Neben den bekannten Goldmünzen gab es im Deutschen Kaiserreich auch Silbermünzen, die im Alltag weit häufiger in den Händen der Menschen lagen. Die Stücke zu ½, 1, 2, 3 und 5 Mark sind heute beliebte Sammlerobjekte und finden sich in vielen Nachlässen, oft in Zigarrenkisten oder alten Geldbörsen.

Wer solche Münzen erbt oder findet, fragt sich meist zuerst: Wie viel sind sie wert? Die Antwort hat zwei Teile: den Silberwert, der sich einfach berechnen lässt, und einen möglichen Sammlerwert, der stark von Motiv, Jahrgang und Erhaltung abhängt. Dieser Ratgeber erklärt beides.

Die Silbermünzen des Kaiserreichs im Überblick

Alle regulären Silbermünzen des Kaiserreichs ab 1873 bestehen aus einer Legierung von 900 Teilen Silber und 100 Teilen Kupfer. Gewicht und Silbergehalt sind festgelegt:

Nominal Raugewicht Feingehalt Silbergehalt
½ Mark 2,78 g 900 2,50 g
1 Mark 5,56 g 900 5,00 g
2 Mark 11,11 g 900 10,00 g
3 Mark 16,67 g 900 15,00 g
5 Mark 27,78 g 900 25,00 g

Die Rechnung ist bewusst einfach angelegt: Ein Mark entspricht genau fünf Gramm Feinsilber. Die 3-Mark-Münze wurde erst ab 1908 geprägt und ersetzte den alten Vereinstaler. Die frühere 20-Pfennig-Silbermünze spielt heute praktisch keine Rolle mehr.

So berechnen Sie den Silberwert

Silberwert = Silbergehalt × Silberpreis pro Gramm

Ein Beispiel mit einem angenommenen Silberpreis von 1,20 Euro pro Gramm: Eine 5-Mark-Münze enthält 25 Gramm Silber und ist damit rund 30 Euro wert. Eine 2-Mark-Münze bringt etwa 12 Euro, eine 1-Mark-Münze etwa 6 Euro. Den aktuellen Silberpreis finden Sie unter Silberpreis pro Gramm.

Eine schnelle Orientierung für größere Mengen: 20 Mark Nennwert in Kaiserreich-Silbermünzen enthalten immer genau 100 Gramm Feinsilber, gleichgültig, wie sich der Betrag aus einzelnen Münzen zusammensetzt. Wer also eine Kiste mit 1- und 2-Mark-Stücken im Nennwert von 200 Mark besitzt, hat rund ein Kilogramm Feinsilber.

Föderale Vielfalt: Warum es so viele Varianten gibt

Wie bei den Goldmünzen durften die Bundesstaaten auch die größeren Silbermünzen zu 2, 3 und 5 Mark mit dem Porträt ihres Herrschers oder dem Wappen ihrer Stadt prägen. Die Stücke zu ½ und 1 Mark trugen dagegen einheitliche Motive mit dem Reichsadler. Daraus ergibt sich eine große Vielfalt:

  • Preußen stellte mit Abstand die meisten Münzen, vor allem mit Wilhelm I. und Wilhelm II.
  • Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden prägten ebenfalls in großer Zahl.
  • Kleinere Staaten wie Lippe, Reuß, Schwarzburg, Sachsen-Meiningen, Mecklenburg oder Waldeck prägten nur geringe Stückzahlen.
  • Freie Städte wie Hamburg, Bremen und Lübeck prägten Stadtwappen-Münzen.

Hinzu kommen Gedenkmünzen, etwa zu Regierungsjubiläen, Hochzeiten, Universitätsjubiläen oder zum 100. Jahrestag der Befreiungskriege 1913. Diese Gedenkstücke sind bei Sammlern besonders beliebt.

Wann eine Silbermünze mehr wert ist als ihr Silber

Die meisten Silbermünzen aus Preußen mit hoher Auflage werden in gewöhnlicher Erhaltung nahe am Silberwert oder mit geringem Aufschlag gehandelt. Deutlich mehr zahlen Sammler für:

  1. Münzen kleiner Bundesstaaten mit geringer Auflage, besonders zu 3 und 5 Mark.
  2. Gedenkmünzen, etwa die 3-Mark-Stücke zur Jahrhundertfeier der Befreiungskriege oder zu Regierungsjubiläen.
  3. Seltene Jahrgänge und Prägestätten, die nur in kleiner Zahl hergestellt wurden.
  4. Spitzenerhaltungen, etwa „vorzüglich bis Stempelglanz“ oder Münzen in Polierter Platte.
  5. Fehlprägungen, also Münzen mit sichtbaren Prägefehlern, die von Spezialsammlern gesucht werden.

Manche Kaiserreich-Münzen erzielen bei Auktionen ein Vielfaches ihres Silberwerts, einzelne große Seltenheiten sogar vier- oder fünfstellige Beträge. Diese Stücke sind aber die Ausnahme. Für eine erste Einordnung eignet sich der Jaeger-Katalog, der jede Variante mit einer Nummer und Marktpreisen nach Erhaltung verzeichnet.

Erhaltung prüfen ohne Schaden anzurichten

Die Erhaltung entscheidet bei Sammlermünzen über den Preis. Achten Sie auf:

  • Abnutzung an den höchsten Stellen, etwa an Haaren, Bart und Wangen des Porträts oder an den Federn des Adlers,
  • Randschläge und Kratzer, die durch den Umlauf entstanden sind,
  • Reinigungsspuren, erkennbar an einem unnatürlich hellen, oft streifigen Glanz,
  • Henkelspuren oder Löcher, die zeigen, dass eine Münze als Schmuck getragen wurde.

Reinigen Sie Sammlermünzen nicht. Eine gleichmäßige, dunkle Patina ist bei alten Silbermünzen normal und wird von Sammlern oft bevorzugt. Wer die dunkle Färbung verhindern möchte, sollte auf die richtige Lagerung achten, siehe Silber anlaufen verhindern.

Die Prägestätten und ihre Bedeutung für den Wert

Wie bei den Goldmünzen verrät ein Buchstabe die Prägestätte. Die Kombination aus Bundesstaat, Jahrgang und Prägestätte bestimmt die Auflage und damit die Seltenheit:

Buchstabe Prägestätte Hinweis
A Berlin häufigste Prägestätte, vor allem Preußen
B Hannover nur in den ersten Jahren, seltener
C Frankfurt am Main bis 1880
D München Bayern
E Muldenhütten Sachsen
F Stuttgart Württemberg
G Karlsruhe Baden
H Darmstadt Hessen, frühe Jahre
J Hamburg Hansestädte und Norddeutschland

Bei 1-Mark- und ½-Mark-Stücken, die keine Herrscherporträts tragen, ist die Kombination aus Jahrgang und Prägestätte das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Einige Jahrgänge wurden an einzelnen Prägestätten nur in kleinen Stückzahlen hergestellt und sind bei Spezialsammlern gefragt, selbst wenn das Motiv unscheinbar wirkt.

Ein Beispiel aus der Praxis

Angenommen, in einem Nachlass finden sich 40 Silbermünzen: 15 Stücke zu 1 Mark, 12 zu 2 Mark, 8 zu 3 Mark und 5 zu 5 Mark, überwiegend aus Preußen. Der Nennwert beträgt 15 + 24 + 24 + 25 = 88 Mark. Das entspricht 440 Gramm Feinsilber. Bei einem angenommenen Silberpreis von 1,20 Euro pro Gramm liegt der reine Silberwert bei rund 528 Euro.

Findet sich unter den 3-Mark-Stücken nun eine Gedenkmünze in guter Erhaltung oder ein 5-Mark-Stück eines kleinen Bundesstaats, kann allein dieses Stück einen Großteil des Gesamtwerts ausmachen. Genau deshalb lohnt es sich, einen gemischten Bestand vor dem Verkauf durchzusehen, statt alles pauschal nach Gewicht abzugeben.

Fälschungen und Nachprägungen

Auch bei Kaiserreich-Silbermünzen gibt es Fälschungen, besonders bei seltenen Gedenkstücken. Daneben existieren moderne Nachprägungen, die als Souvenir oder Medaille verkauft werden. Hinweise auf Fälschungen sind:

  • falsches Gewicht oder falscher Durchmesser,
  • unscharfe Details und weiche Konturen,
  • ein falscher Randstab oder fehlende Randschrift bei 5-Mark-Stücken,
  • Magnetismus, der auf einen Eisenkern hindeutet,
  • ein dumpfer Klang.

Wie Sie Silbermünzen auf Echtheit prüfen, erklärt der Ratgeber Silbermünzen auf Echtheit prüfen.

Unterschied zu späteren Silbermünzen

Kaiserreich-Münzen werden oft mit Silbermünzen aus Weimarer Republik, Drittem Reich und Bundesrepublik verwechselt. Die Unterschiede sind für den Wert wichtig:

Zeit Typische Silbermünzen Feingehalt
Kaiserreich (1873–1918) ½ bis 5 Mark 900
Weimarer Republik 3 und 5 Reichsmark, 1 Reichsmark ab 1925 500
Drittes Reich 2 und 5 Reichsmark 625
Bundesrepublik bis 1997 5 DM (bis 1974), 10 DM Gedenkmünzen 625
Bundesrepublik ab 1998 10 DM, später 10 und 20 Euro 925 und 625

Die späteren Münzen enthalten bei vergleichbarem Gewicht deutlich weniger Silber. Mehr zu den Silbermünzen der Bundesrepublik erklären die Ratgeber DM-Silbermünzen Wert und Euro-Silbermünzen Wert.

So verkaufen Sie Kaiserreich-Silbermünzen

Je nach Bestand sind unterschiedliche Wege sinnvoll:

  • Gemischter Bestand gängiger Münzen: Ein Edelmetallhändler oder Münzhändler kauft zum Silberwert mit kleinem Abschlag. Sortieren Sie vorher seltene Stücke aus.
  • Einzelne Gedenkmünzen und seltene Staaten: Ein Münzhändler oder eine Münzauktion erzielt meist bessere Preise.
  • Größere Sammlungen: Eine Bewertung durch einen Numismatiker lohnt sich, bevor Sie verkaufen.

Dokumentieren Sie Ihren Bestand mit Fotos von Vorder- und Rückseite und notieren Sie Nominal, Staat, Jahrgang und Prägebuchstabe. Das erleichtert Händlern die Einschätzung und Ihnen den Preisvergleich. Allgemeine Hinweise zum Verkauf finden Sie im Ratgeber Silbermünzen verkaufen.

Fazit

Die Silbermünzen des Kaiserreichs bestehen aus 900er Silber, und ihr Silbergehalt lässt sich leicht berechnen: Jede Mark Nennwert entspricht fünf Gramm Feinsilber. Gängige preußische Stücke sind meist nur ihren Silberwert wert. Gedenkmünzen, Prägungen kleiner Bundesstaaten, seltene Jahrgänge und sehr gute Erhaltungen können dagegen ein Vielfaches erzielen. Wer eine Sammlung erbt, sollte nichts reinigen, seltene Stücke aussortieren und diese von einem Münzhändler bewerten lassen. Den Silberwert gängiger Münzen berechnen Sie mit dem Silberwert-Rechner.