Wer zum ersten Mal Goldbarren kauft, stößt im Angebot der Händler auf zwei Begriffe: gegossene Barren und geprägte Barren. Manchmal heißen sie auch Gussbarren und Prägebarren oder, im englischen Handel, „cast bars“ und „minted bars“. Beide bestehen in der Regel aus Feingold mit 999,9 Promille, beide werden von denselben Scheideanstalten hergestellt und beide werden beim Rückkauf nach ihrem Goldgehalt bewertet. Dennoch gibt es Unterschiede, die beim Kauf bares Geld ausmachen können.

Dieser Ratgeber erklärt, wie die beiden Barrentypen hergestellt werden, woran man sie erkennt, wie sich die Preise unterscheiden und für wen welche Variante besser geeignet ist.

Wie gegossene Barren entstehen

Beim Gießen wird geschmolzenes Feingold in eine Form aus Graphit oder Stahl gegossen. Nach dem Erkalten wird der Rohling aus der Form genommen, gesäubert und mit einem Stempel gekennzeichnet: Hersteller, Gewicht, Feinheit und meist eine Seriennummer. Die Oberfläche bleibt dabei weitgehend so, wie sie beim Abkühlen entsteht.

Typische Merkmale:

  • leicht unregelmäßige, oft körnige oder wellige Oberfläche,
  • abgerundete Kanten und schräge Seitenflächen,
  • gelegentlich kleine Einschlüsse oder Fließspuren, die nicht wertmindernd sind,
  • eingeschlagene Stempel statt eines feinen Prägebildes,
  • jedes Stück sieht ein wenig anders aus.

Gegossene Barren werden vor allem in mittleren und großen Gewichten angeboten, typischerweise ab 50 oder 100 Gramm bis zum Kilobarren. Auch der große Standardbarren des Großhandels mit rund 12,5 Kilogramm ist ein Gussbarren. Mehr dazu im Ratgeber LBMA Good Delivery Barren.

Wie geprägte Barren entstehen

Geprägte Barren werden aus gewalzten Goldbändern hergestellt. Das Gold wird zunächst gegossen, dann zu einem Band mit exakter Dicke gewalzt. Aus diesem Band werden Rohlinge ausgestanzt, die anschließend wie Münzen unter hohem Druck geprägt werden. Dabei entstehen scharfe Kanten, glatte Flächen und häufig ein Motiv auf der Rückseite.

Typische Merkmale:

  • glatte, oft glänzende Oberfläche,
  • scharfe, gerade Kanten und exakte Maße,
  • feines Prägebild mit Logo, Gewicht, Feinheit und Seriennummer,
  • häufig ein dekoratives Motiv auf der Rückseite,
  • in der Regel in einer versiegelten Blisterkarte mit Zertifikat verpackt.

Geprägte Barren gibt es vor allem in kleinen Größen von 1 Gramm bis 100 Gramm, teils auch als Unze. Die meisten Kleinbarren im Handel sind geprägt, weil sich kleine Gewichte durch Stanzen und Prägen präziser herstellen lassen als durch Gießen.

Die Unterschiede im Überblick

Merkmal Gegossener Barren Geprägter Barren
Herstellung Gießen in Form, Stempel Walzen, Stanzen, Prägen
Oberfläche rau, uneben, individuell glatt, glänzend, gleichmäßig
Kanten abgerundet, schräg scharf, gerade
Typische Größen 50 g bis 1 kg und größer 1 g bis 100 g
Verpackung oft lose mit Zertifikat oder in Folie meist versiegelte Blisterkarte
Herstellungsaufwand geringer höher
Aufpreis auf den Goldwert niedriger höher
Kratzempfindlichkeit unauffällig Kratzer sichtbar

Der Preisunterschied

Der wichtigste praktische Unterschied liegt im Aufpreis, den Händler gegenüber dem reinen Goldwert verlangen. Dieses Aufgeld deckt Herstellung, Verpackung, Logistik und Marge. Weil das Prägen mehr Arbeitsschritte erfordert, sind geprägte Barren bei gleichem Gewicht meist etwas teurer als gegossene.

Hinzu kommt der Größeneffekt: Je kleiner ein Barren, desto höher der prozentuale Aufpreis, egal ob gegossen oder geprägt. Ein 1-Gramm-Barren kann ein Mehrfaches des prozentualen Aufgeldes eines 100-Gramm-Barrens kosten. Wie sich die Barrengrößen rechnen, beschreibt der Ratgeber Goldbarren kaufen: welche Größe?.

Rechenbeispiel

Die folgenden Zahlen sind angenommene Beispielwerte und keine aktuellen Preise. Angenommen, ein Gramm Feingold kostet 100 Euro.

Barren Goldwert (angenommen) Aufpreis (angenommen) Kaufpreis Preis je Gramm
100 g gegossen 10.000 € 2,0 % 10.200 € 102,00 €
100 g geprägt 10.000 € 3,0 % 10.300 € 103,00 €
10 × 10 g geprägt 10.000 € 6,0 % 10.600 € 106,00 €

In diesem Beispiel kostet der geprägte 100-Gramm-Barren 100 Euro mehr als der gegossene. Wer die gleiche Menge Gold in zehn 10-Gramm-Barren kauft, zahlt sogar 400 Euro mehr. Beim Rückkauf zahlen viele Händler für gegossene und geprägte Barren desselben Gewichts und Herstellers sehr ähnliche Preise, weil sie nach Goldgehalt bewerten. Der höhere Aufpreis des Prägebarrens wird also meist nicht vollständig zurückgezahlt. Den aktuellen Kurs finden Sie auf der Seite Goldpreis.

Fälschungsschutz und Echtheitsprüfung

Beide Barrentypen können gefälscht werden. Die Prüfmöglichkeiten unterscheiden sich aber etwas.

Geprägte Barren

Geprägte Barren in versiegelten Blisterkarten haben den Vorteil, dass Hersteller, Seriennummer und Zertifikat eine Einheit bilden. Viele Scheideanstalten nutzen zusätzlich Sicherheitsmerkmale wie Hologramme, spezielle Prägemuster oder digitale Echtheitsprüfungen per App. Solange der Blister unbeschädigt ist, ist das ein guter Schutz. Allerdings werden auch Blisterkarten nachgeahmt. Wie Sie Seriennummern und Zertifikate prüfen, erklärt der Ratgeber Goldbarren-Seriennummer prüfen.

Gegossene Barren

Gegossene Barren werden häufig ohne Blister verkauft. Ihre individuelle Oberfläche ist schwerer exakt zu kopieren, gleichzeitig erleichtert die raue Optik grobe Nachahmungen. Bei großen Gussbarren ist die Gefahr von Barren mit Wolframkern ein bekanntes Thema. Hinweise gibt der Ratgeber Goldbarren-Fälschungen mit Wolfram.

Für beide Typen gilt: Maße, Gewicht und Dichte müssen exakt zu den Angaben des Herstellers passen. Ein einfacher Dichtetest zu Hause wird im Ratgeber Gold-Dichtetest mit Wasser erklärt. Am sichersten ist der Kauf bei seriösen Händlern, die Ware direkt von anerkannten Scheideanstalten beziehen.

Verpackung und Wiederverkauf

Ein häufiges Missverständnis betrifft die Blisterverpackung. Viele Käufer glauben, ein geprägter Barren verliere beim Öffnen des Blisters seinen Wert. Das stimmt so nicht: Der Goldgehalt bleibt gleich. Allerdings kann ein Händler beim Rückkauf eines geöffneten Barrens eine Echtheitsprüfung verlangen oder einen kleinen Abschlag vornehmen, weil er den Barren nicht mehr als ungeöffnete Originalware weiterverkaufen kann. Deshalb empfiehlt es sich, geprägte Barren im Blister zu lassen.

Gegossene Barren sind weniger empfindlich. Leichte Kratzer oder Gebrauchsspuren fallen auf der rauen Oberfläche kaum auf und werden beim Rückkauf meist nicht beanstandet. Wichtig ist, das Zertifikat aufzubewahren, falls eines mitgeliefert wurde. Was passiert, wenn es fehlt, erklärt der Ratgeber Goldbarren-Zertifikat verloren.

Welche Variante passt zu wem?

Gegossene Barren eignen sich für

  • Anleger, die größere Beträge möglichst kostengünstig in Gold anlegen wollen,
  • Käufer von 100-Gramm-, 250-Gramm-, 500-Gramm- oder Kilobarren,
  • Menschen, denen die Optik weniger wichtig ist als der Preis je Gramm,
  • die Lagerung im Schließfach, wo kleine Kratzer keine Rolle spielen.

Geprägte Barren eignen sich für

  • kleinere Beträge und regelmäßige Käufe in kleinen Stückelungen,
  • Geschenke, bei denen eine schöne Optik und Verpackung zählen,
  • Anleger, die ihren Bestand flexibel in kleinen Teilen verkaufen möchten,
  • Käufer, die Wert auf Blister mit Sicherheitsmerkmalen legen.

Eine Mischung als Kompromiss

Viele Anleger kombinieren beide Typen: Der Großteil des Goldes liegt in kostengünstigen gegossenen Barren, ein kleinerer Teil in geprägten Kleinbarren oder Münzen, die sich bei Bedarf einzeln verkaufen lassen. So bleibt das durchschnittliche Aufgeld niedrig, ohne auf Flexibilität zu verzichten. Wie viel Gold insgesamt sinnvoll ist, beschreibt der Ratgeber Wie viel Gold ins Portfolio.

Barren oder Münzen?

Neben gegossenen und geprägten Barren stehen Anlagemünzen wie Krügerrand, Maple Leaf oder Philharmoniker zur Wahl. Sie sind ebenfalls geprägt, haben aber meist ein etwas höheres Aufgeld als Barren gleichen Gewichts. Dafür sind sie international bekannt und lassen sich leicht verkaufen. Der Ratgeber Goldbarren vs. Goldmünzen vergleicht beide Formen ausführlich.

Häufige Fragen

Ist ein gegossener Barren weniger rein? Nein. Gegossene und geprägte Anlagebarren bekannter Hersteller haben in der Regel dieselbe Feinheit von 999,9 Promille.

Sind Unebenheiten auf gegossenen Barren ein Mangel? Nein. Kleine Lunker, Fließspuren oder eine körnige Oberfläche sind herstellungsbedingt und mindern den Wert nicht.

Darf ich einen geprägten Barren aus dem Blister nehmen? Sie dürfen, der Goldgehalt bleibt gleich. Für einen reibungslosen Wiederverkauf ist der unbeschädigte Blister aber von Vorteil.

Gibt es steuerliche Unterschiede? Nein. Anlagegold ist in Deutschland unabhängig von der Herstellungsart umsatzsteuerfrei, und für den Verkauf aus dem Privatvermögen gelten dieselben Regeln.

Fazit

Gegossene und geprägte Goldbarren enthalten dasselbe Feingold, unterscheiden sich aber in Herstellung, Optik, Verpackung und Preis. Gegossene Barren sind rauer, individueller und meist günstiger, besonders in größeren Gewichten. Geprägte Barren sind glatt, präzise, oft im Blister mit Sicherheitsmerkmalen verpackt und dominieren bei kleinen Größen, kosten dafür ein höheres Aufgeld. Wer vor allem günstig Gold anlegen will, greift zu größeren Gussbarren. Wer kleine Stückelungen, Geschenke oder eine besonders ansprechende Optik sucht, ist mit geprägten Barren gut bedient. Den Wert Ihrer Barren berechnen Sie mit dem Goldwert-Rechner.