Gold ist am Dienstag um mehr als 2 % auf ein Zwei-Wochen-Tief gefallen. Steigende US-Treasury-Renditen, ein stärkerer US-Dollar und der Bruch des 200-Tage-Durchschnitts verstärkten den Verkaufsdruck auf das Edelmetall.
Wie hat sich der Goldpreis entwickelt?
Der Spotpreis für Gold fiel um 2,7 % auf 4.329,47 US-Dollar je Unze. Zuvor hatte der Goldpreis bei 4.362,89 US-Dollar gelegen und damit den niedrigsten Stand seit dem 19. August erreicht.
Auch die US-Gold-Futures gerieten unter Druck. Sie verloren 2,3 % und notierten bei 4.377,40 US-Dollar je Unze.
Besonders relevant für die technische Entwicklung ist der 200-Tage-Durchschnitt. Gold war bereits am 28. August unter diese wichtige Marke gefallen. Derzeit liegt die 200-Tage-Linie bei rund 4.528 US-Dollar.
Damit befindet sich der Goldpreis deutlich unter einem viel beachteten langfristigen technischen Unterstützungsniveau.
Warum fällt der Goldpreis?
Der aktuelle Rückgang des Goldpreises wird vor allem durch steigende Anleiherenditen, einen stärkeren US-Dollar und technische Verkaufssignale verursacht.
Die Renditen der US-Treasury-Anleihen stiegen auf den höchsten Stand seit Januar 2025. Gleichzeitig sorgten die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten für neue Inflationssorgen und verstärkten den weltweiten Ausverkauf an den Anleihemärkten.
Steigende Treasury-Renditen belasten Gold
Steigende Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten einer Investition in Gold. Gold selbst zahlt keine Zinsen oder laufenden Erträge. Wenn Staatsanleihen höhere Renditen bieten, kann Gold für Anleger kurzfristig weniger attraktiv erscheinen.
Die Entwicklung der Renditen ist deshalb ein wichtiger Faktor für den Goldpreis.
Starker US-Dollar erhöht den Verkaufsdruck
Auch der US-Dollar belastet den Goldpreis. Da Gold international überwiegend in US-Dollar gehandelt wird, kann ein stärkerer Dollar das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuern.
Für europäische Anleger spielt deshalb neben dem internationalen Goldpreis auch die Entwicklung des Wechselkurses zwischen Euro und US-Dollar eine wichtige Rolle.
Bruch der 200-Tage-Linie als technisches Signal
Der Fall des Goldpreises unter den 200-Tage-Durchschnitt gilt als wichtiges technisches Verkaufssignal.
Die Marke liegt derzeit bei rund 4.528 US-Dollar je Unze. Solange der Goldpreis darunter bleibt, könnte der technische Verkaufsdruck anhalten.
Marktanalyst Jim Wyckoff von American Gold Exchange verwies auf den zunehmenden technischen Verkaufsdruck und die hohen Anleiherenditen.
„Wir sehen technischen Verkaufsdruck … die Anleiherenditen liegen weltweit auf Höchstständen, wie wir sie seit Jahren nicht gesehen haben.“
Wyckoff zufolge steht der Goldmarkt damit vor einem schwierigen kurzfristigen Umfeld. Nach seiner Einschätzung ist eine Bewegung seitwärts oder seitwärts bis abwärts derzeit wahrscheinlicher.
Welche Rolle spielt die Federal Reserve?
Der Goldpreis hatte erst vergangene Woche ein Drei-Monats-Hoch erreicht. Am Freitag fiel das Edelmetall jedoch bereits um mehr als 3 %, nachdem Fed-Chef Kevin Warsh vor weiterer Arbeit gewarnt hatte, sollte die Inflation nicht auf das 2-%-Ziel der US-Notenbank zurückkehren.
Die Aussagen verstärkten die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der Federal Reserve.
Laut dem CME FedWatch Tool rechnen Händler derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 % für eine Zinserhöhung in diesem Monat.
Damit richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf neue Konjunkturdaten. Dazu gehören insbesondere der ADP-Beschäftigungsbericht am Mittwoch sowie der US-Arbeitsmarktbericht, die Non-Farm Payrolls, am Freitag.
Stärker als erwartete Arbeitsmarktdaten könnten den Druck auf die Federal Reserve erhöhen, die Geldpolitik restriktiver zu gestalten. Für Gold wäre ein solches Szenario kurzfristig potenziell belastend.
Was bedeutet der Rückgang für Gold-Anleger?
Der aktuelle Rückgang verändert die langfristige Rolle von Gold nicht automatisch. Gold wird weiterhin von vielen Anlegern als Absicherung gegen Inflation, Währungsrisiken und wirtschaftliche Unsicherheit eingesetzt.
Kurzfristig bleiben jedoch die Renditen von Staatsanleihen, der US-Dollar und die Erwartungen an die Federal Reserve entscheidende Faktoren.
Anleger sollten deshalb zwischen der kurzfristigen Preisentwicklung und der langfristigen Funktion von Gold als Vermögensschutz unterscheiden.
Häufig gestellte Fragen
Ist Gold trotz fallender Kurse noch ein sicherer Hafen?
Ja. Gold wird weiterhin als sicherer Hafen und langfristiger Vermögensschutz betrachtet. Kurzfristige Preisrückgänge können jedoch auftreten, wenn steigende Anleiherenditen und ein stärkerer US-Dollar die Nachfrage nach Gold belasten.
Was bedeutet der Bruch der 200-Tage-Linie für Gold-Anleger?
Der Rückgang unter den 200-Tage-Durchschnitt ist ein wichtiges technisches Verkaufssignal. Bleibt der Goldpreis unter dieser Marke, kann dies kurzfristig zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen.
Warum beeinflussen US-Treasury-Renditen den Goldpreis?
Gold generiert keine laufenden Zinsen. Steigen die Renditen von Staatsanleihen, können verzinsliche Anlagen für Investoren attraktiver werden. Dadurch können die Opportunitätskosten einer Goldanlage steigen.
Warum ist Gold für europäische Anleger bei einem starken Dollar teurer?
Gold wird international überwiegend in US-Dollar gehandelt. Ein stärkerer US-Dollar kann den Goldpreis in Euro erhöhen, selbst wenn sich der internationale Goldpreis nur wenig verändert.
Was könnte den Goldpreis als Nächstes bewegen?
Besonders wichtig sind die Entwicklung der US-Treasury-Renditen, der US-Dollar, die Erwartungen an die Federal Reserve und neue Arbeitsmarktdaten. Die kommenden US-Konjunkturdaten könnten daher für die kurzfristige Richtung des Goldpreises entscheidend sein.




