Gold gilt als das edelste aller Metalle. Es rostet nicht, oxidiert an der Luft nicht und behält über Jahrtausende seinen Glanz, wie Funde aus antiken Gräbern zeigen. Umso verwunderter sind viele Menschen, wenn ihr Goldring dunkle Stellen bekommt, eine Kette matt wird oder ein Armband schwarze Streifen auf der Haut hinterlässt. Ist der Schmuck dann unecht?
Meist nicht. Die Erklärung liegt darin, dass Schmuckgold fast nie reines Gold ist, sondern eine Legierung mit anderen Metallen. Dieser Ratgeber erklärt, warum Gold anläuft, welche Faktoren das begünstigen und wie Sie vorbeugen können.
Reines Gold läuft nicht an
Feingold mit 999 Promille ist chemisch äußerst reaktionsträge. Es reagiert weder mit Sauerstoff noch mit Wasser noch mit Schwefelverbindungen der Luft. Deshalb glänzen Goldmünzen und Barren aus Feingold auch nach Jahrzehnten wie neu, sofern sie nicht verschmutzt sind. Wer mehr über die besonderen Eigenschaften des Metalls wissen möchte, findet sie im Ratgeber Gold: Dichte und Eigenschaften.
Für Schmuck ist Feingold aber zu weich. Ein Ring aus 24 Karat würde sich schnell verbiegen und zerkratzen. Deshalb wird Gold mit anderen Metallen legiert, vor allem mit Silber und Kupfer, bei Weißgold zusätzlich mit Palladium oder Nickel, und mit kleinen Mengen Zink.
Die Legierungsmetalle sind die Ursache
Silber und Kupfer sind weniger edel als Gold. Sie reagieren mit Stoffen aus der Umgebung:
- Silber reagiert mit Schwefelverbindungen zu schwarzem Silbersulfid. Dieselbe Reaktion lässt Silberbesteck anlaufen.
- Kupfer bildet mit Sauerstoff und Schwefel dunkle Oxide und Sulfide, mit Feuchtigkeit und Salzen auch grünliche Verbindungen.
Je mehr dieser Metalle eine Legierung enthält, desto eher läuft der Schmuck an. Die Verfärbung betrifft nur die Oberfläche, wo die Legierungsmetalle mit der Umgebung in Kontakt kommen.
Der Feingehalt macht den Unterschied
| Feingehalt | Goldanteil | Anteil anderer Metalle | Neigung zum Anlaufen |
|---|---|---|---|
| 333 (8 K) | 33,3 % | 66,7 % | hoch |
| 375 (9 K) | 37,5 % | 62,5 % | hoch |
| 585 (14 K) | 58,5 % | 41,5 % | mittel |
| 750 (18 K) | 75,0 % | 25,0 % | gering |
| 916 (22 K) | 91,6 % | 8,4 % | sehr gering |
| 999 (24 K) | 99,9 % | 0,1 % | praktisch keine |
Besonders 333er Gold, das in Deutschland häufig für günstigen Schmuck verwendet wird, neigt zum Anlaufen. Es besteht zu zwei Dritteln aus anderen Metallen, vor allem Silber und Kupfer. Bei 750er Gold ist die Verfärbung deutlich seltener. Eine vollständige Übersicht der Legierungen enthält der Ratgeber Gold-Feingehalt und Karat-Tabelle.
Typische Auslöser
Schwefel in der Luft und in Materialien
Schwefelverbindungen sind der wichtigste Auslöser. Sie kommen vor in:
- Luftverschmutzung, besonders in Städten und Industriegebieten,
- Gummi, etwa Gummibändern oder Gummidichtungen,
- Wolle, Filz und manchen Kartons,
- Lebensmitteln wie Eiern, Zwiebeln und Senf,
- Thermalwasser und Schwefelquellen.
Wer Schmuck in einer Schatulle mit Filzeinlage oder in einer Schublade mit Gummibändern aufbewahrt, beschleunigt das Anlaufen.
Chlor
Chlor im Schwimmbad, in Whirlpools und in Reinigungsmitteln greift Goldlegierungen an. Bei häufigem Kontakt kann es nicht nur zu Verfärbungen, sondern bei niedrigen Legierungen auch zu Spannungsrisskorrosion kommen, die den Schmuck brüchig macht. Legen Sie Goldschmuck vor dem Schwimmen und Putzen ab.
Schweiß und Hautchemie
Schweiß enthält Salze, Säuren und Schwefelverbindungen. Die Zusammensetzung ist von Mensch zu Mensch verschieden und verändert sich durch Ernährung, Medikamente, Hormone oder Krankheit. Deshalb läuft derselbe Ring bei einer Person an und bei einer anderen nicht. Auch in der Schwangerschaft oder bei Fieber berichten manche Menschen von plötzlich verfärbtem Goldschmuck.
Kosmetik und Pflegeprodukte
Cremes, Parfüm, Haarspray, Sonnencreme und Make-up hinterlassen Rückstände auf dem Schmuck. Manche Inhaltsstoffe reagieren mit den Legierungsmetallen, andere bilden einfach einen matten Film.
Schwarze Streifen auf der Haut
Ein besonderes Phänomen ist die schwarze Verfärbung der Haut unter einem Goldring oder Armband. Dafür gibt es zwei Hauptursachen:
- Abrieb durch Kosmetik: Viele Make-up-Produkte und Puder enthalten harte Pigmente wie Zinkoxid oder Titandioxid. Sie sind härter als Gold und reiben winzige Metallteilchen ab. Diese feinen Partikel erscheinen auf der Haut schwarz, weil sie das Licht kaum reflektieren.
- Korrosion der Legierung: Schweiß und Schwefelverbindungen lassen Silber und Kupfer an der Oberfläche reagieren. Die dunklen Reaktionsprodukte färben auf die Haut ab.
Die schwarzen Streifen sind in der Regel harmlos und lassen sich mit Wasser und Seife abwaschen. Sie sind kein Hinweis auf unechtes Gold.
Grüne Verfärbung: ein Warnzeichen?
Grüne Ränder auf der Haut entstehen typischerweise, wenn Kupfer mit Schweiß reagiert. Bei echtem Goldschmuck mit hohem Kupferanteil, etwa manchen Rotgoldlegierungen, kann das vorkommen. Häufiger ist eine grüne Verfärbung aber ein Hinweis auf vergoldeten Modeschmuck mit Kupfer- oder Messingkern, dessen dünne Goldschicht abgerieben ist. Wie man vergoldeten Schmuck erkennt, beschreibt der Ratgeber Vergoldeter Schmuck: Wert. Zu Rotgold mit seinem hohen Kupferanteil informiert der Ratgeber Rotgold und Roségold.
Gelbgold, Rotgold und Weißgold im Vergleich
| Goldfarbe | Typische Legierungsmetalle | Verhalten |
|---|---|---|
| Gelbgold | Silber und Kupfer in ähnlichem Anteil | mittleres Anlaufen, abhängig vom Feingehalt |
| Rotgold, Roségold | hoher Kupferanteil | kann dunkler werden, bei Schweiß auch grünliche Spuren |
| Weißgold | Palladium oder Nickel, oft rhodiniert | Rhodiumschicht schützt, nach Abrieb wird gelblicher Ton sichtbar |
Bei Weißgold ist das Bild etwas anders. Die meisten Weißgoldringe sind mit Rhodium beschichtet, einem sehr harten, hellen Platinmetall. Läuft die Rhodiumschicht ab, kommt der leicht gelbliche Ton der eigentlichen Legierung zum Vorschein. Das ist kein Anlaufen im chemischen Sinn, sondern Abnutzung der Beschichtung. Mehr im Ratgeber Weißgold: Wert und Verkauf.
Ist angelaufenes Gold unecht?
Nein, Anlaufen beweist nicht, dass Schmuck unecht ist. Gerade echtes 333er und 585er Gold läuft häufig an. Umgekehrt ist strahlender Glanz auch kein Echtheitsbeweis, denn vergoldeter Schmuck glänzt oft besonders stark. Wer Zweifel an der Echtheit hat, sollte auf Punzen achten und den Schmuck im Zweifel von einem Fachmann prüfen lassen. Einfache Vorprüfungen beschreibt der Ratgeber Wie prüfe ich, ob Gold echt ist.
Für den Wert beim Verkauf spielt Anlaufen keine Rolle. Ankäufer bezahlen nach Gewicht und Feingehalt, nicht nach Glanz. Sie müssen angelaufenen Schmuck vor dem Verkauf also nicht reinigen.
Vorbeugen: So bleibt Goldschmuck schön
- Ablegen bei Kontakt mit Chemikalien: Vor dem Schwimmen, Putzen, Gartenarbeiten und Sport den Schmuck abnehmen.
- Zuletzt anlegen: Schmuck erst nach Cremes, Parfüm und Haarspray anlegen und vor dem Abschminken ablegen.
- Nach dem Tragen abwischen: Ein weiches Baumwolltuch entfernt Schweiß und Rückstände.
- Richtig aufbewahren: Einzeln in weichen, schwefelfreien Beuteln oder einer Schatulle ohne Filz und Gummi lagern. Ein Beutel Silica-Gel bindet Feuchtigkeit.
- Getrennt lagern: Bewahren Sie Goldschmuck getrennt von Silber und Modeschmuck auf. Einzelne Fächer verhindern Kratzer, und Silber braucht ohnehin besonders schwefelarme Bedingungen. Tipps für Silber gibt der Ratgeber Silber anlaufen verhindern.
- Höheren Feingehalt wählen: Wer zu Verfärbungen neigt, ist mit 750er Gold besser bedient als mit 333er oder 585er.
- Regelmäßig professionell reinigen lassen: Juweliere reinigen Schmuck im Ultraschallbad und können Weißgold neu rhodinieren.
Angelaufenes Gold reinigen
Leichte Verfärbungen lassen sich meist mit warmem Wasser, etwas mildem Spülmittel und einer weichen Zahnbürste entfernen. Danach gut abspülen und mit einem weichen Tuch trocknen. Vermeiden Sie Zahnpasta, Backpulver und aggressive Haushaltsmittel, weil sie die Oberfläche zerkratzen können. Eine ausführliche Anleitung enthält der Ratgeber Goldschmuck reinigen.
Wichtig: Historische Goldmünzen sollten Sie niemals reinigen, weil das ihren Sammlerwert zerstören kann. Mehr dazu im Ratgeber Erhaltungsgrade bei Münzen.
Häufige Fragen
Warum läuft mein Ring plötzlich an, obwohl er jahrelang glänzte? Häufig hat sich etwas an den äußeren Bedingungen geändert: neue Kosmetik, ein neues Waschmittel, Medikamente, Ernährungsumstellung oder hormonelle Veränderungen.
Läuft Gold im Tresor an? Feingoldbarren und Anlagemünzen nicht. Schmuck kann in feuchten oder schwefelhaltigen Umgebungen langsam anlaufen.
Kann Anlaufen den Schmuck dauerhaft schädigen? Oberflächliches Anlaufen nicht. Starke und häufige Chlorbelastung kann bei niedrigen Legierungen aber Korrosion verursachen, die das Material schwächt.
Fazit
Reines Gold läuft nicht an, doch Schmuckgold ist eine Legierung mit Silber und Kupfer. Diese Metalle reagieren mit Schwefel, Chlor, Schweiß und Kosmetik und verursachen dunkle Stellen oder schwarze Streifen auf der Haut. Je niedriger der Feingehalt, desto stärker die Neigung zum Anlaufen, besonders bei 333er Gold. Anlaufen ist kein Beweis für unechten Schmuck und mindert den Materialwert nicht. Mit richtiger Aufbewahrung, dem Ablegen bei Kontakt mit Chemikalien und gelegentlicher sanfter Reinigung bleibt Goldschmuck lange schön. Den Materialwert Ihres Schmucks berechnen Sie mit dem Goldwert-Rechner.




