Die 20 Mark Goldmünze gehört zu den bekanntesten Goldmünzen Deutschlands. In vielen Familien liegt noch ein „Goldstück vom Urgroßvater“ in der Schublade, und fast immer stellt sich dieselbe Frage: Wie hoch ist der 20 Mark Goldmünze Wert heute wirklich? Die kurze Antwort lautet: Jede 20-Mark-Goldmünze ist mindestens ihren Goldgehalt wert, also rund 7,17 Gramm Feingold zum aktuellen Goldpreis. Die lange Antwort ist spannender, denn je nach Bundesstaat, Jahrgang, Münzzeichen und Erhaltung kann ein einzelnes Stück ein Vielfaches davon erzielen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie den Materialwert selbst berechnen, woran Sie seltene Reichsgoldmünzen erkennen, welche Rolle die Erhaltung spielt, wie Sie Fälschungen aussortieren und wie Sie beim Verkauf das meiste Geld erzielen. Am Ende wissen Sie, ob Ihre Münze ein solides Anlagegold-Stück ist oder ein Sammlerstück, das in eine Auktion gehört.
Das Wichtigste in Kürze
- Feingold: Jede 20 Mark Goldmünze enthält 7,168 g Feingold bei einem Raugewicht von 7,965 g. Die Legierung ist 900er Gold (900/1000).
- Mindestwert: Der Materialwert ergibt sich aus 7,168 g × aktuellem Goldpreis pro Gramm. Händler zahlen im Ankauf meist knapp darunter.
- Sammlerwert: Gängige Stücke aus Preußen und Hamburg werden nahe am Goldwert gehandelt. Seltene Jahrgänge kleiner Bundesstaaten bringen deutlich mehr – teils vier- bis fünfstellige Euro-Beträge.
- Erhaltung: Bei seltenen Münzen entscheidet der Erhaltungsgrad (ss, vz, Stempelglanz, polierte Platte) massiv über den Preis.
- Steuern: Wer die Münze länger als ein Jahr besitzt, verkauft privat steuerfrei. Bei kürzerer Haltedauer gilt eine Freigrenze von 1.000 € pro Jahr für Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften.
Was ist eine 20 Mark Goldmünze?
Die 20 Mark Goldmünze ist eine Reichsgoldmünze des Deutschen Kaiserreichs. Mit der Reichsgründung 1871 brauchte das neue Reich eine einheitliche Währung. Bis dahin zirkulierten in den deutschen Ländern Taler, Gulden und zahlreiche weitere Münzen nebeneinander. Das Gesetz betreffend die Ausprägung von Reichsgoldmünzen vom 4. Dezember 1871 legte die Grundlage, das Münzgesetz von 1873 führte die Mark als Währung ein. Ab 1876 war die Mark das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel im Reichsgebiet.
Damit begann die Zeit des Goldstandards in Deutschland. Die Mark war direkt an Gold gebunden: Aus einem Pfund Feingold wurden 1.395 Mark geprägt. Die 20 Mark Goldmünze war das wichtigste Goldstück im Umlauf, daneben gab es 10 Mark Stücke (die sogenannte Krone) und für kurze Zeit 5 Mark Goldmünzen. Für den Alltag dienten Silbermünzen wie das 3 Mark Stück oder das 5 Mark Stück aus Silber sowie Kleinmünzen in Pfennig.
Die 20 Mark Reichsgoldmünzen wurden von 1871 bis 1915 geprägt. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs hob das Reich im August 1914 die Einlösungspflicht der Banknoten in Gold auf. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, ihr Gold abzugeben („Gold gab ich für Eisen“). Viele Goldmünzen verschwanden in den Tresoren der Reichsbank oder wurden später eingeschmolzen. Das ist einer der Gründe, warum bestimmte späte Jahrgänge heute seltener sind, als ihre ursprüngliche Prägezahl vermuten lässt.
Ein Reich, viele Bundesstaaten
Das Besondere an den Münzen des Kaiserreichs: Das Deutsche Reich war ein Bundesstaat aus Königreichen, Großherzogtümern, Herzogtümern, Fürstentümern und den drei Freien Städten Hamburg, Bremen und Lübeck. Jeder Bundesstaat durfte auf der Vorderseite (Avers) das Porträt seines Landesherrn beziehungsweise das Stadtwappen zeigen. Die Rückseite war einheitlich: der Reichsadler, die Umschrift „DEUTSCHES REICH“, die Jahreszahl und die Wertangabe „20 MARK“.
Dadurch entstand eine enorme Vielfalt. Ein preußischer Sammler kennt Kaiser Wilhelm I, Friedrich III und Kaiser Wilhelm II. Ein bayerischer Sammler kennt Ludwig II, Otto und Ludwig III. Dazu kommen Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, die Hansestadt Hamburg und viele kleinere Staaten wie Schaumburg-Lippe, Reuß, Waldeck oder Schwarzburg-Rudolstadt. Manche dieser kleinen Staaten ließen nur wenige tausend Stück prägen – genau dort liegen heute die großen Sammlerwerte.
Technische Daten der 20 Mark Goldmünze
Bevor wir über Preise sprechen, lohnt sich ein Blick auf die Fakten. Die technischen Daten sind für alle 20 Mark Reichsgoldmünzen gleich, unabhängig vom Bundesstaat:
| Merkmal | 20 Mark Goldmünze | 10 Mark Goldmünze |
|---|---|---|
| Raugewicht | 7,965 g | 3,982 g |
| Feingold | 7,168 g | 3,584 g |
| Feingehalt | 900/1000 (900er Gold) | 900/1000 |
| Legierung | 90 % Gold, 10 % Kupfer | 90 % Gold, 10 % Kupfer |
| Durchmesser | 22,5 mm | 19,5 mm |
| Prägezeitraum | 1871 bis 1915 | 1872 bis 1914 |
Die Legierung mit Kupfer machte die Münze härter und damit umlauffähiger. Reines Feingold wäre zu weich gewesen und hätte sich im Zahlungsverkehr schnell abgenutzt. Die rötliche Färbung, die viele Stücke zeigen, stammt vom Kupferanteil. Mehr zu den gängigen Feingehalten finden Sie in unserem Überblick zum Goldwert von 900er Gold.
Rechnet man das Feingewicht in Unzen um, enthält eine 20 Mark Goldmünze etwa 0,2304 Feinunzen. Damit ist sie deutlich kleiner als eine moderne Anlagemünze wie der Krügerrand oder das Maple Leaf mit je einer vollen Unze, aber größer als der Schweizer Vreneli (5,81 g Feingold).
So berechnen Sie den Materialwert selbst
Der Materialwert ist die Untergrenze für den 20 Mark Goldmünze Wert. Selbst die häufigste und abgegriffenste Münze ist mindestens ihr Gold wert. Die Formel ist einfach:
Materialwert = 7,168 g × Goldpreis pro Gramm (in Euro)
Den aktuellen Goldpreis pro Gramm finden Sie auf unserer Seite zum Goldpreis pro Gramm. Ein Rechenbeispiel zur Veranschaulichung: Liegt der Goldpreis bei 110 € pro Gramm, beträgt der Materialwert 7,168 × 110 € = 788,48 €. Bei 120 € pro Gramm wären es bereits 860,16 €. Da sich der Goldkurs täglich bewegt, sollten Sie die Rechnung immer mit dem tagesaktuellen Wert durchführen. Bequemer geht es mit unserem Goldwert-Rechner.
Warum Händler weniger als den Materialwert zahlen
Wenn Sie eine gängige 20 Mark Goldmünze an einen Goldankauf verkaufen, erhalten Sie in der Regel einen Preis knapp unter dem reinen Goldwert. Der Händler muss Kosten decken, die Münze prüfen und das Risiko von Preisschwankungen tragen. Seriöse Edelmetallhändler bleiben beim Ankauf von Reichsgoldmünzen oft nur wenige Prozent unter dem Materialwert. Unseriöse Ankäufer ziehen dagegen gern zweistellige Prozentsätze ab – ein Vergleich lohnt sich also.
Warum Händler mehr als den Materialwert verlangen
Umgekehrt zahlen Sie beim Kauf einen Aufschlag auf den Goldpreis, das sogenannte Aufgeld. Bei historischen Goldmünzen wie der 20 Mark Goldmünze ist das Aufgeld im Handel oft etwas höher als bei modernen Anlagemünzen, weil das Angebot begrenzt ist und die Nachfrage von Sammlern und Anlegern gleichermaßen kommt. Wie das Aufgeld entsteht und wie Sie es minimieren, erklären wir im Artikel Gold-Aufgeld erklärt.
Anlagegold oder Sammlerstück? Die zwei Preiswelten
Beim Handel mit Reichsgoldmünzen gibt es zwei klar getrennte Märkte:
- Handelsgold beziehungsweise Anlagegold: Gängige Jahrgänge in durchschnittlicher Erhaltung. Diese Münzen werden wie eine Anlagemünze nach Goldgewicht gehandelt. Der Preis folgt fast eins zu eins dem Goldpreis. Hierzu zählen vor allem die Massenprägungen aus Preußen und der Hansestadt Hamburg.
- Sammlermünzen: Seltene Jahrgänge, seltene Münzzeichen, kleine Bundesstaaten und Stücke in außergewöhnlich guter Erhaltung. Hier bestimmt der Sammlermarkt den Preis, nicht der Goldkurs. Ein Sammlerstück kann ein Vielfaches seines Materialwerts erzielen.
Die meisten 20 Mark Goldmünzen in Privatbesitz gehören zur ersten Kategorie. Das ist keine schlechte Nachricht: Sie besitzen damit liquides, international anerkanntes Gold. Aber es lohnt sich immer, die Münze genau anzusehen, bevor man sie zum Goldpreis verkauft. Eine einzige seltene Variante kann den Unterschied zwischen einigen hundert und mehreren tausend Euro ausmachen.
Die Bundesstaaten im Überblick: Welche 20 Mark Goldmünzen sind häufig, welche selten?
Die folgende Übersicht hilft bei der ersten Einordnung. Sie ersetzt keinen Katalog, zeigt aber, wo die Sammlerwerte liegen. Als Standardwerk für die Münzen des Kaiserreichs gilt der Katalog von Kurt Jaeger („Die deutschen Münzen seit 1871“), in dem jede Münze eine eigene Jaeger-Nummer trägt. Händler und Auktionshäuser verwenden diese Nummern, um Typen eindeutig zu bezeichnen.
Preußen
Preußen war mit Abstand der größte Bundesstaat und prägte die meisten 20 Mark Goldmünzen. Es gibt drei Herrscher:
- Kaiser Wilhelm I (1871–1888): Die Umschrift nennt ihn als „WILHELM DEUTSCHER KAISER KÖNIG V. PREUSSEN“. Die meisten Jahrgänge sind häufig und werden nahe am Goldwert gehandelt.
- Friedrich III (1888): Der „99-Tage-Kaiser“ regierte nur von März bis Juni 1888. Trotzdem wurden 20 Mark Goldmünzen mit seinem Porträt in großer Zahl geprägt. Die Stücke von 1888 sind daher kein großes Sammlerobjekt, auch wenn das viele Besitzer vermuten.
- Kaiser Wilhelm II (1888–1918): Die 20 Mark Münzen von Wilhelm II sind die am häufigsten anzutreffenden Reichsgoldmünzen überhaupt. Ab 1913 zeigt das Porträt den Kaiser in Uniform. Die späten Jahrgänge 1914 und vor allem 1915 sind gesuchter, weil viele Stücke nicht mehr in Umlauf kamen.
Die preußischen Münzen tragen das Münzzeichen A für die Prägestätte Berlin. Für Kaiser Wilhelm II mit Münzzeichen A sind die meisten Jahrgänge typisches Anlagegold.
Bayern
Bayern prägte in München (Münzzeichen D). Die Stücke von Ludwig II und Otto sind überwiegend gängig, wobei einzelne Jahrgänge in hoher Erhaltung gesucht sind. Die 20 Mark von Ludwig III aus den letzten Prägejahren gelten als große Seltenheit, weil kaum Exemplare in den Umlauf gelangten.
Sachsen
Sachsen prägte in Muldenhütten bei Freiberg (Münzzeichen E). Die Münzen zeigen die Könige Johann, Albert, Georg und Friedrich August III. Viele Jahrgänge sind gängig, einige mit geringer Auflage erzielen klare Sammleraufschläge – besonders die Prägungen von König Georg, der nur kurz regierte.
Württemberg
Die Münzen aus Württemberg tragen das Münzzeichen F (Stuttgart) und zeigen Karl sowie Wilhelm II von Württemberg. Die Jahrgänge von Karl sind teils gängig, späte Prägungen von Wilhelm II von Württemberg sind gesuchter.
Baden und Hessen
Baden prägte in Karlsruhe (Münzzeichen G), Hessen in Darmstadt (Münzzeichen H). Großherzog Friedrich I. von Baden und die hessischen Großherzöge Ludwig III, Ludwig IV und Ernst Ludwig finden sich auf diesen Münzen. Neben gängigen Stücken gibt es hier mehrere Jahrgänge mit vergleichsweise geringer Auflage, die über dem Goldwert gehandelt werden.
Die Freien Städte: Hamburg, Bremen, Lübeck
Statt eines Herrschers zeigen die Münzen der Freien Städte das Stadtwappen. Die Hansestadt Hamburg prägte in eigener Münzstätte (Münzzeichen J) sehr große Mengen. Hamburger 20 Mark Goldmünzen sind daher häufig und typisches Handelsgold. Bremen und Lübeck prägten deutlich weniger. Ihre 20 Mark Stücke sind gesucht und erreichen spürbar mehr als den reinen Goldwert.
Die kleinen Bundesstaaten: Hier liegen die Raritäten
Die richtig hohen Preise erzielen 20 Mark Goldmünzen kleiner Staaten mit winzigen Auflagen. Dazu zählen unter anderem:
- Schaumburg-Lippe (Fürst Adolf Georg, Georg)
- Reuß ältere Linie (Heinrich XXII.)
- Reuß jüngere Linie
- Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen
- Waldeck und Pyrmont
- Sachsen-Coburg und Gotha (Herzog Ernst II., Alfred, Carl Eduard)
- Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Anhalt, Braunschweig, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg und Sachsen-Weimar-Eisenach
Viele dieser Münzen wurden nur in Auflagen von wenigen tausend Stück geprägt, manche sogar nur im niedrigen vierstelligen Bereich. Für diese Sammlerstücke werden in Auktionen je nach Erhaltung Preise im vier- bis fünfstelligen Euro-Bereich bezahlt. Ein seltenes Stück aus Schaumburg-Lippe oder Reuß ältere Linie würde ein Händler niemals zum Goldpreis ankaufen – sofern er seriös ist.
Praxistipp: Wenn auf Ihrer Münze nicht Wilhelm II von Preußen oder das Hamburger Wappen zu sehen ist, sollten Sie den Typ genau bestimmen lassen, bevor Sie verkaufen. Genau hier passieren die teuersten Fehler.
Münzzeichen: Die kleinen Buchstaben mit großer Wirkung
Auf der Vorderseite unter dem Porträt oder dem Wappen finden Sie einen kleinen Buchstaben. Dieses Münzzeichen verrät die Prägestätte. Bei manchen Jahrgängen wurde dieselbe Münze in mehreren Prägestätten hergestellt, mit sehr unterschiedlichen Auflagen. Dann kann ein einziger Buchstabe über den Sammlerwert entscheiden.
| Münzzeichen | Prägestätte |
|---|---|
| A | Berlin |
| B | Hannover |
| C | Frankfurt am Main |
| D | München |
| E | Dresden / Muldenhütten |
| F | Stuttgart |
| G | Karlsruhe |
| H | Darmstadt |
| J | Hamburg |
Die Prägestätten B (Hannover) und C (Frankfurt) waren nur in den ersten Jahren des Kaiserreichs aktiv und wurden später geschlossen. Münzen mit diesen Zeichen sind daher oft interessanter als die gleichen Typen aus Berlin. Prüfen Sie das Münzzeichen am besten mit einer Lupe bei gutem Licht.
Erhaltung: Warum der Zustand den Preis bestimmt
Für gängige 20 Mark Goldmünzen spielt die Erhaltung kaum eine Rolle, da sie ohnehin nach Goldgewicht gehandelt werden. Bei seltenen Jahrgängen ist die Erhaltung dagegen der wichtigste Preisfaktor nach der Seltenheit selbst. Im deutschen Münzhandel werden folgende Erhaltungsgrade verwendet:
| Abkürzung | Erhaltungsgrad | Beschreibung |
|---|---|---|
| s | schön | Deutlich abgenutzt, Details teilweise verschliffen |
| ss | sehr schön | Normale Umlaufspuren, Details gut erkennbar |
| vz | vorzüglich | Nur leichte Spuren, fast alle Details scharf |
| st / stgl | Stempelglanz | Keine Umlaufspuren, ursprünglicher Glanz |
| PP | polierte Platte | Sonderherstellung mit spiegelndem Feld |
Zwischenstufen wie „ss-vz“ oder „vz+“ sind üblich. Bei seltenen Reichsgoldmünzen kann der Unterschied zwischen ss und vz schnell mehrere hundert oder tausend Euro ausmachen. Münzen in polierter Platte sind bei Reichsgoldmünzen extrem selten und werden fast nur in Spezialauktionen angeboten.
Fehler, die den Wert zerstören
Viele Besitzer meinen es gut und reinigen ihre Münzen vor dem Verkauf. Das ist bei Sammlermünzen ein schwerer Fehler. Jede Politur, jedes Putzmittel und jedes Reiben mit einem Tuch hinterlässt feine Kratzer (sogenannte Haarlinien), die Experten sofort erkennen. Eine gereinigte Münze verliert massiv an Sammlerwert. Auch Henkelspuren, Lötstellen von Schmuckfassungen, Kratzer und Randfehler mindern den Preis deutlich. Münzen, die als Schmuck getragen wurden, werden meist nur noch zum Goldpreis angekauft.
Fälschungen und Nachprägungen erkennen
Wo hohe Preise gezahlt werden, gibt es auch Fälschungen. Bei Reichsgoldmünzen kommen zwei Arten vor:
- Zeitgenössische oder spätere Goldfälschungen mit korrektem oder fast korrektem Goldgehalt. Sie wurden häufig hergestellt, um einen höheren Sammlerwert zu erzielen, und betreffen vor allem seltene Jahrgänge.
- Unedle Fälschungen aus vergoldetem Metall, die vor allem auf Online-Marktplätzen und Flohmärkten auftauchen.
Hinzu kommen Nachprägungen und Medaillen im Stil der Reichsgoldmünzen, die nie als Zahlungsmittel gedacht waren. Sie tragen oft feine Abweichungen in der Umschrift, fehlende Münzzeichen oder einen Feingehaltsstempel, den echte Münzen nicht haben.
Einfache Prüfungen für zu Hause
- Gewicht: Eine echte 20 Mark Goldmünze wiegt 7,965 g. Durch Umlauf kann sie minimal leichter sein, aber kaum mehr als ein paar hundertstel Gramm. Eine Feinwaage mit 0,01 g Auflösung genügt.
- Durchmesser: 22,5 mm. Messen Sie mit einem Messschieber.
- Magnettest: Gold ist nicht magnetisch. Haftet die Münze an einem starken Magneten, ist sie falsch.
- Optik: Vergleichen Sie Porträt, Schrift und Reichsadler mit Bildern aus einem Katalog. Weiche, unscharfe Konturen und eine ungleichmäßige Schrift sind Warnzeichen.
- Klang: Echte Goldmünzen klingen beim leichten Anschlagen eher dumpf und kurz. Das ist allerdings nur ein Hinweis, kein Beweis.
Für seltene und teure Stücke reicht das nicht aus. Hier sollten Sie die Echtheit von einem Fachhändler, einem Auktionshaus oder per Röntgenfluoreszenzanalyse prüfen lassen. Ausführliche Prüfmethoden zeigen wir im Ratgeber Wie prüfe ich, ob Gold echt ist? sowie unter gefälschte Goldmünzen erkennen.
Häufige Missverständnisse rund um die 20 Mark Goldmünze
„20 Reichsmark“ statt „20 Mark“
Viele Besitzer suchen nach einer „20 Reichsmark Goldmünze“. Gemeint ist fast immer die 20 Mark Goldmünze des Kaiserreichs. Die Reichsmark wurde erst 1924 eingeführt, und als reguläres Zahlungsmittel wurden in der Reichsmark-Zeit keine Goldmünzen in Umlauf gebracht. Wer also ein Goldstück mit Kaiserporträt oder Stadtwappen und Reichsadler besitzt, hat eine 20 Mark Reichsgoldmünze aus der Zeit von 1871 bis 1915 – keine Reichsmark-Münze.
„Goldmark“ als Begriff
Umgangssprachlich wird die Mark des Kaiserreichs oft als Goldmark bezeichnet, um sie von der späteren Papiermark der Inflationszeit abzugrenzen. Die 20 Goldmark und die 20 Mark Goldmünze sind also dasselbe. Auch Begriffe wie „20 Mark Gold“ oder „20 Mark Kaiserreich“ meinen diese Münze.
„Alt bedeutet automatisch wertvoll“
Eine Münze aus dem Jahr 1874 oder 1889 ist nicht automatisch selten. Entscheidend sind Bundesstaat, Jahrgang, Münzzeichen und Auflage. Viele frühe Jahrgänge von Wilhelm I wurden in Millionen Stück geprägt und sind heute ganz normales Anlagegold.
„Friedrich III ist selten, weil er nur 99 Tage regierte“
Das klingt logisch, stimmt aber nicht. Die Prägestätte Berlin stellte 1888 große Mengen her. Die 20 Mark Goldmünzen von Friedrich III werden daher meist nur mit einem geringen Aufschlag auf den Goldwert gehandelt.
Welche Faktoren bestimmen den Sammlerwert?
Fassen wir zusammen, was den Wert einer 20 Mark Goldmünze über den Materialwert hinaus treibt:
- Bundesstaat: Kleine Staaten mit geringen Prägungen sind am wertvollsten.
- Jahrgang: Auch innerhalb eines Staates gibt es seltene Jahre.
- Münzzeichen: Dieselbe Münze kann je nach Prägestätte sehr unterschiedlich häufig sein.
- Erhaltung: Je besser, desto höher der Preis – vor allem bei Raritäten.
- Echtheit und Provenienz: Zertifizierte Stücke und Münzen mit nachvollziehbarer Herkunft erzielen höhere Preise.
- Marktlage: Steigt der Goldkurs, steigt der Mindestwert aller Münzen. Die Sammleraufschläge folgen dagegen eher der Nachfrage im Münzhandel.
Tabelle: Einordnung typischer 20 Mark Goldmünzen
Die folgende Tabelle gibt eine grobe Orientierung. Konkrete Preise ändern sich mit dem Goldpreis und dem Sammlermarkt, daher arbeiten wir bewusst mit Kategorien statt mit festen Beträgen.
| Typ | Häufigkeit | Typischer Handel |
|---|---|---|
| Preußen, Kaiser Wilhelm II, Münzzeichen A | sehr häufig | nahe Goldwert |
| Hamburg, Stadtwappen, Münzzeichen J | sehr häufig | nahe Goldwert |
| Preußen, Kaiser Wilhelm I, gängige Jahrgänge | häufig | nahe Goldwert |
| Preußen, Friedrich III, 1888 | häufig | leichter Aufschlag |
| Bayern, Sachsen, Württemberg, gängige Jahrgänge | mittel | leichter bis mittlerer Aufschlag |
| Bremen, Lübeck | eher selten | deutlicher Aufschlag |
| Kleine Staaten (z. B. Schaumburg-Lippe, Reuß, Schwarzburg, Waldeck) | selten bis sehr selten | Sammlerpreis, oft ein Vielfaches des Goldwerts |
Die 20 Mark Goldmünze als Wertanlage
Viele Anleger kaufen 20 Mark Goldmünzen gezielt als Wertanlage. Dafür gibt es gute Gründe:
- Kleine Stückelung: Mit gut 7 g Feingold ist die Münze kleiner als eine Unze. Bei einem Teilverkauf können Sie flexibler reagieren.
- Historischer Charme: Im Gegensatz zu modernen Anlagemünzen erzählt jede Reichsgoldmünze ein Stück deutsche Geschichte.
- Hohe Bekanntheit: In Deutschland kennt praktisch jeder Händler die Münze. Sie lässt sich überall verkaufen.
- Umsatzsteuerfreiheit: Als Anlagegold im Sinne von § 25c UStG ist der Kauf in Deutschland in der Regel von der Umsatzsteuer befreit.
Es gibt aber auch Nachteile: Das Aufgeld ist beim Kauf oft höher als bei einer Unze Krügerrand, und die Echtheitsprüfung ist bei historischen Münzen anspruchsvoller. Wer rein nach Goldgewicht investieren möchte, fährt mit modernen Anlagemünzen meist günstiger. Einen Überblick über gängige Alternativen bieten unsere Seiten zum Krügerrand, zum Vreneli und zum britischen Sovereign.
Vergleich mit anderen historischen Goldmünzen
| Münze | Feingold | Herkunft |
|---|---|---|
| 20 Mark (Kaiserreich) | 7,168 g | Deutschland |
| 20 Franken Vreneli | 5,806 g | Schweiz |
| 20 Francs (Napoleon / Marianne) | 5,806 g | Frankreich |
| Sovereign | 7,322 g | Großbritannien |
| 10 Mark (Krone) | 3,584 g | Deutschland |
Die 20 Mark Goldmünze bietet also ähnlich viel Gold wie ein Sovereign und deutlich mehr als ein Vreneli. Gerade unter deutschen Anlegern ist sie wegen ihrer Herkunft beliebt.
20 Mark Goldmünze verkaufen: So gehen Sie vor
Wer seine Münze zu Geld machen möchte, sollte in drei Schritten vorgehen.
Schritt 1: Münze bestimmen
Notieren Sie Bundesstaat, Herrscher oder Stadt, Jahrgang und Münzzeichen. Machen Sie gute Fotos von beiden Seiten. Mit diesen Angaben können Sie die Münze in einem Katalog nachschlagen oder online bei Auktionshäusern nach vergleichbaren Ergebnissen suchen. Ausführliche Hinweise zur Bewertung finden Sie in unserem Ratgeber Goldmünzen bewerten.
Schritt 2: Den richtigen Verkaufsweg wählen
- Gängige Münzen: Verkaufen Sie an einen seriösen Edelmetallhändler oder Goldankauf. Holen Sie mindestens zwei bis drei Angebote ein. Bei Handelsgold zählt nur der Preis pro Münze im Verhältnis zum Goldwert.
- Seltene Münzen: Wenden Sie sich an einen spezialisierten Münzhändler oder ein Auktionshaus. Hier lohnt sich die Mühe, denn ein Fachhändler erkennt Raritäten und zahlt den Sammlerwert. Auktionen erzielen oft die besten Preise, dafür fallen Gebühren an und Sie müssen auf Ihr Geld warten.
- Privatverkauf: Online-Kleinanzeigen bringen manchmal gute Preise, bergen aber Risiken. Käufer misstrauen privaten Goldangeboten, und Betrugsmaschen sind verbreitet.
Wie Sie Angebote vergleichen und Fallstricke vermeiden, lesen Sie im Ratgeber Goldmünzen verkaufen.
Schritt 3: Angebot prüfen
Ein seriöses Ankaufsangebot nennt den Preis pro Münze und lässt sich mit dem Goldwert vergleichen. Wenn ein Händler deutlich unter dem Materialwert bleibt, ohne einen nachvollziehbaren Grund zu nennen, gehen Sie weiter. Bei seltenen Münzen sollten Sie misstrauisch werden, wenn der Händler nur den Goldwert anbietet und die Seltenheit herunterspielt.
Steuern beim Verkauf der 20 Mark Goldmünze
Physisches Gold gehört in Deutschland steuerlich zum Privatvermögen. Gewinne aus dem Verkauf sind ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG. Daraus folgen klare Regeln:
- Haltedauer über ein Jahr: Der Gewinn ist komplett steuerfrei, egal wie hoch er ausfällt.
- Haltedauer bis ein Jahr: Der Gewinn ist mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern. Es gilt eine Freigrenze von 1.000 € pro Jahr für alle privaten Veräußerungsgeschäfte zusammen. Wird die Grenze überschritten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig, nicht nur der übersteigende Betrag.
- Geerbte Münzen: Bei einer Erbschaft übernehmen Sie die Anschaffungsdaten des Erblassers. Hat dieser die Münzen vor Jahrzehnten gekauft, ist die Spekulationsfrist längst abgelaufen.
Beim Kauf ist die 20 Mark Goldmünze als Anlagegold in der Regel umsatzsteuerfrei, da sie nach 1800 geprägt wurde, einen Feingehalt von mindestens 900/1000 aufweist und im Ursprungsland gesetzliches Zahlungsmittel war. Bei seltenen Sammlerstücken, deren Preis den Goldwert sehr deutlich übersteigt, kann die Einordnung abweichen. Mehr dazu erklären wir im Beitrag Steuern beim Goldverkauf nach einem Jahr.
Hinweis: Dieser Abschnitt ersetzt keine Steuerberatung. Bei größeren Beträgen oder Erbschaften lohnt sich ein Gespräch mit einem Steuerberater.
Richtig aufbewahren: So bleibt der Wert erhalten
Ob Anlagegold oder Sammlerstück, die richtige Aufbewahrung schützt den Wert Ihrer Münzen:
- Münzkapseln: Für jede Münze eine passende Kapsel (22,5 mm Innendurchmesser) verwenden. Sie verhindert Kratzer und Fingerabdrücke.
- Nicht anfassen: Fassen Sie Münzen nur am Rand an, am besten mit Baumwollhandschuhen. Hautfett kann auf Dauer Flecken hinterlassen.
- Trocken lagern: Gold selbst oxidiert nicht, aber der Kupferanteil der Legierung kann bei Feuchtigkeit leichte Verfärbungen begünstigen.
- Sicher lagern: Größere Bestände gehören in einen zertifizierten Tresor oder ein Bankschließfach. Achten Sie auf ausreichenden Versicherungsschutz.
Praktische Lösungen für die Aufbewahrung zu Hause zeigt unser Ratgeber Edelmetalle zu Hause lagern.
Checkliste: Ist meine 20 Mark Goldmünze wertvoll?
Gehen Sie diese Fragen der Reihe nach durch:
- Welcher Bundesstaat ist auf der Vorderseite abgebildet?
- Welcher Herrscher oder welches Wappen ist zu sehen?
- Welcher Jahrgang steht auf der Rückseite unter dem Reichsadler?
- Welches Münzzeichen trägt die Münze?
- Wiegt die Münze rund 7,96 g und misst 22,5 mm?
- Hat die Münze Kratzer, Henkelspuren, Lötstellen oder wurde sie gereinigt?
- Gibt es vergleichbare Auktionsergebnisse für genau diesen Typ?
Wenn Sie bei Frage 1 bis 4 auf einen kleinen Bundesstaat, eine Freie Stadt außer Hamburg, einen späten Jahrgang oder ein ungewöhnliches Münzzeichen stoßen, lassen Sie die Münze unbedingt von einem Fachhändler bewerten.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel ist eine 20 Mark Goldmünze heute wert?
Mindestens ihr Goldwert: 7,168 g Feingold multipliziert mit dem aktuellen Goldpreis pro Gramm. Gängige Stücke aus Preußen und Hamburg werden nahe an diesem Wert gehandelt. Seltene Jahrgänge kleiner Bundesstaaten können ein Vielfaches erzielen.
Wie viel Gramm Gold hat eine 20 Mark Goldmünze?
Die Münze wiegt 7,965 g bei einem Feingehalt von 900/1000. Das entspricht 7,168 g Feingold oder etwa 0,23 Unzen.
Welche 20 Mark Goldmünzen sind selten?
Vor allem die Prägungen kleiner Bundesstaaten wie Schaumburg-Lippe, Reuß ältere Linie, Schwarzburg-Rudolstadt oder Waldeck, außerdem einzelne Jahrgänge aus Bayern, Sachsen, Bremen und Lübeck sowie die späten Prägungen von 1914 und 1915.
Ist die 20 Mark Goldmünze von Kaiser Wilhelm II wertvoll?
Die meisten Jahrgänge von Wilhelm II mit Münzzeichen A sind sehr häufig und werden zum Goldwert gehandelt. Ausnahmen sind seltene späte Jahrgänge und Münzen in außergewöhnlich guter Erhaltung.
Ist eine 20 Mark Goldmünze von 1871 besonders wertvoll?
Das Jahr 1871 allein macht eine Münze nicht selten. Entscheidend sind Bundesstaat und Münzzeichen. Einige frühe Varianten sind gesucht, viele andere sind gängig.
Muss ich beim Verkauf Steuern zahlen?
Nur wenn Sie die Münze innerhalb eines Jahres nach dem Kauf mit Gewinn verkaufen und Ihre Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften die Freigrenze von 1.000 € im Jahr überschreiten. Nach einem Jahr ist der Verkauf steuerfrei.
Wo verkaufe ich eine 20 Mark Goldmünze am besten?
Gängige Stücke beim seriösen Edelmetallhändler mit transparentem Ankaufskurs, seltene Stücke beim spezialisierten Münzhändler oder über ein Auktionshaus.
Sollte ich meine Münze vor dem Verkauf reinigen?
Nein. Reinigen zerstört den Sammlerwert. Lassen Sie die Münze in ihrem Zustand.
Fazit: Der 20 Mark Goldmünze Wert hat eine feste Untergrenze – und nach oben viel Spielraum
Die 20 Mark Goldmünze ist eine der sichersten Bänke im deutschen Münzhandel. Ihr Wert hat dank 7,168 g Feingold eine klare Untergrenze, die mit dem Goldpreis steigt und fällt. Für die große Mehrheit der Münzen – Kaiser Wilhelm II aus Preußen, Hamburg, viele Jahrgänge von Wilhelm I – ist dieser Goldwert auch der realistische Marktpreis.
Gleichzeitig verbirgt sich hinter der scheinbar einheitlichen Münze eine enorme Vielfalt aus Bundesstaaten, Herrschern, Jahrgängen und Prägestätten. Wer eine Münze aus einem kleinen Staat, einen seltenen Jahrgang oder ein Exemplar in Stempelglanz besitzt, sollte sich Zeit für die Bewertung nehmen. Bestimmen Sie die Münze sorgfältig, prüfen Sie die Echtheit, vergleichen Sie mehrere Angebote und verkaufen Sie seltene Stücke über Fachleute. So erzielen Sie den Preis, den Ihre Münze wirklich wert ist.
Autor: Ehsaan Batt, Gründer von Dutch Bullion. Alle Angaben ohne Gewähr; Preise ändern sich mit dem Goldkurs und dem Sammlermarkt.




