In vielen deutschen Haushalten finden sich neben D-Mark- und Euro-Münzen auch alte Schweizer Franken, Überbleibsel von Urlauben, Geschäftsreisen oder Erbschaften. Was viele nicht wissen: Ältere Schweizer Münzen bestehen aus echtem Silber. Bis Ende der 1960er-Jahre prägte die Schweiz ihre Umlaufmünzen zu ½, 1, 2 und 5 Franken aus einer Legierung mit 83,5 Prozent Silber.

Dieser Ratgeber erklärt, welche Schweizer Münzen Silber enthalten, wie viel genau, wie Sie die Silberjahrgänge von den späteren Kupfer-Nickel-Münzen unterscheiden und wann ein Sammler mehr zahlt als den Silberwert.

Welche Schweizer Münzen aus Silber sind

Die Schweiz gehörte im 19. Jahrhundert der Lateinischen Münzunion an, zu der auch Frankreich, Belgien, Italien und Griechenland zählten. Die Mitglieder prägten Münzen nach einheitlichen Standards. Für die kleineren Silbermünzen galt ein Feingehalt von 835 Tausendstel. Diesen Standard behielt die Schweiz bis in die 1960er-Jahre bei.

Mit dem steigenden Silberpreis in den 1960er-Jahren wurde der Metallwert der Münzen höher als ihr Nennwert. Viele Menschen horteten die Münzen oder schmolzen sie ein. Die Schweiz stellte deshalb die kleinen Nominale nach dem Jahrgang 1967 auf Kupfer-Nickel um, das 5-Franken-Stück nach dem Jahrgang 1969. Die Silbermünzen wurden später aus dem Verkehr gezogen.

Gewicht und Silbergehalt

Nominal Silberjahrgänge Raugewicht Feingehalt Silbergehalt
½ Franken bis 1967 2,5 g 835 2,09 g
1 Franken bis 1967 5,0 g 835 4,18 g
2 Franken bis 1967 10,0 g 835 8,35 g
5 Franken (Hirtenkopf/Tell) 1931 bis 1969 15,0 g 835 12,53 g

Das 5-Franken-Stück mit dem Kopf eines Alphirten, oft als „Tell“ bezeichnet, gibt es in der kleineren Ausführung mit 15 Gramm seit 1931. Ältere 5-Franken-Taler vor 1931 waren größer und schwerer, mit 25 Gramm und einem Feingehalt von 900 Tausendstel, was 22,5 Gramm Silber entspricht.

Für den Silberwert gilt die einfache Faustregel: Jeder Franken Nennwert in den Silberjahrgängen der Nominale ½ bis 2 Franken enthält 4,175 Gramm Silber.

So berechnen Sie den Silberwert

Silberwert = Silbergehalt × Silberpreis pro Gramm

Bei einem angenommenen Silberpreis von 1,20 Euro pro Gramm ergibt sich:

  • ½ Franken: etwa 2,50 Euro,
  • 1 Franken: etwa 5,00 Euro,
  • 2 Franken: etwa 10,00 Euro,
  • 5 Franken (1931–1969): etwa 15,00 Euro.

Den aktuellen Silberpreis finden Sie unter Silberpreis pro Gramm. Für größere Mengen lohnt sich eine Rechnung nach Nennwert: 100 Franken Nennwert in Silbermünzen zu ½, 1 und 2 Franken enthalten rund 417,5 Gramm Feinsilber.

Silberjahrgänge erkennen

Ältere Silbermünzen und neuere Kupfer-Nickel-Münzen haben bei den kleinen Nominalen nahezu dasselbe Motiv: die stehende Helvetia auf der Vorderseite und den Wert im Kranz auf der Rückseite. Sie unterscheiden sie so:

  1. Jahreszahl: Bei ½, 1 und 2 Franken sind die Jahrgänge bis einschließlich 1967 aus Silber, beim 5-Franken-Stück bis einschließlich 1969.
  2. Gewicht: Kupfer-Nickel-Münzen sind leichter. Ein Silber-Franken wiegt 5,0 Gramm, ein Kupfer-Nickel-Franken etwa 4,4 Gramm.
  3. Klang: Silbermünzen klingen heller, wenn man sie fallen lässt.
  4. Farbe und Anlaufen: Silbermünzen bekommen mit der Zeit eine gräuliche bis dunkle Patina, Kupfer-Nickel bleibt eher hell.
  5. Rand: Beide Varianten haben einen Randstab beziehungsweise eine Randschrift beim 5-Franken-Stück. Der Rand allein ist kein sicheres Merkmal.

Ein Sonderfall ist der Jahrgang 1968: In diesem Jahr gab es bei den kleinen Nominalen sowohl Silber- als auch Kupfer-Nickel-Prägungen. Silbermünzen mit der Jahreszahl 1968 sind selten und bei Sammlern gesucht. Wenn Sie eine solche Münze besitzen, lohnt sich eine Prüfung des Gewichts.

Wann ein Sammler mehr zahlt als den Silberwert

Die meisten Schweizer Silbermünzen der 1940er- bis 1960er-Jahre wurden in großen Stückzahlen geprägt und werden nahe am Silberwert gehandelt. Einen Sammleraufschlag erzielen vor allem:

  • seltene Jahrgänge, etwa einzelne Jahrgänge mit kleiner Auflage aus den 1910er- bis 1930er-Jahren,
  • ältere Münzen aus dem 19. Jahrhundert, darunter die sitzende Helvetia,
  • Münzen in sehr guter Erhaltung, insbesondere unzirkulierte Stücke,
  • die 5-Franken-Taler vor 1931 in guter Erhaltung,
  • Schweizer Schützentaler und Gedenkmünzen, die zu besonderen Anlässen ausgegeben wurden.

Die Schützentaler, die bis 1885 zu eidgenössischen Schützenfesten geprägt wurden, sind ein eigenes Sammelgebiet mit teils hohen Preisen. Auch die Gedenktaler der Jahre 1934 bis 1963 zu historischen Ereignissen erzielen meist mehr als ihren Silberwert. Für die genaue Bewertung eignen sich spezialisierte Kataloge für Schweizer Münzen und Auktionsergebnisse.

Erhaltung und Pflege

Wie bei allen Sammlermünzen gilt: nicht reinigen. Eine dunkle Patina ist natürlich und wird von Sammlern geschätzt. Durch Polieren entstehen feine Kratzer, die den Sammlerwert erheblich mindern. Für den reinen Silberwert spielt der Zustand dagegen keine Rolle. Wie Sie Silbermünzen so aufbewahren, dass sie kaum anlaufen, erklärt der Ratgeber Silber anlaufen verhindern.

Andere Münzen der Lateinischen Münzunion

Weil die Schweiz Mitglied der Lateinischen Münzunion war, entsprechen ihre Silbermünzen in Gewicht und Feingehalt den Münzen anderer Mitgliedsländer aus derselben Zeit. Wer neben Schweizer Franken auch französische, belgische oder italienische Silbermünzen besitzt, kann deren Silbergehalt ähnlich berechnen:

Land Münzen Feingehalt der kleinen Nominale Typischer Zeitraum
Frankreich 50 Centimes, 1 und 2 Francs 835 bis etwa 1920
Belgien 50 Centimes, 1 und 2 Francs 835 bis etwa 1910
Italien 50 Centesimi, 1 und 2 Lire 835 bis etwa 1917
Schweiz ½, 1 und 2 Franken 835 bis 1967

Die großen 5-Franc-, 5-Lire- und 5-Franken-Taler der Münzunion hatten mit 25 Gramm und 900 Tausendstel einen deutlich höheren Silbergehalt von 22,5 Gramm. Die Schweiz hielt den Silberstandard bei ihren Umlaufmünzen am längsten aufrecht, die anderen Länder stellten nach dem Ersten Weltkrieg weitgehend auf unedle Metalle um.

Gelten die Münzen noch als Zahlungsmittel?

Die Silbermünzen wurden in der Schweiz außer Kurs gesetzt und sind kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Ein Umtausch zum Nennwert ist bei Silbermünzen ohnehin nicht sinnvoll, weil ihr Silberwert den Nennwert deutlich übersteigt. Einige der späteren Kupfer-Nickel-Münzen sind dagegen weiterhin im Umlauf. Wer gemischte Bestände hat, sollte Silbermünzen und Umlaufmünzen deshalb sorgfältig trennen.

Verkaufen in Deutschland

Schweizer Silbermünzen werden auch von deutschen Edelmetall- und Münzhändlern angekauft. So gehen Sie vor:

  1. Sortieren: Silberjahrgänge von Kupfer-Nickel-Münzen trennen, nach Nominal gruppieren.
  2. Seltenheiten prüfen: Jahrgänge mit kleiner Auflage, Silbermünzen von 1968, Gedenktaler und alte Taler heraussuchen.
  3. Wiegen und rechnen: Gesamtgewicht der Silbermünzen mit 0,835 multiplizieren und mit dem Silberpreis bewerten.
  4. Angebote vergleichen: Für gängige Münzen den Edelmetallhändler, für Seltenheiten einen Münzhändler mit Schwerpunkt Schweiz wählen.

Weitere Hinweise zum Verkauf von Silbermünzen gibt der Ratgeber Silber verkaufen: wo, wann, zu welchem Preis.

Steuern

Für Privatpersonen sind Gewinne aus dem Verkauf von Silbermünzen nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei. Bei geerbten Münzen zählt die Besitzzeit des Erblassers. Da die Schweizer Silbermünzen seit Jahrzehnten nicht mehr geprägt werden, liegen die Haltedauern in den meisten Fällen weit über einem Jahr. Mehr dazu im Ratgeber Silber verkaufen und Steuern.

Vergleich mit deutschen Silbermünzen

Wer neben Schweizer Franken auch deutsche Silbermünzen besitzt, findet die Silbergehalte im Ratgeber zu den Silbermünzen des Kaiserreichs sowie zu den DM-Silbermünzen. Die deutschen 5-DM-Münzen bis 1974 enthalten 7 Gramm Silber, also deutlich weniger als ein Schweizer 5-Franken-Stück mit 12,5 Gramm.

Fazit

Schweizer Umlaufmünzen zu ½, 1 und 2 Franken bis zum Jahrgang 1967 sowie die 5-Franken-Stücke bis 1969 bestehen aus 835er Silber. Ein Franken Nennwert enthält rund 4,18 Gramm Silber, ein 5-Franken-Stück rund 12,5 Gramm. Gängige Jahrgänge werden nahe am Silberwert gehandelt, seltene Jahrgänge, Silberprägungen von 1968, Gedenk- und Schützentaler sowie ältere Taler erzielen höhere Preise. Wer alte Franken findet, sollte nach Jahreszahl sortieren, wiegen und Seltenheiten von einem Münzhändler bewerten lassen. Den Silberwert gängiger Stücke berechnen Sie mit dem Silberwert-Rechner.