In vielen Haushalten liegen Medaillen aus Gold oder Silber: zu Olympischen Spielen, zu Jubiläen von Städten und Firmen, mit Porträts von Politikern und Künstlern, zu Weltraummissionen oder religiösen Anlässen. Viele davon wurden in den 1970er bis 2000er Jahren über Anzeigen, Kataloge und Abonnements verkauft, häufig verbunden mit dem Versprechen eines künftigen Sammlerwerts.

Die Realität beim Wiederverkauf ist meist ernüchternd: Die meisten Medaillen bringen heute nur noch ihren Materialwert. Dieser Ratgeber erklärt, worin sich Medaillen von Münzen unterscheiden, wie Sie den Material- und gegebenenfalls Sammlerwert einschätzen und wie Sie Medaillen am besten verkaufen.

Medaille oder Münze?

Merkmal Münze Medaille
Herausgeber Staat oder Zentralbank private Prägeanstalt, Verein, Firma, Stadt
Nennwert ja, z. B. 20 Euro, 1 Dollar nein
gesetzliches Zahlungsmittel ja (formal) nein
Umsatzsteuer beim Kauf (Gold) Anlagegoldmünzen steuerfrei grundsätzlich steuerpflichtig
Umsatzsteuer beim Kauf (Silber) ermäßigt oder Differenzbesteuerung möglich regulärer Satz
typische Auflagen stark variierend oft hohe Auflagen bei Abo-Serien

Der wichtigste Unterschied für Anleger ist die Umsatzsteuer. Goldmedaillen gelten nicht als Anlagegold im Sinne des Umsatzsteuergesetzes, weil sie weder Barren im handelsüblichen Sinn noch gesetzliche Zahlungsmittel sind. Beim Kauf fällt deshalb in der Regel die volle Umsatzsteuer an. Beim Wiederverkauf erhält man aber nur den Materialwert abzüglich Marge. Wer eine Goldmedaille als Wertanlage gekauft hat, liegt deshalb oft schon beim Kauf deutlich im Minus.

Übliche Feingehalte

Goldmedaillen

Feingehalt Häufig bei
999 oder 999,9 moderne Medaillen aus Feingold
986 Medaillen nach dem Vorbild alter Dukaten
916,7 Medaillen nach dem Vorbild von Sovereign und Krügerrand
900 Medaillen nach dem Vorbild historischer Goldmünzen
750, 585, 333 Schmuckmedaillen, Ehrenmedaillen, Anhänger

Silbermedaillen

Feingehalt Häufig bei
1000 oder 999 „Feinsilber“-Medaillen aus Sammelserien
925 Sterlingsilber, Medaillen nach englischem Standard
900, 835, 800 ältere Medaillen und Schützenmedaillen
versilbert Kupfer, Messing oder Tombak mit dünner Silberauflage

Viele Silbermedaillen aus Sammelserien tragen eine Prägung wie „1000 Silber“ oder „999 Feinsilber“ auf dem Rand. Weit verbreitet sind auch vergoldete Silbermedaillen. Sie bestehen aus Silber mit einer hauchdünnen Goldschicht und werden nach ihrem Silbergehalt bewertet, nicht nach Gold. Die Goldauflage hat praktisch keinen Wert.

Woran Sie den Gehalt erkennen

  1. Randprägung oder Stempel: Viele Medaillen tragen den Feingehalt auf dem Rand oder auf der Rückseite.
  2. Zertifikat: Bei Abo-Serien liegt oft ein Zertifikat mit Material, Gewicht und Auflage bei.
  3. Bezeichnungen wie „vergoldet“ oder „Gold plated“: Hinweis auf eine dünne Goldschicht.
  4. Gewicht und Größe: Eine Medaille aus Gold ist für ihre Größe deutlich schwerer als eine aus vergoldetem Silber oder Messing.
  5. Magnettest: Gold und Silber sind nicht magnetisch. Wird die Medaille angezogen, enthält sie Eisen oder Nickel. Mehr im Ratgeber Gold-Magnettest.

Fehlt jede Kennzeichnung, ist Vorsicht geboten. Lassen Sie die Medaille im Zweifel prüfen.

Materialwert berechnen

Die Formel ist dieselbe wie bei Schmuck und Münzen: Gewicht mal Feingehalt mal Preis je Gramm.

Rechenbeispiele mit angenommenen Preisen von 100 Euro je Gramm Feingold und 1 Euro je Gramm Feinsilber:

Medaille Gewicht Feingehalt Feinmetall Materialwert (angenommen)
Goldmedaille 986 3,49 g 0,986 3,44 g Gold 344 €
Goldmedaille 585 10,0 g 0,585 5,85 g Gold 585 €
Feinsilbermedaille 20,0 g 1,000 20,0 g Silber 20 €
Sterlingsilbermedaille, vergoldet 40,0 g 0,925 37,0 g Silber 37 €
Kupfermedaille, vergoldet 25,0 g – – praktisch 0 €

Den aktuellen Wert berechnen Sie mit dem Goldwert-Rechner. Die Silberpreise finden Sie auf der Seite Silberpreis.

Warum die meisten Medaillen keinen Sammlerwert haben

Viele Abo-Serien wurden in sehr hohen Stückzahlen verkauft. Die angeblich limitierten Auflagen waren oft so hoch, dass es heute weit mehr Verkäufer als Käufer gibt. Hinzu kommen weitere Gründe:

  • Es gibt kaum einen organisierten Sammlermarkt für moderne Medaillen.
  • Die Themen sprechen oft nur die ursprüngliche Käufergeneration an.
  • Medaillen haben keinen Nennwert und keine Bindung an ein Währungssystem.
  • Kataloge und Bewertungen fehlen weitgehend.

Ausnahmen gibt es bei historischen Medaillen, etwa Renaissance- und Barockmedaillen, Medaillen bedeutender Medailleure, Medaillen mit niedriger Auflage zu historischen Ereignissen und Ehrenmedaillen mit nachweisbarer Herkunft. Solche Stücke sollten einem Münzhändler oder Auktionshaus gezeigt werden. Wie Sammlerwert grundsätzlich entsteht, erklärt der Ratgeber Sammlerwert oder Goldwert.

Medaillen nach dem Vorbild von Münzen

Manche Medaillen sind Nachahmungen historischer Münzen, etwa „Nachprägungen“ von Dukaten oder Talern. Sie tragen manchmal den Hinweis „Nachprägung“, „Replik“ oder „Copy“. Achten Sie auf dieses Detail, denn es entscheidet, ob es sich um eine echte historische Münze oder eine moderne Medaille handelt. Ein bekanntes Beispiel sind Nachprägungen des Maria-Theresien-Talers, der über Jahrzehnte mit der Jahreszahl 1780 weitergeprägt wurde. Mehr dazu im Ratgeber Maria-Theresien-Taler.

Verkaufswege

Medaille Empfohlener Weg
Goldmedaille ohne Sammlerwert Edelmetallhändler oder Goldankäufer nach Goldwert
Silbermedaillen aus Sammelserien Edelmetallhändler nach Silberwert, bei großen Mengen Scheideanstalt
historische oder seltene Medaillen Münzhändler, Auktionshaus
vergoldete Kupfer- oder Messingmedaillen Flohmarkt, Sammler, Online-Marktplatz

Bei großen Mengen Silbermedaillen kann es sich lohnen, sie gesammelt an eine Scheideanstalt zu geben, die nach Gewicht und Analyse bezahlt. Wie Scheideanstalten arbeiten, erklärt der Ratgeber Scheideanstalt: Was ist das?.

Typische Enttäuschungen und wie man sie vermeidet

  1. Kaufpreis als Maßstab: Der damalige Kaufpreis enthielt Umsatzsteuer, Marketing und Marge. Er ist kein Hinweis auf den heutigen Wert.
  2. „Limitierte Auflage“: Eine Limitierung auf zehntausende Stück ist keine Seltenheit.
  3. Vergoldung mit Gold verwechseln: Vergoldete Silbermedaillen werden nach Silber bewertet.
  4. Zertifikate überschätzen: Ein Zertifikat bestätigt Material und Gewicht, nicht einen Sammlerwert.
  5. Medaillen reinigen: Bei historischen Stücken schadet das dem Wert.

Beispiel: eine typische Medaillensammlung

Angenommen, Sie erben eine Sammlung mit 60 Silbermedaillen einer Abo-Serie zu je 20 Gramm Feinsilber, die der Erblasser über Jahre für jeweils einen deutlich zweistelligen Betrag gekauft hat. Bei einem angenommenen Silberpreis von 1 Euro je Gramm beträgt der Materialwert 60 × 20 = 1.200 Euro. Ein Edelmetallhändler zahlt nach Abzug seiner Marge vielleicht 1.000 bis 1.100 Euro. Der ursprüngliche Kaufpreis der Serie lag womöglich beim Doppelten oder Dreifachen. Diese Differenz ist kein Fehler des Händlers, sondern Folge von Umsatzsteuer, Vertriebskosten und fehlendem Sammlermarkt.

Enthält dieselbe Sammlung zusätzlich drei Goldmedaillen mit je 3,5 Gramm Feingold, kommen bei einem angenommenen Goldpreis von 100 Euro je Gramm rund 1.050 Euro Materialwert hinzu. Wie so oft machen wenige Goldstücke einen großen Teil des Gesamtwerts aus. Hinweise zur Bewertung ganzer Nachlässe gibt der Ratgeber Münzsammlung geerbt: bewerten und verkaufen.

Medaillen bewusst kaufen

Wer heute Medaillen kauft, sollte das aus Freude am Motiv oder als Erinnerung tun, nicht als Geldanlage. Für die Anlage sind Barren und Anlagemünzen deutlich besser geeignet, weil sie geringere Aufschläge haben und bei Gold umsatzsteuerfrei sind. Ein Vergleich findet sich im Ratgeber Goldbarren vs. Goldmünzen.

Häufige Fragen

Kann ich Silbermedaillen bei der Bundesbank umtauschen? Nein. Nur Münzen mit Nennwert, etwa Euro-Gedenkmünzen der Bundesrepublik, werden von der Bundesbank zum Nennwert umgetauscht. Medaillen haben keinen Nennwert.

Lohnt sich das Einschmelzen großer Mengen Silbermedaillen? Privat nicht. Scheideanstalten und Edelmetallhändler schmelzen ohnehin ein, und für Privatpersonen sind Aufwand und Risiko zu hoch.

Haben Olympia-Medaillen oder Ehrenmedaillen einen besonderen Wert? Original verliehene Siegermedaillen oder Ehrenmedaillen mit nachweisbarer Herkunft können für Sammler interessant sein. Massenhaft verkaufte Gedenkmedaillen zu solchen Anlässen dagegen meist nicht.

Steuerlicher Hinweis

Beim Verkauf aus dem Privatvermögen gilt auch für Medaillen die einjährige Spekulationsfrist. Bei Medaillen, die seit Jahrzehnten im Besitz sind, ist der Verkauf steuerfrei. Ein Verlust aus dem Verkauf ist steuerlich nur in Ausnahmefällen relevant.

Fazit

Gold- und Silbermedaillen sind keine Münzen. Sie haben keinen Nennwert, wurden beim Kauf meist mit voller Umsatzsteuer verkauft und haben in den allermeisten Fällen keinen Sammlerwert über dem Material. Prüfen Sie Feingehalt und Gewicht, unterscheiden Sie massive Gold- und Silbermedaillen von vergoldeten oder versilberten Stücken und berechnen Sie den Materialwert. Goldmedaillen und Silbermedaillen aus Sammelserien verkaufen Sie am besten an Edelmetallhändler nach Materialwert. Historische und seltene Medaillen gehören in die Hände eines Münzhändlers oder Auktionshauses.