Vergoldeter Schmuck ist allgegenwärtig: Ketten, Ohrringe und Armbänder in goldener Optik gibt es in Modegeschäften, Kaufhäusern und Online-Shops für wenige Euro. Auch hochwertiger Designerschmuck ist häufig vergoldet. Wer solchen Schmuck verkaufen möchte oder ihn im Nachlass findet, fragt sich: Steckt darin echtes Gold, und hat das einen Wert?
Dieser Ratgeber erklärt, wie Vergoldung funktioniert, wie viel Gold tatsächlich enthalten ist, wie Sie vergoldeten Schmuck erkennen, warum Goldankäufer ihn ablehnen und welche Verkaufsmöglichkeiten es trotzdem gibt.
Wie Vergoldung funktioniert
Bei der Vergoldung wird ein Grundmetall mit einer dünnen Schicht aus Gold oder einer Goldlegierung überzogen. Die häufigste Methode ist die galvanische Vergoldung: Das Schmuckstück wird in ein Bad mit gelöstem Gold getaucht, und durch elektrischen Strom scheidet sich Gold auf der Oberfläche ab. Je länger der Vorgang dauert, desto dicker wird die Schicht.
Typische Grundmetalle sind:
- Messing: günstig, gut verarbeitbar, häufig bei Modeschmuck,
- Edelstahl: robust und hautverträglich, sehr verbreitet bei modernem Schmuck,
- Sterlingsilber: bei hochwertigerem vergoldetem Schmuck, auch Vermeil genannt,
- Kupfer oder Bronze: bei älterem oder dekorativem Schmuck.
Wie dick ist die Goldschicht?
Die Dicke wird in Mikrometern angegeben, also in Tausendstel Millimetern. Typische Werte:
| Bezeichnung | Typische Schichtdicke | Haltbarkeit |
|---|---|---|
| Flash-Vergoldung | unter 0,1 µm | sehr kurz, oft nur Wochen bis Monate |
| Einfache Vergoldung | 0,5 bis 1 µm | Monate bis wenige Jahre |
| Schwere Vergoldung (HGE, „heavy gold electroplate“) | etwa 2 bis 3 µm | einige Jahre |
| Vermeil (nach US-Standard) | mindestens 2,5 µm auf Sterlingsilber | mehrere Jahre |
| Doublé / Gold Filled | deutlich dicker, mechanisch aufgebracht | Jahrzehnte |
Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 50 bis 100 Mikrometer dick. Selbst eine schwere Vergoldung ist also nur einen winzigen Bruchteil davon stark.
Doublé ist keine Vergoldung im engeren Sinn, sondern ein mechanisch verbundener Werkstoff mit viel dickerer Goldschicht. Den Unterschied erklärt der Ratgeber Doublé-Gold.
Wie viel Gold steckt in vergoldetem Schmuck?
Rechnen wir ein Beispiel: Eine vergoldete Kette hat eine Oberfläche von etwa 20 Quadratzentimetern und eine Goldschicht von 1 Mikrometer. Das Volumen der Goldschicht beträgt 20 cm² × 0,0001 cm = 0,002 Kubikzentimeter. Bei einer Dichte von 19,3 Gramm pro Kubikzentimeter ergibt das 0,039 Gramm, also weniger als ein Zwanzigstel Gramm. Häufig wird zudem eine Goldlegierung statt Feingold aufgetragen.
Bei einem angenommenen Goldpreis von 110 Euro pro Gramm entspricht das einem theoretischen Goldwert von rund 4 Euro. Diesen Betrag kann man aber nicht zurückgewinnen, ohne das gesamte Stück aufzulösen, was weit mehr kostet als das enthaltene Gold.
Kennzeichnungen auf vergoldetem Schmuck
Diese Stempel und Angaben deuten auf Vergoldung hin:
| Kennzeichnung | Bedeutung |
|---|---|
| GP, G.P. | Gold Plated, vergoldet |
| HGE, HGP | Heavy Gold Electroplate / Plated, schwere Vergoldung |
| 18K GP, 14K GP | vergoldet mit einer 18- bzw. 14-karätigen Legierung, kein massives Gold |
| GE, EP | Gold Electroplated |
| vergoldet, vergoldet 1 µ | deutsche Angabe, ggf. mit Schichtdicke |
| 925 mit Goldoptik | vergoldetes Sterlingsilber (Vermeil) |
| IP Gold, PVD Gold | goldfarbene Hartstoffbeschichtung, kein Gold |
Besonders irreführend ist die Angabe „18K GP“: Die Zahl 18K klingt nach massivem 750er Gold, bezieht sich aber nur auf die Legierung der hauchdünnen Beschichtung. Massiver Goldschmuck trägt dagegen Stempel wie 585, 750, 14K oder 18K ohne Zusatz. Wie Sie Punzen lesen, erklärt der Ratgeber Goldpunzen lesen.
Weitere Erkennungsmerkmale
Neben dem Stempel helfen diese Hinweise:
- Abriebstellen: An Kanten, Verschlüssen und Innenseiten von Ringen wird die Goldschicht mit der Zeit abgetragen. Darunter kommt Silber, Messing oder Stahl zum Vorschein.
- Hautverfärbung: Grüne oder dunkle Spuren auf der Haut deuten auf Kupfer oder Messing im Grundmetall hin.
- Gewicht: Vergoldeter Schmuck aus Messing oder Stahl ist leichter als gleich großer Goldschmuck. Messing hat weniger als die Hälfte der Dichte von Gold.
- Magnet: Vergoldeter Edelstahl ist teilweise magnetisch, je nach Stahlsorte. Echtes Gold ist nicht magnetisch, siehe Ist Gold magnetisch?.
- Preis beim Kauf: Eine Kette in Goldoptik für 20 Euro kann kein massives Gold sein. Ein Gramm Feingold kostet ein Vielfaches davon.
- Säuretest mit Anfeilen: Die Oberfläche reagiert wie Gold, das angefeilte Innere nicht. Mehr dazu im Ratgeber Gold-Säuretest.
Sonderfall: Vergoldetes Silber (Vermeil)
Schmuck aus vergoldetem Sterlingsilber hat zwar keinen nennenswerten Goldwert, aber einen Silberwert. Ein vergoldeter Silberring mit 5 Gramm Gewicht enthält 4,6 Gramm Feinsilber. Bei einem angenommenen Silberpreis von 1,20 Euro pro Gramm entspricht das rund 5,50 Euro. Das ist wenig, aber mehr als nichts. Silberankäufer kaufen solchen Schmuck zum Silberwert an, abzüglich ihrer Kosten. Erkennbar ist Vermeil am Stempel 925 auf einem goldfarbenen Stück. Mehr zum Verkauf von Silberschmuck im Ratgeber Silberschmuck verkaufen.
Warum Goldankäufer vergoldeten Schmuck ablehnen
Für einen Goldankäufer ist vergoldeter Schmuck wirtschaftlich uninteressant:
- Die Goldmenge ist winzig.
- Die Rückgewinnung des Goldes erfordert eine aufwendige Scheidung des gesamten Materials.
- Das Grundmetall verunreinigt beim Einschmelzen und erhöht die Kosten.
Seriöse Ankäufer sagen Ihnen deshalb offen, dass vergoldete Stücke keinen Ankaufswert haben. Seien Sie misstrauisch, wenn ein Ankäufer massiven Goldschmuck pauschal als „nur vergoldet“ abtut, ohne ihn zu prüfen. Wer seinen Schmuck vorher selbst sortiert und die Stempel kennt, kann solche Behauptungen einordnen. Hinweise gibt der Ratgeber Goldankauf an der Haustür und im Hotel.
Was Sie mit vergoldetem Schmuck tun können
Auch wenn er keinen Goldwert hat, ist vergoldeter Schmuck nicht unbedingt wertlos:
- Designer- und Markenschmuck: Vergoldeter Schmuck bekannter Designer und Marken wird auf Secondhand-Plattformen und in Vintage-Läden gehandelt. Der Wert ergibt sich aus Marke, Design und Zustand.
- Vintage-Modeschmuck: Schmuck aus den 1950er- bis 1980er-Jahren in gutem Zustand findet Sammler.
- Vermeil: Verkauf zum Silberwert an Silberankäufer.
- Neu vergolden: Ein Goldschmied kann abgenutzte Stücke neu vergolden, wenn Sie sie weiter tragen möchten.
- Spenden oder verschenken: Für einfachen Modeschmuck oft die sinnvollste Lösung.
Vergoldete Gegenstände jenseits von Schmuck
Vergoldung findet sich nicht nur an Schmuck. In Haushalten und Nachlässen tauchen regelmäßig weitere vergoldete Gegenstände auf, deren Wert oft überschätzt wird:
- Vergoldetes Besteck: häufig versilbertes oder Edelstahlbesteck mit Goldauflage. Der Goldanteil ist verschwindend gering. Bei massivem Silberbesteck mit Vergoldung zählt der Silberwert.
- Vergoldete Bilderrahmen und Möbelbeschläge: oft mit Blattgold oder Goldbronze verziert. Blattgold ist echtes Gold, aber in so dünnen Schichten, dass kein Materialwert entsteht. Der Wert liegt im Kunsthandwerk.
- Vergoldete Münzen und Medaillen: Unedle Münzen mit Goldauflage wurden oft als Souvenirs oder Sammlereditionen verkauft. Sie haben keinen Goldwert. Echte Goldmünzen wie die Goldmark 2001 sind dagegen massiv.
- Vergoldete Uhren: Gehäuse aus Messing oder Edelstahl mit Goldauflage. Wertbestimmend sind Marke und Uhrwerk.
- Pokale und Ehrenpreise: fast immer vergoldetes Messing oder Zinn.
Faustregel: Ist ein Gegenstand vergoldet und nicht aus massivem Silber, hat er praktisch keinen Edelmetallwert. Ein möglicher Wert ergibt sich nur aus Herkunft, Gestaltung oder Sammlerinteresse.
Warum Hersteller vergolden
Vergoldung erfüllt bei modernem Schmuck vor allem zwei Zwecke: Sie ermöglicht goldene Optik zu einem Bruchteil des Preises von massivem Gold, und sie erlaubt Designs, die in massivem Gold unbezahlbar wären, etwa große, auffällige Statement-Stücke. Für den Käufer ist das ein legitimes Produkt, solange klar gekennzeichnet ist, dass es sich um Vergoldung handelt. Problematisch wird es nur, wenn vergoldete Ware als Gold angeboten oder zu Goldpreisen verkauft wird.
Pflege von vergoldetem Schmuck
Damit die dünne Goldschicht möglichst lange hält:
- Kontakt mit Wasser, Schweiß, Parfüm und Cremes vermeiden.
- Vor dem Duschen, Schwimmen und Sport ablegen.
- Nur mit einem weichen Tuch abwischen, keine Bürsten und keine Reinigungsmittel mit Schleifpartikeln.
- Kein Ultraschall, er kann die Beschichtung lösen.
- Getrennt aufbewahren, damit keine Kratzer entstehen.
Wie massiver Goldschmuck gereinigt wird, erklärt der Ratgeber Goldschmuck reinigen.
Fazit
Vergoldeter Schmuck besteht aus einem unedlen Grundmetall oder Silber mit einer hauchdünnen Goldschicht von meist unter einem bis wenigen Mikrometern. Die enthaltene Goldmenge liegt pro Stück oft unter einem Zwanzigstel Gramm und lässt sich nicht wirtschaftlich zurückgewinnen. Goldankäufer zahlen deshalb nichts für vergoldeten Schmuck. Erkennbar ist er an Kennzeichnungen wie GP, HGE oder 18K GP, an Abriebstellen und am geringeren Gewicht. Vergoldetes Silber hat immerhin den Silberwert, Designer- und Vintagestücke können als Gebrauchsschmuck verkauft werden. Den Wert von echtem Goldschmuck berechnen Sie mit dem Goldwert-Rechner.




