Wer den Goldpreis verfolgt, sieht oft Nachrichten wie „Gold-Futures steigen um zwei Prozent“ oder „Comex-Gold auf Rekordhoch“. Für viele Privatanleger ist unklar, was damit gemeint ist. Sie kaufen Barren oder Münzen, keine Terminkontrakte. Dennoch spielen Futures eine zentrale Rolle für die Preisbildung, und Bewegungen am Terminmarkt wirken sich direkt auf die Preise aus, zu denen Händler Gold verkaufen.
Dieser Artikel erklärt, was ein Gold-Future ist, wie der Handel funktioniert, welche Begriffe wichtig sind, wie Futures den Spotpreis beeinflussen und warum sie für die meisten Privatanleger kein geeignetes Instrument sind.
Was ist ein Gold-Future?
Ein Future ist ein standardisierter Vertrag, eine bestimmte Menge Gold zu einem festgelegten Preis an einem festgelegten Termin in der Zukunft zu kaufen oder zu verkaufen. Wer einen Future kauft, verpflichtet sich, das Gold am Fälligkeitstag abzunehmen und zu bezahlen. Wer verkauft, verpflichtet sich zur Lieferung.
In der Praxis wird kaum ein Kontrakt tatsächlich erfüllt. Die meisten Marktteilnehmer schließen ihre Position vor Fälligkeit durch ein Gegengeschäft. Futures dienen daher weniger dem physischen Handel als der Absicherung und der Spekulation.
Der bekannteste Gold-Future: COMEX
Der wichtigste Handelsplatz für Gold-Futures ist die COMEX in New York, ein Teil der CME Group. Der Standardkontrakt hat folgende Merkmale:
| Merkmal | Ausgestaltung |
|---|---|
| Kontraktgröße | 100 Feinunzen (rund 3,1 kg) |
| Mindestfeingehalt bei Lieferung | 995 Tausendstel |
| Preisangabe | US-Dollar je Feinunze |
| Liefermonate | mehrere Monate pro Jahr, am meisten gehandelt sind die nächsten aktiven Kontrakte |
| Abwicklung | physische Lieferung über zugelassene Lagerhäuser möglich |
| Handelszeiten | elektronisch fast rund um die Uhr an Werktagen |
Daneben gibt es kleinere Kontrakte für Privatanleger und Kontrakte an anderen Börsen, etwa an der Shanghai Futures Exchange oder in Tokio und Indien. Die COMEX ist aber der wichtigste Referenzmarkt für den in Dollar notierten Goldpreis. Wie Börsenhandel und Londoner Fixing zusammenwirken, beschreibt der Ratgeber Wie entsteht der Goldpreis.
Margin und Hebel
Beim Kauf eines Futures zahlen Sie nicht den vollen Kontraktwert, sondern hinterlegen eine Sicherheitsleistung, die sogenannte Margin. Sie liegt meist im niedrigen bis mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich des Kontraktwerts und wird von der Börse je nach Marktlage angepasst.
Ein vereinfachtes Beispiel mit angenommenen Werten: Ein Kontrakt über 100 Unzen hat bei einem Goldpreis von 2.500 Dollar einen Wert von 250.000 Dollar. Bei einer Margin von 10 Prozent hinterlegen Sie 25.000 Dollar. Steigt der Goldpreis um 5 Prozent, gewinnt der Kontrakt 12.500 Dollar an Wert, ein Gewinn von 50 Prozent auf Ihren Einsatz. Fällt der Goldpreis um 5 Prozent, verlieren Sie 50 Prozent. Fällt er um 10 Prozent, ist Ihre gesamte Margin verloren.
Futures werden täglich bewertet. Verluste werden direkt von Ihrem Konto abgebucht. Sinkt das Guthaben unter eine Mindestgrenze, verlangt der Broker einen Nachschuss, den sogenannten Margin Call. Können Sie nicht nachschießen, wird die Position zwangsweise geschlossen. Genau dieser Mechanismus führte 1980 zum Zusammenbruch der Silberspekulation der Hunt-Brüder, siehe Die Hunt-Brüder und der Silberpreis-Crash.
Contango und Backwardation
Futures mit späterer Fälligkeit notieren meist höher als Futures mit früherer Fälligkeit und höher als der aktuelle Spotpreis. Diesen Zustand nennt man Contango. Er entsteht, weil wer Gold heute kauft und bis zum Liefertermin hält, Finanzierungskosten und Lagerkosten trägt. Der Aufschlag spiegelt im Wesentlichen den Zins wider.
Der umgekehrte Zustand, bei dem spätere Kontrakte billiger sind als frühere, heißt Backwardation. Beim Gold ist sie selten und gilt als Zeichen einer akuten physischen Knappheit, weil Marktteilnehmer bereit sind, für sofort verfügbares Gold mehr zu zahlen.
| Begriff | Bedeutung | Typisch bei Gold |
|---|---|---|
| Contango | spätere Kontrakte teurer als frühere | Normalzustand |
| Backwardation | spätere Kontrakte billiger als frühere | selten, Zeichen von Knappheit |
| Basis | Differenz zwischen Future und Spotpreis | meist positiv |
Rollen: Warum Futures für langfristige Anleger teuer sind
Wer eine Position über den Fälligkeitstermin hinaus halten möchte, muss sie „rollen“: Er verkauft den auslaufenden Kontrakt und kauft einen späteren. Im Contango kauft er dabei teurer, als er verkauft. Über die Zeit summieren sich diese Rollkosten. Für langfristige Goldanleger ist das ein Nachteil gegenüber physischem Gold, das keine Rollkosten verursacht, dafür aber Lagerkosten haben kann.
Wie Futures den Preis im Laden beeinflussen
Der Großteil des täglichen Handelsvolumens bei Gold entfällt auf Futures und den außerbörslichen Handel in London. Der Preis, den Edelmetallhändler für ihre Barren und Münzen ansetzen, orientiert sich am Spotpreis, und dieser steht in enger Verbindung zum nächstfälligen Future. Bewegt sich der Futurepreis, bewegt sich innerhalb von Sekunden auch der Spotpreis.
Arbitrage sorgt dafür, dass sich beide Preise nicht weit voneinander entfernen: Ist der Future im Verhältnis zum Spotpreis zu teuer, kaufen Händler physisches Gold und verkaufen Futures, bis sich die Differenz angleicht.
Für Sie als Käufer von Barren und Münzen bedeutet das: Wenn in New York viele Spekulanten gleichzeitig Futures kaufen oder verkaufen, schlägt sich das direkt in den Händlerpreisen nieder. Kurzfristige Schwankungen des Goldpreises sind deshalb oft eher vom Terminmarkt getrieben als von der physischen Nachfrage. Den aktuellen Spotpreis in Euro finden Sie auf der Seite Goldpreis.
Wer handelt Gold-Futures?
- Produzenten: Minen sichern künftige Verkaufspreise ab, indem sie Futures verkaufen.
- Verarbeiter: Schmuckhersteller und Industrieunternehmen sichern Einkaufspreise ab.
- Banken und Händler: nutzen Futures zur Absicherung ihrer Bestände und für Arbitrage.
- Fonds und Spekulanten: setzen mit Futures auf Preisbewegungen, oft computergesteuert und trendfolgend.
Die US-Aufsichtsbehörde CFTC veröffentlicht wöchentlich den Commitments-of-Traders-Bericht, der zeigt, wie stark welche Gruppen investiert sind. Analysten werten ihn aus, um die Stimmung am Markt einzuschätzen. Sind Spekulanten extrem stark auf steigende Preise positioniert, gilt das manchmal als Warnsignal für eine Korrektur.
Futures und Preismanipulation
Weil am Terminmarkt große Mengen mit vergleichsweise wenig Kapital bewegt werden können, gab es in der Vergangenheit Fälle von Manipulation. Händler einiger Großbanken wurden wegen sogenanntem Spoofing verurteilt, also dem Platzieren von Aufträgen, die nicht ausgeführt werden sollten, um den Preis zu beeinflussen. Was belegt ist und was nicht, beschreibt der Ratgeber Goldpreis-Manipulation.
Physische Lieferung: Wenn Futures doch zu Barren werden
Obwohl die meisten Kontrakte vor Fälligkeit geschlossen werden, ist die physische Lieferung ein wichtiger Bestandteil des Systems. Wer einen Kontrakt bis zur Fälligkeit hält, erhält über die Börse einen Lagerschein für Goldbarren in einem von der Börse zugelassenen Lagerhaus. Die Barren müssen den Anforderungen der Börse entsprechen, etwa beim Feingehalt und bei der Herkunft aus anerkannten Raffinerien.
Die Lagerbestände der COMEX werden täglich veröffentlicht und von Analysten genau beobachtet. Steigende Lieferanforderungen und schrumpfende Bestände gelten als Zeichen einer starken physischen Nachfrage. In bestimmten Phasen, etwa während der Pandemie 2020 oder bei Sorgen um Importzölle, verlagerten Händler große Mengen Gold aus London nach New York, um Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Dabei zeigte sich, wie eng Terminmarkt und physischer Markt miteinander verbunden sind: Barren in London mussten teils in andere Formate umgegossen werden, weil die Börse in New York andere Barrengrößen bevorzugt.
Futures, Optionen und andere Termingeschäfte
Neben Futures gibt es weitere börsengehandelte Instrumente auf Gold:
- Optionen auf Futures: geben das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Future zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Der maximale Verlust für den Käufer ist auf den gezahlten Preis der Option begrenzt.
- CFDs (Differenzkontrakte): außerbörsliche Verträge mit Brokern, die die Preisbewegung nachbilden. Sie sind für Privatanleger in der EU mit Hebelgrenzen und Warnhinweisen versehen, weil die Mehrheit der Privatkunden damit Geld verliert.
- Hebelzertifikate und Optionsscheine: von Banken ausgegebene Wertpapiere mit eingebautem Hebel. Sie tragen zusätzlich das Emittentenrisiko.
All diese Produkte haben gemeinsam, dass sie auf den Goldpreis setzen, ohne dass Sie Gold besitzen.
Sind Futures für Privatanleger geeignet?
Für die meisten Privatanleger lautet die Antwort: nein. Die Gründe:
- Hebel: Kleine Preisbewegungen führen zu großen Gewinnen oder Verlusten. Verluste können den Einsatz übersteigen, wenn Nachschüsse nötig werden.
- Komplexität: Fälligkeiten, Rollen, Margin-Anpassungen und Abrechnungsmodalitäten erfordern Wissen und Aufmerksamkeit.
- Kosten: Rollkosten im Contango, Gebühren und Finanzierungskosten schmälern die Rendite bei langen Haltedauern.
- Steuern: Gewinne aus Termingeschäften unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer, ohne die Steuerfreiheit nach einem Jahr, die für physisches Gold gilt.
- Kein Krisenschutz: Ein Future ist ein Vertrag mit einer Gegenpartei. In einer echten Systemkrise schützt er nicht wie physisches Gold.
Wer Gold als langfristige Absicherung halten möchte, ist mit physischem Gold oder mit börsengehandelten Produkten mit physischer Hinterlegung besser bedient. Einen Vergleich bietet der Ratgeber Physisches Gold oder Xetra-Gold.
Fazit
Gold-Futures sind standardisierte Terminkontrakte, die vor allem an der COMEX gehandelt werden. Sie ermöglichen Absicherung und Spekulation mit hohem Hebel und prägen den täglichen Goldpreis maßgeblich, weil ein großer Teil des Handelsvolumens über sie läuft. Begriffe wie Margin, Contango und Rollen erklären, warum Futures für kurzfristige Profis nützlich, für langfristige Privatanleger aber teuer und riskant sind. Wer Gold besitzen möchte, um sein Vermögen abzusichern, kauft besser das Metall selbst.




