Gold ist vor allem als Wertaufbewahrungsmittel und Schmuckmetall bekannt. Weniger bekannt ist, dass es auch ein hochwertiger Werkstoff ist, auf den viele Technologien angewiesen sind. In Smartphones, Computern, Autos, Satelliten und medizinischen Schnelltests erfüllt Gold Aufgaben, bei denen andere Materialien versagen würden.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Eigenschaften Gold für die Technik so wertvoll machen, wo es eingesetzt wird, wie groß die industrielle Nachfrage ist und welche Rolle sie für den Goldpreis spielt.
Die Eigenschaften, die Gold unersetzlich machen
| Eigenschaft | Bedeutung für die Technik |
|---|---|
| Korrosionsbeständigkeit | Gold oxidiert nicht und läuft nicht an, Kontakte bleiben dauerhaft zuverlässig |
| elektrische Leitfähigkeit | nach Silber und Kupfer einer der besten Leiter |
| Duktilität und Formbarkeit | lässt sich zu hauchdünnen Drähten und Folien verarbeiten |
| Reflexion von Infrarotstrahlung | reflektiert Wärmestrahlung nahezu vollständig |
| Biokompatibilität | gut verträglich im menschlichen Körper |
| chemische Stabilität | reagiert kaum mit anderen Stoffen |
Besonders wichtig ist die Kombination aus guter Leitfähigkeit und absoluter Korrosionsbeständigkeit. Silber leitet zwar besser, läuft aber an. Kupfer ist günstig, oxidiert aber. Für Kontakte, die über viele Jahre zuverlässig funktionieren müssen, ist Gold deshalb oft die erste Wahl. Mehr zu den physikalischen Eigenschaften im Ratgeber Gold: Dichte und Eigenschaften.
Wie groß ist die industrielle Nachfrage?
Nach Statistiken des World Gold Council entfällt auf Technologie und Industrie jährlich ein Anteil von rund 7 bis 8 Prozent der weltweiten Goldnachfrage, in der Größenordnung von 300 bis 330 Tonnen. Den Großteil davon macht die Elektronik aus.
| Nachfragebereich | Anteil an der Gesamtnachfrage (grobe Größenordnung) |
|---|---|
| Schmuck | rund 40–50 % |
| Barren und Münzen | rund 25 % |
| Zentralbanken | rund 15–25 % (stark schwankend) |
| Gold-ETFs | stark schwankend, teils negativ |
| Technologie | rund 7–8 % |
Zum Vergleich: Beim Silber macht die industrielle Nachfrage mehr als die Hälfte der Gesamtnachfrage aus. Deshalb reagiert der Silberpreis viel stärker auf Konjunkturschwankungen als der Goldpreis. Hintergründe beschreibt der Ratgeber Silber: industrielle Nachfrage.
Elektronik: der größte Industrieverbraucher
Kontakte und Steckverbindungen
Steckverbinder, Schalter und Relais werden häufig mit einer dünnen Goldschicht überzogen. Sie verhindert Oxidation und sorgt dafür, dass auch kleinste Signalströme zuverlässig fließen. Das ist besonders in Bereichen mit hohen Anforderungen an die Zuverlässigkeit wichtig, etwa in der Luftfahrt, der Medizintechnik oder im Auto.
Bonddrähte
In Mikrochips verbinden hauchdünne Drähte den Halbleiterchip mit den Anschlüssen des Gehäuses. Lange Zeit bestanden diese Bonddrähte überwiegend aus Gold. Aus Kostengründen setzt die Industrie inzwischen zunehmend Kupfer und Silber ein, für viele anspruchsvolle Anwendungen bleibt Gold aber Standard.
Leiterplatten
Auf Leiterplatten werden Kontaktflächen und Steckerleisten häufig vergoldet. Typisch sind die goldfarbenen Kontaktleisten an Speichermodulen und Grafikkarten.
Smartphones und Computer
Ein Smartphone enthält nur sehr wenig Gold, typischerweise im Bereich von Zehntelgramm oder darunter. Bei Milliarden verkaufter Geräte summiert sich das aber zu beachtlichen Mengen. Das macht Elektroschrott zu einer interessanten Rohstoffquelle. Wie viel sich daraus zurückgewinnen lässt, erklärt der Ratgeber Gold aus Elektroschrott.
Zahnmedizin
Über viele Jahrzehnte war Zahngold ein wichtiger Verwendungsbereich. Goldlegierungen eignen sich hervorragend für Kronen, Brücken und Inlays, weil sie gut verträglich, langlebig und präzise zu verarbeiten sind. Mit dem Aufkommen von Keramik und anderen Materialien sowie wegen des hohen Goldpreises ist der Verbrauch stark zurückgegangen. Altes Zahngold wird heute häufig recycelt. Mehr im Ratgeber Zahngold verkaufen.
Medizin und Diagnostik
Schnelltests
Viele Schnelltests, etwa Schwangerschaftstests oder Antigen-Schnelltests, nutzen winzige Goldnanopartikel. Sie sind an Antikörper gekoppelt und färben die Testlinie rötlich, wenn der gesuchte Stoff vorhanden ist. Die typische rote Farbe der Linie stammt nicht von einem Farbstoff, sondern von kolloidalem Gold.
Arzneimittel
Goldverbindungen wurden lange zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Heute spielen sie dort wegen neuerer Medikamente eine geringere Rolle. In der Forschung werden Goldnanopartikel zudem für gezielte Krebstherapien und bildgebende Verfahren untersucht.
Implantate und Instrumente
Wegen seiner guten Verträglichkeit wird Gold in einigen Implantaten, etwa als Lidgewicht bei Lähmungen des Augenlids, sowie in der Beschichtung von Instrumenten verwendet.
Raumfahrt
In der Raumfahrt nutzt man vor allem die Fähigkeit von Gold, Infrarot- und Wärmestrahlung zu reflektieren:
- Satelliten: Dünne, goldbeschichtete Folien schützen empfindliche Instrumente vor Sonnenhitze.
- Astronautenvisiere: Die Visiere von Raumanzügen tragen eine hauchdünne Goldschicht, die die Augen vor Sonnenstrahlung schützt.
- Teleskope: Die Spiegel des James-Webb-Weltraumteleskops sind mit einer sehr dünnen Goldschicht überzogen, weil Gold Infrarotlicht besonders gut reflektiert. Insgesamt wurde dafür nur eine sehr kleine Goldmenge benötigt, weil die Schicht nur rund 100 Nanometer dick ist.
Glas, Architektur und Kunst
Kolloidales Gold färbt Glas rubinrot. Diese Technik ist seit Jahrhunderten bekannt und wird für Kunstglas und Kirchenfenster verwendet. In der Architektur werden Fensterscheiben teils mit dünnen Goldschichten versehen, um Wärmestrahlung zu reflektieren. Blattgold dient zur Vergoldung von Kuppeln, Bilderrahmen und Kunstobjekten.
Katalyse und Chemie
Lange galt Gold als chemisch zu träge für die Katalyse. Seit einigen Jahrzehnten weiß man, dass Goldnanopartikel bestimmte chemische Reaktionen sehr effektiv beschleunigen können, etwa die Oxidation von Kohlenmonoxid. Die industrielle Bedeutung ist noch gering, das Forschungsinteresse aber hoch. Im Vergleich dazu sind Platin und Palladium seit Langem die wichtigsten Katalysatormetalle, etwa im Autokatalysator.
Lebensmittel
Blattgold ist als Lebensmittelzusatzstoff E 175 zugelassen und wird zur Verzierung von Pralinen, Torten oder Getränken verwendet. Die Mengen sind winzig, und Gold wird vom Körper unverändert ausgeschieden. Für die Goldnachfrage spielt diese Verwendung praktisch keine Rolle.
Gold im Auto
Moderne Autos enthalten Dutzende Steuergeräte, Sensoren und Steckverbindungen. Besonders sicherheitsrelevante Systeme wie Airbags, Antiblockiersysteme und Fahrassistenzsysteme verwenden häufig vergoldete Kontakte, weil sie auch nach vielen Jahren bei Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und Vibrationen zuverlässig funktionieren müssen. Mit der Elektrifizierung steigt die Zahl elektronischer Komponenten pro Fahrzeug weiter. Die Goldmenge je Auto bleibt dennoch gering, typischerweise im Bereich weniger Gramm oder darunter.
Anders als Platin und Palladium im Abgaskatalysator ist Gold im Auto aber kein wesentlicher Kostenfaktor. Wie wichtig Palladium für die Autoindustrie ist, beschreibt der Ratgeber Palladium im Autokatalysator.
Neue Anwendungen und Forschung
Die Forschung untersucht eine Reihe neuer Einsatzgebiete:
| Bereich | Mögliche Anwendung |
|---|---|
| Krebstherapie | Goldnanopartikel, die Tumorzellen gezielt erwärmen |
| Bildgebung | Kontrastmittel auf Goldbasis |
| Sensorik | hochempfindliche Biosensoren für Diagnostik und Umweltanalytik |
| Brennstoffzellen | Katalysatoren mit Goldanteil |
| Flexible Elektronik | leitfähige Goldtinten für gedruckte Schaltungen |
| Quantentechnik | Kontakte und Leiterbahnen in supraleitenden Schaltungen |
Ob einzelne dieser Anwendungen größere Goldmengen benötigen werden, ist offen. Bisher handelt es sich überwiegend um Spezialanwendungen mit sehr kleinem Materialbedarf.
Substitution: Wird Gold ersetzt?
Weil Gold teuer ist, versucht die Industrie seit Jahren, den Verbrauch zu senken. Goldschichten werden immer dünner, Bonddrähte zunehmend aus Kupfer oder Silber hergestellt, und in manchen Kontakten ersetzt Palladium das Gold. Steigt der Goldpreis stark, verstärkt sich dieser Trend. Deshalb ist die Technologienachfrage nach Gold über die vergangenen Jahrzehnte in Tonnen eher zurückgegangen, obwohl die Zahl elektronischer Geräte stark gestiegen ist.
Was die Industrienachfrage für den Goldpreis bedeutet
Weil die Technologie nur einen kleinen Teil der Nachfrage ausmacht, hat sie auf den Goldpreis wenig Einfluss. Die wichtigsten Preistreiber sind Investmentnachfrage, Zentralbankkäufe und Schmuck. Das macht Gold weniger konjunkturabhängig als Silber, Platin oder Palladium. Für Anleger ist das ein Vorteil: Gold kann auch in Rezessionen stabil bleiben, wenn Industriemetalle unter Druck geraten.
Gleichzeitig ist die Industrienachfrage relativ unelastisch. Viele Anwendungen benötigen nur kleinste Mengen, sodass der Goldpreis für die Gesamtkosten eines Produkts kaum ins Gewicht fällt. Ein Smartphone wird nicht deutlich teurer, wenn der Goldpreis steigt.
Recycling von Industriegold
Anders als beim Silber wird ein beträchtlicher Teil des Industriegoldes wieder zurückgewonnen, vor allem aus Produktionsabfällen und hochwertigem Elektroschrott. Allerdings landen viele Altgeräte noch immer nicht im Recycling. Scheideanstalten gewinnen das Gold durch Einschmelzen, chemische Verfahren und Elektrolyse zurück. Wie Scheideanstalten arbeiten, erklärt der Ratgeber Scheideanstalt: Was ist das?.
Fazit
Gold ist nicht nur Schmuck und Wertanlage, sondern auch ein wichtiger technischer Werkstoff. Korrosionsbeständigkeit, gute Leitfähigkeit, Formbarkeit, Infrarotreflexion und Biokompatibilität machen es in Elektronik, Medizin, Raumfahrt und Spezialglas unersetzlich. Mit rund 7 bis 8 Prozent der Gesamtnachfrage spielt die Technologie für den Goldpreis aber nur eine untergeordnete Rolle, anders als beim Silber. Für Anleger bedeutet das: Gold ist weniger konjunkturabhängig und eignet sich deshalb besonders als Stabilisator im Portfolio. Wie viel Gold es insgesamt gibt, zeigt der Ratgeber Wie viel Gold gibt es auf der Welt. Den aktuellen Kurs finden Sie auf der Seite Goldpreis.




