Gold rostet nicht und läuft in hohem Feingehalt praktisch nicht an. Trotzdem verliert Goldschmuck im Alltag seinen Glanz. Ringe werden matt, Ketten wirken stumpf, und in den Fassungen von Edelsteinen sammelt sich ein grauer Film. Die Ursache ist fast immer Schmutz, nicht das Gold selbst: Hautfett, Seifenreste, Cremes, Parfüm und Staub legen sich auf die Oberfläche.
Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie Goldschmuck schonend reinigen, welche Methoden sich für welche Stücke eignen, welche verbreiteten Hausmittel Sie besser meiden und wann ein Besuch beim Juwelier sinnvoll ist.
Warum Goldschmuck stumpf oder dunkel wird
Zwei Effekte sind zu unterscheiden:
- Verschmutzung: Ein Film aus Fett, Seife, Kosmetik und Staub. Er macht Gold matt und lässt Steine trüb wirken. Er lässt sich mit einfachen Mitteln entfernen.
- Anlaufen der Legierungsmetalle: Goldlegierungen mit niedrigem Feingehalt wie 333 oder 375 enthalten viel Silber und Kupfer. Diese Metalle können mit Schwefel aus der Luft oder aus dem Schweiß reagieren und dunkle Verfärbungen bilden. 585er Gold läuft selten, 750er Gold praktisch nie an.
Mehr zu den Eigenschaften der verschiedenen Legierungen erklärt der Ratgeber Gold: Dichte und Eigenschaften.
Die Standardmethode: Wasser, Spülmittel, Bürste
Für die meisten Schmuckstücke aus Gold reicht eine einfache Reinigung:
- Lauwarmes Wasser in eine Schale füllen. Kein heißes Wasser, vor allem bei Schmuck mit Steinen.
- Einige Tropfen mildes Spülmittel hinzufügen.
- Schmuck 10 bis 20 Minuten einweichen, damit sich der Schmutz löst.
- Mit einer weichen Zahnbürste vorsichtig reinigen, besonders an Fassungen, Gravuren und Kettengliedern.
- Unter klarem Wasser abspülen. Vorher den Abfluss verschließen oder ein Sieb verwenden, damit nichts verloren geht.
- Mit einem weichen, fusselfreien Tuch trocknen oder an der Luft trocknen lassen.
- Mit einem Poliertuch für Gold nachpolieren, wenn gewünscht.
Diese Methode ist für Gelbgold, Rotgold und Weißgold gleichermaßen geeignet und schont die meisten Edelsteine.
Hausmittel: Was hilft und was schadet
Im Internet kursieren viele Tipps zur Schmuckreinigung. Einige sind sinnvoll, andere schaden dem Schmuck:
| Hausmittel | Bewertung | Hinweis |
|---|---|---|
| Spülmittel und Wasser | empfehlenswert | sanft und wirksam |
| Natron als Paste | mit Vorsicht | leicht abrasiv, für robustes Gold ohne empfindliche Steine |
| Gebissreiniger-Tabs | mit Vorsicht | lösen Verschmutzungen, können aber manche Steine und Perlen angreifen |
| Ammoniak, verdünnt | nur für Fachkundige | kann Steine und Fassungen schädigen |
| Zahnpasta | nicht empfehlenswert | enthält Schleifmittel, verkratzt die Oberfläche |
| Cola | nicht empfehlenswert | Säure, klebrige Rückstände, kein Vorteil gegenüber Spülmittel |
| Chlorreiniger | auf keinen Fall | kann Goldlegierungen angreifen und Lötstellen schwächen |
| Alufolie mit Salz und Natron | nicht für Gold | Methode für angelaufenes Silber, bei Gold wirkungslos |
| Essig oder Zitronensäure | nicht empfehlenswert | kann Steine und Perlen angreifen |
Die Alufolie-Methode wird häufig empfohlen, funktioniert aber nur bei Silber, weil sie das Silbersulfid chemisch zurückverwandelt. Bei Gold entfernt sie keinen Schmutz. Wie Silber am besten gereinigt wird, erklärt der Ratgeber Silber reinigen.
Ultraschallreiniger: Für welche Stücke geeignet?
Ultraschallgeräte erzeugen in einer Flüssigkeit winzige Bläschen, die Schmutz aus Ritzen und Fassungen lösen. Sie sind sehr wirksam, aber nicht für jeden Schmuck geeignet.
Geeignet: massiver Goldschmuck ohne Steine, Ringe mit Diamanten in stabiler Fassung, Ketten aus massivem Gold.
Nicht geeignet:
- Schmuck mit Perlen, Opalen, Smaragden, Türkisen, Korallen oder Bernstein,
- Steine, die geklebt oder mit Öl behandelt sind,
- Schmuck mit Emaille,
- hohle Schmuckstücke, in die Flüssigkeit eindringen kann,
- Stücke mit losen oder empfindlichen Fassungen, aus denen sich Steine lösen können,
- vergoldeter Schmuck und Doublé, deren Goldschicht leiden kann.
Wenn Sie unsicher sind, ob ein Stein ultraschallgeeignet ist, fragen Sie einen Juwelier.
Besonderheiten bei Weißgold
Weißgold ist fast immer rhodiniert, also mit einer dünnen Rhodiumschicht überzogen, die für den strahlend weißen Glanz sorgt. Diese Schicht nutzt sich mit der Zeit ab. Reinigen Sie Weißgold deshalb nur mit milden Mitteln und ohne Scheuern. Wird ein gelblicher Schimmer sichtbar, ist das kein Schmutz, sondern die Eigenfarbe der Goldlegierung. Hier hilft keine Reinigung, sondern nur eine Neurhodinierung beim Juwelier. Mehr dazu im Ratgeber Weißgold: Wert und Verkauf und im Artikel Rhodinierter Schmuck.
Besonderheiten bei Rotgold und niedrigen Feingehalten
Rotgold und 333er Gold enthalten viel Kupfer und können dunkler werden. Eine Reinigung mit Spülmittel entfernt Schmutz, aber keine dunklen Verfärbungen der Legierung. Diese lassen sich mit einem speziellen Goldpoliertuch oder durch professionelles Aufpolieren entfernen. Mehr zu kupferhaltigen Legierungen im Ratgeber Rotgold und Roségold.
Schmuck mit Edelsteinen und Perlen
Edelsteine sind unterschiedlich empfindlich. Eine grobe Orientierung:
| Stein | Empfindlichkeit | Reinigung |
|---|---|---|
| Diamant | robust | Spülmittelbad, weiche Bürste, meist auch Ultraschall |
| Saphir, Rubin | robust | wie Diamant, bei behandelten Steinen vorsichtig |
| Smaragd | empfindlich | nur lauwarmes Wasser, keine Hitze, kein Ultraschall |
| Opal, Türkis | empfindlich | nur mit feuchtem Tuch abwischen |
| Perlen | sehr empfindlich | nur mit weichem, leicht feuchtem Tuch, keine Chemikalien |
| Zirkonia | robust | Spülmittelbad |
Perlen sollten Sie nach dem Tragen nur mit einem weichen Tuch abwischen. Perlenketten sind meist auf Seide aufgezogen, die durch Wasser leidet.
Ketten, Ringe und Ohrringe: Was jeweils zu beachten ist
Je nach Schmuckart sammelt sich der Schmutz an unterschiedlichen Stellen:
- Ketten: Vor allem feine Ketten wie Venezianer- oder Ankerketten nehmen in den Gliedern viel Hautfett auf. Lassen Sie sie länger einweichen und bewegen Sie sie im Wasser, statt fest zu bürsten. Knoten lösen Sie am besten mit zwei Nadeln auf einer glatten Unterlage, bevor Sie reinigen.
- Ringe: Schmutz sitzt vor allem unter Steinen und an der Innenseite der Ringschiene. Eine weiche Bürste erreicht auch die Unterseite der Fassung. Ringe mit großen Steinen lassen weniger Licht durch, wenn die Unterseite verschmutzt ist, deshalb lohnt sich hier eine gründliche Reinigung besonders.
- Ohrringe: Stecker und Bügel kommen mit Haut und Haaren in Kontakt. Reinigen Sie sie regelmäßig auch aus hygienischen Gründen, etwa mit etwas Alkohol auf einem Wattestäbchen, sofern keine empfindlichen Steine verbaut sind.
- Armbänder: Gliederarmbänder mit Scharnieren sammeln Schmutz in den Gelenken. Hier hilft das Einweichen am meisten.
- Uhren aus Gold: Gehäuse und Armband können vorsichtig mit einem feuchten Tuch gereinigt werden. Nicht wasserdichte Uhren dürfen nicht eingeweicht werden.
Wenn Schmuck grün oder schwarz auf die Haut abfärbt
Manche Menschen bemerken, dass sich ihre Haut unter einem Ring grün oder dunkel färbt. Ursache sind meist Reaktionen der Legierungsmetalle mit Schweiß, Kosmetik oder Spuren von Metallen in Reinigungsmitteln. Bei niedrigen Feingehalten und bei kupferreichen Legierungen ist das häufiger. Auch abgeriebene Partikel aus Schminke können die Haut dunkel färben. Eine Reinigung des Schmucks und der Haut sowie das Ablegen beim Eincremen helfen meist. Färbt ein angeblich goldener Ring stark grün ab, kann das auch ein Hinweis auf Messing oder vergoldeten Modeschmuck sein. Wie Sie echtes Gold erkennen, erklärt der Ratgeber Gold-Säuretest.
Pflege im Alltag: Damit der Glanz länger hält
- Schmuck zuletzt anlegen: Erst Parfüm, Haarspray und Cremes auftragen, dann den Schmuck anlegen.
- Vor bestimmten Tätigkeiten abnehmen: Beim Putzen mit Reinigungsmitteln, im Schwimmbad mit Chlorwasser, im Meer, beim Sport und bei der Gartenarbeit.
- Getrennt aufbewahren: Jedes Stück in einem eigenen Fach oder Beutel, damit keine Kratzer entstehen und sich Ketten nicht verknoten.
- Regelmäßig kurz reinigen: Ein kurzes Spülmittelbad alle paar Wochen verhindert, dass sich hartnäckiger Schmutz festsetzt.
- Fassungen prüfen lassen: Ein Juwelier kann einmal im Jahr prüfen, ob Steine fest sitzen.
Professionelle Reinigung beim Juwelier
Juweliere bieten eine professionelle Reinigung an, oft mit Ultraschall, Dampfstrahler und Politur. Viele Juweliere reinigen Schmuck kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr, häufig verbunden mit einer Prüfung der Fassungen. Bei hochwertigem Schmuck, empfindlichen Steinen oder stark verschmutzten Stücken ist das die sicherste Wahl. Eine Politur entfernt zudem feine Kratzer, trägt dabei aber minimal Material ab. Sie sollte deshalb nicht zu oft durchgeführt werden.
Reinigen vor dem Verkauf?
Wer Goldschmuck verkaufen möchte, fragt sich, ob er ihn vorher reinigen sollte. Für den Materialwert ist das nicht nötig. Ankäufer bewerten nach Gewicht und Feingehalt. Bei Schmuck, der als Gebrauchsstück weiterverkauft wird, etwa Markenschmuck oder Designerstücke, kann eine Reinigung den Eindruck verbessern. Bei antiken Stücken und Goldmünzen sollten Sie dagegen auf eine Reinigung verzichten, weil sie den Sammlerwert mindern kann. Hinweise zum Verkauf gibt der Ratgeber Goldschmuck verkaufen.
Fazit
Goldschmuck lässt sich in den meisten Fällen mit lauwarmem Wasser, einigen Tropfen Spülmittel und einer weichen Zahnbürste gründlich und schonend reinigen. Zahnpasta, Chlorreiniger und aggressive Säuren sollten Sie meiden, Ultraschall nur für robuste Stücke ohne empfindliche Steine nutzen. Weißgold braucht wegen der Rhodiumschicht eine besonders sanfte Behandlung, Perlen und weiche Edelsteine nur ein feuchtes Tuch. Wer seinen Schmuck regelmäßig kurz reinigt und richtig aufbewahrt, hat lange Freude an seinem Glanz.




