Palladium lässt sich nicht isoliert verstehen. Es gehört zu einer Familie von sechs Metallen, die gemeinsam in denselben Gesteinen vorkommen, gemeinsam gefördert, gemeinsam getrennt und in vielen Anwendungen gemeinsam eingesetzt werden. Wer den Palladiummarkt begreifen will, muss diese Verwandtschaft kennen.

Die Platingruppenmetalle – kurz PGM – sind Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium. Sie zählen zu den seltensten Elementen der Erdkruste und zu den technisch unentbehrlichsten zugleich. Ohne sie gäbe es keine Abgasreinigung, keine moderne Wirkstoffchemie und keine Wasserstoffelektrolyse.

Dieser Artikel stellt alle sechs vor, erklärt ihre gemeinsame Geologie, die Besonderheiten der Koppelproduktion und ordnet ein, welche davon für Privatanleger überhaupt infrage kommen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die sechs PGM sind Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium.
  • Sie kommen gemeinsam in denselben Lagerstätten vor und werden zusammen gefördert.
  • Osmium ist das dichteste bekannte Element, Palladium das leichteste der Gruppe.
  • Für Privatanleger praktisch relevant sind vor allem Platin und Palladium.
  • Alle PGM unterliegen in Deutschland 19 Prozent Mehrwertsteuer.
  • Die Koppelproduktion erklärt, warum das Angebot kaum auf Preise reagiert.

Was die Platingruppenmetalle verbindet

Im Periodensystem stehen die sechs Elemente in zwei benachbarten Dreiergruppen: Ruthenium, Rhodium und Palladium in der fünften Periode, Osmium, Iridium und Platin in der sechsten.

Sie teilen eine Reihe von Eigenschaften: hohe Korrosionsbeständigkeit, hohe Schmelzpunkte, ausgeprägte katalytische Aktivität und eine bemerkenswerte Seltenheit. Alle sechs gelten als Edelmetalle.

Die technisch wichtigste gemeinsame Eigenschaft ist die katalytische. Alle PGM können Moleküle an ihrer Oberfläche binden, schwächen und zur Reaktion bringen, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Daraus erklärt sich ihre Rolle in Abgaskatalysatoren, in der chemischen Industrie und in Elektrolyseuren.

Die sechs im direkten Vergleich

Metall Symbol Ordnungszahl Dichte (g/cm³) Schmelzpunkt (°C) Hauptanwendung
Ruthenium Ru 44 12,45 rund 2.334 Elektronik, Elektroden
Rhodium Rh 45 12,41 rund 1.964 Stickoxidreduktion im Katalysator
Palladium Pd 46 12,02 1.554,9 Benzinkatalysatoren
Osmium Os 76 22,59 rund 3.033 sehr begrenzt, Speziallegierungen
Iridium Ir 77 22,56 rund 2.466 Tiegel, Zündkerzen, Elektrolyse
Platin Pt 78 21,45 rund 1.768 Diesel, Schmuck, Industrie

Auffällig ist die klare Zweiteilung: Die leichten drei liegen bei etwa 12 Gramm je Kubikzentimeter, die schweren drei bei über 21. Osmium ist mit 22,59 das dichteste bekannte Element überhaupt – ein Würfel von zehn Zentimetern Kantenlänge wöge über 22 Kilogramm.

Platin: das bekannteste

Platin ist das Metall, das der Gruppe ihren Namen gab. Spanische Eroberer fanden es im 16. Jahrhundert in südamerikanischen Flüssen und hielten es für eine minderwertige Silberverunreinigung – daher die abwertende Bezeichnung platina, kleines Silber.

Heute ist Platin in vier Bereichen bedeutend: in Dieselkatalysatoren, im Schmuck, in der Industrie – etwa bei der Glasfaserherstellung, in der Chemie und in Laborgeräten – sowie zunehmend in der Wasserstofftechnik, wo es in Elektrolyseuren und Brennstoffzellen als Katalysator dient.

Für Anleger ist Platin das zugänglichste PGM nach Gold und Silber: Es gibt etablierte Anlagemünzen, ausreichend Barrenformate und einen liquiden Markt.

Palladium: der Spezialist für Benzinmotoren

Palladium ist das leichteste und am niedrigsten schmelzende der Gruppe. Rund vier Fünftel seiner Nachfrage entfallen auf Abgaskatalysatoren von Benzin- und Hybridfahrzeugen, wo es besonders im Kaltstart überzeugt.

Seine einzigartige Fähigkeit, das bis zu 900-Fache seines Volumens an Wasserstoff aufzunehmen, macht es zudem zum Schlüsselmaterial für Wasserstoffmembranen. Hinzu kommen Anwendungen in Elektronik, Chemie, Zahnmedizin und Schmuck.

Die Weltförderung lag 2025 nach USGS-Angaben bei rund 190 Tonnen, davon rund 44 Prozent aus Russland und 37 Prozent aus Südafrika.

Rhodium: der teure Spezialist

Rhodium ist das seltenste der drei im Autokatalysator eingesetzten Metalle und zugleich das unentbehrlichste für eine bestimmte Aufgabe: die Reduktion von Stickoxiden. Diese Reaktion beherrscht es besser als Platin und Palladium zusammen.

Wegen der extremen Seltenheit und des winzigen Marktes schwankt der Rhodiumpreis noch heftiger als der von Palladium. In der Spitze übertraf er den Goldpreis um ein Vielfaches.

Für Privatanleger ist Rhodium in der Regel ungeeignet. Der Handel ist dünn, die Spannen zwischen An- und Verkauf sind sehr breit, und es existieren kaum standardisierte Anlageprodukte. Auch für Rhodium erwartet Johnson Matthey für 2026 einen kleinen Überschuss bei einem Nachfragerückgang von rund sechs Prozent.

Ruthenium: das unbekannte Arbeitstier

Ruthenium wurde 1844 als letztes der sechs entdeckt und trägt seinen Namen nach Ruthenia, der lateinischen Bezeichnung für Russland.

Seine wichtigsten Anwendungen liegen in der Elektronik: in Chipwiderständen, in Beschichtungen für Datenspeicher und in Kontaktmaterialien. Hinzu kommen elektrochemische Anwendungen, etwa in beschichteten Elektroden für die Chloralkalielektrolyse, sowie katalytische Einsätze in der Ammoniaksynthese.

In jüngerer Zeit hat Ruthenium in der Halbleiterfertigung an Bedeutung gewonnen, wo es als Barriere- und Leitermaterial für immer feinere Strukturen erprobt wird.

Iridium: das beständigste Metall

Iridium gilt als das korrosionsbeständigste Metall überhaupt. Es widersteht selbst Königswasser bei Raumtemperatur und behält seine Eigenschaften bei sehr hohen Temperaturen.

Genutzt wird das in Tiegeln für die Züchtung von Kristallen, in Zündkerzenelektroden mit sehr langer Lebensdauer, in Tiegelmaterial für die Glasindustrie und in Elektroden für die Protonenaustauschmembran-Elektrolyse.

Gerade der letzte Punkt hat Iridium in den Fokus gerückt: Diese Elektrolyseurbauart gilt als besonders geeignet für den Betrieb mit schwankendem Strom aus erneuerbaren Quellen – und benötigt Iridium, für das es bislang keinen gleichwertigen Ersatz gibt. Bei einem Weltmarkt von wenigen Tonnen jährlich ist das ein ernstes Skalierungsproblem.

Osmium: der Exot

Osmium ist das dichteste bekannte Element und zugleich das wirtschaftlich unbedeutendste der Gruppe. Es wird nur in sehr kleinen Mengen gewonnen und findet kaum breite Anwendung.

Ein Grund ist die Toxizität einer seiner Verbindungen: Osmiumtetroxid ist flüchtig, hochgiftig und greift Atemwege und Augen an. Der Umgang mit dem Metallpulver erfordert entsprechende Vorsicht.

Historisch wurde Osmium in Speziallegierungen für Füllfederhalterspitzen, Kompassnadeln und Instrumentenlager verwendet, wo extreme Verschleißfestigkeit gefragt war. In jüngerer Zeit wird kristallines Osmium vereinzelt als Sammlerobjekt vermarktet – ein Markt, der mit klassischen Edelmetallanlagen wenig gemein hat und für den keine etablierten Rückkaufstrukturen bestehen.

Warum die sechs gemeinsam vorkommen

Die gemeinsame Geologie hat einen Grund, der in der Frühzeit der Erde liegt. Platingruppenmetalle sind ausgesprochen eisenliebend – sie neigen dazu, sich mit Eisen zu verbinden. Bei der Bildung des Erdkerns wanderte deshalb der überwiegende Teil dieser Elemente mit dem Eisen ins Erdinnere.

Was in der Kruste verblieb, ist ein winziger Rest. In Magmen verhalten sich alle sechs ähnlich: Sie reichern sich bevorzugt in sulfidischen Schmelzen an, die sich beim Abkühlen absetzen. Deshalb finden sie sich in denselben Erzkörpern – in Nickel-Kupfer-Sulfidlagerstätten wie bei Norilsk und in geschichteten Intrusionen wie dem Bushveld-Komplex.

Die Anteile schwanken je nach Lagerstätte. Südafrikanische Erze sind platinreich, russische palladiumreich, und der Stillwater-Komplex in Montana weist ein Verhältnis von etwa drei Teilen Palladium zu einem Teil Platin auf.

Warum die Trennung so aufwendig ist

Weil sich die sechs Metalle chemisch stark ähneln, ist ihre Trennung eine der anspruchsvollsten Aufgaben der Hüttentechnik.

Der Weg führt über Flotation, Verhüttung zu einem Kupfer-Nickel-Stein, Konvertierung und schließlich die hydrometallurgische Raffination. Dort wird das Material in Königswasser gelöst und die Metalle werden in einer festen Reihenfolge selektiv gefällt: zuerst Gold, dann Palladium, anschließend Platin, danach Rhodium, Iridium und Ruthenium.

Jeder Schritt erfordert präzise Kontrolle von Säurekonzentration, Temperatur und Fällungsmitteln. Vom Erz bis zum verkaufsfertigen Metall vergehen typischerweise sechs bis zwölf Monate – ein Grund, warum Angebotsstörungen sich erst mit erheblicher Verzögerung im Markt zeigen.

Koppelproduktion: der entscheidende Marktmechanismus

Aus der gemeinsamen Gewinnung folgt die wichtigste ökonomische Eigenheit dieser Metallgruppe. Ein Bergwerk fördert nicht Palladium oder Platin, sondern einen Metallkorb in einem durch die Geologie festgelegten Verhältnis.

Steigt der Preis eines einzelnen Metalls, kann der Betreiber davon nicht einfach mehr produzieren. Er müsste die gesamte Förderung ausweiten – und damit auch alle anderen Metalle, deren Preise vielleicht gerade schwach sind.

Hinzu kommt: In Russland ist Palladium Beiprodukt der Nickelgewinnung. Die Investitionsentscheidungen richten sich dort primär nach dem Nickelmarkt.

Das Ergebnis ist ein Angebot, das auf Preise kaum reagiert. Preisspitzen werden deshalb nicht durch mehr Bergbau abgebaut, sondern durch Substitution und Recycling – beides Prozesse, die Jahre benötigen.

Substitution innerhalb der Gruppe

Weil sich die PGM chemisch ähneln, sind sie in manchen Anwendungen gegeneinander austauschbar. Das ist ein zweischneidiges Schwert.

Für die Industrie ist es ein Vorteil: Wird ein Metall zu teuer, weicht man auf ein anderes aus. Für Anleger bedeutet es, dass ein hoher Preis seine eigene Gegenkraft erzeugt.

Das aktuelle Beispiel ist der Autokatalysator. Nachdem Palladium zwischen 2018 und 2022 deutlich teurer wurde als Platin, begannen die Hersteller, in Benzinkatalysatoren teilweise Platin einzusetzen. Diese Umstellung dauert zwei bis drei Jahre und ist danach kaum umkehrbar.

Nicht alles ist austauschbar. Rhodiums Fähigkeit zur Stickoxidreduktion und Iridiums Rolle in der Elektrolyse haben keine gleichwertigen Alternativen innerhalb der Gruppe.

Wer die Platingruppenmetalle fördert

Die Förderung konzentriert sich auf wenige Regionen: den Bushveld-Komplex in Südafrika, den Norilsk-Talnach-Distrikt in Russland, den Great Dyke in Simbabwe, den Stillwater-Komplex in Montana und das Sudbury-Becken in Kanada.

Bei Platin dominiert Südafrika mit einem Anteil von rund 70 Prozent. Bei Palladium führt Russland mit rund 44 Prozent vor Südafrika mit rund 37 Prozent. Rhodium, Ruthenium und Iridium stammen überwiegend aus Südafrika.

Die weltweiten PGM-Reserven werden vom USGS auf über 76.000 Tonnen geschätzt, ganz überwiegend im Bushveld-Komplex. Diese Zahl gilt gemeinsam für alle sechs Metalle, da sie in denselben Erzkörpern vorkommen.

Anlagemöglichkeiten im Vergleich

Metall Barren Anlagemünzen Börsenprodukte Für Privatanleger
Platin breit verfügbar mehrere etablierte vorhanden gut geeignet
Palladium verfügbar wenige vorhanden geeignet, engerer Markt
Rhodium eingeschränkt keine eingeschränkt kaum geeignet
Ruthenium eingeschränkt keine kaum nicht geeignet
Iridium eingeschränkt keine kaum nicht geeignet
Osmium Sonderformen keine keine nicht geeignet

Die Tabelle macht deutlich, warum sich die Anlagediskussion auf zwei Metalle beschränkt. Bei den übrigen fehlen standardisierte Produkte, verlässliche Rückkaufstrukturen und ausreichende Liquidität.

Steuerliche Behandlung in Deutschland

Für alle Platingruppenmetalle gilt dieselbe Regel: Beim physischen Kauf fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Die Umsatzsteuerbefreiung ist ausschließlich Anlagegold vorbehalten.

Auf der anderen Seite steht der Vorteil der Spekulationsfrist: Nach mehr als zwölf Monaten Haltedauer sind Veräußerungsgewinne im Privatvermögen steuerfrei. Bei börsengehandelten Produkten greift dagegen die Abgeltungsteuer ohne Haltefrist. Dies ersetzt keine steuerliche Beratung.

Recycling der Platingruppenmetalle

Weil alle sechs Metalle gemeinsam vorkommen und häufig gemeinsam verbaut werden, verläuft auch ihre Rückgewinnung gemeinsam. Ein Autokatalysator enthält Platin, Palladium und Rhodium nebeneinander; die Aufbereitung trennt sie erst am Ende des Prozesses.

Nach Angaben des US-amerikanischen Geologischen Dienstes wurden 2025 weltweit rund 140.000 Kilogramm Palladium und Platin aus neuem und altem Schrott zurückgewonnen. Allein die Aufbereitung von Altkatalysatoren in den Vereinigten Staaten lieferte etwa 50.000 Kilogramm Palladium.

Der Prozess folgt dem bekannten Muster: Zerkleinerung des Keramikkörpers, Homogenisierung, Probenahme, Aufschluss durch Schmelzen mit einem Sammlermetall oder durch Säurebehandlung, schließlich selektive Fällung der einzelnen Metalle.

Für Europa und Nordamerika ist dieser Kreislauf strategisch bedeutsam. Beide Regionen verfügen über kaum eigene Lagerstätten, aber über große Fahrzeugbestände und leistungsfähige Scheideanstalten. Der Schrottplatz ist damit die einzige heimische Quelle für Platingruppenmetalle, die sie tatsächlich kontrollieren.

Wo die PGM knapp werden könnten

Die Diskussion um kritische Rohstoffe konzentriert sich meist auf Lithium und Seltene Erden. Bei den Platingruppenmetallen liegen die Engpässe anders – und teils schärfer.

Iridium ist der klarste Fall. Es wird für Elektroden in einer bestimmten Elektrolyseurbauart benötigt, die sich besonders gut für schwankenden Strom aus erneuerbaren Quellen eignet. Ein gleichwertiger Ersatz existiert bislang nicht. Bei einer Weltproduktion von wenigen Tonnen jährlich stößt jeder ernsthafte Ausbauplan schnell an mengenmäßige Grenzen. Die Forschung arbeitet daran, den Iridiumbedarf je Anlage drastisch zu senken.

Rhodium ist ähnlich knapp und für die Stickoxidreduktion praktisch alternativlos. Solange Verbrennungsmotoren gebaut werden, bleibt diese Nachfrage bestehen.

Platin und Palladium sind demgegenüber vergleichsweise komfortabel versorgt, weil ihre Fördermengen deutlich größer sind und weil sie sich in vielen Anwendungen gegenseitig ersetzen können.

Für Anleger ist diese Differenzierung wichtig: Knappheit allein macht ein Metall nicht zu einer guten Anlage, wenn kein handelbarer Markt existiert.

Die Entdeckungsgeschichte der Gruppe

Alle sechs Metalle wurden innerhalb von rund vierzig Jahren entdeckt, und fast alle aus demselben Ausgangsmaterial: südamerikanischem Rohplatin.

Platin selbst war seit dem 16. Jahrhundert bekannt, wenn auch zunächst verachtet. 1802 isolierte William Hyde Wollaston in London Palladium, kurz darauf Rhodium. Fast gleichzeitig fand sein Kollege Smithson Tennant im schwarzen Rückstand desselben Prozesses 1803 Osmium und Iridium.

Ruthenium ließ am längsten auf sich warten. Der in Dorpat und Kasan tätige Chemiker Karl Ernst Claus wies es 1844 in Rückständen russischer Platinerze nach und benannte es nach der lateinischen Bezeichnung für Russland.

Bemerkenswert ist, wie eng diese Entdeckungen zusammenhängen: Ein einziges Ausgangsmaterial, wenige Labore und ein Zeitraum von vier Jahrzehnten brachten vier neue Elemente hervor – ein Beleg dafür, wie untrennbar diese Metalle in der Natur verbunden sind.

Was die Gruppe für Anleger bedeutet

Aus der gemeinsamen Herkunft ergeben sich drei praktische Folgerungen.

Erstens: Wer ein PGM hält, ist indirekt allen anderen ausgesetzt. Die Wirtschaftlichkeit eines Bergwerks hängt am gesamten Metallkorb. Fällt der Platinpreis, geraten Betriebe unter Druck, die auch Palladium und Rhodium liefern.

Zweitens: Substitution innerhalb der Gruppe ist der wichtigste Preismechanismus. Wer die Palladiumentwicklung verstehen will, muss den Platinpreis mitverfolgen – und umgekehrt.

Drittens: Die Angebotskonzentration ist bei allen sechs extrem. Südafrika und Russland dominieren, mit den bekannten politischen und operativen Risiken. Eine Diversifikation innerhalb der Platingruppe reduziert dieses Länderrisiko nur begrenzt.

Wer diese Zusammenhänge kennt, wird die Metalle nicht als getrennte Anlagen betrachten, sondern als eng gekoppeltes Feld mit gemeinsamen Treibern.

Glossar: Begriffe rund um die PGM

  • PGM: Platinum Group Metals, die sechs Platingruppenmetalle.
  • Koppelproduktion: Gemeinsame Gewinnung mehrerer Metalle in einem durch die Geologie festgelegten Verhältnis.
  • Beiprodukt: Metall, das bei der Gewinnung eines anderen Hauptmetalls anfällt.
  • Geschichtete Intrusion: Erstarrter Magmakörper mit lagenweiser Mineralverteilung, etwa der Bushveld-Komplex.
  • Eisenliebend: Geochemische Eigenschaft, sich bevorzugt mit Eisen zu verbinden; Grund für die Seltenheit der PGM in der Erdkruste.
  • Selektive Fällung: Abtrennung einzelner Metalle aus einer Lösung in festgelegter Reihenfolge.
  • Dreiwegekatalysator: Abgaskatalysator mit Platin, Palladium und Rhodium für Benzinmotoren.
  • Substitution: Ersatz eines Metalls durch ein anderes in derselben Anwendung.
  • Good Delivery: Anerkennungsstandard der London Platinum and Palladium Market Association.

Häufig gestellte Fragen

Welche Metalle gehören zur Platingruppe?

Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium.

Welches ist das seltenste Platingruppenmetall?

Gemessen an der Jahresproduktion gehören Osmium, Iridium und Rhodium zu den seltensten. Osmium wird nur in sehr kleinen Mengen gewonnen.

Welches Metall ist das dichteste?

Osmium mit 22,59 Gramm je Kubikzentimeter ist das dichteste bekannte Element, dicht gefolgt von Iridium.

Warum werden PGM immer zusammen gefördert?

Weil sie geochemisch ähnliches Verhalten zeigen und sich in denselben sulfidischen Schmelzen anreichern. Sie kommen deshalb in denselben Erzkörpern vor.

Kann man in Rhodium oder Iridium investieren?

Grundsätzlich ja, praktisch ist es für Privatanleger kaum sinnvoll. Es fehlen standardisierte Produkte und liquide Rückkaufmärkte, die Handelsspannen sind sehr breit.

Sind alle PGM mehrwertsteuerpflichtig?

Ja, in Deutschland fallen beim physischen Kauf 19 Prozent an. Nur Anlagegold ist von der Umsatzsteuer befreit.

Welches PGM profitiert am meisten von der Wasserstoffwirtschaft?

Platin und Iridium. Beide werden in Elektrolyseuren und Brennstoffzellen eingesetzt. Palladium spielt dort eine kleinere Rolle, ist dafür in Reinigungsmembranen konkurrenzlos.

Fazit

Die Platingruppenmetalle sind ein Paket, kein Sortiment. Sie entstehen zusammen, werden zusammen gefördert, mühsam getrennt und ersetzen einander teilweise in denselben Anwendungen.

Für Anleger folgt daraus zweierlei. Erstens: Wer Palladium hält, sollte auch wissen, was bei Platin geschieht – die Substitution zwischen beiden ist der wichtigste Preistreiber der vergangenen Jahre. Zweitens: Von den sechs Metallen kommen praktisch nur zwei für eine Anlage infrage. Die übrigen sind faszinierende Werkstoffe, aber keine geeigneten Anlageobjekte für Privatanleger.

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