Ob Besteck, Kerzenleuchter, Tabletts oder Schmuck: Gegenstände aus Silber und versilberte Gegenstände sehen auf den ersten Blick gleich aus. Beide glänzen hell, beide laufen an, beide wurden über Generationen in denselben Haushalten genutzt. Beim Verkauf trennt sie jedoch ein riesiger Unterschied: Massives Silber hat einen Materialwert, versilberte Ware meist keinen.

Dieser Ratgeber stellt sieben Tests vor, mit denen Sie selbst einschätzen können, ob ein Gegenstand aus massivem Silber besteht oder nur versilbert ist. Einige Tests sind in Sekunden erledigt, andere erfordern etwas Vorsicht. Am Ende steht immer die Empfehlung, bei wertvollen Stücken einen Fachmann hinzuzuziehen.

Was „versilbert“ bedeutet

Versilberte Gegenstände bestehen aus einem unedlen Grundmetall, das mit einer dünnen Silberschicht überzogen ist. Das Grundmetall ist meist:

  • Alpaka (Neusilber): eine Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink, hell und hart, aber ohne Silber,
  • Messing: Kupfer und Zink, gelblich,
  • Kupfer: rötlich, vor allem bei älteren Stücken,
  • Zinn oder Britanniametall: weich, grau.

Die Silberschicht wird galvanisch aufgebracht und ist nur wenige Mikrometer dick. Bei Besteck wird die Menge in Gramm Silber pro 24 Quadratdezimeter Oberfläche angegeben, typisch sind die Zahlen 90 oder 100. Das ergibt pro Löffel nur einen Bruchteil eines Gramms Silber.

Test 1: Den Stempel suchen

Der erste und wichtigste Test ist der Blick auf die Punzierung. Massives Silber trägt in der Regel einen Feingehaltsstempel, versilberte Ware eine Auflagezahl oder eine Herstellermarke.

Stempel Bedeutung
800, 835, 900, 925, 999 massives Silber mit entsprechendem Feingehalt
Halbmond und Krone mit 800 massives deutsches Silber
Sterling, Löwe (britisch) Sterlingsilber 925
90, 100, 120 versilbert, Auflage in Gramm pro 24 dm²
EPNS, EP, A1, Silver Plate versilbert (electroplated)
WMF mit Kugel- oder Strauß-Marken ohne Feingehalt häufig versilbert
Alpaka, Neusilber, Nickel Silver kein Silber, Grundmetall ohne Silberanteil

Achtung: „Nickel Silver“ und „Neusilber“ enthalten trotz des Namens kein Silber. Wie Sie Stempel im Detail lesen, erklärt der Ratgeber Silberstempel erkennen.

Test 2: Abnutzungsstellen prüfen

Versilberte Gegenstände verraten sich oft an Stellen, die viel benutzt wurden. Dort ist die dünne Silberschicht abgerieben, und das Grundmetall schimmert durch:

  • bei Besteck an der Unterseite der Löffelschale, an den Gabelspitzen und an der Rückseite des Griffs,
  • bei Leuchtern und Tabletts an Kanten und Füßen,
  • bei Schmuck an Verschlüssen und Innenseiten.

Ein gelblicher Schimmer deutet auf Messing, ein rötlicher auf Kupfer. Massives Silber zeigt auch an stark benutzten Stellen nur Silber, allenfalls mit feinen Kratzern.

Test 3: Gewicht und Gefühl

Silber ist mit 10,49 Gramm pro Kubikzentimeter dichter als die meisten Grundmetalle. Alpaka und Messing liegen bei etwa 8,4 bis 8,8 Gramm pro Kubikzentimeter. Der Unterschied ist spürbar, aber nicht groß. Bei gleich großen Löffeln fühlt sich massives Silber etwas schwerer an.

Für eine genauere Einschätzung können Sie die Dichte bestimmen. Wiegen Sie das Stück trocken, hängen Sie es dann an einem Faden vollständig in ein Wasserglas auf der Waage und notieren Sie die Gewichtszunahme. Das Trockengewicht geteilt durch die Gewichtszunahme ergibt die Dichte. 925er Silber hat eine Dichte von etwa 10,3 bis 10,4. Bei gefüllten oder hohlen Gegenständen funktioniert dieser Test nicht.

Test 4: Der Magnettest

Silber ist nicht magnetisch. Bleibt ein Gegenstand an einem starken Neodym-Magneten hängen, enthält er Eisen oder Nickel in größerer Menge. Das ist typisch für versilberten Stahl oder für Grundmetalle mit hohem Nickelanteil.

Wie beim Gold gilt aber: Der Umkehrschluss funktioniert nicht. Alpaka, Messing und Kupfer sind ebenfalls nicht magnetisch. Ein bestandener Magnettest beweist nicht, dass es sich um Silber handelt. Mehr zum Prinzip im Artikel Ist Gold magnetisch?, das für Silber genauso gilt.

Test 5: Der Eiswürfeltest

Silber leitet Wärme besser als jedes andere Metall. Legen Sie einen Eiswürfel auf das Stück und zum Vergleich einen zweiten auf einen Gegenstand aus Edelstahl oder Messing. Auf massivem Silber schmilzt das Eis auffällig schnell, weil das Metall die Wärme aus der Umgebung rasch an das Eis weitergibt.

Der Test funktioniert am besten bei flachen, größeren Gegenständen wie Tabletts, Barren oder Münzen. Bei versilberten Stücken bestimmt das Grundmetall die Wärmeleitung, das Eis schmilzt langsamer. Der Test ist anschaulich, aber nur ein Indiz.

Test 6: Silbertestsäure

Wie beim Gold gibt es auch für Silber Prüfsäuren. Eine typische Silbertestsäure verfärbt sich auf Silber charakteristisch, etwa tiefrot bei Feinsilber und heller bei niedrigeren Feingehalten, während sie auf Messing oder Alpaka grünlich oder braun reagiert.

Wichtig: Bei versilberten Stücken reagiert die Säure an der Oberfläche wie bei Silber. Deshalb muss an einer unauffälligen Stelle vorsichtig angefeilt werden, damit die Säure das darunterliegende Metall erreicht. Arbeiten Sie mit Handschuhen und Schutzbrille, und verzichten Sie bei antiken oder wertvollen Stücken auf diesen Test. Die Vorgehensweise ist dem Goldtest sehr ähnlich, siehe Gold-Säuretest.

Test 7: Professionelle Prüfung

Die sicherste Methode ist die Röntgenfluoreszenzanalyse, die Juweliere, Edelmetallankäufer und Scheideanstalten einsetzen. Sie bestimmt die Zusammensetzung zerstörungsfrei in Sekunden. Bei sehr dicken Versilberungen misst auch sie nur die Oberfläche, in der Praxis reicht das aber, weil galvanische Versilberungen dünn sind. Viele Ankäufer bieten die Prüfung kostenlos an.

Die Tests im Überblick

Test Aufwand Aussagekraft Beschädigung
Stempel sehr gering hoch keine
Abnutzungsstellen gering mittel bis hoch keine
Gewicht/Dichte mittel mittel keine
Magnet sehr gering nur zum Ausschließen keine
Eiswürfel gering Indiz keine
Testsäure mittel hoch (mit Anfeilen) gering
Röntgenfluoreszenz beim Fachmann sehr hoch keine

Sonderfälle

Gefüllte Gegenstände: Leuchter, Griffe von Messern und Tortenhebern sowie manche Vasen sind mit Pech oder Zement gefüllt. Sie können aus echtem Silber bestehen, enthalten aber weniger Silber, als das Gewicht vermuten lässt. Wie Sie den Silberanteil schätzen, erklärt der Ratgeber Silberleuchter verkaufen.

Messerklingen: Bei massivem Silberbesteck sind die Klingen fast immer aus Edelstahl, nur der Griff ist aus Silber. Für die Bewertung zählt nur der Griff.

Vergoldetes Silber: Manche Silbergegenstände sind innen oder außen vergoldet, etwa Becher oder Schmuck. Sie tragen trotzdem einen Silberstempel.

Sheffield Plate: Britische Gegenstände des 18. und 19. Jahrhunderts, bei denen Silberblech auf Kupfer aufgewalzt wurde. Sie sind nicht massiv, haben als Antiquitäten aber teils einen Sammlerwert.

Typische Hersteller und ihre Kennzeichnungen

Viele Gegenstände in deutschen Haushalten stammen von wenigen großen Herstellern. Deren Kennzeichnungen helfen bei der Einordnung:

  • WMF (Württembergische Metallwarenfabrik): stellte überwiegend versilberte Waren her, gekennzeichnet mit Firmenzeichen und Auflagezahl wie 90 oder 100. Massive Silberwaren von WMF tragen zusätzlich einen Feingehaltsstempel.
  • Robbe & Berking: bekannt für hochwertiges Besteck, sowohl versilbert (Auflage 150 ist bei diesem Hersteller verbreitet) als auch massiv mit 800 oder 925.
  • Wilkens, Koch & Bergfeld, Bruckmann: traditionelle Silberwarenfabriken, deren Massivsilber mit Halbmond, Krone und 800 oder 835 gestempelt ist. Versilberte Produkte tragen dagegen Auflagezahlen.
  • Christofle (Frankreich): häufig versilbert mit eigenen Marken, massive Stücke tragen französische Feingehaltszeichen.
  • Britische Hersteller: massives Silber mit Hallmarks (Löwe, Stadtzeichen, Jahresbuchstabe), versilberte Ware mit EPNS oder „Silver Plated“.

Eine Herstellermarke allein sagt also nichts über den Silbergehalt aus. Entscheidend ist, ob zusätzlich ein Feingehaltsstempel vorhanden ist.

Häufige Fehleinschätzungen

„Es ist so alt, es muss echtes Silber sein.“ Versilberung wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts industriell betrieben. Auch sehr alte Stücke können versilbert sein.

„Es läuft schwarz an, also ist es Silber.“ Auch versilberte Ware läuft an, solange die Silberschicht intakt ist. Das Anlaufen unterscheidet Silber nicht von Versilberung.

„Das Gewicht ist hoch, also ist viel Silber drin.“ Gefüllte Griffe und Füße täuschen ein hohes Gewicht vor. Bei Besteck mit Hohlgriff zählt nur ein Teil des Gewichts.

„Die Zahl 100 bedeutet 100 Prozent Silber.“ Ein häufiger und teurer Irrtum. Die 100 auf Besteck bedeutet 100 Gramm Silber auf 24 Quadratdezimeter Oberfläche, also eine dünne Versilberung.

Was die Unterscheidung für den Verkauf bedeutet

Für massives Silber zahlen Ankäufer den Materialwert abzüglich eines Abschlags. Für versilberte Gegenstände zahlen sie in der Regel nichts, weil sich die dünne Silberschicht nicht wirtschaftlich zurückgewinnen lässt. Versilberte Stücke lassen sich aber als Gebrauchs- oder Dekorationsobjekte verkaufen, etwa auf Flohmärkten oder online, wenn sie gut erhalten oder gestalterisch interessant sind.

Wenn Sie massives Besteck verkaufen möchten, finden Sie im Ratgeber Silberbesteck verkaufen eine Anleitung zur Wertberechnung. Den Materialwert berechnen Sie mit dem Silberwert-Rechner.

Fazit

Ob ein Gegenstand aus echtem Silber besteht oder nur versilbert ist, lässt sich meist mit wenigen Schritten klären. Der Stempel ist das wichtigste Merkmal: Zahlen wie 800 oder 925 stehen für massives Silber, Angaben wie 90, 100 oder EPNS für Versilberung. Abriebstellen, Gewicht, Magnet und Eiswürfel liefern zusätzliche Hinweise, die Silbertestsäure und die Röntgenfluoreszenz schaffen Gewissheit. Wer Silber verkaufen möchte, sollte diese Unterscheidung vorher treffen, um realistische Erwartungen zu haben und nicht versehentlich wertvolles Silber als Dekoware abzugeben.