Neobroker haben den Wertpapierhandel in Deutschland verändert. Über eine Smartphone-App lassen sich Aktien, ETFs und auch Gold mit wenigen Klicks kaufen, oft mit sehr niedrigen oder gar keinen Ordergebühren. Viele Anbieter ermöglichen zudem Sparpläne ab kleinen Monatsbeträgen. Für Einsteiger wirkt das wie der einfachste Weg zum Gold.

Doch was man beim Neobroker kauft, ist in der Regel kein Goldbarren im eigenen Tresor, sondern ein börsengehandeltes Wertpapier, das sich auf Gold bezieht. Diese Produkte heißen meist ETC, Exchange Traded Commodity. Dieser Ratgeber erklärt, wie Gold-ETCs funktionieren, welche Unterschiede es gibt und worauf Sie bei Kosten, Steuern und Risiken achten sollten.

Was ein Gold-ETC ist

Ein Gold-ETC ist eine Schuldverschreibung, also rechtlich eine Anleihe, deren Wert an den Goldpreis gekoppelt ist. Der Emittent verspricht, den Wert einer bestimmten Goldmenge auszuzahlen. Bei den meisten seriösen Gold-ETCs wird jedes ausgegebene Wertpapier mit physischem Gold hinterlegt, das in einem Tresor eingelagert ist. Das Gold dient als Sicherheit.

Wichtig ist der Unterschied zu einem Fonds: Ein ETF ist Sondervermögen und im Falle einer Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt. Ein ETC ist dagegen eine Schuldverschreibung. Ob und wie gut Anleger bei einer Insolvenz des Emittenten geschützt sind, hängt von der Besicherung ab. Den Vergleich mit physischem Gold beschreibt der Ratgeber Gold vs. ETC.

Drei Typen von Gold-Produkten beim Neobroker

Produkttyp Beispiele Lieferanspruch Besteuerung in Deutschland
deutsche Gold-Inhaberschuldverschreibungen mit Lieferanspruch Xetra-Gold, EUWAX Gold II ja wie physisches Gold, steuerfrei nach einem Jahr
ausländische, physisch besicherte Gold-ETCs Produkte großer internationaler Anbieter meist nein oder nur für Großanleger in der Regel Kapitalerträge mit Abgeltungsteuer
Gold-Zertifikate, Hebelprodukte, CFDs Tracker-Zertifikate, Knock-outs nein Kapitalerträge, hohes Risiko

Deutsche Produkte mit Lieferanspruch

Xetra-Gold der Deutsche Börse Commodities und EUWAX Gold II der Börse Stuttgart sind in Deutschland besonders beliebt. Ein Wertpapier entspricht jeweils einem Gramm Gold, das vollständig physisch hinterlegt ist. Anleger haben einen Anspruch darauf, sich das Gold ab einer bestimmten Mindestmenge ausliefern zu lassen, wobei Kosten anfallen.

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Gewinne aus solchen Produkten mit Lieferanspruch wie Gewinne aus physischem Gold behandelt werden: Nach mehr als einem Jahr Haltedauer sind sie steuerfrei. Innerhalb eines Jahres gelten die Regeln für private Veräußerungsgeschäfte. Mehr dazu im Ratgeber Xetra-Gold und ETC: Besteuerung.

Ausländische Gold-ETCs

Große internationale Anbieter emittieren Gold-ETCs, die häufig in Irland oder auf Jersey ansässig sind. Auch sie sind in der Regel physisch besichert, gewähren Privatanlegern aber meist keinen Anspruch auf Auslieferung. Gewinne werden dann als Kapitalerträge behandelt und unterliegen der Abgeltungsteuer, unabhängig von der Haltedauer. Für langfristige Anleger in Deutschland kann das ein erheblicher Nachteil sein.

Zertifikate und Hebelprodukte

Neobroker bieten oft auch Zertifikate, Optionsscheine, Knock-out-Produkte oder CFDs auf Gold an. Sie sind nicht mit physischem Gold hinterlegt, tragen ein volles Emittentenrisiko und können durch Hebel schnell zum Totalverlust führen. Für die Vermögenssicherung sind sie ungeeignet. Hinweise gibt der Ratgeber Gold mit Hebel: Optionsscheine und Zertifikate.

Den Lieferanspruch prüfen

Ob ein Produkt einen Lieferanspruch hat, steht in den Emissionsbedingungen und im Basisinformationsblatt. In der App ist das nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Name und Emittent des Produkts,
  • Hinweis auf „physische Lieferung“ oder „Lieferanspruch“ für Privatanleger,
  • Mindestmenge und Kosten der Auslieferung,
  • Ort der Lagerung und Verwahrer.

Prüfen Sie vor dem Kauf die ISIN des Produkts. Viele Apps zeigen verschiedene Gold-ETCs nebeneinander an, die sich auf den ersten Blick kaum unterscheiden.

Kosten beim Neobroker

Kostenart Bedeutung
Ordergebühr bei vielen Neobrokern sehr niedrig, teils null bei Sparplänen
Spread Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, abhängig vom Handelsplatz
laufende Produktkosten je nach Produkt von null bis wenige Zehntelprozent pro Jahr
Auslieferungskosten nur bei physischer Lieferung
Fremdkosten des Handelsplatzes bei manchen Brokern zusätzlich

Beachten Sie, dass Neobroker oft nur über einen oder wenige Handelsplätze handeln. Der Spread kann außerhalb der Hauptbörsenzeiten oder bei geringen Umsätzen größer sein. Prüfen Sie den angezeigten Kurs vor der Order und nutzen Sie bei größeren Beträgen eine Limit-Order.

Ein Kostenvergleich mit angenommenen Werten

Die folgenden Zahlen sind angenommene Werte zur Veranschaulichung. Angenommen, ein Anleger investiert 10.000 Euro für zehn Jahre.

Variante Einmalige Kosten (angenommen) Laufende Kosten (angenommen) Kosten über zehn Jahre
Gold-ETC ohne laufende Gebühr, Spread 0,2 % 20 € 0 € rund 40 € inkl. Verkauf
Gold-ETC mit 0,3 % p. a. 20 € rund 30 € pro Jahr rund 340 €
physischer 100-g-Barren, Spanne 4 % rund 400 € eigene Lagerung rund 400 € plus Lagerkosten

Für die meisten Anleger sind die Kostenunterschiede zwischen guten ETCs und größerem physischem Gold überschaubar. Kleinbarren und Münzen mit hohem Aufgeld schneiden schlechter ab.

Sparpläne beim Neobroker

Viele Neobroker bieten Sparpläne auf Gold-ETCs an. Monatlich wird ein fester Betrag investiert, meist ohne Ordergebühr. Das ist eine bequeme Möglichkeit, den Durchschnittskosteneffekt zu nutzen. Wie dieser wirkt und wo seine Grenzen liegen, erklärt der Ratgeber Cost-Average-Effekt bei Gold.

Bei Sparplänen auf Produkte mit Lieferanspruch beginnt die einjährige Spekulationsfrist für jede Sparrate separat. Beim Verkauf gelten in der Regel die zuerst gekauften Anteile als zuerst verkauft.

Risiken, die Sie kennen sollten

Emittentenrisiko

Ein ETC ist eine Schuldverschreibung. Gerät der Emittent in Schwierigkeiten, hängt die Sicherheit der Anleger von der Hinterlegung und der rechtlichen Konstruktion ab. Bei vollständig physisch besicherten Produkten ist dieses Risiko gering, aber nicht null.

Verwahrrisiko beim Broker

Wertpapiere im Depot sind bei einer Insolvenz des Brokers als Sondervermögen geschützt, weil sie dem Kunden gehören. Einige Neobroker arbeiten mit Partnerbanken zusammen, bei denen die Depots geführt werden. Informieren Sie sich, wer Ihre Wertpapiere verwahrt.

Kein direkter Zugriff in Krisen

Wer Gold als Notreserve für extreme Krisen hält, sollte bedenken, dass ein Wertpapier im Depot von funktionierenden Börsen, Banken und Internetverbindungen abhängt. Für diesen Zweck ist physisches Gold in eigener Verwahrung besser geeignet. Der Ratgeber Gold-ETF vs. physisches Gold vergleicht beide Wege.

Verwechslungsgefahr

In Apps stehen ETCs, Zertifikate und Hebelprodukte oft direkt nebeneinander. Ein Fehlkauf eines Knock-out-Produkts statt eines Gold-ETCs kann teuer werden. Prüfen Sie Produktnamen und ISIN genau.

Schritt für Schritt: Gold-ETC beim Neobroker kaufen

  1. Depot eröffnen: Die Kontoeröffnung erfolgt meist vollständig digital mit Identifikation per Video oder App.
  2. Produkt suchen: Geben Sie die ISIN des gewünschten Produkts ein, statt nur nach „Gold“ zu suchen. So vermeiden Sie Verwechslungen mit Zertifikaten oder Hebelprodukten.
  3. Basisinformationsblatt lesen: Dort stehen Kosten, Risiken und ob ein Lieferanspruch besteht.
  4. Order wählen: Für Einmalkäufe empfiehlt sich eine Limit-Order, damit Sie nicht zu einem ungünstigen Kurs kaufen. Alternativ richten Sie einen Sparplan ein.
  5. Handelszeit beachten: Kaufen Sie möglichst während der Hauptbörsenzeiten, wenn die Spreads am engsten sind.
  6. Kaufbeleg aufbewahren: Die Abrechnung dokumentiert Kaufdatum und Kurs, was für die Spekulationsfrist wichtig ist.

Häufige Fragen

Kann ich mir Xetra-Gold oder EUWAX Gold nach Hause liefern lassen? Grundsätzlich ja, ab einer Mindestmenge und gegen Gebühren. Ob und wie das über Ihren Neobroker funktioniert, hängt vom Anbieter ab. Manche Neobroker unterstützen die Auslieferung nicht direkt, dann muss das Wertpapier zuvor zu einer anderen Bank übertragen werden.

Sind Gold-ETCs bei der Einlagensicherung abgesichert? Nein, die Einlagensicherung gilt für Bankguthaben. Wertpapiere sind als Sondervermögen des Kunden geschützt, das Emittentenrisiko bleibt davon aber unberührt.

Zählt der Freistellungsauftrag bei Xetra-Gold? Gewinne aus Produkten mit Lieferanspruch sind keine Kapitalerträge, sondern private Veräußerungsgeschäfte. Der Sparer-Pauschbetrag greift deshalb nicht, dafür sind sie nach einem Jahr steuerfrei.

Für wen sich Gold beim Neobroker eignet

  • Anleger, die Gold als Beimischung im Wertpapierdepot halten möchten,
  • Sparer mit kleinen monatlichen Beträgen,
  • Anleger, die Gold häufiger umschichten, etwa beim Rebalancing, siehe Rebalancing mit Gold,
  • Menschen, die keinen Platz oder keine Lust auf eigene Lagerung haben.

Wer Gold vor allem als Krisenreserve mit direktem Zugriff sieht, sollte einen Teil physisch halten. Eine Kombination aus beiden Wegen ist für viele Anleger sinnvoll.

Fazit

Neobroker machen den Goldkauf einfach und günstig. Entscheidend ist aber die Produktwahl: Deutsche Gold-Inhaberschuldverschreibungen mit Lieferanspruch wie Xetra-Gold oder EUWAX Gold II werden steuerlich wie physisches Gold behandelt und sind nach einem Jahr steuerfrei. Ausländische Gold-ETCs ohne Lieferanspruch unterliegen dagegen meist der Abgeltungsteuer. Achten Sie auf Lieferanspruch, laufende Kosten, Spread und die ISIN und meiden Sie Hebelprodukte für den Vermögensschutz. Für die Krisenvorsorge mit direktem Zugriff bleibt physisches Gold die bessere Wahl. Den aktuellen Kurs finden Sie auf der Seite Goldpreis.