Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Euro-Einführung liegen in vielen Haushalten noch D-Mark-Münzen: in Sparschweinen, Sammelalben, Münzrollen aus dem Nachlass oder als Andenken an Olympia 1972. Ein Teil davon ist aus Silber. Und weil der Silberpreis seit der D-Mark-Zeit stark gestiegen ist, sind diese Münzen heute mehr wert, als ihr Nennwert vermuten lässt.
Dieser Ratgeber zeigt, welche 5-DM- und 10-DM-Münzen Silber enthalten, wie viel genau, wie Sie den aktuellen Silberwert berechnen und wann ein Sammler mehr bezahlt als den Materialwert. Außerdem klären wir eine Frage, die viele übersehen: Was die Bundesbank für dieselben Münzen zahlt.
Welche D-Mark-Münzen enthalten Silber?
Nicht jede 5-DM- oder 10-DM-Münze ist aus Silber. Entscheidend sind Münztyp und Jahrgang. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Silberausgaben der Bundesrepublik zusammen.

5 DM Silberadler (Heiermann), 1951 bis 1974
Die 5-DM-Kursmünze mit dem Bundesadler wurde von 1951 bis 1974 aus einer Legierung mit 625 Tausendteilen Silber und 375 Tausendteilen Kupfer geprägt. Bei einem Rauhgewicht von 11,2 Gramm enthält jede Münze genau 7 Gramm Feinsilber. Ab 1975 wurde die 5-DM-Kursmünze aus der silberfreien Magnimat-Legierung hergestellt. Diese neueren Münzen enthalten kein Silber. Ein einfacher Test: Magnimat-Münzen haben einen Nickelkern und werden von einem Magneten angezogen, Silbermünzen nicht.
5 DM Gedenkmünzen, 1952 bis 1979
Die 5-DM-Gedenkmünzen der frühen Bundesrepublik, etwa zu Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller, Humboldt oder Kant, bestehen ebenfalls aus 625er Silber mit 11,2 Gramm Rauhgewicht und damit 7 Gramm Feinsilber. Ab etwa 1979/1980 wurden die 5-DM-Gedenkmünzen aus Kupfer-Nickel bzw. Magnimat geprägt, weil der hohe Silberpreis den Metallwert über den Nennwert getrieben hatte. Für den Jahrgang 1979 gibt es beide Varianten, je nach Motiv.
10 DM Gedenkmünzen, 1970 bis 1997
Die bekanntesten Silbermünzen der D-Mark-Zeit sind die 10-DM-Gedenkmünzen. Den Anfang machten von 1970 bis 1972 die Ausgaben zu den Olympischen Spielen in München. Ab 1987, beginnend mit dem Motiv „750 Jahre Berlin“, folgten jährlich mehrere Gedenkmünzen. Bis einschließlich 1997 bestehen sie aus 625er Silber bei 15,5 Gramm Rauhgewicht, das entspricht 9,69 Gramm Feinsilber pro Münze.
10 DM Gedenkmünzen, 1998 bis 2001
Ab 1998 wurden die 10-DM-Gedenkmünzen aus 925er Sterlingsilber geprägt. Das Rauhgewicht blieb bei 15,5 Gramm, der Feinsilbergehalt stieg damit auf rund 14,34 Gramm. Diese späten Jahrgänge enthalten also fast 50 Prozent mehr Silber als die Ausgaben bis 1997.
Keine Silbermünzen
Die Kursmünzen zu 1 DM, 2 DM und 50 Pfennig sowie die 5-DM-Kursmünzen ab 1975 enthalten kein Silber. Die 2-DM-Münzen mit Porträts von Max Planck, Konrad Adenauer und anderen sind zwar oft größer und glänzend, bestehen aber aus unedlen Legierungen.
So berechnen Sie den Silberwert Ihrer Münzen
Die Formel ist einfach: Anzahl der Münzen × Feinsilber pro Münze × Silberpreis pro Gramm. Den aktuellen Kurs finden Sie auf unserer Seite Silberpreis aktuell.
Ein Rechenbeispiel mit einem bewusst angenommenen Silberpreis von 1,20 Euro pro Gramm:
| Münze | Feinsilber | Silberwert je Münze (bei 1,20 €/g) | Bundesbank-Umtausch |
|---|---|---|---|
| 5 DM Silberadler / Gedenkmünze | 7,00 g | ca. 8,40 € | 2,56 € |
| 10 DM Gedenkmünze bis 1997 | 9,69 g | ca. 11,63 € | 5,11 € |
| 10 DM Gedenkmünze ab 1998 | 14,34 g | ca. 17,21 € | 5,11 € |
Eine Sammlung mit 40 Olympia- und Gedenk-Zehnern bis 1997 enthält demnach knapp 388 Gramm Feinsilber. Setzen Sie für eine eigene Rechnung immer den aktuellen Tageskurs ein, zum Beispiel mit dem Silberwert-Rechner.
Bundesbank-Umtausch: die Untergrenze, die kaum jemand kennt
Die Deutsche Bundesbank tauscht D-Mark-Banknoten und -Münzen unbefristet und gebührenfrei in Euro um, zum festen Kurs von 1,95583 DM je Euro. Eine 10-DM-Gedenkmünze bringt dort also rund 5,11 Euro, eine 5-DM-Münze rund 2,56 Euro.
Dieser Umtauschwert bildet eine feste Untergrenze. Liegt der Silberwert darüber, und das ist bei den Silberausgaben seit Jahren der Fall, ist der Umtausch bei der Bundesbank die schlechtere Wahl. Er ist aber ein nützlicher Maßstab: Bietet Ihnen jemand für eine Silber-Zehnmarkmünze weniger als 5,11 Euro, sollten Sie das Angebot ablehnen. Für silberfreie Münzen wie den 5-DM-Magnimat oder die 2-DM-Münzen ist der Umtausch dagegen meist der einfachste Weg, sofern es sich nicht um gesuchte Raritäten handelt.
Wann Sammler mehr zahlen als den Silberwert
Die allermeisten DM-Silbermünzen wurden in Millionenauflagen geprägt. Sie haben deshalb keinen nennenswerten Sammlerwert über das Silber hinaus. Es gibt aber Ausnahmen, bei denen sich ein genauer Blick lohnt:
- Seltene Jahrgänge und Prägestätten des Silberadlers: Einzelne Kombinationen aus Jahrgang und Münzzeichen (A, D, F, G, J) wurden in kleiner Auflage geprägt und sind in guter Erhaltung bei Sammlern gefragt. Bekannt ist etwa der Jahrgang 1958 mit Münzzeichen J.
- Frühe 5-DM-Gedenkmünzen: Die erste Gedenkmünze „Germanisches Museum“ von 1952 und einige weitere frühe Ausgaben haben einen deutlichen Sammlerwert, vor allem in sehr guter Erhaltung.
- Spiegelglanz-Ausführungen: Gedenkmünzen in der Sammlerqualität Spiegelglanz (PP), originalverpackt und ohne Fingerabdrücke, erzielen teilweise einen kleinen Aufschlag auf den Silberwert.
- Fehlprägungen: Münzen mit Prägefehlern, falschem Rand oder fehlender Randschrift können für Spezialsammler interessant sein.
Für eine erste Einschätzung helfen aktuelle Münzkataloge wie der „Jaeger“ oder abgeschlossene Auktionen auf Online-Plattformen. Bei Münzen, die Sie für selten halten, lohnt die Einschätzung eines Münzhändlers, bevor Sie sie als Silber verkaufen.
Wichtig: Reinigen Sie keine Münzen, die Sie für wertvoll halten. Schon das Polieren mit einem Tuch kann feine Kratzer hinterlassen und den Sammlerwert deutlich mindern. Warum das so ist, erklärt der Ratgeber Silber reinigen.
Wo Sie DM-Silbermünzen verkaufen können
Edelmetallhändler: Viele Händler kaufen 5-DM- und 10-DM-Silbermünzen gezielt an, weil sie sie als günstiges Silber in kleinen Stückelungen weiterverkaufen. Die Preise orientieren sich am Silberkurs und werden meist pro Münze angegeben. Vergleichen Sie, wie viel Prozent des Silberwerts angeboten werden.
Münzhändler: Für Sammlerstücke, seltene Jahrgänge und komplette Serien in Spiegelglanz ist der Münzhandel die richtige Adresse.
Privatverkauf: Auf Online-Marktplätzen lassen sich ganze Sammlungen gut verkaufen, weil viele Silberkäufer gerade diese Münzen suchen. Der Aufwand ist höher, und Sie sollten auf sichere Zahlungswege achten.
Bank oder Sparkasse: Die meisten Banken kaufen keine Münzen an und verweisen auf die Bundesbank, deren Umtauschwert deutlich unter dem Silberwert liegt.
Allgemeine Hinweise zur Wahl eines seriösen Ankäufers bietet der Ratgeber Silber verkaufen: Wo, wann und zu welchem Preis?. Wer überlegt, ob er Silbermünzen jetzt oder später verkaufen soll, findet Überlegungen dazu im Beitrag Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Silbermünzen zu verkaufen?.
Lohnt es sich, DM-Silbermünzen zu kaufen?
Für Silberanleger können DM-Silbermünzen eine interessante Ergänzung sein. Händler verkaufen sie häufig differenzbesteuert, also mit einem geringeren Mehrwertsteueranteil als neue Silbermünzen. Die kleine Stückelung von 7 bzw. 9,69 Gramm Feinsilber macht sie flexibel, etwa für Tauschzwecke oder als Geschenk. Nachteilig ist der geringere Feingehalt, der bei einer Prüfung etwas mehr Aufwand bedeutet, und die Tatsache, dass sie international weniger bekannt sind als Anlagemünzen wie der Maple Leaf. Mehr zur Mehrwertsteuer bei Silber erklärt der Beitrag Mehrwertsteuer bei Silber und Differenzbesteuerung.
Steuern beim Verkauf
Für Privatpersonen gilt beim Verkauf von Silbermünzen die einjährige Spekulationsfrist nach § 23 Einkommensteuergesetz. Wer Münzen länger als ein Jahr besitzt, verkauft steuerfrei. Bei geerbten Münzen zählt die Besitzzeit des Erblassers mit, sodass Münzen aus einem Nachlass in aller Regel steuerfrei veräußert werden können. Details finden Sie unter Silber verkaufen und Steuern. Im Zweifel hilft eine steuerliche Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Silber ist in einer 10-DM-Münze?
10-DM-Gedenkmünzen von 1970 bis 1997 enthalten 9,69 Gramm Feinsilber (15,5 Gramm, Feingehalt 625). Die Ausgaben von 1998 bis 2001 bestehen aus 925er Silber und enthalten rund 14,34 Gramm Feinsilber.
Welche 5-DM-Münzen sind aus Silber?
Der 5-DM-Silberadler von 1951 bis 1974 und die 5-DM-Gedenkmünzen bis 1979 bestehen aus 625er Silber und enthalten je 7 Gramm Feinsilber. 5-DM-Kursmünzen ab 1975 sind aus silberfreiem Magnimat.
Kann ich DM-Münzen noch umtauschen?
Ja. Die Bundesbank tauscht D-Mark-Münzen unbefristet und kostenlos zum Kurs von 1,95583 DM je Euro. Für Silbermünzen ist das allerdings meist ungünstig, weil der Silberwert deutlich über dem Umtauschwert liegt.
Sind meine Olympia-Münzen von 1972 wertvoll?
Die 10-DM-Olympiamünzen wurden in großen Auflagen geprägt. Ihr Wert entspricht in der Regel dem Silberwert von 9,69 Gramm Feinsilber pro Münze. Ein Sammleraufschlag ist meist nur bei Spiegelglanz-Exemplaren in Originalverpackung oder bei Varianten möglich.
Wie erkenne ich, ob meine 5-DM-Münze aus Silber ist?
Schauen Sie auf das Prägejahr: Silberadler wurden bis 1974 geprägt. Am schnellsten hilft ein Magnet: Magnimat-Münzen ab 1975 werden wegen ihres Nickelkerns angezogen, silberne Münzen nicht. Silbermünzen können zudem dunkel anlaufen. Silberne 5-DM-Münzen wiegen 11,2 Gramm.
Fazit
Die Silbermünzen der D-Mark-Zeit sind ein unterschätzter Schatz in vielen Schubladen. Silberadler und 5-DM-Gedenkmünzen enthalten je 7 Gramm, die 10-DM-Gedenkmünzen 9,69 bzw. 14,34 Gramm Feinsilber. Ihr Silberwert liegt seit Jahren deutlich über dem Umtauschwert der Bundesbank, der als absolute Untergrenze dient. Wer seine Münzen nach Jahrgängen sortiert, mögliche Raritäten aussondert und den Rest mit dem Tageskurs bewertet, kann jedes Ankaufsangebot sicher einordnen.




