Neben Besteck gehören silberne Tafelgeräte zu den häufigsten Silbergegenständen in deutschen Haushalten. Unter dem Begriff Hohlware fassen Fachleute alle Gefäße und Geräte zusammen, die nicht flach sind wie Besteck: Teekannen, Kaffeekannen, Milchkännchen, Zuckerdosen, Schalen, Brotkörbe, Becher, Pokale, Vasen, Leuchter und Tabletts. Viele davon waren Hochzeits- oder Jubiläumsgeschenke und werden heute kaum noch benutzt.
Wer solche Stücke verkaufen möchte, sollte wissen, wie ihr Wert entsteht. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie den Silbergehalt schätzen, welche Bestandteile Sie abziehen müssen, wann ein Stück als Antiquität oder Designobjekt mehr wert ist und wie Sie den passenden Käufer finden.
Massiv oder versilbert? Die erste Frage
Wie beim Besteck gibt es Tafelgeräte aus massivem Silber und versilberte Ware. Der Unterschied im Wert ist enorm. Massive Hohlware trägt einen Feingehaltsstempel, versilberte Ware eine Herstellermarke, oft ergänzt durch Kennzeichnungen wie „versilbert“, „EPNS“ oder eine Auflagezahl. Wie Sie das unterscheiden, erklärt der Ratgeber Echt Silber oder versilbert.
Typische Stempel auf massiver Hohlware:
| Stempel | Bedeutung | Typische Herkunft |
|---|---|---|
| 800 mit Halbmond und Krone | 80 % Silber | Deutschland nach 1888 |
| 835 | 83,5 % Silber | Deutschland, Niederlande |
| 925, Sterling, Löwe | 92,5 % Silber | Großbritannien, USA, international |
| 830 | 83 % Silber | Skandinavien |
| 13 Lot, 12 Lot | historische Angabe (812,5 bzw. 750 Tausendstel) | Deutschland vor 1888 |
| Minerva-Kopf | französisches Silber | Frankreich |
Mehr zu den Stempeln im Ratgeber Silberstempel erkennen.
Den Silbergehalt schätzen
Der Materialwert ergibt sich aus dem Gewicht des reinen Silbers:
Silberwert = Silbergewicht × Feingehalt × Silberpreis pro Gramm
Bei Hohlware ist das Gesamtgewicht allerdings selten gleich dem Silbergewicht. Viele Stücke bestehen aus mehreren Materialien. Ziehen Sie folgende Bestandteile ab:
- Griffe und Knäufe aus Holz, Elfenbein oder Kunststoff: typisch bei Kaffee- und Teekannen, um die Hände vor Hitze zu schützen.
- Glaseinsätze: häufig in Zuckerdosen, Salzfässchen, Butterdosen und Menagen.
- Füllungen: Leuchter und manche Pokalfüße sind mit Pech, Gips oder Harz gefüllt. Mehr dazu im Ratgeber Silberleuchter verkaufen.
- Unterteile aus anderen Metallen: bei manchen Tabletts oder Aufsätzen.
- Scharniere, Schrauben, Stifte: meist aus Messing oder Stahl, mengenmäßig gering.
Ein Rechenbeispiel: Eine Teekanne mit 800er Stempel wiegt 620 Gramm. Der Holzgriff und der Holzknopf am Deckel wiegen zusammen etwa 40 Gramm. Es bleiben 580 Gramm Silberlegierung, also 580 × 0,8 = 464 Gramm Feinsilber. Bei einem angenommenen Silberpreis von 1,20 Euro pro Gramm entspricht das rund 557 Euro Materialwert. Den aktuellen Kurs finden Sie unter Silberpreis pro Gramm.
Typische Gewichte als Orientierung
Die folgenden Werte sind grobe Richtwerte für massive Stücke. Einzelne Gegenstände können deutlich abweichen:
| Gegenstand | Typisches Gewicht (massiv) |
|---|---|
| Milchkännchen | 100–250 g |
| Zuckerdose | 150–350 g |
| Teekanne | 400–900 g |
| Kaffeekanne | 500–1.000 g |
| Brotkorb | 250–600 g |
| Becher | 50–200 g |
| Kleines Tablett | 300–700 g |
| Großes Serviertablett | 1.000–3.000 g |
| Komplettes Kaffee- und Teeservice | 2.000–5.000 g |
Gerade große Tabletts und vollständige Services können also mehrere Kilogramm Silber enthalten. Ein komplettes Service aus 800er Silber mit 3.000 Gramm Silbergewicht enthält 2.400 Gramm Feinsilber.
Wann ein Stück mehr wert ist als sein Silber
Bei Hohlware ist der Abstand zwischen Material- und Marktwert oft größer als bei Besteck. Ein Silberankäufer zahlt nur den Materialwert, ein Sammler oder Antiquitätenhändler unter Umständen ein Vielfaches. Hinweise auf einen höheren Wert sind:
- Bekannte Manufakturen und Silberschmiede: In Deutschland etwa Koch & Bergfeld, Bruckmann, Wilkens oder Robbe & Berking, international Georg Jensen, Christofle (bei massivem Silber), Tiffany oder bedeutende britische Silberschmiede.
- Stilepochen: Jugendstil, Art déco und hochwertige Arbeiten der Moderne sind gefragt. Barocke und klassizistische Stücke aus dem 18. Jahrhundert sind besonders wertvoll.
- Hohes Alter: Erkennbar an historischen Stempeln, Stadtmarken und Meisterzeichen.
- Handarbeit: Getriebene, ziselierte oder gravierte Stücke haben mehr Wert als industriell gepresste.
- Vollständigkeit: Ein komplettes Service ist mehr wert als Einzelteile.
- Provenienz: Gravuren mit bekannten Namen, Wappen oder historischen Anlässen.
Bei solchen Merkmalen lohnt sich eine Einschätzung durch einen Antiquitätenhändler, ein Auktionshaus oder einen Sachverständigen für Silber, bevor das Stück eingeschmolzen wird.
Historische Stempel lesen: Lot, Stadtmarken und Meisterzeichen
Vor der Einführung des Reichsgesetzes über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren im Jahr 1888 gab es in Deutschland keine einheitliche Kennzeichnung. Silberschmiede verwendeten regionale Systeme. Typisch sind drei Arten von Marken:
- Feingehalt in Lot: Die Gewichtsmark wurde in 16 Lot eingeteilt. 12 Lot bedeutet 12 von 16 Teilen Silber, also 750 Tausendstel, 13 Lot entsprechen 812,5 Tausendstel, 14 Lot 875 Tausendstel.
- Stadtmarken: Ein Zeichen für die Stadt, in der das Stück geprüft wurde, etwa ein Pinienzapfen für Augsburg, ein Kindl für München oder das Stadtwappen anderer Silberzentren.
- Meisterzeichen: Die Initialen oder das Zeichen des Silberschmieds.
Stücke mit solchen historischen Marken sind meist mindestens 140 Jahre alt und oft als Antiquität mehr wert als ihr Silber. Gerade Augsburger und Nürnberger Silber aus dem 17. und 18. Jahrhundert ist bei Sammlern sehr gefragt. Wer solche Marken entdeckt, sollte das Stück unbedingt fachkundig bewerten lassen.
Hohlware aus Sterlingsilber: britische und amerikanische Stücke
Viele Haushalte besitzen Silber aus Großbritannien oder den USA, etwa als Reisesouvenir oder aus Familienverbindungen. Britische Stücke tragen Hallmarks mit Löwe für Sterlingsilber, einem Zeichen der Prüfstelle und einem Jahresbuchstaben, aus dem sich das Herstellungsjahr ablesen lässt. Amerikanische Stücke tragen meist den Hinweis „Sterling“ und den Herstellernamen. Für den Materialwert gilt der Feingehalt von 925 Tausendstel. Bekannte amerikanische Hersteller wie Tiffany oder Gorham erzielen als Marke oft deutlich mehr.
Zustand: Was den Wert beeinflusst
Für den Materialwert spielt der Zustand keine Rolle. Für den Verkauf als Gebrauchs- oder Sammlerstück dagegen schon:
- Dellen und Verformungen,
- Reparaturen und Lötstellen,
- fehlende Deckel oder Einsätze,
- starke Politurspuren, die Details und Stempel verwischt haben,
- Monogramme und Gravuren, die nicht zum Käufer passen.
Monogramme sind ein Sonderfall: Bei hochwertigen Antiquitäten stören sie oft wenig, bei Gebrauchssilber mindern sie den Wiederverkaufswert, weil Käufer selten fremde Initialen auf ihrem Tafelsilber möchten.
Angelaufene Hohlware: Reinigen oder nicht?
Silber läuft mit der Zeit an und wird dunkel. Für den Verkauf an einen Silberankäufer ist eine Reinigung nicht nötig. Wer an einen Antiquitätenhändler oder privat verkaufen möchte, kann mit einer schonenden Reinigung den Eindruck verbessern. Vermeiden Sie bei alten und wertvollen Stücken aggressive Mittel und Tauchbäder, die die Patina in Vertiefungen entfernen und den Charakter verändern. Hinweise gibt der Ratgeber Silber reinigen, wie Sie das Anlaufen künftig vermeiden, der Ratgeber Silber anlaufen verhindern.
Verkaufswege im Vergleich
| Verkaufsweg | Geeignet für | Erlös |
|---|---|---|
| Silberankauf, Edelmetallhändler | Gebrauchssilber ohne Sammlerwert | Materialwert abzüglich Abschlag |
| Juwelier, Silberwarengeschäft | gut erhaltene, gängige Stücke | variabel |
| Antiquitätenhändler | ältere oder dekorative Stücke | Wert über Material möglich, Händlermarge |
| Auktionshaus | seltene, alte oder signierte Stücke | Marktpreis abzüglich Gebühren |
| Privatverkauf | dekorative Stücke, Komplett-Services | eigener Preis, mehr Aufwand |
Wer verkauft, sollte vorher alle Stempel fotografieren, die Stücke wiegen und den Materialwert berechnen. So lässt sich jedes Angebot einordnen. Allgemeine Tipps gibt der Ratgeber Silber verkaufen: wo, wann, zu welchem Preis.
Häufige Fragen
Lohnt es sich, ein Service aufzuteilen? Wenn einzelne Teile einen besonderen Sammlerwert haben, kann ein getrennter Verkauf sinnvoll sein. Meist erzielt ein vollständiges Service als Ganzes aber den besseren Preis.
Zahlen Ankäufer für vergoldete Innenseiten mehr? Nein. Die Vergoldung ist zu dünn, um den Materialwert zu beeinflussen. Für den Wert zählt das Silber.
Steuern
Für Privatpersonen sind Gewinne aus dem Verkauf von Silbergegenständen nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei. Bei geerbten Stücken zählt die Besitzzeit des Erblassers mit. Hinweise gibt der Ratgeber Silber verkaufen und Steuern.
Fazit
Silberne Tafelgeräte können erhebliche Mengen Silber enthalten, ein komplettes Service oft mehrere Kilogramm. Für den Materialwert zählen das tatsächliche Silbergewicht und der Feingehalt, also nach Abzug von Holzgriffen, Glaseinsätzen und Füllungen. Stücke bekannter Manufakturen, aus begehrten Stilepochen oder mit hohem Alter können als Antiquität oder Designobjekt deutlich mehr wert sein. Prüfen Sie vor einem Verkauf Stempel, Gewicht und mögliche Besonderheiten, und lassen Sie wertvolle Stücke von einem Fachmann begutachten, bevor sie eingeschmolzen werden. Den Materialwert berechnen Sie mit dem Silberwert-Rechner.




