Kaum eine historische Goldmünze ist in Europa so verbreitet wie das französische 20-Francs-Stück. Seinen Spitznamen „Napoléon“ verdankt es Kaiser Napoleon I., unter dem es ab 1803 eingeführt wurde. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde es in riesigen Mengen geprägt, und bis heute wird es in Frankreich, der Schweiz und Deutschland als Anlagemünze gehandelt.

Dieser Ratgeber erklärt, wie viel Gold eine Napoleon-Münze enthält, welche Varianten es gibt, wie Sie den Wert berechnen und worauf Sie beim Kauf und Verkauf achten sollten.

Die wichtigsten Daten

Merkmal Wert
Nennwert 20 Francs
Prägezeitraum 1803 bis 1914
Raugewicht 6,4516 g
Feingehalt 900 Tausendstel
Feingoldgehalt 5,806 g
Durchmesser 21 mm
Feingold in Feinunzen 0,1867 oz

Damit enthält ein Napoleon genauso viel Gold wie das Schweizer 20-Franken-Vreneli, das belgische 20-Francs-Stück oder die italienische 20-Lire-Münze. Der Grund ist die Lateinische Münzunion, ein Währungsverbund mehrerer europäischer Staaten, der ab 1865 einheitliche Standards für Gold- und Silbermünzen festlegte.

Die Varianten im Überblick

Über ein Jahrhundert hinweg erschien das 20-Francs-Stück mit unterschiedlichen Motiven, je nach Staatsform und Herrscher:

Zeitraum Motiv Hinweis
1803–1814/1815 Napoleon I. (als Konsul und Kaiser) gesuchte Varianten, teils deutlicher Sammleraufschlag
1814–1830 Ludwig XVIII., Karl X. Restauration
1830–1848 Louis-Philippe Julimonarchie
1848–1852 Genius der Republik Zweite Republik
1852–1870 Napoleon III. sehr hohe Auflagen, häufig im Handel
1871–1898 Genius (Ange) Dritte Republik
1899–1914 Marianne und Hahn (Coq) sehr verbreitet, beliebte Anlagemünze

Die meisten Napoleon-Münzen, die heute als Anlagemünzen gehandelt werden, stammen aus der Zeit Napoleons III. und aus der Dritten Republik, insbesondere die Hahn-Variante von 1899 bis 1914. Sie wurden in großer Zahl geprägt und sind nahe am Goldwert erhältlich.

Den Goldwert berechnen

Goldwert = 5,806 g × Goldpreis pro Gramm

Bei einem angenommenen Goldpreis von 110 Euro pro Gramm entspricht das rund 639 Euro, bei 120 Euro pro Gramm rund 697 Euro. Den aktuellen Goldpreis finden Sie unter Goldpreis pro Gramm. Alternativ rechnen Sie mit dem Goldwert-Rechner und den Werten 6,45 Gramm und Feingehalt 900.

Rund 5,36 Napoleon-Münzen ergeben eine Feinunze Feingold.

Napoleon, Vreneli, Sovereign und 20 Mark im Vergleich

Wer historische Goldmünzen in kleiner Stückelung sucht, vergleicht meist diese vier Klassiker:

Münze Land Feingehalt Feingold
20 Francs „Napoléon“ Frankreich 900 5,81 g
20 Franken „Vreneli“ Schweiz 900 5,81 g
Sovereign Großbritannien 916,7 7,32 g
20 Mark Deutsches Kaiserreich 900 7,17 g

Napoleon und Vreneli sind im Goldgehalt identisch. Im Handel ist das Vreneli in Deutschland und der Schweiz meist etwas teurer, weil es beliebter ist und weniger Stücke im Umlauf sind. Der Napoleon wird dagegen häufig mit einem geringeren Aufgeld angeboten. Mehr zur 20-Mark-Münze lesen Sie im Artikel 20 Mark Goldmünze.

Wann ein Napoleon mehr wert ist als sein Gold

Für gängige Jahrgänge zahlen Händler und Käufer einen Preis nahe am Goldwert. Einen Sammleraufschlag erzielen vor allem:

  • Münzen Napoleons I., insbesondere frühe Jahrgänge und seltene Prägestätten,
  • seltene Jahrgänge einzelner Herrscher mit kleinen Auflagen,
  • Prägungen aus selteneren Münzstätten, erkennbar am Münzzeichen, etwa A für Paris, BB für Straßburg, K für Bordeaux, W für Lille und weitere,
  • Münzen in hervorragender Erhaltung, also Stempelglanz oder nahezu unzirkuliert.

Wer eine ungewöhnliche Variante besitzt, sollte vor dem Verkauf einen spezialisierten Münzhändler oder einen aktuellen Katalog konsultieren. Für die meisten Münzen aus Familienbesitz bleibt es aber beim Goldwert. Wie Sie den Unterschied zwischen Material- und Sammlerwert einschätzen, erklärt der Ratgeber Goldmünzen bewerten.

Die Lateinische Münzunion: Warum so viele Länder gleiche Münzen prägten

1865 schlossen Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz die Lateinische Münzunion, wenig später trat Griechenland bei. Die Mitglieder verpflichteten sich, Gold- und Silbermünzen nach einheitlichen Standards zu prägen, die gegenseitig als Zahlungsmittel anerkannt wurden. Für das 20-Francs-Goldstück bedeutete das: 6,4516 Gramm Gewicht, 900er Gold, 21 Millimeter Durchmesser, gleichgültig, ob es in Paris, Brüssel, Rom oder Bern geprägt wurde.

Zahlreiche weitere Länder übernahmen den Standard, ohne formell Mitglied zu sein, darunter Spanien, Österreich-Ungarn für bestimmte Handelsmünzen, Rumänien, Bulgarien, Serbien und mehrere Staaten in Lateinamerika. Deshalb finden sich in Nachlässen nicht nur französische Napoleons, sondern auch Goldmünzen aus vielen anderen Ländern mit identischem Goldgehalt.

Land Münze Feingold
Frankreich 20 Francs 5,81 g
Schweiz 20 Franken (Vreneli, Helvetia) 5,81 g
Belgien 20 Francs 5,81 g
Italien 20 Lire 5,81 g
Griechenland 20 Drachmen 5,81 g
Spanien 20 Pesetas 5,81 g

Für Händler ist das praktisch: Sie können diese Münzen gemeinsam als „20-Francs-Klasse“ bewerten. Für Sammler ist die Vielfalt reizvoll, weil sich Münzen mit gleichem Goldgehalt, aber ganz unterschiedlichen Motiven und Geschichten sammeln lassen.

Was die Münzzeichen verraten

Französische Münzen tragen einen Buchstaben, der die Münzstätte angibt. Die meisten 20-Francs-Stücke stammen aus Paris (A). Andere Münzstätten wie Straßburg (BB), Lyon (D), Bordeaux (K), Lille (W), Rouen (B) oder Marseille (MA) prägten teils deutlich kleinere Mengen. Daneben finden sich Zeichen für den Münzdirektor und den Graveur, etwa kleine Symbole wie eine Biene, ein Anker oder eine Fackel. Für Sammler sind diese Details wichtig, für den Goldwert spielen sie keine Rolle.

Fälschungen und Nachprägungen

Weil der Napoleon so verbreitet ist, gibt es auch Fälschungen. Ein Teil davon wurde schon im 20. Jahrhundert hergestellt, teils sogar mit korrektem Goldgehalt, um von Sammleraufschlägen zu profitieren. Andere bestehen aus vergoldetem Messing. Prüfen Sie:

  1. Gewicht: 6,45 Gramm. Stark abgegriffene Münzen können etwas leichter sein, Abweichungen von mehr als etwa 0,05 Gramm sollten Sie stutzig machen.
  2. Durchmesser: 21 Millimeter.
  3. Randschrift: Viele Varianten tragen eine Randschrift wie „DIEU PROTEGE LA FRANCE“ oder bei späten Jahrgängen „LIBERTE EGALITE FRATERNITE“. Unscharfe oder fehlende Randschriften sind verdächtig.
  4. Prägedetails: Haare, Federn des Hahns und Schrift sollten scharf sein.
  5. Magnet: Echte Goldmünzen sind nicht magnetisch, siehe Ist Gold magnetisch?.

Bei Zweifeln hilft eine Prüfung durch einen Händler. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Gefälschte Goldmünzen erkennen.

Kaufen: Napoleon als Anlagemünze

Für Anleger, die Gold in kleinen Einheiten kaufen möchten, ist der Napoleon eine interessante Option:

  • Vorteile: geringes Aufgeld im Vergleich zu modernen Bruchteilmünzen, hohe Verbreitung und Bekanntheit, historischer Reiz, als Anlagegold in Deutschland mehrwertsteuerfrei.
  • Nachteile: schwankende Erhaltung, unterschiedliche Jahrgänge und Varianten erschweren den Vergleich, Abnutzung kann den Wiederverkauf leicht beeinflussen.

Achten Sie beim Kauf auf den Preis pro Gramm Feingold und vergleichen Sie ihn mit modernen Münzen. In Phasen hoher Nachfrage kann das Aufgeld für historische Münzen deutlich steigen. Einen Überblick über Aufgelder gibt der Ratgeber Gold-Aufgeld erklärt.

Verkaufen

  1. Variante bestimmen: Herrscher, Jahrgang und Münzzeichen notieren.
  2. Gängige Stücke an Edelmetallhändler: Der Napoleon steht bei vielen Händlern auf der Ankaufsliste.
  3. Seltene Varianten an Münzhändler: Hier lässt sich der Sammlerwert realisieren.
  4. Mehrere Angebote vergleichen: Die Preise unterscheiden sich zwischen Händlern teils deutlich.

Steuern

Der Napoleon erfüllt die Voraussetzungen für Anlagegold: Er wurde nach 1800 geprägt, hat einen Feingehalt von 900 Tausendstel und war gesetzliches Zahlungsmittel. Beim Kauf fällt deshalb in Deutschland keine Mehrwertsteuer an. Gewinne beim Verkauf sind für Privatpersonen nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei. Bei geerbten Münzen zählt die Besitzzeit des Erblassers mit. Mehr dazu im Ratgeber Gold und Steuern.

Fazit

Das französische 20-Francs-Stück enthält 5,806 Gramm Feingold und ist damit im Goldgehalt identisch mit dem Schweizer Vreneli. Über ein Jahrhundert erschien es mit wechselnden Motiven, von Napoleon I. bis zum Hahn der Dritten Republik. Gängige Jahrgänge werden nahe am Goldwert gehandelt und eignen sich als preiswerte Anlagemünze in kleiner Stückelung, seltene Varianten und Spitzenerhaltungen erzielen höhere Preise. Wer Napoleon-Münzen besitzt, sollte Variante, Jahrgang und Erhaltung prüfen, bevor er verkauft. Einen Einstieg in die Welt der historischen Goldmünzen bietet der Ratgeber Goldmünzen sammeln für Anfänger.