Gold gilt als selten, und doch begegnet es uns überall: als Ehering, in Zahnkronen, in Smartphones, in den Tresoren der Notenbanken. Wie viel Gold gibt es eigentlich auf der Welt? Die Frage klingt einfach, die Antwort ist überraschend anschaulich: Würde man alles jemals geförderte Gold zu einem einzigen Würfel schmelzen, hätte dieser eine Kantenlänge von nur rund 22 Metern.
Dieser Artikel erklärt, wie viel Gold bisher gefördert wurde, wo es heute liegt, wie viel jedes Jahr hinzukommt und wie viel noch in der Erde vermutet wird. Die Zahlen stammen überwiegend vom World Gold Council und vom United States Geological Survey und sind naturgemäß Schätzungen.
Rund 216.000 Tonnen oberirdisches Gold
Der World Gold Council schätzt die gesamte Menge an Gold, die bis Ende 2024 aus der Erde gewonnen wurde, auf rund 216.000 Tonnen. Weil Gold nicht rostet und kaum verbraucht wird, existiert praktisch dieses gesamte Gold noch heute, in welcher Form auch immer. Man spricht deshalb von oberirdischen Beständen.
Um diese Zahl greifbar zu machen:
- Als Würfel: Bei einer Dichte von 19,32 Gramm pro Kubikzentimeter entsprechen 216.000 Tonnen rund 11.200 Kubikmetern. Ein Würfel mit diesem Volumen hätte eine Kantenlänge von etwa 22,4 Metern, ungefähr so hoch wie ein siebenstöckiges Haus.
- Pro Kopf: Bei rund 8,2 Milliarden Menschen entfallen auf jeden etwa 26 Gramm Gold. Das ist weniger als eine Feinunze pro Person.
- Im Vergleich zu Silber: Von Silber werden jedes Jahr ungefähr acht- bis neunmal so viele Tonnen gefördert wie von Gold.
Mehr zu den physikalischen Eigenschaften, die Gold so dicht und beständig machen, lesen Sie im Artikel Gold: Dichte und Eigenschaften.
Wo das Gold heute liegt
Die oberirdischen Bestände verteilen sich auf wenige große Kategorien. Die folgenden Anteile sind gerundete Schätzwerte des World Gold Council:
| Verwendung | Anteil (circa) | Menge (circa) |
|---|---|---|
| Schmuck | 45 % | rund 97.000 t |
| Barren und Münzen (privat, inkl. ETF-Bestände) | 22 % | rund 48.000 t |
| Zentralbanken und öffentliche Hand | 17 % | rund 37.000 t |
| Industrie, Technik und Sonstiges | 15 % | rund 33.000 t |
Fast die Hälfte des Goldes liegt also in Form von Schmuck vor, vor allem in Asien und dem Nahen Osten. In Indien und China ist Goldschmuck traditionell auch eine Form der Vermögensaufbewahrung. Die Bestände der Zentralbanken sind dagegen auf vergleichsweise wenige Tresore konzentriert. Allein die Vereinigten Staaten halten offiziell über 8.000 Tonnen, Deutschland rund 3.350 Tonnen. Mehr dazu im Ratgeber Goldreserven Deutschland.
Wie viel Gold jedes Jahr hinzukommt
Die weltweite Minenproduktion liegt seit einigen Jahren stabil bei rund 3.600 Tonnen pro Jahr. Hinzu kommen jährlich etwa 1.100 bis 1.400 Tonnen recyceltes Gold, vor allem aus alten Schmuckstücken. Das Recycling erhöht den Gesamtbestand nicht, sondern bringt bestehendes Gold zurück auf den Markt.
Bezogen auf den Gesamtbestand wächst die Goldmenge durch die Minenförderung also nur um etwa 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr. Dieser geringe und relativ stabile Zuwachs ist einer der Gründe, warum Gold als knappes Gut gilt. Zum Vergleich: Die Geldmenge in großen Währungsräumen wächst in manchen Jahren um ein Vielfaches davon.
Die wichtigsten Förderländer
Gold wird auf allen Kontinenten außer der Antarktis gefördert. Zu den größten Förderländern gehören China, Russland, Australien, Kanada, die USA, Ghana, Peru, Mexiko, Indonesien und Usbekistan. Keines dieser Länder hat einen dominanten Marktanteil, die Förderung ist im Vergleich zu Platin oder Palladium breit verteilt. Eine ausführliche Übersicht über Minen und Förderländer gibt der Ratgeber Die größten Goldminen und Förderländer.
Wie viel Gold noch in der Erde liegt
Neben dem bereits geförderten Gold gibt es Vorkommen, die noch abgebaut werden können. Geologen unterscheiden dabei:
- Reserven: Vorkommen, die mit heutiger Technik und zu heutigen Preisen wirtschaftlich abbaubar sind. Der United States Geological Survey schätzt die weltweiten Reserven auf rund 59.000 bis 64.000 Tonnen.
- Ressourcen: Vorkommen, die bekannt oder vermutet sind, deren wirtschaftlicher Abbau aber noch nicht gesichert ist. Diese Mengen sind deutlich größer, aber auch unsicherer.
Bei der aktuellen Förderrate würden die bekannten Reserven rein rechnerisch für etwa 16 bis 18 Jahre reichen. Diese Rechnung ist aber irreführend, weil die Reserven nicht feststehen. Steigt der Goldpreis, werden Vorkommen wirtschaftlich, die vorher zu teuer waren. Gleichzeitig werden neue Lagerstätten entdeckt. Die Reserven sind deshalb über Jahrzehnte trotz kontinuierlicher Förderung nicht geschrumpft.
Langfristig wird es jedoch schwieriger, neues Gold zu finden. Große Neufunde sind selten geworden, die durchschnittlichen Erzgehalte sinken, und neue Minen brauchen oft zehn Jahre und mehr von der Entdeckung bis zur Produktion. Das spricht dafür, dass die Förderung in den kommenden Jahrzehnten eher stagnieren als stark wachsen wird.
Gold im Meerwasser und im Erdkern
Theoretisch gibt es weit mehr Gold. Im Meerwasser sind geschätzt mehrere Millionen Tonnen gelöst, allerdings in so geringer Konzentration, dass eine wirtschaftliche Gewinnung nicht möglich ist. Noch größere Mengen werden im Erdkern vermutet, wo sie für den Menschen unerreichbar sind. Für die Wirtschaft relevant sind nur die abbaubaren Vorkommen in der Erdkruste.
Wie sich der Bestand historisch entwickelt hat
Ein großer Teil des heute existierenden Goldes wurde erst in jüngster Zeit gefördert. Über Jahrtausende war die Goldgewinnung mühsam und die Mengen gering. Der Goldrausch in Kalifornien ab 1848 und in Australien ab 1851 sowie die Entdeckung der riesigen Lagerstätten am Witwatersrand in Südafrika 1886 steigerten die Förderung erstmals massiv. Im 20. Jahrhundert ermöglichten industrielle Verfahren wie die Cyanidlaugung den wirtschaftlichen Abbau auch sehr geringer Erzgehalte.
Schätzungen zufolge wurden rund zwei Drittel des gesamten bisher geförderten Goldes nach 1950 gewonnen. Die heutige Jahresförderung von rund 3.600 Tonnen ist mehr, als in vielen Jahrhunderten der Antike und des Mittelalters zusammen gefördert wurde. Gleichzeitig ist der Gesamtbestand inzwischen so groß, dass selbst diese hohe Förderung ihn nur um einen kleinen Prozentsatz pro Jahr wachsen lässt.
| Zeitraum | Entwicklung der Förderung |
|---|---|
| Antike bis 1492 | sehr geringe Mengen, Gold vor allem aus Flüssen und kleinen Minen |
| 1492 bis 1848 | Zufluss aus Amerika, aber weiterhin begrenzte Mengen |
| 1848 bis 1900 | Goldräusche in Kalifornien, Australien, Südafrika, Alaska |
| 1900 bis 1970 | Südafrika dominiert die Weltförderung |
| ab 1980 | breitere Verteilung, starke Zunahme in China, Australien, Russland |
| heute | rund 3.600 Tonnen pro Jahr aus Minen weltweit |
Wie viel Gold in Elektronik steckt
Auch in Smartphones, Laptops und Servern steckt Gold, allerdings in sehr kleinen Mengen. Ein einzelnes Smartphone enthält Gold im Bereich weniger Zehntelgramm. Bei Milliarden von Geräten summiert sich das zwar, die Technik macht aber nur einen kleinen Teil der jährlichen Nachfrage aus. Recycling aus Elektronikschrott ist technisch möglich und wird industriell betrieben, für Privatpersonen lohnt es sich wirtschaftlich nicht. Wofür Gold in der Industrie verwendet wird, beschreibt der Artikel Gold: Dichte und Eigenschaften.
Was die Zahlen für Anleger bedeuten
Die Mengenverhältnisse erklären mehrere Besonderheiten des Goldmarktes:
- Gold wird kaum verbraucht: Anders als Öl oder Kupfer wird Gold nicht verbrannt oder dauerhaft verbaut. Der Bestand wächst stetig, aber langsam. Das stabilisiert den Markt, weil kurzfristige Förderschwankungen kaum ins Gewicht fallen.
- Die Nachfrage entscheidet: Weil die Förderung relativ konstant ist, bestimmen vor allem Veränderungen der Nachfrage den Preis: Käufe von Zentralbanken, Investoren und Schmuckkäufern. Wie die Zentralbanken den Markt prägen, beschreibt der Ratgeber Zentralbanken kaufen Rekordmengen Gold.
- Recycling als Puffer: Bei hohen Preisen verkaufen mehr Menschen Altgold. Das zusätzliche Angebot dämpft Preisspitzen. Bei niedrigen Preisen geht das Recycling zurück.
- Knappheit ist relativ: Gold ist nicht so selten, dass es unbezahlbar wäre, aber selten genug, um seinen Wert über Jahrhunderte zu behalten.
Häufige Fragen
Wird uns das Gold irgendwann ausgehen?
Das bereits geförderte Gold verschwindet nicht. Es kann nur sein, dass die neue Förderung langfristig schwieriger und teurer wird. Für den Bestand an Gold auf der Welt bedeutet das allenfalls ein langsameres Wachstum.
Wie viel Gold besitzen private Haushalte in Deutschland?
Studien schätzen den privaten Goldbesitz in Deutschland auf mehrere tausend Tonnen, verteilt auf Schmuck, Barren und Münzen. Deutschland gehört damit zu den Ländern mit dem höchsten privaten Goldbestand pro Kopf.
Ist mehr Gold in Schmuck oder in Barren?
Schmuck macht mit rund 45 Prozent den größten Anteil aus. Barren und Münzen kommen auf gut ein Fünftel des Bestands.
Fazit
Die Menschheit hat bisher rund 216.000 Tonnen Gold gefördert, die fast vollständig noch existieren. Zusammengeschmolzen passt diese Menge in einen Würfel von etwa 22 Metern Kantenlänge. Fast die Hälfte davon liegt als Schmuck vor, gut ein Fünftel als Barren und Münzen, ein weiteres Sechstel in den Tresoren der Zentralbanken. Jedes Jahr kommen durch die Minenförderung nur etwa 1,5 bis 2 Prozent hinzu. Diese begrenzte Zunahme bei gleichzeitig dauerhafter Existenz ist ein wesentlicher Grund für die besondere Stellung von Gold als Wertspeicher. Den aktuellen Wert einer Feinunze sehen Sie auf der Seite Goldpreis.




