Platin ist das unbekannteste der klassischen Schmuckmetalle. Viele Menschen besitzen einen Platinring, einen Ehering oder ein Erbstück aus Platin, ohne es zu wissen, weil das Metall auf den ersten Blick genauso aussieht wie Weißgold oder Silber. Beim Verkauf kann diese Verwechslung teuer werden: Wer einen Platinring als „Weißgold“ oder gar als Silber abgibt, verschenkt unter Umständen einen erheblichen Teil seines Werts.

Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie Platinschmuck sicher erkennen, wie Sie seinen Materialwert berechnen, worauf Ankäufer achten und welche Verkaufswege sich eignen.

Warum Platin im Schmuck besonders ist

Platin wird im Schmuck vor allem für Verlobungs- und Eheringe sowie für Fassungen hochwertiger Diamanten verwendet. Es hat einige Eigenschaften, die es von anderen weißen Metallen unterscheiden:

  • Hoher Reinheitsgrad: Platinschmuck besteht meist zu 95 Prozent aus Platin. Weißgold enthält dagegen nur 58,5 oder 75 Prozent Gold, der Rest sind weißende Metalle.
  • Naturweiß: Platin ist von Natur aus grauweiß und muss nicht rhodiniert werden. Weißgold wird dagegen meist mit Rhodium überzogen, damit es strahlend weiß wirkt.
  • Hohe Dichte: Mit rund 21,45 Gramm pro Kubikzentimeter ist Platin fast doppelt so dicht wie Silber und deutlich schwerer als 585er Weißgold. Ein Platinring liegt spürbar schwer in der Hand.
  • Abriebfest: Platin wird bei Kratzern verdrängt statt abgetragen. Es entsteht mit der Zeit eine samtige Patina, aber kaum Materialverlust.

Platinschmuck erkennen: Punzen und Merkmale

Die zuverlässigste Information ist der Stempel, meist an der Innenseite des Rings oder am Verschluss.

Tabelle der Punzen für weißen Schmuck: PT950 und PLAT für Platin, PT900 und PT850, 585 und 750 für Weißgold, PD500 und PD950 für Palladium sowie 925 für Sterlingsilber
Gleiche Farbe, sehr unterschiedlicher Wert: Die Punze verrät, aus welchem Metall weißer Schmuck besteht.

Typische Platin-Punzen

  • PT950, Pt950, 950 Pt oder PLAT: Der in Europa und den USA übliche Standard mit 95 Prozent Platin. Die restlichen fünf Prozent sind meist Ruthenium, Iridium, Kobalt oder Palladium, die das Metall härter machen.
  • PT900 und PT850: Häufig bei Schmuck aus Japan und bei älteren Stücken. Sie enthalten 90 bzw. 85 Prozent Platin.
  • PT999: Sehr reines Platin, im Schmuck selten und eher bei asiatischem Schmuck zu finden.
  • IRIDPLAT oder 10 % Iridium: Bei älterem Schmuck, vor allem aus den USA, findet sich gelegentlich eine Legierung aus 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium.

Mehr zu den Legierungen erklärt der Beitrag Platin-Feingehalt: 950er, 999er und weitere Legierungen.

Verwechslungsgefahr: Weißgold, Palladium und Silber

  • Weißgold trägt die Punzen 585 (14 Karat) oder 750 (18 Karat), manchmal 333. Es ist eine Goldlegierung und wird nach dem Goldgehalt bewertet.
  • Palladiumschmuck trägt Punzen wie PD500 oder PD950. Palladium ist deutlich leichter als Platin. Mehr dazu im Ratgeber Palladium-Schmuck und Weißgold.
  • Silber trägt Punzen wie 925 und läuft im Gegensatz zu Platin mit der Zeit dunkel an. Details erklärt Silberstempel erkennen.

Wenn der Stempel fehlt

Bei sehr alten Stücken, nach Reparaturen oder bei Ringen, die mehrfach in der Größe geändert wurden, kann der Stempel fehlen oder unleserlich sein. Hinweise auf Platin sind dann ein auffällig hohes Gewicht im Verhältnis zur Größe, ein grauweißer Farbton ohne gelblichen Schimmer an abgenutzten Stellen und das Fehlen von Anlaufspuren. Gewissheit bringt nur eine Prüfung, etwa per Röntgenfluoreszenzanalyse beim Juwelier oder Ankäufer.

Den Materialwert berechnen

Der Materialwert von Platinschmuck ergibt sich aus Gewicht, Feingehalt und Platinpreis:

Platingewicht in Gramm × Feingehalt × Platinpreis pro Gramm = Materialwert

Ein Beispiel: Ein Platinring mit dem Stempel PT950 wiegt 8 Gramm. Darin stecken 8 × 0,950 = 7,6 Gramm reines Platin. Diesen Wert multiplizieren Sie mit dem aktuellen Platinpreis pro Gramm, den Sie auf der Seite Platinpreis aktuell finden. Für die Umrechnung von Unze in Gramm hilft der Platinpreis-Rechner.

Zur Einordnung: Eine Feinunze entspricht 31,1035 Gramm. Teilen Sie den Platinpreis pro Unze durch 31,1035, erhalten Sie den Preis pro Gramm reines Platin.

Steine und andere Metalle abziehen

Viele Platinringe sind mit Diamanten besetzt. Steine werden beim Schmelzankauf nicht über das Platin vergütet, ihr Gewicht wird abgezogen. Bei Ringen mit größeren Diamanten kann der Stein deutlich mehr wert sein als das Metall. Lassen Sie solche Stücke deshalb von einem Juwelier oder Gutachter einschätzen, bevor Sie sie als Altplatin verkaufen. Auch Ringe aus zwei Metallen, etwa mit einer Gelbgold-Schiene und einem Platinkopf, müssen getrennt bewertet werden.

Was Ankäufer zahlen

Wie bei Gold und Silber zahlt auch beim Platin kein Ankäufer den vollen Börsenwert. Altplatin muss geschmolzen, analysiert und in einer Scheideanstalt raffiniert werden. Die Raffination von Platin ist aufwendiger als die von Gold, weshalb die Abschläge etwas höher ausfallen können. Seriöse Ankäufer zahlen für 950er Platinschmuck häufig einen deutlichen Großteil des reinen Platinwerts, die genaue Quote variiert jedoch stark zwischen den Anbietern.

Prüfen Sie jedes Angebot so: Teilen Sie den gebotenen Preis pro Gramm 950er Platin durch 0,95 und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem aktuellen Platinpreis pro Gramm. So sehen Sie, wie viel Prozent des Materialwerts tatsächlich angeboten werden. Ein Ankäufer, der Platin nicht separat ausweist oder nur einen Pauschalpreis für „weißen Schmuck“ nennt, sollte Sie skeptisch machen.

Die größte Falle: Platin als Weißgold verkauft

Der häufigste und teuerste Fehler beim Verkauf von Platinschmuck ist die Verwechslung mit Weißgold. Viele Gelegenheitsankäufer prüfen weißen Schmuck nur oberflächlich oder rechnen ihn pauschal als 585er Gold ab. Je nach Preisverhältnis zwischen Gold und Platin kann das zu Ihrem Vor- oder Nachteil sein. In jedem Fall ist es eine Fehlbewertung.

So schützen Sie sich:

  1. Punze vorab selbst lesen und notieren, idealerweise mit Foto.
  2. Ringe einzeln wiegen und das Gewicht notieren.
  3. Beim Ankäufer ausdrücklich nach Platin fragen und eine Prüfung verlangen, wenn kein Stempel vorhanden ist.
  4. Angebot schriftlich geben lassen mit Angabe von Metall, Feingehalt, Gewicht und Preis pro Gramm.

Ob Platin oder Gold aktuell teurer ist, ändert sich übrigens immer wieder. Über Jahrzehnte war Platin teurer als Gold, in den vergangenen Jahren lag es meist deutlich darunter. Wie sich das Verhältnis entwickelt hat, zeigt der Beitrag Platin-Gold-Ratio.

Wo Sie Platinschmuck verkaufen können

Verkaufsweg Geeignet für Worauf achten
Edelmetallankauf mit Platinpreisliste Altplatin, defekter Schmuck Separate Preise für PT950, PT900 und PT850
Juwelier Diamantringe, Markenschmuck Getrennte Bewertung von Stein und Metall
Scheideanstalt Größere Mengen, Goldschmiedeabfälle Oft Mindestmengen, Abrechnung nach Analyse
Auktionshaus Antiker Schmuck, Art déco, Designerstücke Provision und Wartezeit einplanen

Platin war besonders in der Zeit des Art déco in den 1920er- und 1930er-Jahren ein beliebtes Schmuckmetall. Schmuck aus dieser Epoche mit feinen Fassungen und Diamanten kann einen hohen Sammlerwert haben, der weit über dem Materialwert liegt. Für solche Stücke ist ein Auktionshaus oder ein spezialisierter Antikschmuckhändler die bessere Wahl als der Schmelzankauf. Allgemeine Hinweise zum Verkauf von Platin, auch in Form von Barren und Münzen, gibt der Beitrag Platin verkaufen: Wo, wann und zu welchem Preis?.

Steuern beim Verkauf von Platinschmuck

Für Privatpersonen ist der Verkauf von eigenem Schmuck nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei. Bei geerbtem Schmuck zählt die Besitzzeit des Erblassers mit. Wer Schmuck innerhalb eines Jahres nach dem Kauf mit Gewinn verkauft, muss den Gewinn als privates Veräußerungsgeschäft versteuern, sofern die Freigrenze überschritten wird. Mehr dazu im Ratgeber Platin verkaufen und Steuern. Im Einzelfall hilft eine steuerliche Beratung.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich, ob mein Ring aus Platin ist?

Am Stempel: PT950, PLAT oder 950 Pt stehen für Platin. Zusätzlich ist Platin sehr schwer, grauweiß und läuft nicht an. Ohne Stempel hilft eine Prüfung beim Juwelier oder Ankäufer.

Wie viel ist ein Gramm 950er Platin wert?

Ein Gramm 950er Platin enthält 0,95 Gramm reines Platin. Der Materialwert entspricht also 95 Prozent des aktuellen Platinpreises pro Gramm. Ankäufer zahlen davon einen Anteil, weil Schmelz- und Raffinationskosten anfallen.

Ist Platin mehr wert als Weißgold?

Das hängt vom aktuellen Preisverhältnis ab. Platinschmuck enthält 95 Prozent Platin, 585er Weißgold nur 58,5 Prozent Gold. Pro Gramm Schmuck ist Platin deshalb häufig wertvoller, auch wenn der Goldpreis pro Unze höher liegt.

Werden Diamanten beim Platinankauf mitbezahlt?

Beim reinen Schmelzankauf nicht. Das Gewicht der Steine wird abgezogen. Größere Diamanten sollten Sie vor dem Verkauf separat schätzen lassen.

Läuft Platin an wie Silber?

Nein. Platin ist sehr korrosionsbeständig und läuft nicht an. Es bildet mit der Zeit eine matte, samtige Oberfläche, die sich vom Goldschmied wieder aufpolieren lässt.

Fazit

Platinschmuck ist leicht zu übersehen, weil er aussieht wie Weißgold oder Silber. Wer die Punze liest, das Gewicht notiert und den Materialwert mit dem aktuellen Platinpreis berechnet, verhindert die häufigste Fehlbewertung beim Verkauf. Bei Diamantringen und Art-déco-Schmuck lohnt eine separate Schätzung, weil Stein und Design oft mehr wert sind als das Metall. Für alle anderen Stücke gilt: Angebote vergleichen und immer auf eine separate Platin-Bewertung bestehen.