Viele Menschen erben irgendwann eine Münzsammlung. Manchmal ist es eine sorgfältig geführte Sammlung mit Katalognummern und Kaufbelegen, häufiger aber eine Mischung aus Alben, Schachteln und Kassetten, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Für die Erben stellt sich die Frage: Was ist das alles wert, und wie geht man am besten damit um?

Die gute Nachricht: Mit einer systematischen Herangehensweise lässt sich der Wert einer Sammlung recht gut einschätzen. Die weniger gute: Viele Sammlungen sind deutlich weniger wert, als die Erben erwarten, weil ein großer Teil der modernen Münzen nur seinen Nennwert oder Materialwert bringt. Umso wichtiger ist es, die wertvollen Stücke herauszufiltern.

Schritt 1: Nichts reinigen, nichts wegwerfen

Bevor Sie irgendetwas tun, gilt eine Grundregel: Reinigen Sie keine Münzen, und werfen Sie nichts weg, bevor die Sammlung gesichtet ist. Reinigen kann den Sammlerwert von Münzen zerstören. Und manche unscheinbare Münze in einer Kiste mit Kleingeld kann wertvoller sein als das schönste Album. Warum Reinigen schadet, erklärt der Ratgeber Erhaltungsgrade bei Münzen.

Schritt 2: Bestandsaufnahme

Verschaffen Sie sich einen Überblick:

  1. Alle Alben, Kassetten, Rähmchen, Tubes und Schachteln zusammentragen.
  2. Vorhandene Unterlagen sichern: Kaufbelege, Zertifikate, Listen, Kataloge des Verstorbenen.
  3. Fotos von wichtigen Stücken machen.
  4. Eine einfache Liste anlegen: Land, Nominal, Jahr, Material, Anzahl, Zustand.

Viele Sammler haben Notizen oder Kataloge hinterlassen, in denen sie ihre Stücke markiert haben. Diese Unterlagen sind wertvoll, weil sie die Bewertung erheblich erleichtern.

Schritt 3: Nach Material sortieren

Der wichtigste erste Schritt ist die Sortierung nach Metall, denn der Materialwert bildet die Untergrenze des Werts.

Gruppe Typische Inhalte Wertbasis
Goldmünzen Reichsgoldmünzen, Vreneli, Sovereigns, Krügerrand, Euro-Goldmünzen Goldwert, teils Sammlerwert
Silbermünzen Kaiserreich, Reichsmark, DM-Gedenkmünzen, Euro-Silbermünzen, Anlagemünzen Silberwert, teils Sammlerwert
Unedle Münzen Kursmünzen, Kupfer-Nickel-Gedenkmünzen, ausländisches Kleingeld meist Nennwert oder darunter
Medaillen Gold- und Silbermedaillen, Gedenkprägungen Materialwert, selten Sammlerwert
Banknoten alte Mark-Scheine, Notgeld, ausländische Scheine Sammlerwert, meist gering

Schritt 4: Goldmünzen bewerten

Goldmünzen sind meist der wertvollste Teil eines Nachlasses. Berechnen Sie zunächst den Goldwert anhand des Feingoldgewichts. Prüfen Sie dann, ob einzelne Stücke einen Sammlerwert über dem Goldwert haben könnten. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Sammlerwert oder Goldwert.

Typische Goldmünzen in deutschen Nachlässen:

  • 10 und 20 Mark des Kaiserreichs, siehe 20 Mark Goldmünze,
  • Schweizer Vreneli und französische Napoleons,
  • Krügerrand, Maple Leaf und Philharmoniker als Anlagemünzen,
  • Euro-Goldmünzen der Bundesrepublik zu 20, 50 und 100 Euro, siehe Euro-Goldmünzen Deutschland,
  • die Goldmark 2001, siehe Goldmark 2001.

Schritt 5: Silbermünzen bewerten

Silbermünzen machen in vielen Sammlungen den größten Teil aus. Ihr Wert hängt stark vom Typ ab.

DM-Gedenkmünzen

Münzen Zeitraum Feinheit Feinsilber
5 DM Gedenkmünzen 1952–1979 625 7,0 g
10 DM Gedenkmünzen 1972–1997 625 rund 9,7 g
10 DM Gedenkmünzen 1998–2001 925 rund 14,3 g

Die meisten DM-Gedenkmünzen werden nach Silberwert gehandelt. Ausnahmen sind einige frühe 5-DM-Gedenkmünzen der 1950er Jahre in guter Erhaltung, die deutlich höhere Preise erzielen können. Auch die Kursmünze 5 DM „Silberadler“ von 1951 bis 1974 enthält 7 Gramm Feinsilber.

Euro-Silbermünzen

Münzen Zeitraum Feinheit Feinsilber
10 Euro Gedenkmünzen 2002–2010 925 rund 16,7 g
10 Euro Gedenkmünzen 2011–2015 625 10,0 g
20 Euro Gedenkmünzen ab 2016 925 rund 16,7 g

Ab 2016 werden die 10-Euro-Gedenkmünzen der Bundesrepublik nicht mehr aus Silber geprägt. Euro-Gedenkmünzen können jederzeit zum Nennwert bei der Bundesbank umgetauscht werden. Das ist wichtig, wenn der Silberwert unter dem Nennwert liegt: Dann ist der Umtausch die bessere Option.

Historische Silbermünzen

Silbermünzen des Kaiserreichs und der Weimarer Republik können einen Sammlerwert haben, besonders seltene Jahrgänge und gute Erhaltungen. Mehr dazu im Ratgeber Silbermünzen des Kaiserreichs.

Schritt 6: Kursmünzensätze und moderne Ausgaben

Viele Sammler haben jahrelang Kursmünzensätze in Stempelglanz oder Polierter Platte gekauft, oft zu Preisen deutlich über dem Nennwert. Leider ist der Marktwert vieler dieser Sätze heute gering, oft nur wenig über dem Nennwert. Der Grund: Die Auflagen waren hoch, und es gibt viel mehr Angebot als Nachfrage. Ausnahmen sind einige seltene Jahrgänge und Sondersätze.

Euro-Kursmünzen und Euro-Gedenkmünzen aus unedlem Metall, etwa die 2-Euro-Gedenkmünzen oder die 5-Euro-Münzen mit Polymerring, sind in den meisten Fällen nur ihren Nennwert oder einen kleinen Aufschlag wert.

Schritt 7: Sammlerwerte erkennen

Hinweise auf Stücke mit möglichem Sammlerwert:

  • sehr alte Münzen, etwa vor 1871,
  • Münzen kleiner deutscher Staaten,
  • auffällig gut erhaltene historische Münzen,
  • Münzen in Original-Etuis mit Zertifikaten,
  • Fehlprägungen,
  • Stücke, die der Verstorbene separat aufbewahrt oder besonders gekennzeichnet hat.

Bei solchen Stücken lohnt sich eine Einschätzung durch einen Münzhändler oder ein Auktionshaus. Viele bieten eine kostenlose Ersteinschätzung an.

Schritt 8: Den richtigen Verkaufsweg wählen

Teil der Sammlung Empfohlener Weg
Anlagemünzen in Gold und Silber Edelmetallhändler, Preis nach Kurs
Goldmünzen ohne Sammlerwert Edelmetallhändler oder Münzhändler
Seltene Münzen und Spitzenstücke Münzhändler, Auktionshaus
DM- und Euro-Silbermünzen Edelmetallhändler nach Silberwert
Euro-Gedenkmünzen unter Nennwert Umtausch bei der Bundesbank
Kursmünzensätze, Kleingeld Münzhändler, Online-Marktplätze, ggf. Umtausch

Holen Sie für wertvolle Teile mehrere Angebote ein. Ein Händler, der die gesamte Sammlung zu einem Pauschalpreis kaufen möchte, kalkuliert meist vorsichtig. Wer die wertvollen Stücke separat verkauft, erzielt oft einen höheren Gesamterlös. Andererseits kann ein Pauschalverkauf bei großen Mengen geringwertiger Münzen viel Zeit sparen.

Ein Rechenbeispiel für eine typische Sammlung

Die folgenden Zahlen sind angenommene Beispielwerte. Angenommen, ein Gramm Feingold kostet 100 Euro und ein Gramm Feinsilber 1 Euro. Eine geerbte Sammlung enthält:

Bestand Anzahl Edelmetall gesamt Materialwert (angenommen)
20 Mark Kaiserreich 3 21,5 g Gold 2.150 €
Vreneli 20 Franken 2 11,6 g Gold 1.160 €
5 DM Gedenkmünzen 40 280 g Silber 280 €
10 DM Gedenkmünzen (625) 30 291 g Silber 291 €
10 Euro Silber (925) 25 416 g Silber 416 € (Nennwert 250 €)
Kursmünzensätze PP 20 – meist nahe Nennwert
Ausländisches Kleingeld 2 kg – gering

In diesem Beispiel stecken mehr als drei Viertel des Werts in den fünf Goldmünzen. Die fast hundert Silbermünzen bringen zusammen nur ungefähr so viel wie anderthalb Goldmünzen. Die Kursmünzensätze, die den meisten Platz einnehmen, tragen kaum zum Gesamtwert bei. Dieses Muster ist typisch und erklärt, warum Erben oft überrascht sind.

Fachleute finden und Gutachten

Für größere oder offensichtlich wertvolle Sammlungen kann ein schriftliches Gutachten sinnvoll sein, etwa für die Erbauseinandersetzung oder die Erbschaftsteuer. Ansprechpartner sind:

  • Mitglieder von Berufsverbänden des Münzhandels,
  • öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Münzen,
  • Auktionshäuser mit numismatischer Abteilung.

Gutachten kosten Geld, deshalb lohnen sie sich vor allem, wenn ein erheblicher Sammlerwert vermutet wird oder unter den Erben Uneinigkeit herrscht. Für die Aufbewahrung bis zur Entscheidung gibt der Ratgeber Goldmünzen richtig aufbewahren Hinweise.

Typische Fehler

  1. Münzen reinigen: zerstört den Sammlerwert.
  2. Alles an einen Goldankäufer verkaufen: Sammlerstücke werden dort nur nach Gewicht bezahlt.
  3. Katalogpreise mit Marktpreisen verwechseln: Katalogpreise sind Richtwerte und liegen oft über dem, was Händler zahlen.
  4. Ohne Einigung der Erben verkaufen: In einer Erbengemeinschaft gehört der Nachlass allen Erben gemeinsam.
  5. Kaufbelege wegwerfen: Sie sind für die Steuer wichtig.

Erbengemeinschaft und Steuern

Gehört eine Sammlung zum Nachlass mehrerer Erben, müssen diese gemeinsam über den Verkauf entscheiden. Eine Bestandsliste mit Bewertung hilft, Streit zu vermeiden und die Sammlung fair aufzuteilen.

Steuerlich gilt: Für die Erbschaftsteuer wird der Nachlass mit seinem Verkehrswert angesetzt. Ob Steuer anfällt, hängt von den persönlichen Freibeträgen ab. Für den späteren Verkauf aus dem Privatvermögen gilt bei Gold- und Silbermünzen die einjährige Spekulationsfrist, wobei die Besitzzeit des Erblassers angerechnet wird. Mehr in den Ratgebern Gold erben und verschenken: Steuern und Spekulationsfrist bei Gold nachweisen.

Fazit

Eine geerbte Münzsammlung sollte zuerst gesichtet, dokumentiert und nach Material sortiert werden. Goldmünzen sind meist der wertvollste Teil, gefolgt von Silbermünzen, deren Wert sich überwiegend nach dem Silbergehalt richtet. Kursmünzensätze und moderne Ausgaben aus unedlem Metall sind oft nur wenig über Nennwert wert, Euro-Gedenkmünzen können bei der Bundesbank zum Nennwert umgetauscht werden. Stücke mit möglichem Sammlerwert gehören in die Hände eines Münzhändlers oder Auktionshauses, Anlagemünzen zum Edelmetallhändler. Reinigen Sie nichts, verkaufen Sie nicht alles pauschal und stimmen Sie sich in einer Erbengemeinschaft ab. Den Materialwert der Goldmünzen berechnen Sie mit dem Goldwert-Rechner.