Wer am Samstag auf eine Goldpreis-Seite schaut, sieht oft einen Kurs, der sich den ganzen Tag nicht bewegt. Wer dagegen am Montagmorgen nachsieht, stellt manchmal fest, dass der Preis über Nacht deutlich gesprungen ist. Beides hat mit den Handelszeiten des Goldmarkts zu tun. Gold wird zwar weltweit und fast rund um die Uhr gehandelt, aber nicht am Wochenende.
Dieser Ratgeber erklärt, wann und wo Gold gehandelt wird, wie der Goldpreis entsteht, was am Wochenende passiert und was das für Ihre Käufe und Verkäufe bedeutet.
Ein globaler Markt ohne zentrale Börse
Anders als Aktien wird Gold nicht hauptsächlich an einer einzelnen Börse gehandelt. Der größte Teil des Handels findet außerbörslich statt, im sogenannten Over-the-Counter-Markt zwischen Banken, Händlern, Raffinerien und Großanlegern. Das wichtigste Zentrum dieses Handels ist London. Daneben spielen New York mit der Terminbörse COMEX, Zürich, Hongkong, Singapur, Dubai und Shanghai eine wichtige Rolle.
Weil diese Handelsplätze in verschiedenen Zeitzonen liegen, wandert der Handel im Laufe eines Tages um die Welt:
| Handelszentrum | Hauptaktivität (mitteleuropäische Zeit, grob) |
|---|---|
| Sydney, Tokio, Hongkong, Singapur | ab der Nacht bis zum Vormittag |
| Shanghai | morgens bis nachmittags, mit Nachtsitzung |
| Zürich, London | ab etwa 8 bzw. 9 Uhr bis zum späten Nachmittag |
| New York | ab etwa 14 Uhr bis 23 Uhr |
Die Woche beginnt am Sonntagabend europäischer Zeit, wenn die ersten asiatischen Händler aktiv werden, und endet am Freitagabend mit dem Handelsschluss in New York, gegen 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Dazwischen wird praktisch ununterbrochen gehandelt.
Die Terminbörse COMEX
Ein großer Teil der Preisbildung findet an der New Yorker Terminbörse COMEX statt, die zur CME Group gehört. Gold-Futures werden dort elektronisch fast rund um die Uhr gehandelt, von Sonntagabend bis Freitagabend New Yorker Zeit, mit einer täglichen Pause von einer Stunde am frühen Abend New Yorker Zeit. Die höchsten Umsätze gibt es, wenn sich die Handelszeiten von London und New York überschneiden, also am frühen Nachmittag europäischer Zeit. Wie Futures funktionieren, erklärt der Ratgeber Gold-Futures.
Der LBMA Gold Price
Ein besonderer Referenzpreis ist der LBMA Gold Price, früher bekannt als Gold-Fixing. Er wird zweimal täglich an Londoner Handelstagen in einer elektronischen Auktion ermittelt, um 10:30 Uhr und um 15:00 Uhr Londoner Zeit. Dieser Preis dient als Grundlage für viele Verträge, Bewertungen von Fonds und Abrechnungen zwischen Banken, Minen und Raffinerien.
Für Privatanleger ist der LBMA Gold Price weniger wichtig als der laufende Spotpreis, aber er wird häufig in historischen Statistiken verwendet. An britischen Feiertagen findet keine Auktion statt.
Der Spotpreis und der Preis beim Händler
Der Goldpreis, den Sie auf Websites und in Apps sehen, ist in der Regel der Spotpreis, also der Preis für eine sofortige Lieferung im Großhandel. Er wird meist in US-Dollar je Feinunze angegeben und in Euro umgerechnet. Den aktuellen Kurs finden Sie auf der Seite Goldpreis.
Edelmetallhändler leiten ihre Ankaufs- und Verkaufspreise vom Spotpreis ab. Während der Handelszeiten werden die Preise vieler Händler laufend aktualisiert, oft im Minutentakt. Zum Spotpreis kommen beim Kauf das Aufgeld und beim Verkauf ein Abschlag hinzu.
Was am Wochenende passiert
Von Freitagabend bis Sonntagabend ruht der Großhandel. Der angezeigte Goldpreis entspricht dann dem letzten gehandelten Kurs vom Freitag. Für Käufer und Verkäufer hat das mehrere Folgen:
Händlerpreise werden eingefroren oder mit Puffer versehen. Viele Online-Händler arbeiten am Wochenende mit dem Schlusskurs vom Freitag, setzen aber teils einen Sicherheitsaufschlag oder einen größeren Abstand zwischen Ankauf und Verkauf an. Der Grund: Sie können ihre eigenen Positionen am Wochenende nicht absichern und tragen das Risiko, dass der Preis am Montag deutlich anders eröffnet.
Bestellungen werden teils erst am Montag preislich fixiert. Manche Händler nehmen am Wochenende Bestellungen an, berechnen aber den Preis zum Zeitpunkt der Bearbeitung am nächsten Handelstag. Achten Sie bei Wochenendbestellungen deshalb auf die Bedingungen.
Kurslücken zum Wochenstart. Passieren am Wochenende wichtige politische oder wirtschaftliche Ereignisse, kann der Goldpreis am Sonntagabend deutlich höher oder niedriger eröffnen als am Freitag. Man spricht von einer Kurslücke.
Ladengeschäfte und Filialen. Wer am Samstag in einem Ladengeschäft kauft, bekommt meist einen Preis auf Basis des Freitagskurses, oft mit etwas größerer Spanne als unter der Woche.
Feiertage und ruhige Phasen
An Feiertagen in London oder New York ist der Handel eingeschränkt, etwa zu Weihnachten, Neujahr oder Ostern. Die Umsätze sind dann gering, und die Spreads werden breiter. Auch in den Wochen zwischen Weihnachten und Neujahr sowie im Hochsommer ist der Markt oft ruhiger. Geringe Umsätze können dazu führen, dass einzelne große Aufträge den Preis stärker bewegen als üblich.
Gold an deutschen Börsen
Wer Gold über Wertpapiere kauft, etwa über Xetra-Gold, EUWAX Gold oder andere Gold-ETCs, handelt zu den Börsenzeiten der jeweiligen Handelsplätze:
| Handelsplatz | Typische Handelszeiten |
|---|---|
| Xetra (Frankfurt) | Montag bis Freitag, 9:00 bis 17:30 Uhr |
| Börse Stuttgart | Montag bis Freitag, etwa 8:00 bis 22:00 Uhr |
| außerbörsliche Handelsplätze von Neobrokern | häufig von früh morgens bis spät abends, teils auch am Wochenende mit eingeschränkter Liquidität |
Außerhalb der Hauptbörsenzeiten, insbesondere spät abends und am Wochenende, sind die Spreads bei Gold-ETCs oft größer. Manche außerbörslichen Plattformen bieten zwar auch am Wochenende Kurse an, diese basieren aber nicht auf einem laufenden Großhandel und enthalten meist einen höheren Risikoaufschlag. Hinweise zum Kauf über Apps gibt der Ratgeber Gold über Neobroker kaufen.
Wann ist der beste Zeitpunkt zum Kaufen?
Den perfekten Zeitpunkt kennt niemand, und kurzfristige Preisbewegungen lassen sich nicht vorhersagen. Einige praktische Hinweise helfen aber, unnötige Kosten zu vermeiden:
- Unter der Woche während der Hauptzeiten kaufen: Zwischen etwa 9 und 17 Uhr ist der Markt am liquidesten, und Händler arbeiten mit engen Spannen.
- Wochenendkäufe prüfen: Vergleichen Sie Wochenendpreise mit den Preisen unter der Woche, um zu sehen, ob der Händler einen Aufschlag nimmt.
- Limit-Orders an der Börse nutzen: Bei ETCs schützt eine Limit-Order vor ungünstigen Ausführungen bei großen Spreads.
- Nicht auf Wochenendnachrichten spekulieren: Wer versucht, Kurslücken vorherzusehen, handelt mit hohem Risiko.
- Regelmäßig kaufen: Ein Sparplan oder feste Kauftermine nehmen die Frage nach dem richtigen Moment ab. Mehr dazu im Ratgeber Cost-Average-Effekt bei Gold.
Gibt es typische Muster im Tagesverlauf?
In Foren werden häufig angebliche Muster diskutiert, etwa dass der Goldpreis zu bestimmten Uhrzeiten regelmäßig fällt oder steigt. Einzelne Studien haben zwar zeitweise statistische Auffälligkeiten rund um den Londoner Handelsbeginn oder die US-Eröffnung festgestellt. Solche Muster sind aber nicht stabil, verschwinden oft, sobald sie bekannt werden, und sind für Privatanleger mit Aufgeldern und Spreads praktisch nicht nutzbar. Mehr zur Debatte um Preisbeeinflussung im Artikel Goldpreis-Manipulation: Gibt es Beweise?.
Was tatsächlich zu höheren Schwankungen führt, sind geplante Termine wie die Veröffentlichung von US-Arbeitsmarktdaten, Inflationszahlen oder Zinsentscheidungen der US-Notenbank. Zu diesen Zeitpunkten kann der Goldpreis innerhalb von Minuten deutlich ausschlagen.
Der chinesische Markt
Eine zunehmende Rolle spielt die Shanghai Gold Exchange. Sie handelt in Yuan und hat eigene Handelszeiten, einschließlich einer Nachtsitzung. Der Goldpreis in Shanghai liegt teils über, teils unter dem internationalen Preis, je nach Nachfrage in China und Importbedingungen. An chinesischen Feiertagen, etwa zum Neujahrsfest, ist der Handel in Shanghai geschlossen, was die Liquidität in Asien verringert. Mehr dazu im Ratgeber Shanghai Gold Exchange.
Fazit
Gold wird an fünf Tagen pro Woche fast rund um die Uhr gehandelt, von Sonntagabend bis Freitagabend mitteleuropäischer Zeit. Die wichtigsten Handelszentren sind London, New York mit der COMEX sowie Zürich und die asiatischen Märkte. Der LBMA Gold Price wird zweimal täglich um 10:30 und 15:00 Uhr Londoner Zeit ermittelt. Am Wochenende ruht der Großhandel, und der angezeigte Preis entspricht dem Freitagsschluss. Händler arbeiten dann teils mit Sicherheitsaufschlägen, und am Wochenstart können Kurslücken entstehen. Wer Kosten sparen möchte, kauft unter der Woche während der liquiden Hauptzeiten und nutzt bei Börsenprodukten Limit-Orders.




