Wer sich mit Geldanlage beschäftigt, hört oft den Rat, Gold als „Versicherung“ für das Aktiendepot zu halten. Die Idee dahinter: Wenn die Aktienmärkte fallen, steigt Gold oder hält zumindest seinen Wert. Doch stimmt das? Und was genau bedeutet es, wenn Fachleute von einer „niedrigen Korrelation“ zwischen Gold und Aktien sprechen?
Dieser Artikel erklärt das Konzept der Korrelation in einfachen Worten, zeigt, wie sich Gold in den großen Börsenkrisen der letzten Jahrzehnte verhalten hat, und beschreibt, was das für die Aufteilung Ihres Vermögens bedeutet. Er stellt keine Anlageberatung dar.
Was Korrelation bedeutet
Die Korrelation ist eine statistische Kennzahl, die beschreibt, wie stark sich zwei Werte gemeinsam bewegen. Sie liegt zwischen −1 und +1:
| Korrelation | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| +1 | bewegen sich immer in dieselbe Richtung | zwei ETFs auf denselben Index |
| um +0,5 | bewegen sich häufig gemeinsam | Aktien verschiedener Industrieländer |
| um 0 | bewegen sich weitgehend unabhängig | über lange Zeiträume häufig Gold und Aktien |
| um −0,5 | bewegen sich häufig gegenläufig | in manchen Phasen Staatsanleihen und Aktien |
| −1 | bewegen sich immer entgegengesetzt | theoretischer Idealfall einer Absicherung |
Wichtig: Eine Korrelation nahe null bedeutet nicht, dass Gold steigt, wenn Aktien fallen. Sie bedeutet, dass die Bewegungen weitgehend unabhängig voneinander sind. Gold kann gleichzeitig mit Aktien steigen, gleichzeitig fallen oder sich entgegengesetzt bewegen.
Was die Daten über Gold und Aktien zeigen
Über lange Zeiträume betrachtet liegt die Korrelation zwischen Gold und großen Aktienindizes wie dem MSCI World oder dem S&P 500 nach vielen Auswertungen nahe null, mit Schwankungen je nach Zeitraum und Messmethode. Das heißt: Gold folgt eigenen Treibern wie Realzinsen, Wechselkursen, Zentralbankkäufen und Krisenstimmung, während Aktien vor allem von Unternehmensgewinnen und Konjunktur abhängen.
Diese Unabhängigkeit ist der eigentliche Wert von Gold im Portfolio. Wer zwei Anlagen kombiniert, die sich nicht gemeinsam bewegen, senkt die Schwankungen des Gesamtvermögens, ohne zwangsläufig auf Rendite verzichten zu müssen. Dieser Effekt heißt Diversifikation.
Gold in großen Börsenkrisen
Interessant wird es in Krisen, denn genau dann soll die Absicherung greifen. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte sind gemischt:
Finanzkrise 2008
Als die Aktienmärkte im Herbst 2008 einbrachen, fiel zunächst auch Gold deutlich. Viele Investoren mussten Verluste ausgleichen, Nachschussforderungen bedienen oder brauchten schlicht Bargeld. Gold war eine der wenigen Anlagen, die sich in dieser Phase noch problemlos verkaufen ließ. Nach wenigen Monaten erholte sich Gold jedoch kräftig und stieg in den folgenden Jahren auf Rekordhöhen, während Aktien lange brauchten, um ihre Verluste aufzuholen.
Corona-Crash 2020
Im März 2020 brachen die Aktienmärkte innerhalb weniger Wochen um über 30 Prozent ein. Auch Gold fiel kurzzeitig, als Anleger in Panik alles verkauften, was sich liquide machen ließ. Der Rückgang war aber deutlich geringer als bei Aktien, und bereits im Sommer 2020 erreichte Gold ein neues Allzeithoch über 2.000 Dollar.
Zinswende 2022
2022 fielen Aktien und Anleihen gleichzeitig deutlich, weil die Notenbanken die Zinsen schnell anhoben. Gold hielt sich in diesem Jahr in Euro gerechnet stabil und zählte zu den wenigen Anlagen ohne größere Verluste.
| Krise | Aktien | Gold kurzfristig | Gold mittelfristig |
|---|---|---|---|
| 2008 Finanzkrise | starker Einbruch | fiel zunächst mit | deutliche Erholung, neue Hochs |
| 2020 Corona | sehr schneller Einbruch | kurzer, kleinerer Rückgang | neues Allzeithoch im Sommer |
| 2022 Zinswende | deutliche Verluste | stabil in Euro | weiterer Anstieg in Folgejahren |
Warum Gold in Crashs manchmal mitfällt
Das kurzfristige Mitfallen von Gold in akuten Panikphasen hat einen einfachen Grund: Liquidität. Wenn Investoren dringend Geld brauchen, verkaufen sie, was sich am leichtesten verkaufen lässt. Gold ist sehr liquide und hat oft zuvor Gewinne angehäuft. Hinzu kommen Zwangsverkäufe von Fonds und gehebelten Positionen. Dieser Effekt hält aber meist nur kurz an. Sobald sich die Märkte stabilisieren und die Notenbanken mit Zinssenkungen und Liquiditätshilfen reagieren, profitiert Gold häufig.
Für Anleger bedeutet das: Gold ist keine perfekte Absicherung, die an jedem einzelnen Tag gegenläufig zu Aktien steigt. Es ist eher ein Stabilisator über Monate und Jahre.
Der Diversifikationseffekt in Zahlen
Ein vereinfachtes Gedankenexperiment zeigt den Effekt: Ein Depot besteht nur aus Aktien. In einem schweren Krisenjahr fällt es um 30 Prozent. Ein zweites Depot besteht zu 90 Prozent aus Aktien und zu 10 Prozent aus Gold. Fällt Gold in diesem Jahr nicht oder steigt sogar leicht, verliert das zweite Depot nur etwa 27 Prozent oder weniger. Über viele Jahre mit unterschiedlichen Phasen kann eine solche Beimischung die Schwankungen spürbar verringern.
Der Preis dafür: In langen Aktienhaussen, in denen Gold seitwärts läuft, bleibt das gemischte Depot etwas hinter dem reinen Aktiendepot zurück. Diversifikation ist deshalb kein Renditeturbo, sondern eine Methode, das Risiko besser zu verteilen.
Korrelation ist nicht stabil
Ein oft übersehener Punkt: Die Korrelation zwischen Gold und Aktien verändert sich im Zeitverlauf. Berechnet man sie über rollierende Zeiträume von etwa einem Jahr, schwankt sie zwischen deutlich positiven und deutlich negativen Werten. In Phasen, in denen beide von sinkenden Zinsen und reichlich Liquidität profitieren, steigen Gold und Aktien oft gemeinsam. In Phasen, in denen Anleger vor Risiken fliehen, entwickeln sie sich eher gegenläufig.
| Marktphase | Typisches Verhalten |
|---|---|
| Lockere Geldpolitik, viel Liquidität | Gold und Aktien steigen häufig gemeinsam |
| Akute Panik und Liquiditätsengpässe | beide fallen kurzfristig, Gold meist weniger |
| Längere Rezession mit Zinssenkungen | Gold oft stark, Aktien schwach |
| Starkes Wirtschaftswachstum, steigende Realzinsen | Aktien stark, Gold schwach |
| Inflationsschübe | gemischt, Gold häufig stabiler |
Wer Gold als Diversifikation nutzt, sollte deshalb nicht erwarten, dass es sich in jeder Phase gleich verhält. Entscheidend ist der Durchschnitt über lange Zeiträume und das Verhalten in den Phasen, in denen Aktien besonders schwach sind. Den Einfluss der Realzinsen beschreibt der Ratgeber Realzins und Goldpreis.
Wie viel Gold zur Absicherung?
In der Praxis empfehlen viele Vermögensverwalter eine Goldquote von etwa 5 bis 15 Prozent des Gesamtvermögens, je nach Risikoneigung und Anlagehorizont. Eine höhere Quote erhöht die Stabilität in Krisen, verringert aber die Renditechancen in guten Börsenjahren. Eine ausführliche Herleitung bietet der Ratgeber Wie viel Gold ins Portfolio.
Rebalancing: Die Korrelation aktiv nutzen
Wer Gold und Aktien kombiniert, kann die unterschiedlichen Bewegungen gezielt nutzen. Beim Rebalancing wird die ursprüngliche Aufteilung regelmäßig wiederhergestellt. Steigt Gold stark, während Aktien fallen, verkauft man einen Teil des Goldes und kauft Aktien nach. Steigen Aktien stark, wird ein Teil der Gewinne in Gold umgeschichtet. So kauft man systematisch günstig und verkauft teurer, ohne Prognosen treffen zu müssen.
Was die Korrelation für deutsche Anleger bedeutet
Für Anleger in Deutschland kommt ein Währungseffekt hinzu. Viele Aktiendepots sind stark in US-Aktien investiert, der Goldpreis wird international in Dollar gebildet. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, verlieren sowohl US-Aktien als auch Gold in Euro gerechnet an Wert. Steigt der Dollar, gewinnen beide. Das erhöht die Korrelation aus Sicht eines Euro-Anlegers in bestimmten Phasen. Dennoch bleibt der Diversifikationseffekt von Gold auch in Euro gerechnet bestehen, weil die übrigen Preistreiber unterschiedlich sind.
Gold, Goldminenaktien und andere Absicherungen
Nicht jede Goldanlage hat dieselbe Korrelation zu Aktien:
- Physisches Gold und Gold-ETCs folgen dem Goldpreis und haben die beschriebene niedrige Korrelation.
- Goldminenaktien sind Aktien. In Börsencrashs fallen sie oft mit dem Gesamtmarkt, teils sogar stärker. Als Absicherung sind sie weniger geeignet, siehe Goldminenaktien oder physisches Gold.
- Staatsanleihen hatten in vielen Krisen eine negative Korrelation zu Aktien, 2022 aber nicht.
- Bargeld schwankt nicht, verliert aber durch Inflation real an Wert.
Eine Kombination mehrerer Bausteine ist oft robuster als die Konzentration auf eine einzige Absicherung. Wie Gold im Vergleich zu anderen Anlageformen abschneidet, zeigen die Ratgeber Gold vs. Immobilien und Gold vs. Tagesgeld.
Fazit
Gold und Aktien bewegen sich über lange Zeiträume weitgehend unabhängig voneinander, die Korrelation liegt nahe null. Genau diese Unabhängigkeit macht Gold zu einem wertvollen Baustein der Diversifikation. In akuten Panikphasen kann Gold kurzfristig mitfallen, weil Anleger Liquidität brauchen, erholt sich aber häufig schneller als Aktien. Gold ist deshalb keine Versicherung, die an jedem Tag greift, sondern ein Stabilisator über Monate und Jahre. Wer eine moderate Goldquote hält und regelmäßig rebalanciert, kann die Schwankungen seines Vermögens deutlich verringern. Den aktuellen Goldpreis finden Sie auf der Seite Goldpreis.




