Weißgold ist eines der beliebtesten Schmuckmetalle für Eheringe, Verlobungsringe und Diamantschmuck. Viele Besitzer wissen allerdings nicht genau, was sie da tragen: Ist das echtes Gold? Warum glänzt es wie Silber? Und warum bietet ein Ankäufer für den Weißgoldring deutlich weniger als für einen gleich schweren Gelbgoldring?

Dieser Ratgeber erklärt, woraus Weißgold besteht, wie Sie seinen Wert berechnen, wie Sie es von Platin und Silber unterscheiden und worauf Sie beim Verkauf achten sollten.

Was ist Weißgold?

Weißgold ist eine Goldlegierung, der helle Metalle beigemischt werden, um die gelbe Farbe des Goldes zu neutralisieren. Gold selbst ist immer gelb. Durch die Beimischung entsteht ein blasses, leicht gräuliches oder cremefarbenes Metall. Um den strahlend weißen Glanz zu erreichen, den Kunden im Schaufenster sehen, wird Weißgoldschmuck fast immer zusätzlich rhodiniert, also mit einer hauchdünnen Schicht Rhodium überzogen.

Die wichtigsten Legierungsbestandteile sind:

  • Palladium: Heute in Europa der Standard für hochwertiges Weißgold. Palladium ist selbst ein Edelmetall, hautverträglich und ergibt eine gute weiße Grundfarbe.
  • Silber: Wird häufig ergänzend verwendet, ergibt aber allein eine weniger weiße Farbe.
  • Nickel: Früher weit verbreitet, weil es günstig ist und gut entfärbt. Wegen der häufigen Nickelallergie ist der Einsatz in Schmuck mit Hautkontakt in der EU seit Jahren stark eingeschränkt. Ältere Stücke können aber Nickel enthalten.
  • Kupfer und Zink: In kleinen Mengen zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit.

Weißgold ist echtes Gold

Ein häufiges Missverständnis lautet: „Weißgold ist eigentlich Silber.“ Das ist falsch. Ein Ring mit dem Stempel 585 besteht auch in der weißen Variante zu 58,5 Prozent aus reinem Gold. Ein 750er Weißgoldring enthält 75 Prozent Gold. Der Goldanteil ist bei gleichem Stempel identisch mit Gelbgold, nur die restlichen Metalle unterscheiden sich.

Die gängigen Feingehalte für Weißgold sind:

Stempel Goldanteil Karat Verbreitung
333 33,3 % 8 selten, eher günstiger Schmuck
375 37,5 % 9 vor allem britischer Schmuck
585 58,5 % 14 häufigster Standard in Deutschland
750 75,0 % 18 hochwertiger Schmuck, Juwelierware

Eine vollständige Übersicht der Feingehalte gibt die Feingehalt- und Karat-Tabelle.

So berechnen Sie den Wert von Weißgold

Der Materialwert von Weißgold wird genauso berechnet wie bei Gelbgold:

Wert = Gewicht × Feingehalt × Goldpreis pro Gramm

Beispiel: Ein Ehering aus 585er Weißgold wiegt 6 Gramm. Er enthält 6 × 0,585 = 3,51 Gramm Feingold. Bei einem angenommenen Goldpreis von 110 Euro pro Gramm ergibt das einen Materialwert von rund 386 Euro. Den aktuellen Kurs finden Sie unter Goldpreis pro Gramm, die Werte pro Gramm je Feingehalt unter 585er Goldwert und 750er Goldwert.

Was ist mit dem Palladium?

Weißgold mit Palladium enthält neben Gold ein weiteres Edelmetall. Ein 585er Weißgoldring kann zwischen etwa 10 und 15 Prozent Palladium enthalten, je nach Rezeptur. Theoretisch hat auch dieser Anteil einen Wert. In der Praxis vergüten viele Ankäufer nur den Goldanteil, weil sich das Palladium in kleinen Mengen nur mit Aufwand zurückgewinnen lässt und die genaue Zusammensetzung ohne Analyse unbekannt ist. Scheideanstalten, die nach Analyse abrechnen, vergüten Palladium teilweise mit. Bei größeren Mengen Weißgold lohnt sich die Nachfrage. Was eine Scheideanstalt macht, erklärt der Artikel Scheideanstalt.

Weißgold, Platin oder Silber? So unterscheiden Sie

Weiße Schmuckmetalle sehen auf den ersten Blick sehr ähnlich aus. Der Unterschied im Wert ist aber enorm. Diese Merkmale helfen bei der Einordnung:

Merkmal Weißgold Platin Silber
Typische Stempel 585, 750, 14K, 18K PT950, PLAT, 950 925, 800, Sterling
Gewicht mittelschwer sehr schwer leicht
Farbe ohne Rhodium leicht gelblich-grau grauweiß hellweiß
Anlaufen nein (Legierung stabil) nein ja, wird dunkel
Abrieb der Beschichtung gelblicher Schimmer an Kanten keine Beschichtung nötig –

Ein guter Hinweis im Alltag: Wenn ein weißer Ring an der Unterseite oder an stark beanspruchten Stellen einen leicht gelblichen Schimmer zeigt, ist die Rhodiumschicht abgenutzt und darunter kommt Weißgold zum Vorschein. Platin wird nicht gelb, Silber läuft eher dunkel an. Mehr zu Platinschmuck lesen Sie im Ratgeber Platinschmuck verkaufen, mehr zu rhodinierten Oberflächen im Artikel Rhodinierter Schmuck.

Warum Weißgold beim Ankauf manchmal schlechter bewertet wird

Wer denselben Ring in Gelbgold und Weißgold vergleicht, wird in der Praxis manchmal unterschiedliche Angebote erhalten. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Unsicherheit über den Feingehalt: Bei Weißgold ist der Säuretest schwieriger, weil Rhodium die Oberfläche verdeckt. Manche Ankäufer kalkulieren deshalb vorsichtiger.
  2. Nickel in alten Stücken: Nickelhaltiges Weißgold ist schwieriger zu scheiden und kann bei der Raffinerie Zusatzkosten verursachen.
  3. Steine: Weißgoldschmuck ist häufiger mit Diamanten oder Zirkonia besetzt. Steine zählen nicht zum Goldgewicht und müssen abgezogen werden.
  4. Lote: Bei aufwendigen Fassungen werden Lote mit niedrigerem Feingehalt verwendet, die den Durchschnitt leicht senken.

Seriöse Ankäufer prüfen Weißgold mit einem Röntgenfluoreszenzgerät, das trotz Rhodiumschicht die Zusammensetzung misst, oder sie entfernen an einer unauffälligen Stelle die Beschichtung für den Säuretest. Ein pauschaler Abschlag „weil es Weißgold ist“ ist nicht gerechtfertigt, solange der Feingehalt nachgewiesen ist.

Weißgold kaufen: Worauf Sie bei neuem Schmuck achten sollten

Wer Weißgold nicht verkaufen, sondern kaufen möchte, etwa für Eheringe, sollte einige Punkte kennen, die den späteren Wert und die Freude am Schmuck beeinflussen:

  • Palladium- statt Nickellegierung: Fragen Sie nach der Legierung. Palladium-Weißgold ist hautverträglich, farblich hochwertiger und enthält zusätzlich ein Edelmetall. Nickelhaltiges Weißgold ist günstiger, kann aber Allergien auslösen.
  • Eigenfarbe vor der Rhodinierung: Hochwertige Legierungen haben schon ohne Rhodium eine fast weiße Farbe. Dann fällt der Abrieb der Beschichtung kaum auf. Bei einfachen Legierungen schimmert schnell ein Gelbton durch.
  • 750 oder 585: 750er Weißgold enthält mehr Gold und ist meist etwas weicher. 585er ist kratzfester und günstiger. Für Eheringe, die täglich getragen werden, ist 585 eine verbreitete Wahl.
  • Gewicht statt Optik: Zwei optisch gleiche Ringe können sehr unterschiedlich viel Gold enthalten. Hohle oder sehr dünne Ringschienen sind günstiger, aber weniger stabil. Fragen Sie nach dem Gewicht.
  • Alternative Platin: Platin ist von Natur aus weiß, braucht keine Rhodinierung und ist sehr langlebig, aber teurer in der Verarbeitung und schwerer. Ein Vergleich lohnt sich vor dem Kauf.

Ein Rechenbeispiel für eine typische Schmuckschatulle

Angenommen, in einer Schatulle liegen ein Verlobungsring aus 750er Weißgold mit kleinem Diamanten (3,2 Gramm), ein Ehering aus 585er Weißgold (5,1 Gramm) und eine dünne 585er Weißgoldkette (4,0 Gramm). Der Diamant wird auf rund 0,1 Gramm geschätzt und abgezogen.

Stück Goldgewicht Feingehalt Feingold
Verlobungsring 3,1 g 0,750 2,33 g
Ehering 5,1 g 0,585 2,98 g
Kette 4,0 g 0,585 2,34 g
Summe 7,65 g

Bei einem angenommenen Goldpreis von 110 Euro pro Gramm entspricht das einem Materialwert von rund 841 Euro. Ein Ankäufer, der deutlich unter 85 Prozent dieses Werts bietet, sollte Ihnen seine Rechnung erklären können. Gleichzeitig zeigt das Beispiel, warum es wichtig ist, unterschiedliche Feingehalte getrennt zu wiegen: Würde der 750er Ring mit den 585er Stücken zusammen als 585 abgerechnet, gingen rund 0,5 Gramm Feingold verloren.

Weißgold mit Diamanten verkaufen

Bei Weißgoldschmuck mit Diamanten stellt sich die Frage, ob die Steine separat bewertet werden. Gewöhnliche Ankäufer zahlen meist nur den Goldwert und entfernen die Steine oder ziehen ihr geschätztes Gewicht ab. Für kleine Diamanten mit geringem Wert ist das oft die einzige realistische Option. Größere Diamanten ab etwa einem halben Karat können einen eigenen Wert haben, der eine Bewertung durch einen Gemmologen rechtfertigt. Wie Sie Schmuck mit Steinen am besten verkaufen, erklärt der Ratgeber Goldschmuck mit Steinen verkaufen.

Weißgold pflegen und neu rhodinieren

Die Rhodiumschicht nutzt sich mit der Zeit ab, bei Ringen schneller als bei Ohrringen oder Anhängern. Ein Juwelier kann Weißgoldschmuck neu rhodinieren, die Kosten liegen je nach Stück und Aufwand meist im unteren bis mittleren zweistelligen Bereich. Für den Verkauf lohnt sich eine Neurhodinierung nicht, weil der Ankaufspreis nur vom Goldgehalt abhängt. Für den eigenen Gebrauch frischt sie die Optik deutlich auf.

Zur Reinigung genügen warmes Wasser, ein Tropfen Spülmittel und eine weiche Zahnbürste. Scheuernde Mittel greifen die Rhodiumschicht an.

Tipps für den Verkauf von Weißgold

  • Stempel suchen: Bei Ringen meist innen, bei Ketten am Verschluss. 585 oder 750 sind gute Nachrichten, PT950 bedeutet Platin, 925 Silber.
  • Gewicht notieren: Wiegen Sie den Schmuck zu Hause auf einer Feinwaage. So können Sie das Angebot nachrechnen.
  • Steine ansprechen: Fragen Sie, wie Steine bewertet oder abgezogen werden.
  • Nach Prüfmethode fragen: Röntgenfluoreszenz ist bei Weißgold die beste Methode.
  • Mehrere Angebote einholen: Die Unterschiede zwischen Ankäufern sind bei Weißgold oft größer als bei Gelbgold.
  • Palladium erwähnen: Bei größeren Mengen nach einer Analyse mit Palladiumvergütung fragen.

Weitere allgemeine Hinweise zum Verkauf finden Sie im Ratgeber Goldschmuck verkaufen.

Fazit

Weißgold ist echtes Gold mit einem identischen Goldanteil wie Gelbgold desselben Stempels. Sein Materialwert berechnet sich aus Gewicht, Feingehalt und Goldpreis. Weil die Rhodiumschicht den Säuretest erschwert und ältere Stücke Nickel enthalten können, sind Ankäufer bei Weißgold manchmal vorsichtiger. Mit einem bekannten Gewicht, einem lesbaren Stempel und einem Ankäufer, der mit Röntgenfluoreszenz prüft, erhalten Sie dennoch einen fairen Preis. Den Wert Ihres Weißgoldschmucks berechnen Sie vorab mit dem Goldwert-Rechner.