Neben dem bekannten 20-Mark-Stück prägte das Deutsche Kaiserreich auch Goldmünzen zu 10 Mark, im Volksmund „Krone“ genannt. Sie sind kleiner, leichter und wurden in geringeren Stückzahlen hergestellt als die 20-Mark-Münzen. Heute sind sie bei Sammlern beliebt, weil sie einen günstigen Einstieg in die historischen Goldmünzen ermöglichen und gleichzeitig eine große Vielfalt an Motiven bieten.

Dieser Ratgeber erklärt, wie viel Gold eine 10-Mark-Münze enthält, wie Sie den Materialwert berechnen, welche Varianten einen Sammleraufschlag erzielen und worauf Sie beim Kauf und Verkauf achten sollten.

Die wichtigsten Daten

Merkmal Wert
Prägezeitraum 1872 bis 1914
Raugewicht 3,982 g
Feingehalt 900 Tausendstel
Feingoldgehalt 3,584 g
Durchmesser 19,5 mm
Legierung 90 % Gold, 10 % Kupfer
Feingold in Feinunzen 0,1152 oz

Damit enthält eine 10-Mark-Münze genau halb so viel Gold wie eine 20-Mark-Münze. Zwei 10-Mark-Stücke entsprechen im Goldgehalt einem 20-Mark-Stück, rund 8,7 Münzen ergeben eine Feinunze.

Neben den 10- und 20-Mark-Stücken gab es in den ersten Jahren des Kaiserreichs auch Goldmünzen zu 5 Mark. Sie wurden nur 1877 und 1878 geprägt, enthalten 1,792 Gramm Feingold und sind heute deutlich seltener.

Den Goldwert berechnen

Goldwert = 3,584 g × Goldpreis pro Gramm

Bei einem angenommenen Goldpreis von 110 Euro pro Gramm ergibt sich ein Materialwert von rund 394 Euro, bei 120 Euro pro Gramm rund 430 Euro. Den aktuellen Kurs finden Sie unter Goldpreis pro Gramm. Alternativ können Sie den Goldwert-Rechner mit dem Gewicht 3,982 Gramm und dem Feingehalt 900 nutzen.

Beim Verkauf an einen Edelmetallhändler erhalten Sie für gängige Stücke einen Preis knapp unter dem Goldwert. Weil kleine Münzen in der Handhabung aufwendiger sind als große, ist der prozentuale Abschlag bei 10-Mark-Stücken oft etwas höher als bei 20-Mark-Münzen.

Die Vielfalt der Motive

Wie bei allen Goldmünzen des Kaiserreichs zeigt die Rückseite den Reichsadler mit der Umschrift „Deutsches Reich“ und dem Nennwert. Die Vorderseite gestaltete jeder Bundesstaat selbst. So entstanden 10-Mark-Münzen mit:

  • Porträts der Kaiser und Könige von Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberg,
  • Porträts der Großherzöge und Herzöge von Baden, Hessen, Mecklenburg, Oldenburg, Sachsen-Weimar und weiteren Staaten,
  • Fürsten kleinerer Staaten wie Reuß, Schwarzburg, Waldeck oder Lippe,
  • Stadtwappen der Freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck.

Viele kleinere Staaten prägten 10-Mark-Münzen nur in einem oder wenigen Jahrgängen und in geringer Stückzahl. Genau diese Münzen sind bei Sammlern gefragt und erzielen Preise, die ein Vielfaches des Goldwerts betragen können.

Häufige und seltene Varianten

Eine grobe Orientierung, welche 10-Mark-Münzen typischerweise nahe am Goldwert gehandelt werden und welche einen deutlichen Sammleraufschlag erzielen:

Kategorie Beispiele Typische Preisbildung
Hohe Auflagen Preußen mit Wilhelm I. und Wilhelm II., Bayern mit Ludwig II., Hamburg nahe Goldwert, leichter Aufschlag in Top-Erhaltung
Mittlere Auflagen Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen in gängigen Jahrgängen moderater Aufschlag, abhängig von Erhaltung
Kleine Auflagen Kleinstaaten wie Reuß, Schwarzburg-Rudolstadt, Sachsen-Altenburg, Waldeck deutlicher Sammleraufschlag, teils ein Vielfaches
Seltene Jahrgänge einzelne Kombinationen aus Jahr und Prägestätte stark nachgefragt bei Spezialsammlern

Diese Einteilung ist bewusst grob. Die genaue Bewertung hängt immer von Katalognummer, Erhaltung und aktueller Marktlage ab. Für eine verlässliche Einschätzung eignen sich der Jaeger-Katalog und aktuelle Auktionsergebnisse.

Prägestätten und Buchstaben

Ein kleiner Buchstabe auf der Münze nennt die Prägestätte: A für Berlin, B für Hannover, C für Frankfurt, D für München, E für Muldenhütten, F für Stuttgart, G für Karlsruhe, H für Darmstadt, J für Hamburg. Die Kombination aus Bundesstaat, Jahrgang und Prägestätte bestimmt die Auflage. Eine ausführlichere Übersicht mit den Hintergründen der Prägestätten finden Sie im Artikel zur 20-Mark-Goldmünze.

Erhaltung und Zustand

Bei 10-Mark-Münzen sind die Unterschiede zwischen den Erhaltungsstufen für den Sammlerwert besonders wichtig, weil die kleinen Münzen im Umlauf stark beansprucht wurden. Viele Stücke zeigen deutliche Abnutzung an den Haaren des Porträts und an den Federn des Adlers. Münzen in den Erhaltungen „vorzüglich“ oder „Stempelglanz“ sind entsprechend seltener.

Wertmindernd sind:

  • Randfehler und Kratzer,
  • Spuren einer früheren Fassung als Schmuckanhänger, etwa Lötstellen oder Henkelspuren,
  • gereinigte Oberflächen mit unnatürlichem Glanz,
  • Verbiegungen.

Münzen mit solchen Mängeln werden in der Regel nur noch zum Goldwert gehandelt. Bewahren Sie Ihre Münzen deshalb in Kapseln auf und fassen Sie sie nur am Rand an.

Fälschungen erkennen

Fälschungen von 10-Mark-Münzen gibt es vor allem bei seltenen Varianten. Prüfen Sie:

  1. Gewicht: 3,982 Gramm. Eine Abweichung von mehr als wenigen Hundertstelgramm ist verdächtig.
  2. Durchmesser: 19,5 Millimeter.
  3. Details: Schärfe der Schrift, Randriffelung und Prägestempel. Fälschungen wirken oft weich und unscharf.
  4. Farbe: Die Kupferlegierung gibt den Münzen einen leicht rötlichen Goldton. Zu blasses oder zu gelbes Gold kann auf eine falsche Legierung hindeuten.
  5. Magnet: Echte Goldmünzen sind nicht magnetisch.

Bei seltenen Stücken mit hohem Sammlerwert sollten Sie nur bei Münzhändlern kaufen, die eine Echtheitsgarantie geben. Wie Fälschungen generell auffallen, erklärt der Ratgeber Gefälschte Goldmünzen erkennen.

10 Mark im Vergleich zu anderen kleinen Goldmünzen

Wer eine kleine Goldmünze sucht, hat die Wahl zwischen historischen und modernen Stücken. Die folgende Übersicht stellt die 10-Mark-Münze anderen verbreiteten Kleinmünzen gegenüber:

Münze Feingehalt Raugewicht Feingold
10 Mark Kaiserreich 900 3,98 g 3,58 g
1/10 Unze Krügerrand 916,7 3,39 g 3,11 g
1/10 Unze Philharmoniker 999,9 3,11 g 3,11 g
10 Franken Vreneli 900 3,23 g 2,90 g
½ Sovereign 916,7 3,99 g 3,66 g

Die 10-Mark-Münze enthält also fast genauso viel Gold wie ein halber Sovereign und rund 15 Prozent mehr als eine moderne 1/10-Unzen-Münze. Weil kleine Münzen generell ein höheres Aufgeld pro Gramm haben als große, lohnt sich beim Kauf ein Blick auf den Preis pro Gramm Feingold statt auf den Stückpreis. Mehr zum Aufgeld erklärt der Ratgeber Gold-Aufgeld erklärt.

Historischer Hintergrund: Die Krone im Alltag

Die 10-Mark-Münze wurde im Volksmund „Krone“ genannt. Sie war im Kaiserreich ein gängiges Zahlungsmittel für größere Ausgaben, etwa für Monatsmieten oder wertvollere Anschaffungen. Ab 1914 wurde die Einlösung von Banknoten in Gold ausgesetzt, und die Bevölkerung wurde aufgerufen, Goldmünzen zur Finanzierung des Krieges an die Reichsbank abzugeben. Viele Münzen wurden damals eingeschmolzen. Die heute erhaltenen Stücke stammen häufig aus Beständen, die über Generationen in Familien weitergegeben wurden, oder aus Rückflüssen aus dem Ausland.

Kaufen: Lohnt sich die 10-Mark-Münze als Anlage?

Für Anleger, die kleine Goldmengen kaufen möchten, ist die 10-Mark-Münze eine interessante Alternative zu modernen 1/10-Unzen-Münzen. Sie enthält mit 3,58 Gramm etwas mehr Gold als eine 1/10 Unze (3,11 Gramm). Das Aufgeld für gängige Jahrgänge liegt oft in einem ähnlichen Bereich wie bei modernen Kleinmünzen, manchmal sogar darunter. Hinzu kommt der historische Reiz.

Nachteile sind die schwankende Erhaltung, die beim Wiederverkauf zu Abschlägen führen kann, und die Tatsache, dass Laien seltene von häufigen Varianten nur schwer unterscheiden können. Wer vor allem Gold anlegen möchte, sollte gängige Jahrgänge zu einem Preis nahe am Goldwert kaufen und nicht für vermeintliche Seltenheiten zu viel bezahlen.

Verkaufen: der richtige Weg

  1. Bestand sichten: Notieren Sie für jede Münze Staat, Herrscher, Jahrgang und Prägebuchstaben.
  2. Seltene Stücke identifizieren: Prüfen Sie im Katalog, ob Varianten mit kleinen Auflagen dabei sind.
  3. Gängige Stücke an Edelmetallhändler: Für häufige Varianten ist der Edelmetallhändler die einfachste Wahl. Vergleichen Sie zwei bis drei Ankaufspreise.
  4. Seltene Stücke an Münzhändler oder Auktion: Hier erzielen Sie den Sammlerwert.
  5. Belege und Erbnachweise aufbewahren: Für die Steuer und für Rückfragen.

Weitere Hinweise zum Verkauf von Goldmünzen gibt der Ratgeber Goldmünzen bewerten.

Steuern

Die 10-Mark-Münzen des Kaiserreichs gelten als Anlagegold: Sie haben einen Feingehalt von 900 Tausendstel, wurden nach 1800 geprägt und waren gesetzliches Zahlungsmittel. Beim Kauf fällt deshalb keine Mehrwertsteuer an. Beim Verkauf sind Gewinne für Privatpersonen nach mehr als einem Jahr Besitzdauer steuerfrei. Bei geerbten Münzen zählt die Besitzzeit des Erblassers mit. Wie Sie die Haltedauer nachweisen, erklärt der Ratgeber Spekulationsfrist bei Gold nachweisen.

Fazit

Die 10-Mark-Goldmünze des Kaiserreichs enthält 3,584 Gramm Feingold und ist damit bei aktuellen Goldpreisen einige hundert Euro wert. Gängige preußische und bayerische Stücke werden nahe am Goldwert gehandelt, Münzen kleiner Bundesstaaten, seltene Jahrgänge und sehr gute Erhaltungen erzielen deutliche Sammleraufschläge. Wer solche Münzen besitzt, sollte sie vor dem Verkauf sorgfältig sichten und seltene Stücke von einem Münzhändler bewerten lassen. Für Einsteiger in die historischen Goldmünzen ist die 10-Mark-Münze ein guter erster Schritt, wie der Ratgeber Goldmünzen sammeln für Anfänger zeigt.