Eheringe sind Schmuckstücke mit einer besonderen Geschichte. Gerade deshalb fällt die Entscheidung, sie zu verkaufen, vielen Menschen schwer. Die Gründe sind unterschiedlich: eine Scheidung, der Tod des Partners, neue Ringe zum Hochzeitstag oder Ringe, die schlicht nicht mehr passen. Wer sich zum Verkauf entschließt, möchte zumindest einen fairen Preis erzielen.

Beim Ankauf zählt allerdings nur das Material. Gravur, Erinnerungswert oder der ursprüngliche Kaufpreis spielen keine Rolle. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie das Material erkennen, den Wert berechnen und den passenden Verkaufsweg wählen.

Schritt 1: Material und Feingehalt erkennen

Die meisten Eheringe tragen auf der Innenseite eine Punze, die das Material und den Feingehalt angibt, oft neben der Gravur. Typische Angaben:

Punze Material Anteil des Edelmetalls
333 Gold 8 Karat 33,3 % Gold
585 Gold 14 Karat 58,5 % Gold
750 Gold 18 Karat 75,0 % Gold
950 Pt oder PT950 Platin 95,0 % Platin
600 Pt Platin 60,0 % Platin
500 Pd, 585 Pd, 950 Pd Palladium 50 bis 95 % Palladium
925 Sterlingsilber 92,5 % Silber

In Deutschland sind Eheringe aus 585er Gold am weitesten verbreitet, gefolgt von 750er und 333er Gold. Platin und Palladium wurden vor allem seit den 1990er Jahren beliebter. Häufig ist neben dem Feingehalt auch ein Herstellerzeichen eingeschlagen. Wie Sie Punzen lesen, erklärt der Ratgeber Goldpunzen lesen.

Gelbgold, Weißgold, Rotgold

Die Farbe sagt nichts über den Goldgehalt. Ein 585er Weißgoldring enthält genauso viel Gold wie ein 585er Gelbgoldring. Weißgold ist meist mit Palladium oder Nickel legiert und rhodiniert. Mehr dazu in den Ratgebern Weißgold: Wert und Verkauf und Rotgold und Roségold.

Platin oder Weißgold?

Platin- und Weißgoldringe sehen sich ähnlich, haben aber einen unterschiedlichen Wert. Platinringe sind deutlich schwerer, weil Platin eine höhere Dichte hat. Die Unterschiede erklärt der Ratgeber Platinring oder Weißgoldring.

Bicolor- und Tricolor-Ringe

Ringe aus mehreren Goldfarben haben meist durchgehend denselben Feingehalt. Bei Kombinationen aus Platin und Gold wird der Ring oft nach dem geringerwertigen Material bewertet, weil sich die Metalle beim Einschmelzen nicht einfach trennen lassen.

Schritt 2: Gewicht ermitteln

Eheringe wiegen je nach Breite, Stärke und Größe sehr unterschiedlich:

Ringtyp Typisches Gewicht
schmaler Damenring, 2–3 mm 2–4 g
klassischer Damenring, 4 mm 3–5 g
klassischer Herrenring, 5–6 mm 5–9 g
breiter, massiver Herrenring 9–15 g
Platinring gleicher Form rund 50–60 % schwerer als 585er Gold

Wiegen Sie Ihre Ringe auf einer digitalen Feinwaage. Hohle Ringe, die es bei günstigen Modellen gibt, sind deutlich leichter.

Schritt 3: Wert berechnen

Die Formel lautet:

Materialwert = Gewicht × Feingehalt × Preis je Gramm des Edelmetalls

Rechenbeispiele mit angenommenen Preisen von 100 Euro je Gramm Feingold und 30 Euro je Gramm Platin:

Ring Gewicht Feingehalt Feinmetall Materialwert (angenommen)
Damenring 585 4,0 g 0,585 2,34 g Gold 234 €
Herrenring 585 7,0 g 0,585 4,10 g Gold 410 €
Herrenring 750 7,0 g 0,750 5,25 g Gold 525 €
Damenring 333 3,5 g 0,333 1,17 g Gold 117 €
Herrenring Platin 950 11,0 g 0,950 10,45 g Platin 314 €

Die Preisannahmen dienen nur der Veranschaulichung. Den aktuellen Goldpreis finden Sie auf der Seite Goldpreis, den Platinpreis auf der Seite Platinpreis. Für Gold können Sie den Goldwert-Rechner nutzen.

Diamanten und Steinbesatz

Viele Damenringe haben einen oder mehrere Diamanten. Beim Verkauf an einen Altgoldankäufer werden Steine nicht bezahlt, ihr Gewicht wird geschätzt und abgezogen. Kleine Diamanten unter etwa 0,1 Karat haben im Wiederverkauf oft nur geringen Wert. Größere Steine mit guter Qualität sollten Sie separat von einem Juwelier oder Gemmologen bewerten lassen.

Steinbesatz Empfehlung
kleine Brillanten, Zirkonia als Altgold verkaufen, Steine werden abgezogen
Diamant ab etwa 0,25 Karat Bewertung durch Fachmann, ggf. getrennt verkaufen
Diamant mit Zertifikat Zertifikat mitbringen, Verkauf an Juwelier oder Diamanthändler prüfen

Die Gravur

Die Gravur mit Namen und Hochzeitsdatum hat auf den Materialwert keinen Einfluss. Für einen Weiterverkauf als Ring ist sie aber ein Hindernis. Deshalb werden gravierte Eheringe in der Regel eingeschmolzen. Wer einen Ring als Schmuckstück verkaufen möchte, kann die Gravur von einem Goldschmied entfernen lassen, was bei dünnen Ringen aber Material kostet.

Verkauf nach Scheidung

Nach einer Scheidung stellt sich manchmal die Frage, wem die Ringe gehören. In der Regel gehört jeder Ring der Person, die ihn erhalten hat und trägt. Die Ringe sind Teil des jeweiligen Vermögens. Im Zugewinnausgleich spielen Eheringe wegen ihres meist geringen Werts selten eine Rolle. Hinweise zu Gold bei einer Scheidung gibt der Ratgeber Gold bei Scheidung und Zugewinnausgleich.

Steuerlich ist der Verkauf von privatem Schmuck nach mehr als einem Jahr Besitzdauer steuerfrei. Bei Eheringen ist diese Frist praktisch immer erfüllt.

Verkauf nach dem Tod des Partners

Ringe aus dem Nachlass gehören den Erben. Sind mehrere Erben vorhanden, sollten sie sich vor dem Verkauf einigen. Viele Hinterbliebene behalten den Ring des Partners als Erinnerung oder lassen beide Ringe zu einem neuen Schmuckstück verarbeiten. Hinweise zur Bewertung von Erbschmuck gibt der Ratgeber Geerbten Goldschmuck bewerten.

Alternativen zum Verkauf

Alternative Beschreibung
Umarbeiten Goldschmied fertigt aus dem Gold einen neuen Ring, Anhänger oder Ohrringe
Neue Eheringe anrechnen lassen viele Juweliere rechnen alte Ringe beim Kauf neuer Ringe an
Erinnerungsstück Ring an einer Kette tragen oder in einer Schatulle aufbewahren
Weitergeben Ring an Kinder oder Enkel weitergeben

Beim Anrechnen auf neue Ringe lohnt sich ein Vergleich mit reinen Ankaufsangeboten. Manche Juweliere rechnen großzügig an, andere deutlich unter dem Materialwert.

Wo Sie Eheringe verkaufen können

  1. Edelmetallhändler und Goldankäufer: transparent, Preis nach Tageskurs, meist der beste Preis für reine Materialwerte.
  2. Juweliere: Beratung, Möglichkeit der Anrechnung auf neuen Schmuck, Ankaufspreise oft etwas niedriger.
  3. Online-Ankauf: Versand per Post, Prüfung nach Eingang, Angebot per E-Mail. Achten Sie auf versicherten Versand und gute Bewertungen.
  4. Privatverkauf: lohnt sich nur bei besonderen Ringen, etwa Designerstücken oder Ringen mit wertvollen Steinen.

Seien Sie vorsichtig bei mobilen Ankaufsaktionen in Hotels oder an der Haustür. Mehr dazu im Ratgeber Goldankauf an der Haustür und im Hotel.

Häufige Fragen

Warum bietet ein Ankäufer weniger als den berechneten Materialwert? Der Ankäufer muss Prüfung, Scheidung, Transport und seine Marge finanzieren. Ein seriöses Angebot liegt deshalb unter dem reinen Materialwert, sollte aber nachvollziehbar sein. Liegt es sehr weit darunter, holen Sie weitere Angebote ein.

Kann ich Eheringe mit Gravur zurück an den Juwelier geben, bei dem sie gekauft wurden? Ein Rückgaberecht besteht nach so langer Zeit nicht, und gravierte Ringe nehmen Juweliere nicht als Neuware zurück. Viele kaufen sie aber als Altgold an oder rechnen sie auf neue Ringe an.

Lohnt es sich, nur einen Ring zu verkaufen? Ja, auch einzelne Ringe werden angekauft. Bei kleinen Mengen ist die Spanne zwischen Ankäufern allerdings oft größer, ein Preisvergleich lohnt sich deshalb besonders.

Sind alte Eheringe aus der DDR oder aus dem Ausland anders zu bewerten? Nein, entscheidend sind Material und Feingehalt. Ringe aus der DDR tragen häufig 333er oder 585er Punzen, Ringe aus dem Ausland manchmal Karatangaben wie 14K oder 18K. Ungewöhnliche Feingehalte lassen sich bei Bedarf durch eine Prüfung bestätigen.

Tipps für einen fairen Preis

  • Punze lesen und Gewicht selbst ermitteln.
  • Materialwert vorab berechnen.
  • Mindestens zwei bis drei Angebote einholen.
  • Beim Wiegen zusehen und das Ergebnis notieren.
  • Steine gesondert bewerten lassen, wenn sie größer sind.
  • Sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Fazit

Der Wert von Eheringen ergibt sich fast ausschließlich aus Material und Gewicht. Lesen Sie die Punze auf der Innenseite, wiegen Sie die Ringe und berechnen Sie den Materialwert mit dem aktuellen Edelmetallpreis. Gravur und Erinnerungswert spielen beim Ankauf keine Rolle, kleine Steine werden meist abgezogen, größere sollten Sie separat bewerten lassen. Nach Scheidung oder Todesfall lohnt es sich, Alternativen wie das Umarbeiten zu einem neuen Schmuckstück zu bedenken. Wer verkauft, vergleicht mehrere Angebote seriöser Händler. Wie andere Schmuckstücke bewertet werden, zeigt der Ratgeber Goldkette verkaufen.