Zentralbanken und Staaten halten zusammen rund ein Sechstel bis ein Fünftel des gesamten jemals geförderten Goldes. Diese offiziellen Goldreserven sind ein wichtiger Teil der Währungsreserven vieler Länder und ein Faktor für den Goldmarkt. Seit einigen Jahren kaufen Zentralbanken in Rekordtempo zu, und die Rangliste der größten Goldbesitzer verändert sich.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Länder mit den größten Goldreserven, ihren Anteil an den gesamten Währungsreserven, die Lagerorte und die Gründe für den aktuellen Kaufboom. Die Zahlen beruhen auf den regelmäßig veröffentlichten Statistiken des Internationalen Währungsfonds und des World Gold Council und sind gerundet. Da sich die Bestände laufend ändern, sollten Sie für aktuelle Werte die jeweils neuesten Veröffentlichungen heranziehen.

Das Ranking der größten Goldreserven

Rang Land Goldreserven (gerundet, Größenordnung)
1 USA rund 8.130 t
2 Deutschland rund 3.350 t
3 Italien rund 2.450 t
4 Frankreich rund 2.440 t
5 Russland rund 2.300 t
6 China rund 2.200–2.300 t (offiziell gemeldet, steigend)
7 Schweiz rund 1.040 t
8 Indien rund 850–880 t
9 Japan rund 850 t
10 Niederlande rund 610 t

Weitere Länder mit bedeutenden Reserven sind die Türkei, Polen, Taiwan, Portugal, Usbekistan, Saudi-Arabien und Großbritannien. Polen hat seine Reserven in den letzten Jahren besonders stark ausgebaut und rückt in der Rangliste nach vorn.

Zusätzlich hält der Internationale Währungsfonds rund 2.800 Tonnen Gold, die Europäische Zentralbank rund 500 Tonnen.

Deutschland: Platz zwei mit rund 3.350 Tonnen

Die Deutsche Bundesbank besitzt die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Sie wurden vor allem in den 1950er und 1960er Jahren aufgebaut, als Deutschland hohe Exportüberschüsse erzielte und im Bretton-Woods-System Dollar in Gold tauschen konnte.

Die Bundesbank lagert ihr Gold an drei Orten:

Lagerort Anteil (gerundet)
Frankfurt am Main (Bundesbank) rund die Hälfte
New York (Federal Reserve Bank) gut ein Drittel
London (Bank of England) rund ein Achtel

Bis 2017 holte die Bundesbank Gold aus Paris und New York nach Frankfurt zurück. Mehr zu den deutschen Reserven im Artikel Goldreserven Deutschlands und der Bundesbank.

Anteil des Goldes an den Währungsreserven

Aussagekräftiger als die absolute Menge ist oft der Anteil des Goldes an den gesamten Währungsreserven eines Landes. Hier gibt es große Unterschiede:

Land Goldanteil an den Währungsreserven (Größenordnung)
USA über 70 %
Deutschland rund 70 %
Italien rund 65–70 %
Frankreich rund 65–70 %
Russland rund 30 %
Schweiz rund 10 %
Indien rund 10 %
China rund 5–7 %
Japan rund 5 %

Die Anteile schwanken mit dem Goldpreis. Steigt Gold, steigt der Anteil, auch ohne Zukäufe. Länder wie China, Japan und die Schweiz haben sehr große Devisenreserven, weshalb der Goldanteil trotz großer Mengen niedrig bleibt. Gerade China wird deshalb häufig als Land mit großem Potenzial für weitere Käufe gesehen. Hintergründe beschreibt der Artikel Chinas Goldreserven: geopolitische Analyse.

Gold pro Kopf

Teilt man die Goldreserven durch die Einwohnerzahl, ergibt sich ein anderes Bild. Die Schweiz liegt mit über 100 Gramm pro Einwohner weit vorne. Deutschland kommt auf rund 40 Gramm pro Kopf, die USA auf rund 24 Gramm. China und Indien liegen trotz großer Reserven wegen ihrer großen Bevölkerung bei nur wenigen Gramm pro Kopf. Allerdings besitzen die Bürger dieser Länder privat große Goldmengen, vor allem in Indien. Mehr zur privaten Nachfrage im Ratgeber Indiens Goldnachfrage.

Die großen Käufer der letzten Jahre

Seit etwa 2010 sind Zentralbanken in Summe Nettokäufer von Gold. In den Jahren 2022, 2023 und 2024 kauften sie jeweils mehr als 1.000 Tonnen, so viel wie seit Jahrzehnten nicht. Zu den größten Käufern zählten:

  • China: meldete über viele Monate in Folge Zukäufe. Analysten vermuten, dass die tatsächlichen Käufe höher sind als die gemeldeten.
  • Polen: baute seine Reserven innerhalb weniger Jahre massiv aus und strebt einen hohen Goldanteil an.
  • Türkei: kauft und verkauft je nach Wirtschaftslage in großen Mengen.
  • Indien: erhöhte seine Reserven kontinuierlich und holte einen Teil aus dem Ausland zurück.
  • Weitere Länder: etwa Tschechien, Ungarn, Singapur, Kasachstan, Usbekistan und mehrere Länder im Nahen Osten.

Einen Überblick über die Rekordkäufe gibt der Artikel Zentralbanken kaufen Gold in Rekordmengen.

Warum Zentralbanken Gold kaufen

  1. Diversifizierung: Viele Länder wollen ihre Abhängigkeit vom US-Dollar verringern.
  2. Sanktionsrisiko: Das Einfrieren russischer Devisenreserven 2022 hat gezeigt, dass im Ausland gehaltene Reserven politisch blockiert werden können. Gold im eigenen Land ist dagegen schwer zugänglich für fremde Staaten.
  3. Kein Ausfallrisiko: Gold ist keine Forderung gegen einen anderen Staat und kann nicht ausfallen.
  4. Langfristiger Werterhalt: Gold hat über lange Zeiträume seine Kaufkraft bewahrt.
  5. Vertrauen in die eigene Währung: Große Goldreserven gelten als Zeichen finanzieller Stärke.

Und wer hat verkauft?

In den 1990er und frühen 2000er Jahren war das Bild umgekehrt. Großbritannien, die Schweiz, die Niederlande, Belgien, Australien und Kanada verkauften große Teile ihrer Reserven. Die Geschichte dieser Verkäufe und das Washingtoner Goldabkommen beschreibt der Artikel Als Zentralbanken Gold verkauften.

Bedeutung für den Goldpreis

Die Käufe der Zentralbanken sind seit einigen Jahren einer der wichtigsten Treiber des Goldpreises. Sie sind weniger preisempfindlich als private Anleger und kaufen auch bei hohen Preisen. Zudem verringern sie das frei verfügbare Angebot, weil Zentralbanken ihr Gold in der Regel langfristig halten. Wie viel Gold insgesamt existiert und wie es sich verteilt, zeigt der Ratgeber Wie viel Gold gibt es auf der Welt.

Die Debatte um die Rückholung

In mehreren Ländern wurde in den vergangenen Jahren über die Rückholung von im Ausland gelagertem Gold diskutiert. Lange Zeit lagerten viele Zentralbanken einen großen Teil ihres Goldes in New York, London oder Paris. Das hatte praktische Gründe: An diesen Finanzplätzen ließ sich Gold schnell verkaufen, verleihen oder als Sicherheit einsetzen. Im Kalten Krieg spielte zudem die Sorge eine Rolle, Gold in Grenznähe zum Ostblock zu lagern.

Seit den 2010er Jahren holten unter anderem Deutschland, die Niederlande, Österreich, Ungarn, Polen und Indien Teile ihrer Reserven ins eigene Land zurück. Begründet wurde das mit Vertrauen, Transparenz und dem Wunsch nach unmittelbarem Zugriff. Die Sanktionen gegen Russlands Zentralbank 2022 haben diese Debatte zusätzlich befeuert.

Was Privatanleger daraus lernen können

Zentralbanken handeln mit langen Zeithorizonten und betrachten Gold als Reserve, die keinen Zins bringt, aber in Krisen verlässlich ist. Ein ähnlicher Gedanke kann auch für Privatanleger gelten: Gold eignet sich als Baustein, der das übrige Vermögen absichert. Wie groß dieser Baustein sein sollte, beschreibt der Ratgeber Wie viel Gold ins Portfolio. Und wie bei den Zentralbanken stellt sich die Frage nach dem Lagerort, die der Ratgeber Lagerung diversifizieren aufgreift.

Wie verlässlich sind die Zahlen?

Die offiziellen Goldreserven werden von den Zentralbanken an den IWF gemeldet. Einige Punkte schränken die Aussagekraft ein:

  • Manche Länder melden Zukäufe verzögert oder nur teilweise.
  • Gold kann von staatlichen Fonds oder anderen Institutionen gehalten werden, die nicht in den offiziellen Reserven erscheinen.
  • Verliehenes oder als Sicherheit hinterlegtes Gold wird nicht immer getrennt ausgewiesen.
  • Unabhängige Prüfungen der Bestände sind nicht überall üblich.

Die Zahlen geben deshalb ein gutes Gesamtbild, sind im Detail aber mit Vorsicht zu interpretieren.

Fazit

Die USA besitzen mit über 8.000 Tonnen die größten Goldreserven der Welt, gefolgt von Deutschland mit rund 3.350 Tonnen sowie Italien und Frankreich mit jeweils rund 2.450 Tonnen. Russland und China haben in den letzten Jahren stark aufgeholt, ebenso Polen, Indien und die Türkei. Während Gold bei den USA und den großen europäischen Ländern rund zwei Drittel der Währungsreserven ausmacht, liegt der Anteil in China und Japan bei nur wenigen Prozent. Zentralbanken kaufen seit Jahren mehr als 1.000 Tonnen jährlich, getrieben von Diversifizierung, Sanktionsrisiken und dem Wunsch nach Werterhalt, und sind damit ein wichtiger Faktor für den Goldpreis. Den aktuellen Kurs finden Sie auf der Seite Goldpreis.