Seit 2002 gibt die Bundesrepublik jedes Jahr mehrere Gedenkmünzen aus, zunächst mit einem Nennwert von 10 Euro, seit 2016 mit 20 Euro. Viele wurden zum Nennwert bei Banken und Sparkassen gekauft, verschenkt oder einfach aufbewahrt. Heute fragen sich Besitzer: Sind diese Münzen mehr wert als ihr aufgeprägter Betrag? Enthalten alle Silber? Und wo verkauft man sie am besten?

Die Antworten hängen vom Jahrgang ab. Dieser Ratgeber erklärt den Silbergehalt aller Ausgaben, zeigt, wie Sie Silberwert und Nennwert vergleichen, und warum Euro-Gedenkmünzen eine Besonderheit haben, die sie von fast allen anderen Silbermünzen unterscheidet: eine garantierte Preisuntergrenze.

Die Besonderheit: gesetzliches Zahlungsmittel

Deutsche 10-Euro- und 20-Euro-Sammlermünzen sind gesetzliches Zahlungsmittel in Deutschland. Die Deutsche Bundesbank nimmt sie zum Nennwert entgegen. Im Alltag akzeptiert sie zwar kaum ein Geschäft, und auch viele Geschäftsbanken nehmen sie nicht an, die Filialen der Bundesbank tauschen sie aber in Euro-Bargeld oder schreiben den Betrag gut.

Für Besitzer bedeutet das: Eine Euro-Gedenkmünze ist mindestens ihren Nennwert wert. Wer eine 20-Euro-Münze für 15 Euro an einen Ankäufer verkauft, verschenkt Geld, denn bei der Bundesbank gäbe es 20 Euro. Diese Untergrenze gibt es bei Anlagemünzen wie dem Maple Leaf faktisch nicht, deren Nennwert weit unter dem Silberwert liegt.

Silbergehalt nach Jahrgängen

Tabelle mit dem Silbergehalt deutscher Silbermünzen, darunter 10 Euro Gedenkmünzen 2002 bis 2010 mit 16,65 g, 10 Euro Silber 625 von 2011 bis 2015 mit 10 g und 20 Euro Gedenkmünzen ab 2016 mit 16,65 g Feinsilber
Die Euro-Gedenkmünzen in den unteren drei Zeilen: Je nach Jahrgang enthalten sie 16,65 g, 10 g oder gar kein Silber.

10 Euro, 2002 bis 2010: Sterlingsilber

Alle bis Ende 2010 geprägten deutschen 10-Euro-Sammlermünzen bestehen aus Sterlingsilber mit 925 Tausendteilen Silber und 75 Tausendteilen Kupfer. Sie wiegen 18 Gramm und enthalten damit 16,65 Gramm Feinsilber. Das gilt sowohl für die Normalprägung (Stempelglanz) als auch für die Sammlerqualität Spiegelglanz.

10 Euro, 2011 bis 2015: Silber 625 oder Kupfer-Nickel

Wegen des stark gestiegenen Silberpreises wurde der Silbergehalt ab 2011 reduziert. Die Spiegelglanz-Ausgaben bestehen seither aus 625er Silber, wiegen 16 Gramm und enthalten 10 Gramm Feinsilber. Sie tragen die Randaufschrift oder Prägung „SILBER 625“.

Ab der Ausgabe „125 Jahre Automobil“ im Jahr 2011 wurden die Normalprägungen in Stempelglanz aus einer Kupfer-Nickel-Legierung hergestellt. Diese Münzen enthalten kein Silber und wiegen rund 14 Gramm. Unterscheiden lassen sich beide Varianten am einfachsten durch den Hinweis „SILBER 625“ und das Gewicht.

20 Euro, ab 2016: wieder Sterlingsilber

Ende 2015 wurde der Nennwert auf 20 Euro angehoben. Die 20-Euro-Sammlermünzen bestehen in beiden Prägequalitäten wieder aus 925er Sterlingsilber, wiegen 18 Gramm und enthalten 16,65 Gramm Feinsilber. Die Stempelglanz-Ausführung wird zum Nennwert ausgegeben.

Neuere Ausgaben: höhere Nennwerte

Weil der Silberwert einer 18-Gramm-Sterlingsilbermünze in die Nähe des Nennwerts von 20 Euro gestiegen ist, hat der Bund die Ausgabepolitik für neue Silber-Sammlermünzen angepasst und höhere Nennwerte eingeführt. Bei Ausgaben ab 2025 sollten Sie deshalb Nennwert, Feingehalt und Feingewicht direkt den offiziellen Ausgabedaten der Bundesbank oder der Verkaufsstelle für Sammlermünzen entnehmen, statt sich auf ältere Tabellen zu verlassen.

Silberwert oder Nennwert: Was zählt?

Ob eine Münze mehr als ihren Nennwert wert ist, hängt allein vom aktuellen Silberpreis ab. Rechnen Sie so: Feinsilber in Gramm × Silberpreis pro Gramm = Silberwert. Den Tageskurs finden Sie auf unserer Seite Silberpreis aktuell.

Ein Rechenbeispiel mit einem angenommenen Silberpreis von 1,20 Euro pro Gramm:

Münze Feinsilber Silberwert (bei 1,20 €/g) Nennwert Mindestwert
10 Euro 2002–2010 16,65 g ca. 19,98 € 10 € Silberwert
10 Euro Silber 625 (2011–2015) 10,00 g ca. 12,00 € 10 € Silberwert
10 Euro Kupfer-Nickel (2011–2015) 0 g 0 € 10 € Nennwert
20 Euro ab 2016 16,65 g ca. 19,98 € 20 € etwa gleich

Das Beispiel zeigt die Logik: Bei den alten Sterlingsilber-Zehnern liegt der Silberwert schon bei moderaten Silberpreisen deutlich über dem Nennwert. Bei den 20-Euro-Münzen liegen Silberwert und Nennwert dagegen nah beieinander. Steigt der Silberpreis, wird die Münze mehr wert als 20 Euro. Fällt er, schützt Sie der Nennwert vor Verlusten. Diese Kombination aus Untergrenze und Aufwärtspotenzial macht die 20-Euro-Münzen für manche Sparer interessant.

Wann Gedenkmünzen mehr wert sind als Silber und Nennwert

Die meisten Euro-Gedenkmünzen wurden in hohen Auflagen geprägt, oft mehrere hunderttausend Stück je Motiv und Prägestätte. Einen echten Sammlerwert haben deshalb nur wenige Ausgaben. Etwas mehr erzielen können:

  • Spiegelglanz-Münzen in Originalverpackung mit Kapsel, Etui und Zertifikat, insbesondere komplette Sätze aller fünf Prägestätten (A, D, F, G, J).
  • Ausgaben mit niedriger Auflage oder besonders beliebten Motiven.
  • Münzen mit Prägefehlern, die für Spezialsammler interessant sein können.

Eine schnelle Orientierung bieten abgeschlossene Auktionen auf Online-Marktplätzen. Für normale Stempelglanz-Münzen ist der höhere Wert aus Silberwert und Nennwert in der Regel der realistische Preis.

Ganz wichtig: Reinigen Sie Spiegelglanz-Münzen niemals. Fingerabdrücke und Putzspuren auf der polierten Oberfläche lassen sich nicht rückgängig machen und senken den Sammlerwert. Mehr dazu im Ratgeber Silber reinigen.

Wo Sie Euro-Silbermünzen verkaufen oder einlösen

Bundesbank-Filiale: Für Kupfer-Nickel-Ausgaben und für Münzen, deren Silberwert unter dem Nennwert liegt, ist die Einlösung zum Nennwert bei der Bundesbank der sicherste Weg. Erkundigen Sie sich vorab nach den Öffnungszeiten und Bedingungen der nächstgelegenen Filiale.

Edelmetallhändler: Viele Händler kaufen 10-Euro-Silbermünzen der Jahrgänge 2002 bis 2010 gezielt an, weil sie bei Silberkäufern beliebt sind. Die Preise orientieren sich am Silberkurs. Vergleichen Sie das Angebot mit dem Silberwert und mit dem Nennwert, und nehmen Sie das höhere von beiden als Maßstab.

Münzhändler und Privatverkauf: Für komplette Sätze, Spiegelglanz-Serien und seltene Ausgaben lohnt sich der Münzhandel oder ein Verkauf an Sammler.

Allgemeine Tipps zur Wahl eines seriösen Ankäufers gibt der Ratgeber Silber verkaufen: Wo, wann und zu welchem Preis?. Zu den älteren D-Mark-Silbermünzen gibt es einen eigenen Beitrag: 5 DM und 10 DM Silbermünzen.

Euro-Silbermünzen als Silberanlage

Für Silbersparer haben die 20-Euro-Münzen einen besonderen Reiz: Wer sie zum Nennwert in Stempelglanz erwirbt, zahlt keinen Aufschlag und keine Mehrwertsteuer, weil es sich um gesetzliches Zahlungsmittel handelt, und erhält trotzdem 16,65 Gramm Feinsilber. Bei normalen Anlagemünzen fallen dagegen Aufgeld und in Deutschland meist Umsatzsteuer an. Allerdings sind die Stempelglanz-Ausgaben zum Nennwert oft schnell vergriffen, und über Händler gekaufte Exemplare kosten in der Regel mehr als den Nennwert.

Für größere Silberbeträge bleiben klassische Anlagemünzen und Barren wegen ihrer internationalen Bekanntheit und der höheren Stückelung die übliche Wahl. Einen Überblick bieten Silbermünzen kaufen und Anlagesilber oder Sammlermünzen.

Steuern

Für Privatpersonen gilt beim Verkauf von Silbermünzen die einjährige Haltefrist nach § 23 Einkommensteuergesetz. Nach mehr als einem Jahr ist ein Gewinn steuerfrei. Werden Münzen lediglich zum Nennwert bei der Bundesbank eingelöst, entsteht kein Gewinn. Weitere Details erklärt der Beitrag Silber verkaufen und Steuern.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Silber hat eine 20-Euro-Münze?

Die deutschen 20-Euro-Sammlermünzen ab 2016 bestehen aus 925er Sterlingsilber, wiegen 18 Gramm und enthalten 16,65 Gramm Feinsilber.

Sind alle 10-Euro-Münzen aus Silber?

Nein. Die Ausgaben von 2002 bis 2010 sind aus 925er Silber. Von 2011 bis 2015 sind nur die Spiegelglanz-Münzen mit der Aufschrift „SILBER 625“ silberhaltig, die Stempelglanz-Münzen bestehen aus Kupfer-Nickel.

Kann ich 10-Euro- und 20-Euro-Münzen bei der Bank einzahlen?

Die Deutsche Bundesbank nimmt deutsche Sammlermünzen zum Nennwert an. Viele Geschäftsbanken und Sparkassen tun das nicht. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Bank nach oder wenden Sie sich direkt an eine Bundesbank-Filiale.

Lohnt es sich, 10-Euro-Silbermünzen zu verkaufen?

Bei den Jahrgängen 2002 bis 2010 liegt der Silberwert seit Jahren deutlich über dem Nennwert. Ein Verkauf an einen Edelmetallhändler bringt deshalb meist mehr als die Einlösung bei der Bundesbank.

Wie erkenne ich eine 10-Euro-Münze aus Kupfer-Nickel?

Kupfer-Nickel-Ausgaben der Jahre 2011 bis 2015 tragen nicht den Hinweis „SILBER 625“ und wiegen etwa 14 Gramm statt 16 Gramm. Sie sind nur den Nennwert von 10 Euro wert.

Fazit

Deutsche Euro-Gedenkmünzen sind eine Ausnahme unter den Silbermünzen: Sie sind immer mindestens ihren Nennwert wert, weil die Bundesbank sie zu diesem Betrag annimmt. Die 10-Euro-Münzen bis 2010 enthalten 16,65 Gramm Feinsilber und sind heute deutlich mehr wert als 10 Euro. Bei den 20-Euro-Münzen liegen Silberwert und Nennwert nah beieinander. Wer verkauft, sollte deshalb immer zwei Zahlen vergleichen, den aktuellen Silberwert und den Nennwert, und kein Angebot annehmen, das unter dem höheren der beiden liegt.