Kaum ein Begriff fällt in der Werbung für Goldsparpläne so oft wie der Cost-Average-Effekt, auf Deutsch Durchschnittskosteneffekt. Die Idee ist einfach: Wer regelmäßig einen festen Betrag investiert, kauft automatisch mehr, wenn der Preis niedrig ist, und weniger, wenn er hoch ist. Dadurch soll der durchschnittliche Einstandspreis sinken.

Das stimmt, aber nur im Vergleich zu einer bestimmten Alternative. Dieser Ratgeber rechnet den Effekt nach, erklärt, was er leistet und was nicht, und zeigt, worauf Sie beim regelmäßigen Goldkauf achten sollten.

Das Prinzip

Beim Cost-Average-Effekt investieren Sie in regelmäßigen Abständen, etwa monatlich, immer denselben Geldbetrag. Die Menge, die Sie dafür erhalten, hängt vom jeweiligen Preis ab:

  • Ist Gold teuer, erhalten Sie für Ihre Sparrate weniger Gramm.
  • Ist Gold günstig, erhalten Sie mehr Gramm.

Weil Sie in Phasen niedriger Preise mehr Menge kaufen, liegt Ihr durchschnittlicher Einstandspreis je Gramm unter dem einfachen Durchschnitt der Kurse während des Zeitraums. Mathematisch entspricht der Einstandspreis dem harmonischen Mittel der Kurse, das immer kleiner oder gleich dem arithmetischen Mittel ist.

Ein Rechenbeispiel

Die folgenden Zahlen sind angenommene Werte und kein realer Kursverlauf. Angenommen, eine Anlegerin investiert sechs Monate lang jeweils 300 Euro in Gold.

Monat Goldpreis je Gramm (angenommen) Gekaufte Menge
1 100 € 3,00 g
2 90 € 3,33 g
3 80 € 3,75 g
4 90 € 3,33 g
5 100 € 3,00 g
6 120 € 2,50 g
Summe – 18,92 g

Investiert wurden insgesamt 1.800 Euro für 18,92 Gramm. Der durchschnittliche Einstandspreis beträgt 1.800 ÷ 18,92 = rund 95,15 Euro je Gramm.

Der einfache Durchschnitt der sechs Kurse liegt dagegen bei (100 + 90 + 80 + 90 + 100 + 120) ÷ 6 = 96,67 Euro. Durch die festen Sparraten hat die Anlegerin also im Schnitt rund 1,52 Euro je Gramm weniger bezahlt als der Durchschnittskurs.

Der Vergleich mit fester Stückzahl

Der Cost-Average-Effekt ist im Vergleich zu einer Strategie sicher, bei der man jeden Monat dieselbe Menge kauft. Wer in unserem Beispiel jeden Monat genau 3,15 Gramm gekauft hätte, hätte genau den Durchschnittskurs von 96,67 Euro bezahlt. Gegenüber dieser Strategie ist der feste Sparbetrag immer gleich gut oder besser.

Strategie Durchschnittlicher Einstandspreis
fester Betrag je Monat (Cost Average) 95,15 €
feste Menge je Monat 96,67 €

Der Vergleich mit der Einmalanlage

Hier beginnt der Teil, den die Werbung gern weglässt. Wer das Geld bereits vollständig zur Verfügung hat, kann es auch auf einmal investieren. Ob das besser oder schlechter ist als ein Sparplan, hängt allein vom Kursverlauf ab:

Szenario Einmalanlage zu Beginn Sparplan
Preis steigt kontinuierlich besser, alles zum niedrigsten Preis gekauft schlechter, spätere Käufe teurer
Preis fällt kontinuierlich schlechter besser, spätere Käufe günstiger
Preis schwankt und endet auf Ausgangsniveau etwa gleich leicht besser durch den Effekt

Weil Gold langfristig tendenziell gestiegen ist, hätte eine Einmalanlage in der Vergangenheit häufig ein besseres Ergebnis gebracht als ein gestreckter Einstieg, sofern das Geld von Anfang an vorhanden war. Diese Erkenntnis gilt für viele Anlageklassen mit langfristig steigender Tendenz.

Beispiel mit steigendem Kurs

Angenommen, der Goldpreis steigt in sechs Monaten gleichmäßig von 100 auf 125 Euro je Gramm (100, 105, 110, 115, 120, 125). Wer 1.800 Euro sofort investiert, erhält 18,00 Gramm. Wer jeden Monat 300 Euro anlegt, erhält 3,00 + 2,86 + 2,73 + 2,61 + 2,50 + 2,40 = 16,09 Gramm. Die Einmalanlage bringt hier fast zwei Gramm mehr.

Was der Cost-Average-Effekt wirklich leistet

Der Effekt ist kein Renditewunder. Seine eigentlichen Stärken liegen woanders:

  1. Er macht Investieren ohne Startkapital möglich. Wer kein großes Vermögen hat, sondern monatlich sparen will, nutzt automatisch den Effekt. Für diese Menschen ist die Einmalanlage gar keine Option.
  2. Er nimmt die Timing-Frage ab. Niemand weiß, ob Gold morgen steigt oder fällt. Ein Sparplan verhindert, dass man alles am Höchststand investiert, und erspart quälende Entscheidungen.
  3. Er reduziert Bedauern. Wer gestaffelt kauft, ärgert sich weniger über einen Kursrückgang kurz nach dem Kauf, weil er dann günstiger nachkauft.
  4. Er schafft Disziplin. Regelmäßiges Sparen wird zur Gewohnheit und läuft auch in Phasen, in denen die Stimmung schlecht ist.
  5. Er nutzt Schwankungen. Je stärker der Goldpreis schwankt, desto größer ist der Unterschied zwischen harmonischem und arithmetischem Mittel. Wie stark Gold schwankt, beschreibt der Ratgeber Gold: Volatilität und Risiko.

Kosten fressen den Effekt

Der Vorteil durch den Cost-Average-Effekt beträgt oft nur wenige Prozent. Kosten können ihn leicht aufzehren. Bei Gold gibt es dafür besonders viele Stellen:

Sparpläne

Viele Goldsparpläne kaufen anteilig Gold, das in einem Sammellager verwahrt wird. Kosten entstehen durch Ausgabeaufschläge, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis, Verwahrgebühren und Gebühren für eine spätere Auslieferung. Vergleichen Sie diese Kosten genau. Einen Überblick über Anbieter gibt der Ratgeber Goldsparplan-Vergleich.

Kleinbarren

Wer den Effekt mit physischen Kleinbarren nutzen will, zahlt bei 1-, 2- oder 5-Gramm-Barren deutlich höhere Aufgelder als bei größeren Einheiten. Ein Sparplan, der monatlich einen 1-Gramm-Barren kauft, verliert durch das Aufgeld mehr, als der Durchschnittskosteneffekt einbringt.

Ein Kostenvergleich mit angenommenen Werten

Variante Aufgeld je Kauf (angenommen) Wirkung auf die Rendite
monatlicher 1-g-Barren 8–10 % übersteigt den Cost-Average-Vorteil deutlich
monatlicher 5-g-Barren 4–6 % häufig höher als der Effekt
Sparplan mit 1–2 % Aufschlag 1–2 % Effekt bleibt teilweise erhalten
quartalsweiser Kauf von 1-Unzen-Münzen 2–4 % Kompromiss aus Kosten und Physis

Eine sinnvolle Lösung kann sein, monatlich auf einem Tagesgeldkonto anzusparen und in größeren Abständen, etwa vierteljährlich oder halbjährlich, eine größere Einheit zu kaufen. Der Cost-Average-Effekt bleibt in abgeschwächter Form erhalten, die Kosten sinken deutlich.

Steuerliche Besonderheit

Bei physischem Gold und Gold, das in einem Sparplan als physischer Bestand zugeordnet wird, beginnt die einjährige Spekulationsfrist für jeden Kauf separat. Wer regelmäßig kauft, hat viele unterschiedliche Kaufdaten. Lassen sich die verkauften Stücke nicht eindeutig einem Kaufdatum zuordnen, etwa bei Sammelverwahrung, wird in der Praxis meist unterstellt, dass die zuerst gekauften Bestände zuerst verkauft werden. Dokumentieren Sie Ihre Käufe sorgfältig. Mehr dazu im Ratgeber Spekulationsfrist bei Gold nachweisen.

Cost Average über längere Zeiträume

Über viele Jahre betrachtet wirkt der Effekt weniger durch einzelne Monate als durch lange Schwächephasen. Ein Beispiel aus der Geschichte: Nach dem Hoch im Jahr 2011 fiel der Goldpreis bis Ende 2015 deutlich. Wer in dieser Zeit regelmäßig weiter kaufte, sammelte über Jahre zu niedrigeren Preisen Gold ein. Als der Goldpreis ab 2019 wieder kräftig stieg, profitierten diese Bestände besonders. Wer dagegen 2011 einmalig investiert hatte, brauchte viele Jahre, um wieder ins Plus zu kommen.

Das zeigt die eigentliche Stärke eines Sparplans: Er hält Anleger in schwierigen Phasen im Markt, während viele Einmalanleger frustriert aussteigen. Die stärksten Beiträge zum späteren Ergebnis stammen oft aus genau den Käufen, die sich zum Zeitpunkt des Kaufs am schlechtesten anfühlten.

Gold, Silber oder beides im Sparplan?

Der Cost-Average-Effekt ist umso ausgeprägter, je stärker ein Preis schwankt. Silber schwankt deutlich stärker als Gold, deshalb ist der rechnerische Effekt dort größer. Gleichzeitig fallen bei physischem Silber in Deutschland Mehrwertsteuer und höhere Lager- und Transportkosten an, weil Silber im Verhältnis zum Wert viel Platz und Gewicht braucht. Wer beide Metalle besparen möchte, findet Hinweise zum Silbersparplan im Ratgeber Silber-Sparplan.

Tipps für die Umsetzung

  1. Betrag realistisch wählen: Ein Betrag, den Sie auch in schwierigen Monaten aufbringen können, sorgt für Kontinuität.
  2. Kosten minimieren: Achten Sie auf niedrige Aufschläge und Verwahrkosten oder sparen Sie auf größere Einheiten an.
  3. Nicht aussetzen, wenn der Preis fällt: Gerade dann kaufen Sie günstig. Wer in Rückgängen pausiert, verliert den Effekt.
  4. Zielquote im Blick behalten: Ein Sparplan sollte zur geplanten Goldquote im Gesamtvermögen passen. Wie Sie sie halten, erklärt der Ratgeber Rebalancing mit Gold.
  5. Vorhandenes Kapital bewusst einsetzen: Haben Sie bereits einen größeren Betrag, können Sie ihn ganz oder in wenigen Tranchen über einige Monate investieren. Beides ist vertretbar, eine Aufteilung über Jahre bringt erfahrungsgemäß keinen Vorteil.

Fazit

Der Cost-Average-Effekt sorgt dafür, dass Sie bei festen Sparraten einen Einstandspreis unter dem Durchschnittskurs erzielen, weil Sie bei niedrigen Preisen mehr Gold kaufen. Gegenüber dem Kauf fester Mengen ist er immer gleich gut oder besser, gegenüber einer Einmalanlage aber nur dann, wenn die Preise im Zeitraum fallen oder stark schwanken. Seine eigentlichen Stärken sind psychologisch und praktisch: Er ermöglicht Vermögensaufbau ohne Startkapital, nimmt die Timing-Frage ab und schafft Disziplin. Hohe Kosten, etwa durch monatliche Kleinbarren, können den Vorteil schnell zunichtemachen. Den aktuellen Goldpreis finden Sie auf der Seite Goldpreis.