Die meisten Goldfälschungen sind plump: vergoldetes Messing, das zu leicht ist, oder Stahl, der am Magneten hängen bleibt. Eine Fälschungsart ist jedoch so raffiniert, dass sie selbst erfahrene Händler täuschen kann: der Goldbarren mit Wolframkern. Von außen ist er ein echter Goldbarren, mit dem richtigen Gewicht, den richtigen Maßen und einer Oberfläche aus echtem Gold. Nur im Inneren steckt ein Metall, das einen Bruchteil kostet.

Dieser Ratgeber erklärt, warum ausgerechnet Wolfram für Fälschungen genutzt wird, warum einfache Tests versagen, mit welchen Methoden Profis solche Barren entlarven und wie Sie sich als Käufer schützen.

Warum ausgerechnet Wolfram?

Fälscher stehen vor einem physikalischen Problem: Gold ist extrem dicht. Ein Barren aus einem leichteren Metall, der so viel wiegt wie ein echter Goldbarren, muss deutlich größer sein. Das fällt bei jeder Messung auf. Ein Metall, das so dicht ist wie Gold, gibt es kaum, und fast alle Kandidaten sind selbst teuer oder schwer zu verarbeiten.

Wolfram ist die Ausnahme:

Metall Dichte (g/cm³) Preis im Vergleich zu Gold
Gold 19,32 Referenz
Wolfram 19,25 ein winziger Bruchteil
Platin 21,45 teuer, als Fälschungsmetall ungeeignet
Uran (abgereichert) 19,1 radioaktiv, nicht frei erhältlich
Blei 11,34 viel zu leicht

Mit einer Dichte von 19,25 Gramm pro Kubikzentimeter liegt Wolfram nur 0,4 Prozent unter Gold. Ein Barren, der zu einem großen Teil aus Wolfram und nur außen aus Gold besteht, wiegt bei gleichen Maßen fast exakt so viel wie ein echter Barren. Wolfram ist zudem nicht magnetisch, chemisch beständig und vergleichsweise günstig.

Wie eine Wolfram-Fälschung aufgebaut ist

Es gibt mehrere Bauarten, die unterschiedlich aufwendig sind:

  • Gebohrter Barren: In einen echten Goldbarren werden Löcher gebohrt, mit Wolframstäben gefüllt und anschließend mit Gold verschlossen. Diese Methode nutzt einen echten Barren mit echten Prägungen und Seriennummern.
  • Ummantelter Kern: Ein Wolframblock wird mit einer dicken Schicht Gold umgossen und anschließend wie ein Original gestempelt.
  • Vergoldeter Wolframbarren: Ein Wolframblock wird nur galvanisch vergoldet. Diese Variante ist billiger, aber leichter zu erkennen, weil die Goldschicht sehr dünn ist.

Die gefährlichsten Fälschungen haben eine Goldschicht, die dick genug ist, um Oberflächenprüfungen zu bestehen. Bekannt wurden solche Barren vor allem bei großen Formaten, also bei Kilobarren und gelegentlich bei Good-Delivery-Barren im Großhandel. Bei kleinen Barren bis etwa 100 Gramm sind Wolfram-Fälschungen seltener, weil der Aufwand im Verhältnis zum möglichen Gewinn größer ist. Ausgeschlossen sind sie aber nicht.

Welche Tests bei Wolfram versagen

Viele gängige Prüfmethoden erkennen Wolfram-Fälschungen nicht oder nur unzuverlässig:

Prüfmethode Erkennt Wolframkern? Warum
Gewicht nein Wolfram hat fast dieselbe Dichte
Maße nein Fälscher halten die Originalmaße ein
Magnettest nein Wolfram ist nicht magnetisch, siehe Ist Gold magnetisch?
Säuretest nein prüft nur die Oberfläche, die aus echtem Gold besteht
Röntgenfluoreszenz (RFA) meist nein misst nur wenige Mikrometer Tiefe
Dichtetest im Wasserbad kaum Unterschied von 0,4 % liegt in der Messungenauigkeit
Klangprobe eingeschränkt erfahrene Prüfer hören Unterschiede, aber unsicher

Genau das macht diese Fälschung so gefährlich: Ein Käufer, der sorgfältig wiegt, misst und eine Oberflächenanalyse durchführt, kann einen gefälschten Barren für echt halten.

Mit welchen Methoden Wolfram erkannt wird

Um einen Kern zu entdecken, braucht es Verfahren, die in das Innere des Barrens schauen oder Materialeigenschaften messen, in denen sich Gold und Wolfram deutlich unterscheiden.

Ultraschallprüfung

Schallwellen breiten sich in Gold und Wolfram unterschiedlich schnell aus. In Wolfram ist die Schallgeschwindigkeit deutlich höher als in Gold. Ein Ultraschallgerät sendet Impulse durch den Barren und misst die Laufzeit des Echos. Ein Wolframkern zeigt sich als Abweichung im Signal. Diese Methode gilt als eine der zuverlässigsten und wird von professionellen Prüfern eingesetzt. Sie erfordert allerdings Erfahrung und eine glatte Oberfläche für den Kontakt des Prüfkopfes.

Elektrische Leitfähigkeit und Wirbelstrom

Gold leitet Strom deutlich besser als Wolfram. Geräte, die mit Wirbelströmen arbeiten, messen die Leitfähigkeit nicht nur an der Oberfläche, sondern je nach Frequenz auch in einer gewissen Tiefe. Weicht der Wert vom Referenzwert für Feingold ab, ist der Barren verdächtig. Solche Geräte sind kompakt, prüfen in Sekunden und werden von vielen Edelmetallhändlern beim Ankauf verwendet. Bekannte Systeme arbeiten mit unterschiedlichen Eindringtiefen und können so auch dickere Goldschichten durchdringen.

Röntgen- und Durchleuchtungsverfahren

Mit Röntgendurchleuchtung oder Computertomografie lassen sich Strukturen im Inneren sichtbar machen. Wegen der hohen Dichte von Gold ist das technisch aufwendig, aber bei großen Barren im professionellen Umfeld möglich.

Aufbohren und Probenahme

Die sicherste, aber zerstörende Methode: Der Barren wird an einer oder mehreren Stellen angebohrt, und das Bohrmaterial wird analysiert. Bei Großbarren im Handel zwischen Banken ist eine Probenahme durch Bohrung üblich, wenn die Herkunft unklar ist. Für Privatanleger ist das keine Option, weil der Barren dadurch an Wert verliert und neu geprüft werden muss.

Wie Sie sich beim Kauf schützen

Die beste Verteidigung gegen Wolfram-Fälschungen ist nicht die Prüfung, sondern die Bezugsquelle. Für Privatanleger gelten einige einfache Regeln:

  1. Nur bei etablierten Händlern kaufen: Seriöse Edelmetallhändler beziehen ihre Barren direkt von Raffinerien oder aus geprüften Lieferketten. Das Risiko, dort einen Wolframbarren zu erhalten, ist sehr gering. Woran Sie seriöse Online-Händler erkennen, beschreibt der Ratgeber Fake-Goldshops erkennen.
  2. Keine Barren von Privatpersonen ohne Prüfung: Gerade bei Kilobarren, die auf Kleinanzeigenportalen günstig angeboten werden, ist Misstrauen angebracht.
  3. Markenbarren in Originalverpackung bevorzugen: Viele Hersteller verkaufen Barren in versiegelten Blistern mit Zertifikat. Das Siegel sollte unversehrt sein. Allerdings werden auch Verpackungen gefälscht.
  4. Seriennummer prüfen: Viele Raffinerien bieten an, Seriennummern online oder per Anfrage zu verifizieren. Eine Seriennummer allein beweist aber nichts, wenn ein echter Barren nachträglich manipuliert wurde.
  5. Bei Großbarren auf Prüfung bestehen: Wer einen Kilobarren aus zweiter Hand kauft, sollte ihn vorher von einem Händler mit Leitfähigkeits- oder Ultraschallprüfung untersuchen lassen.
  6. Preise realistisch einschätzen: Ein Angebot deutlich unter dem Spotpreis ist ein Warnsignal. Den aktuellen Kurs finden Sie unter Goldpreis.

Weitere Sicherheitsmerkmale moderner Barren erklärt der Ratgeber Sicherheitsmerkmale bei Barren und Münzen.

Kleine Barren oder große Barren?

Das Risiko von Wolfram-Fälschungen ist ein Argument, das manche Anleger dazu bringt, statt eines Kilobarrens mehrere kleinere Barren oder Münzen zu kaufen. Die Überlegung: Je kleiner das Stück, desto weniger lohnt sich der Aufwand einer Fälschung. Diese Logik hat etwas für sich, ist aber nicht zwingend. Kleinere Stückelungen haben ein höheres Aufgeld pro Gramm. Wer bei einem seriösen Händler kauft und Barren in der Lieferkette des Händlers belässt oder an ihn zurückverkauft, ist auch mit Kilobarren gut geschützt. Welche Größe zu Ihnen passt, erklärt der Ratgeber Goldbarren kaufen: Welche Größe.

Münzen als Alternative

Anlagemünzen wie Krügerrand, Maple Leaf oder Philharmoniker sind schwerer mit Wolfram zu fälschen, weil sie dünn sind, komplexe Prägungen haben und ein Kern beim Prägen kaum unauffällig einzubringen ist. Es gibt zwar Münzfälschungen mit Wolframkern, sie sind aber seltener und leichter zu erkennen als bei Barren, etwa durch exakte Dickenmessung und Klangprobe. Wie Sie Münzen prüfen, beschreibt der Ratgeber Gefälschte Goldmünzen erkennen.

Was tun bei einem Verdacht?

Wenn Sie den Verdacht haben, einen gefälschten Barren zu besitzen:

  • Verkaufen Sie ihn nicht weiter. Das Inverkehrbringen einer Fälschung kann strafbar sein, wenn Sie davon wissen.
  • Lassen Sie ihn von einem Edelmetallhändler oder einer Scheideanstalt mit geeigneter Technik prüfen.
  • Bewahren Sie alle Unterlagen zum Kauf auf.
  • Erstatten Sie bei bestätigter Fälschung Anzeige bei der Polizei und informieren Sie den Verkäufer.
  • Kontaktieren Sie bei Markenbarren den Hersteller. Raffinerien haben ein großes Interesse daran, Fälschungen ihrer Produkte zu verfolgen.

Fazit

Goldbarren mit Wolframkern sind die gefährlichste Fälschungsart, weil Wolfram fast dieselbe Dichte wie Gold hat. Gewicht, Maße, Magnettest, Säuretest und meist auch die Röntgenfluoreszenz versagen. Zuverlässig erkennen lassen sich solche Barren nur mit Ultraschall, Leitfähigkeits- oder Wirbelstrommessung oder durch Aufbohren. Für Privatanleger ist die wichtigste Schutzmaßnahme deshalb die Bezugsquelle: Kaufen Sie bei etablierten Händlern, meiden Sie zu günstige Angebote von Privatpersonen und lassen Sie Barren aus unklarer Herkunft vor dem Kauf professionell prüfen. Einen Überblick über alle Prüfverfahren gibt der Ratgeber Wie prüfe ich, ob Gold echt ist.