Die Finanzkrise von 2008 gilt als die schwerste Krise des Weltfinanzsystems seit der Großen Depression. Banken brachen zusammen, Aktienmärkte verloren die Hälfte ihres Wertes, Staaten mussten mit gewaltigen Rettungspaketen eingreifen. Für Goldanleger ist diese Zeit besonders lehrreich, denn Gold verhielt sich anders, als viele erwartet hatten: Statt sofort als sicherer Hafen zu steigen, fiel es im Herbst 2008 zunächst deutlich. Erst danach begann eine der stärksten Aufwärtsbewegungen seiner Geschichte.
Dieser Artikel zeichnet den Verlauf des Goldpreises während der Finanzkrise nach, erklärt die Gründe für den zwischenzeitlichen Einbruch und zieht Lehren für Anleger, die Gold als Krisenschutz halten.
Die Vorgeschichte: Gold vor der Krise
In den Jahren vor 2008 befand sich Gold bereits in einem starken Aufwärtstrend. Nach dem Tiefpunkt um 250 Dollar je Unze um die Jahrtausendwende stieg der Preis kontinuierlich. Treiber waren ein schwächerer Dollar, steigende Rohstoffpreise, die Einführung börsengehandelter Goldfonds und wachsende Nachfrage aus Asien. Im März 2008, kurz nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns, überschritt Gold erstmals die Marke von 1.000 Dollar je Unze.
Der Verlauf im Krisenjahr
| Zeitpunkt | Ereignis | Goldpreis (circa) |
|---|---|---|
| März 2008 | Notverkauf von Bear Stearns | erstmals über 1.000 $ |
| Sommer 2008 | Ölpreis auf Rekordhoch, Dollar schwach | rund 900–950 $ |
| August 2008 | Dollar erholt sich, Rohstoffe fallen | Rückgang unter 800 $ |
| 15. September 2008 | Insolvenz von Lehman Brothers | kurzer Sprung nach oben |
| Oktober 2008 | Panik an den Märkten, Zwangsverkäufe | Tief um 700 $ |
| Ende 2008 | Zinssenkungen, Rettungspakete | Erholung auf rund 850–880 $ |
| Februar 2009 | anhaltende Krise | wieder knapp 1.000 $ |
Vom Hoch im März bis zum Tief im Oktober verlor Gold damit fast 30 Prozent. Zum Vergleich: Wichtige Aktienindizes fielen im Verlauf der Krise um rund die Hälfte, mit dem Tiefpunkt erst im März 2009.
Warum Gold zunächst fiel
Mehrere Faktoren trafen zusammen:
Der Kampf um Liquidität
Als die Märkte im Herbst 2008 einbrachen, brauchten viele Investoren dringend Bargeld. Hedgefonds mussten Nachschussforderungen bedienen, Banken ihre Bilanzen verkürzen, Fonds Rückgaben ihrer Kunden auszahlen. Gold war eine der wenigen Anlagen, die sich zu jeder Zeit problemlos verkaufen ließen. Es wurde also verkauft, nicht weil es schlecht war, sondern weil es liquide war.
Der starke Dollar
In der akuten Krise flüchteten Investoren weltweit in den US-Dollar und in US-Staatsanleihen. Der Dollar wertete deutlich auf. Weil Gold in Dollar notiert, belastet ein starker Dollar den Goldpreis tendenziell. Für Anleger in Euro fiel der Rückgang deshalb geringer aus, weil der Euro gleichzeitig gegenüber dem Dollar nachgab. Den Zusammenhang erklärt der Ratgeber Goldpreis Euro vs. Dollar.
Der Rohstoffeinbruch
Im Sommer 2008 erreichten Öl und viele Rohstoffe Rekordpreise. Mit der Krise brachen sie dramatisch ein. Gold wurde in vielen Portfolios als Teil des Rohstoffkorbs gehalten und mit verkauft, als Investoren ihre Rohstoffpositionen auflösten.
Deflationsangst
Im Herbst 2008 fürchteten viele Ökonomen eine Deflation, also fallende Preise. In einem deflationären Umfeld gilt Bargeld als attraktiver als Sachwerte. Diese Sorge belastete Gold zusätzlich.
Die Wende: Warum Gold danach stieg
Ab dem Spätherbst 2008 veränderte sich das Bild grundlegend:
- Zinssenkungen auf nahe null: Die US-Notenbank und andere Zentralbanken senkten die Leitzinsen drastisch. Damit sanken die Opportunitätskosten von Gold. Der Zusammenhang wird im Ratgeber Realzins und Goldpreis erläutert.
- Quantitative Lockerung: Notenbanken begannen, in großem Stil Anleihen zu kaufen. Viele Anleger fürchteten eine spätere Inflation und eine Entwertung der Währungen.
- Vertrauensverlust in Banken: Das Bewusstsein, dass auch große Banken scheitern können, steigerte die Nachfrage nach Anlagen ohne Gegenparteirisiko. Physisches Gold erfüllt dieses Kriterium.
- Physische Nachfrage: In Europa und den USA stieg die Nachfrage nach Barren und Münzen stark an. Händler berichteten von Lieferengpässen und deutlich steigenden Aufgeldern.
- Zentralbanken drehen: Zentralbanken, die in den Jahren zuvor Gold verkauft hatten, wurden ab 2009/2010 netto zu Käufern.
In der Folge stieg der Goldpreis kräftig. Ende 2009 lag er bei über 1.200 Dollar, im September 2011 erreichte er mit rund 1.920 Dollar ein neues Rekordhoch. Einen Überblick über den langfristigen Verlauf gibt der Artikel Goldpreis Chart 20 Jahre.
Die physische Nachfrage in Deutschland
Bemerkenswert war die Reaktion deutscher Privatanleger. Im Herbst 2008 bildeten sich bei Banken und Edelmetallhändlern teilweise lange Schlangen. Viele Menschen, die bis dahin nie Gold besessen hatten, kauften Barren und Münzen, während die Börsenkurse fielen. Händler kamen mit den Lieferungen kaum nach, und die Aufgelder auf kleine Barren und Münzen stiegen zeitweise deutlich. Diese Erfahrung zeigte: In akuten Krisen ist nicht nur der Börsenpreis entscheidend, sondern auch die Verfügbarkeit physischer Ware. Wer Gold in Krisen kaufen möchte, zahlt dann oft deutlich mehr über dem Spotpreis als in ruhigen Zeiten.
Silber, Platin und Palladium in der Krise
Die anderen Edelmetalle traf die Krise deutlich härter als Gold. Silber, Platin und Palladium haben einen großen industriellen Nachfrageanteil, und als die Weltwirtschaft einbrach, brach auch ihre Nachfrage ein.
| Metall | Rückgang vom Hoch 2008 bis zum Tief (circa) | Hauptgrund |
|---|---|---|
| Gold | knapp 30 % | Liquiditätsverkäufe, starker Dollar |
| Silber | über 50 % | Industrienachfrage, Spekulation |
| Platin | über 60 % | Einbruch der Autoproduktion |
| Palladium | über 60 % | Einbruch der Autoproduktion |
Platin hatte im Frühjahr 2008 noch Rekordpreise über 2.000 Dollar erreicht und fiel bis zum Jahresende unter 800 Dollar. Diese Zahlen zeigen, warum Gold unter den Edelmetallen als der beste Krisenschutz gilt: Es hat die geringste Abhängigkeit von der Industrie. Silber und Platin erholten sich in den Folgejahren zwar ebenfalls kräftig, doch der Weg war deutlich holpriger. Mehr zu den Unterschieden im Ratgeber Silber oder Gold.
Was 2008 über das Bankensystem lehrte
Für viele Anleger war die wichtigste Erfahrung der Krise nicht der Goldpreis, sondern die Erkenntnis, dass auch große, angesehene Finanzinstitute zusammenbrechen können. Die Insolvenz von Lehman Brothers traf auch deutsche Privatanleger, die Zertifikate dieser Bank gekauft hatten. Diese Papiere wurden über Nacht weitgehend wertlos, unabhängig davon, worauf sie sich bezogen. Diese Erfahrung hat das Bewusstsein für das sogenannte Emittentenrisiko geschärft. Physisches Gold hat kein solches Risiko, Zertifikate und Hebelprodukte dagegen schon. Hinweise dazu gibt der Ratgeber Gold mit Hebel: Optionsscheine und Zertifikate.
Lehren für Anleger
Gold ist ein Stabilisator, kein Sofortschutz
Die Krise 2008 zeigte, dass Gold in den ersten Wochen einer akuten Panik mitfallen kann. Seine Stärke liegt in der mittelfristigen Erholung und im Schutz vor den Folgen der Krisenbekämpfung, also niedrigen Zinsen und expansiver Geldpolitik. Wie Gold und Aktien zusammenhängen, erklärt der Ratgeber Gold und Aktien: Korrelation.
Rechtzeitig vorsorgen
Wer erst in der Krise kauft, zahlt hohe Aufgelder und muss mit Lieferengpässen rechnen. Wer vorher eine Goldposition aufgebaut hat, kann in Ruhe abwarten oder sogar nachkaufen, wenn andere zu Zwangsverkäufen gezwungen sind.
Kein Hebel
Viele der Verkäufe im Herbst 2008 waren Zwangsverkäufe von gehebelten Positionen. Wer Gold ohne Kredit und physisch besitzt, kann einen kurzfristigen Preisrückgang aussitzen.
Euro-Perspektive beachten
Für Anleger in Deutschland war der Rückgang in Euro geringer als in Dollar, weil der Euro gleichzeitig schwächer wurde. Der Wechselkurs kann den Goldpreis in Euro in Krisen stabilisieren.
Rebalancing nutzen
Wer eine feste Goldquote im Portfolio hatte, konnte 2008 nach dem Rückgang der Aktien Gold verkaufen und günstig Aktien nachkaufen, oder umgekehrt nach dem Goldeinbruch im Oktober nachkaufen. Diszipliniertes Rebalancing nutzt solche Phasen systematisch.
Fazit
In der Finanzkrise 2008 fiel Gold zunächst um fast 30 Prozent, von über 1.000 auf rund 700 Dollar je Unze. Gründe waren Liquiditätsverkäufe, ein stark aufwertender Dollar, der Rohstoffeinbruch und Deflationsängste. Mit den Zinssenkungen, der Geldflut der Notenbanken und dem Vertrauensverlust in Banken begann ab Ende 2008 eine Rekordjagd, die Gold bis 2011 auf rund 1.920 Dollar führte. Die wichtigste Lehre: Gold schützt nicht in jeder Woche einer Krise, aber über Monate und Jahre, gerade vor den Folgen der Krisenbekämpfung. Den aktuellen Goldpreis finden Sie auf der Seite Goldpreis.




