten, wie ihr Schmuck geprüft wird, und an alle, die mit der nötigen Vorsicht selbst testen möchten.
Das Prinzip: Gold widersteht der Säure
Gold ist ein Edelmetall und wird von den meisten Säuren nicht angegriffen. Unedle Metalle wie Kupfer, Messing oder Zink lösen sich dagegen in Salpetersäure auf. Goldlegierungen liegen dazwischen: Je mehr Gold eine Legierung enthält, desto stärkere Säure braucht es, um sie anzugreifen.
Die Prüfsäuren sind deshalb in unterschiedlichen Stärken erhältlich, abgestimmt auf die gängigen Feingehalte. Eine Säure für 585er Gold greift einen Strich aus 333er Gold an, einen Strich aus 585er oder höherem Gold dagegen nicht. Für hohe Feingehalte werden Mischungen aus Salpeter- und Salzsäure verwendet, die selbst Gold langsam lösen.
Die Ausrüstung
| Bestandteil | Funktion |
|---|---|
| Probierstein | schwarzer, sehr feinkörniger Stein (traditionell Lydit oder Kieselschiefer), auf dem ein Metallstrich entsteht |
| Prüfsäuren | Fläschchen mit Säuren für bestimmte Feingehalte, typisch 333, 585, 750, oft auch 916 und 999 |
| Vergleichsnadeln (Probiernadeln) | Nadeln mit bekanntem Feingehalt, um Referenzstriche zu ziehen |
| Schutzhandschuhe und Schutzbrille | Schutz vor Verätzungen |
| Feile oder Schaber | Entfernen einer möglichen Oberflächenschicht an unauffälliger Stelle |
| Wasser und Tuch | Neutralisieren und Reinigen |
Fertige Säuretest-Sets für Gold sind im Fachhandel für Goldschmiedebedarf und online erhältlich. Achten Sie auf vollständige Gefahrenhinweise und eine Anleitung in deutscher Sprache. Die Säuren sind ätzend und gehören nicht in Kinderhände.
Schritt für Schritt: So läuft der Säuretest ab
1. Vorbereitung und Sicherheit
Arbeiten Sie an einem gut belüfteten Platz, ziehen Sie Handschuhe und Schutzbrille an und halten Sie Wasser bereit. Säuredämpfe sollten Sie nicht einatmen.
2. Unauffällige Stelle wählen
Wählen Sie eine Stelle am Schmuckstück, die später nicht sichtbar ist, etwa die Innenseite einer Ringschiene oder den Bereich am Verschluss. Bei vergoldeten Stücken ist nur die oberste Schicht aus Gold. Feilen Sie deshalb vorsichtig eine winzige Kerbe in das Metall, damit Sie auch tiefere Schichten prüfen. Bei wertvollen Stücken, Antiquitäten und Münzen sollten Sie auf das Anfeilen verzichten und das Stück professionell prüfen lassen.
3. Strich ziehen
Reiben Sie das Schmuckstück mit leichtem Druck über den Probierstein, sodass ein etwa zwei Zentimeter langer, gut sichtbarer Metallstrich entsteht. Ziehen Sie daneben mit Vergleichsnadeln bekannter Feingehalte weitere Striche. So sehen Sie später, wie sich echtes Gold eines bestimmten Feingehalts unter der Säure verhält.
4. Säure auftragen
Tragen Sie mit dem Glasstab des Fläschchens einen Tropfen der Prüfsäure quer über die Striche auf. Beginnen Sie mit der Säure für den niedrigsten vermuteten Feingehalt, etwa 333.
5. Beobachten
Beobachten Sie die Striche einige Sekunden bis etwa eine Minute. Je nach Feingehalt und Säure passiert Folgendes:
| Beobachtung | Bedeutung |
|---|---|
| Strich verschwindet sofort, Säure färbt sich grünlich oder schäumt | kein Gold, unedles Metall wie Messing oder Kupfer |
| Strich wird blasser, verfärbt sich bräunlich oder löst sich langsam | Feingehalt unterhalb der verwendeten Säure |
| Strich bleibt unverändert | Feingehalt mindestens so hoch wie die Säure |
6. Feingehalt eingrenzen
Bleibt der Strich unter der 333er Säure bestehen, wiederholen Sie den Test mit der 585er Säure, dann mit der 750er. Der Feingehalt liegt zwischen der höchsten Säure, der der Strich standhält, und der nächsten, die ihn angreift. Ein Strich, der der 585er Säure standhält, sich aber unter der 750er Säure löst, deutet auf einen Feingehalt von mindestens 585 und unter 750 hin, in der Praxis meist auf 585er Gold.
7. Säure neutralisieren
Spülen Sie den Stein und gegebenenfalls das Schmuckstück gründlich mit Wasser ab. Den Probierstein können Sie mit etwas Öl und feinem Schleifpapier wieder reinigen.
Das Ergebnis richtig deuten
Der Vergleich mit den Referenzstrichen ist entscheidend. Wenn sich Ihr Strich genauso verhält wie der Strich der 585er Nadel, liegt der Feingehalt sehr wahrscheinlich in diesem Bereich. Erfahrene Prüfer erkennen auch feine Unterschiede in der Geschwindigkeit, mit der sich ein Strich verfärbt.
Kombinieren Sie das Ergebnis immer mit dem Stempel. Ein Ring mit der Punze 585, der den 585er Test besteht, ist sehr wahrscheinlich echt. Ein Ring mit der Punze 750, der sich schon unter der 585er Säure auflöst, ist entweder falsch gestempelt oder nur vergoldet. Was die einzelnen Punzen bedeuten, erklärt der Ratgeber Goldpunzen lesen.
Die Grenzen des Säuretests
So bewährt die Methode ist, sie hat Schwächen, die Sie kennen sollten:
- Vergoldung und Doublé: Der Test prüft nur das Material, das auf den Stein abgerieben wird. Bei einer dicken Goldauflage auf unedlem Kern kann der Strich wie echtes Gold reagieren. Deshalb ist das Anfeilen wichtig, und auch dann bleibt ein Restrisiko.
- Wolframkerne: Massive Fälschungen mit einem Kern aus Wolfram und einer dicken Goldummantelung lassen sich mit dem Säuretest nicht erkennen, weil die Oberfläche echtes Gold ist. Wie solche Fälschungen auffallen, beschreibt der Ratgeber Wie prüfe ich, ob Gold echt ist.
- Weißgold: Die Rhodiumschicht auf Weißgold verfälscht das Ergebnis an der Oberfläche. Auch hier hilft vorsichtiges Anfeilen, besser ist eine Prüfung per Röntgenfluoreszenz. Mehr zu Weißgold im Artikel Weißgold: Wert und Verkauf.
- Nur grobe Genauigkeit: Der Säuretest ordnet ein Stück einer Feingehaltsstufe zu, misst aber keinen exakten Wert. Für die Abrechnung großer Mengen verwenden Scheideanstalten genauere Verfahren.
- Beschädigung: Ein Strich auf dem Stein trägt minimal Material ab, das Anfeilen hinterlässt eine kleine Kerbe. Für Münzen und Antiquitäten ist das unerwünscht.
Säuretest oder Röntgenfluoreszenz?
Viele professionelle Ankäufer nutzen heute zusätzlich oder statt des Säuretests ein Röntgenfluoreszenzgerät (RFA). Es misst die Zusammensetzung der Oberfläche in Sekunden, ohne das Stück zu beschädigen, und liefert einen genauen Prozentwert für Gold, Silber, Kupfer und weitere Metalle.
| Kriterium | Säuretest | Röntgenfluoreszenz |
|---|---|---|
| Kosten | wenige Euro pro Test | Gerät kostet viele tausend Euro |
| Beschädigung | minimaler Abrieb, ggf. Kerbe | keine |
| Genauigkeit | Feingehaltsstufe | Prozentwert der Oberfläche |
| Erkennung von Vergoldung | nur mit Anfeilen | nur bei dünnen Schichten zuverlässig |
| Erkennung von Wolframkernen | nein | nein |
Beide Methoden prüfen also die Oberfläche bzw. oberflächennahe Schichten. Für Anlagebarren und Münzen mit Verdacht auf einen Fremdkern braucht es andere Verfahren wie Ultraschall oder Leitfähigkeitsmessung.
Sollten Sie selbst testen?
Für Laien ist der Säuretest möglich, aber nicht ohne Risiko. Die Säuren sind ätzend, das Anfeilen kann Schmuck beschädigen, und die Deutung erfordert Übung. Für den einmaligen Check eines geerbten Rings lohnt sich der Kauf eines Sets meist nicht. Fast jeder Goldankauf und jede Goldschmiede führt den Test kostenlos oder gegen eine kleine Gebühr durch und erklärt Ihnen das Ergebnis.
Sinnvoll ist ein eigenes Testset vor allem für Menschen, die regelmäßig mit Altgold zu tun haben, etwa Sammler oder Flohmarkthändler. Als erster Filter vor dem Säuretest eignen sich der Magnettest und die Prüfung von Gewicht und Stempel, siehe Ist Gold magnetisch?.
Säuretest beim Verkauf: Worauf Sie achten sollten
Wenn ein Ankäufer Ihr Gold mit Säure prüft, sollten Sie zusehen können. Ein seriöser Ankäufer zeigt Ihnen den Strich, erklärt, welche Säure er verwendet, und nennt das Ergebnis. Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn ein Stück mit korrektem Stempel angeblich „nur 333“ sein soll, ohne dass Sie den Test sehen. Bitten Sie in diesem Fall um eine zweite Prüfung oder holen Sie eine weitere Meinung ein. Typische Tricks im Ankauf beschreibt der Ratgeber Gold verkaufen zum besten Preis.
Fazit
Der Gold-Säuretest auf dem Probierstein ist eine bewährte, günstige Methode, um Gold von unedlen Metallen zu unterscheiden und den Feingehalt einer Stufe zuzuordnen. Er beruht darauf, dass Gold von Prüfsäuren je nach Feingehalt unterschiedlich stark angegriffen wird. Seine Grenzen liegen bei Vergoldungen, Wolframkernen und Weißgold mit Rhodiumschicht. Für Schmuck reicht der Test meist aus, für Anlagebarren und wertvolle Münzen sind zerstörungsfreie Verfahren besser. Den Wert Ihres geprüften Goldes berechnen Sie mit dem Goldwert-Rechner.




