Schmuck in warmen, rötlichen Goldtönen ist seit einigen Jahren wieder sehr gefragt. Im Schaufenster heißt er mal Rotgold, mal Roségold, mal Rosé, mal Pink Gold. Viele Käufer fragen sich, ob das nur Marketing ist oder ob sich die Metalle tatsächlich unterscheiden. Und wer alten Rotgoldschmuck verkaufen möchte, fragt sich, ob die Farbe den Wert beeinflusst.
Dieser Ratgeber erklärt, woraus Rotgold und Roségold bestehen, wie sich die Farbtöne ergeben, welche Feingehalte üblich sind, wie Sie den Wert berechnen und worauf Sie bei Kauf, Pflege und Verkauf achten sollten.
Warum Gold überhaupt rötlich wird
Reines Gold hat eine warme gelbe Farbe. Um Schmuck härter und widerstandsfähiger zu machen, wird es mit anderen Metallen legiert. Welche Metalle das sind und in welchem Verhältnis, bestimmt die Farbe der Legierung:
- Kupfer färbt Gold rötlich. Je mehr Kupfer, desto röter.
- Silber hellt Gold auf und gibt ihm einen grünlichen bis blassgelben Ton.
- Palladium oder Nickel entfärben Gold zu Weißgold.
- Zink wird in kleinen Mengen zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit zugesetzt.
Rotgold und Roségold sind also Goldlegierungen mit einem vergleichsweise hohen Kupferanteil. Der Unterschied zwischen beiden liegt vor allem im Verhältnis von Kupfer zu Silber.
Rotgold, Roségold und Gelbgold im Vergleich
Es gibt keine gesetzlich festgelegten Rezepturen für die Farbbezeichnungen. Hersteller verwenden eigene Legierungen. Typische Zusammensetzungen für 585er Gold sehen etwa so aus:
| Bezeichnung | Gold | Kupfer | Silber | Farbeindruck |
|---|---|---|---|---|
| Gelbgold | 58,5 % | ca. 20–30 % | ca. 10–20 % | sattes Gelb |
| Roségold | 58,5 % | ca. 30–35 % | ca. 5–10 % | zartes, rosiges Gold |
| Rotgold | 58,5 % | ca. 35–41 % | wenig bis kein Silber | kräftiges Kupferrot |
Vereinfacht gesagt: Roségold ist ein abgemildertes Rotgold mit etwas mehr Silber und etwas weniger Kupfer. Rotgold hat den höchsten Kupferanteil und den intensivsten Farbton. Die Grenzen sind fließend, und ein „Rosé“ des einen Herstellers kann dem „Rot“ eines anderen entsprechen.
Für 750er Gold gilt das gleiche Prinzip, nur bleibt neben 75 Prozent Gold weniger Raum für Kupfer und Silber. Rotgold in 750 wirkt deshalb meist etwas wärmer und weniger kräftig rot als Rotgold in 333 oder 585.
Der Goldanteil entscheidet über den Wert
Für den Materialwert spielt die Farbe keine Rolle. Ein Ring aus 585er Rotgold enthält genauso viel Gold wie ein Ring aus 585er Gelbgold oder Weißgold. Kupfer und Silber haben in den kleinen Mengen eines Schmuckstücks praktisch keinen eigenen Ankaufswert.
Wert = Gewicht × Feingehalt × Goldpreis pro Gramm
Beispiel: Eine Kette aus 585er Roségold wiegt 8 Gramm. Sie enthält 8 × 0,585 = 4,68 Gramm Feingold. Bei einem angenommenen Goldpreis von 110 Euro pro Gramm ergibt das einen Materialwert von rund 515 Euro. Die aktuellen Werte pro Gramm je Feingehalt finden Sie unter 333er Goldwert, 585er Goldwert und 750er Goldwert.
Typische Feingehalte bei Rot- und Roségold
| Stempel | Karat | Goldanteil | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|
| 333 | 8 | 33,3 % | ältere und preiswerte Rotgoldstücke, sehr kupferbetont |
| 375 | 9 | 37,5 % | britischer Rotgoldschmuck |
| 585 | 14 | 58,5 % | häufigster Standard für Rosé- und Rotgold in Deutschland |
| 750 | 18 | 75 % | hochwertiger Juwelier- und Uhrenschmuck |
Gerade 333er Rotgold war früher weit verbreitet, auch in der DDR. Es hat eine kräftige, fast kupferne Farbe, weil zwei Drittel der Legierung aus anderen Metallen bestehen, überwiegend Kupfer. Bei sehr altem Schmuck lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den Stempel, denn die intensive Farbe verleitet manche dazu, den Goldgehalt zu überschätzen.
Rotgold erkennen und von Imitaten unterscheiden
Rötlicher Schmuck kann auch aus ganz anderen Materialien bestehen:
- Kupfer und Messing: sehen ähnlich aus, laufen aber schnell an, verfärben die Haut grünlich und tragen keinen Feingehaltsstempel.
- Vergoldeter Schmuck in Roségold-Optik: Edelstahl, Messing oder Silber mit einer dünnen roségoldfarbenen Beschichtung. Häufig in Modeschmuck, erkennbar am Fehlen einer Goldpunze oder an Kennzeichnungen wie „IP“, „PVD“ oder „925“ in Kombination mit einer roséfarbenen Oberfläche.
- Roségoldfarbener Edelstahl: sehr verbreitet bei Uhren und Modeschmuck, hat keinen Goldwert.
Ein echtes Rotgoldstück trägt in der Regel einen Feingehaltsstempel wie 585 oder 750. Wie Sie Punzen lesen, erklärt der Ratgeber Goldpunzen lesen. Bei fehlendem Stempel hilft ein Säuretest oder eine Röntgenfluoreszenzanalyse, siehe Gold-Säuretest.
Haltbarkeit und Eigenschaften
Kupfer verleiht Gold nicht nur Farbe, sondern auch Härte. Rotgold ist deshalb in der Regel etwas härter und kratzfester als Gelbgold desselben Feingehalts. Das macht es beliebt für Eheringe und Schmuck, der täglich getragen wird.
Der hohe Kupferanteil hat aber auch Nachteile:
- Anlaufen: Kupfer reagiert mit Schwefel und Sauerstoff. Vor allem 333er und 375er Rotgold kann mit der Zeit dunkler werden oder eine leicht bräunliche Patina bekommen. Hochwertiges 750er Roségold ist davon kaum betroffen.
- Verarbeitung: Kupferreiche Legierungen sind beim Goldschmied etwas anspruchsvoller zu bearbeiten, etwa beim Löten und bei Größenänderungen.
- Allergien: Kupfer gilt im Vergleich zu Nickel als relativ hautverträglich. Kupferallergien sind selten, kommen aber vor. Rotgold ist deshalb für die meisten Menschen gut verträglich.
Pflege von Rot- und Roségold
Rot- und Roségold lassen sich unkompliziert pflegen:
- Mit lauwarmem Wasser, einem Tropfen mildem Spülmittel und einer weichen Bürste reinigen.
- Gründlich abspülen und mit einem weichen Tuch trocknen.
- Chlorwasser, aggressive Haushaltsreiniger und Ultraschallbäder bei Schmuck mit empfindlichen Steinen meiden.
- Getrennt von anderem Schmuck aufbewahren, damit keine Kratzer entstehen.
Wenn älteres Rotgold angelaufen ist, kann ein Juwelier es fachgerecht aufpolieren. Bei hochwertigen Stücken lohnt sich das, für den reinen Verkauf zum Materialwert dagegen nicht. Wie Sie den Wert Ihres Schmucks unabhängig vom Zustand ermitteln, erklärt der Ratgeber Goldschmuck bewerten.
Die Geschichte der roten Goldtöne
Rötliches Gold ist kein Modetrend der letzten Jahre. Im Russland des 19. Jahrhunderts war kupferreiches Gold so verbreitet, dass Rotgold im Englischen lange als „Russian Gold“ bezeichnet wurde. Der Juwelier Carl Fabergé verarbeitete verschiedene Goldfarben kunstvoll nebeneinander. In Deutschland war 333er Rotgold über Jahrzehnte das typische Material für preiswerten Alltagsschmuck, und in der DDR prägte es das Bild von Eheringen und Ketten.
In den 1920er-Jahren wurde rosafarbenes Gold durch den Art-déco-Stil populär, etwa in dreifarbigen Ringen aus Gelb-, Weiß- und Roségold. Nach einer längeren Pause, in der Weißgold und Platin dominierten, kehrte Roségold ab den 2010er-Jahren über Uhren, Smartphones und Modeschmuck zurück und ist seitdem ein fester Bestandteil des Schmuckangebots.
Rot- und Roségold bei Uhren
Uhrenhersteller verwenden für Gehäuse häufig eigene, patentierte Roségold-Legierungen in 750er Qualität. Manche Legierungen enthalten kleine Mengen Platin oder Palladium, um das Ausbleichen der Farbe durch Licht und Pflegemittel zu verhindern. Für den Materialwert gilt auch hier: Maßgeblich ist der Goldanteil von 75 Prozent. Bei Markenuhren liegt der Verkaufswert allerdings meist deutlich über dem Goldwert des Gehäuses, weil Uhrwerk, Marke und Zustand entscheidend sind.
Rotgold kaufen: Worauf achten?
- Stempel prüfen: 585 oder 750 sind solide Feingehalte. Bei sehr günstigem „Roségold“ ohne Stempel handelt es sich wahrscheinlich um eine Beschichtung.
- Farbton im Tageslicht ansehen: Unter Ladenbeleuchtung wirken Rosétöne oft anders als im Alltag.
- Kombinierbarkeit bedenken: Roségold harmoniert gut mit Gelb- und Weißgold, Rotgold ist auffälliger.
- Bei Eheringen auf Nachbestellbarkeit achten: Hersteller-Legierungen unterscheiden sich im Farbton. Wer später einen passenden Ring nachkaufen möchte, sollte beim selben Hersteller bleiben.
Rotgold verkaufen
Beim Verkauf gelten dieselben Regeln wie für Gelbgold. Sortieren Sie Ihren Schmuck nach Feingehalt, wiegen Sie ihn und berechnen Sie den Materialwert. Ankäufer sollten Rotgold genauso bewerten wie Gelbgold mit demselben Stempel. Ein Abschlag wegen der Farbe ist nicht gerechtfertigt. Bei Markenschmuck, Designstücken und Schmuck mit wertvollen Steinen kann der Wiederverkaufswert über dem Materialwert liegen. Hinweise zum Ablauf gibt der Ratgeber Goldschmuck verkaufen, zur Bewertung von Weißgold der Artikel Weißgold: Wert und Verkauf.
Fazit
Rotgold und Roségold sind Goldlegierungen mit erhöhtem Kupferanteil. Roségold enthält etwas mehr Silber und wirkt zarter, Rotgold hat den höchsten Kupferanteil und den kräftigsten Farbton. Feste Rezepturen gibt es nicht, die Grenzen sind fließend. Für den Wert ist allein der Feingehalt entscheidend: 585er Rotgold enthält genauso viel Gold wie 585er Gelbgold. Wer den Wert seines Schmucks berechnen möchte, braucht nur Gewicht und Stempel und den aktuellen Goldkurs, etwa mit dem Goldwert-Rechner.




