Seltene Erden sind in den letzten Jahren immer häufiger in den Nachrichten. Sie gelten als unverzichtbar für die Energiewende und die Digitalisierung, und China beherrscht einen großen Teil ihrer Förderung und Verarbeitung. Wenn China den Export einschränkt, schlagen Regierungen und Industrie Alarm. Für Anleger klingt das verlockend: knappe, strategisch wichtige Rohstoffe mit wachsender Nachfrage. Manche Anbieter verkaufen deshalb physische Seltene Erden an Privatanleger, teils mit dem Versprechen, sie seien das „Gold der Zukunft“.

Dieser Artikel erklärt, was Seltene Erden sind, warum sie wichtig sind, wie sie sich von Gold und Silber unterscheiden und warum sie für Privatanleger in aller Regel keine sinnvolle Anlage sind.

Was Seltene Erden sind

Zu den Seltenen Erden, auch Seltenerdmetalle genannt, zählen 17 chemische Elemente: die 15 Lanthanoide von Lanthan bis Lutetium sowie Scandium und Yttrium. Bekannte Vertreter sind Neodym, Praseodym, Dysprosium, Terbium, Europium, Cer und Lanthan.

Der Name ist irreführend. Viele Seltene Erden sind in der Erdkruste gar nicht besonders selten, manche kommen häufiger vor als Blei oder Kupfer. Selten sind aber abbauwürdige Lagerstätten mit hohen Konzentrationen. Zudem kommen die Elemente meist gemeinsam in Erzen vor und müssen in aufwendigen chemischen Verfahren voneinander getrennt werden. Diese Trennung ist teuer, energieintensiv und mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden.

Wofür Seltene Erden gebraucht werden

Element Wichtige Anwendungen
Neodym, Praseodym Permanentmagnete in Elektromotoren, Windkraftanlagen, Lautsprechern, Festplatten
Dysprosium, Terbium Zusatz in Hochleistungsmagneten für hohe Temperaturen
Cer Polierpulver, Katalysatoren, Glasherstellung
Lanthan Batterien, optische Gläser, Katalysatoren in Raffinerien
Europium, Yttrium Leuchtstoffe in Bildschirmen und LEDs

Besonders wichtig sind die starken Permanentmagnete aus Neodym, Eisen und Bor. Sie stecken in den Motoren vieler Elektroautos, in Windkraftgeneratoren, in Industrierobotern und in zahllosen elektronischen Geräten. Mit dem Ausbau der Elektromobilität und der erneuerbaren Energien wächst die Nachfrage nach diesen Metallen.

Die Dominanz Chinas

China ist bei Seltenen Erden der mit Abstand wichtigste Akteur. Das Land fördert den größten Teil der weltweiten Menge und kontrolliert einen noch größeren Anteil der Trennung und Weiterverarbeitung, nach verschiedenen Schätzungen deutlich über drei Viertel der Verarbeitungskapazitäten. Auch bei der Herstellung von Permanentmagneten ist China führend.

Diese Konzentration macht Seltene Erden zu einem geopolitischen Thema. China hat in der Vergangenheit mehrfach Exportquoten und Exportkontrollen genutzt. Die USA, die EU, Japan und Australien versuchen deshalb, eigene Lieferketten aufzubauen. Die EU hat mit dem Gesetz über kritische Rohstoffe Ziele für eigene Förderung, Verarbeitung und Recycling festgelegt.

Der entscheidende Unterschied zu Gold und Silber

So wichtig Seltene Erden für die Industrie sind, als Wertanlage für Privatpersonen unterscheiden sie sich grundlegend von Edelmetallen:

Merkmal Gold und Silber Seltene Erden
Rolle Wertaufbewahrung, Schmuck, Industrie reine Industrierohstoffe
Preisbildung transparente Börsen- und Spotpreise, weltweit einheitlich keine Börse, Preise über Fachdienste und Einzelverträge
Standardisierung genormte Barren und Münzen mit bekannten Feingehalten unterschiedliche Formen, Reinheiten, Oxide und Metalle
Liquidität Ankauf bei jedem Edelmetallhändler nur wenige spezialisierte Käufer
Lagerfähigkeit unbegrenzt, korrosionsbeständig teils reaktiv, oxidieren, besondere Lagerung nötig
Umsatzsteuer in Deutschland Anlagegold steuerfrei regulärer Satz beim Kauf
Nachfrage von Zentralbanken ja, beim Gold nein
Fälschungsprüfung etablierte Prüfverfahren aufwendige Laboranalyse nötig

Gold ist ein monetäres Metall. Es wird weltweit als Wertspeicher akzeptiert, von Zentralbanken gehalten und lässt sich an fast jedem Ort zu einem transparenten Preis verkaufen. Seltene Erden sind dagegen Vorprodukte der Industrie. Ihr Wert hängt vollständig von der industriellen Nachfrage ab, und es gibt keinen breiten Markt, auf dem Privatanleger kleine Mengen verkaufen können.

Die praktischen Probleme für Privatanleger

Fehlende Preistransparenz

Für Seltene Erden gibt es keinen öffentlichen Börsenpreis wie für Gold. Preise werden von Fachdiensten erhoben, die meist kostenpflichtig sind, und beziehen sich auf große Mengen in bestimmten Reinheiten. Für Privatanleger ist kaum nachvollziehbar, ob ein Kauf- oder Verkaufspreis fair ist.

Hohe Aufschläge und Umsatzsteuer

Anbieter, die Seltene Erden an Privatkunden verkaufen, kalkulieren oft hohe Aufschläge für Konfektionierung, Lagerung und Vertrieb. Hinzu kommt die Umsatzsteuer. Ein Anleger muss damit eine erhebliche Preissteigerung abwarten, nur um seinen Einstand zurückzuerhalten.

Lagerung

Viele Seltene Erden reagieren mit Luft und Feuchtigkeit. Sie werden deshalb häufig als Oxide oder in Schutzgasverpackungen gelagert. Anbieter lagern sie meist in Zolllagern, was laufende Kosten verursacht.

Schwieriger Wiederverkauf

Das größte Problem ist der Verkauf. Industriebetriebe kaufen Seltene Erden in großen Mengen direkt bei Produzenten und Händlern, nicht bei Privatpersonen. Wer einige Kilogramm Neodym oder Dysprosium besitzt, findet oft nur den ursprünglichen Anbieter als Käufer, der dann den Preis bestimmt.

Warnung vor unseriösen Angeboten

In Deutschland gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Anbieter, die Seltene Erden, Technologiemetalle und strategische Metalle an Privatanleger verkauften. Einige davon gerieten in die Kritik, weil Preise intransparent waren, Rückkaufversprechen nicht eingehalten wurden oder Unternehmen insolvent wurden. Verbraucherschützer und die Finanzaufsicht haben wiederholt vor solchen Angeboten gewarnt.

Typische Warnsignale:

  • Versprechen hoher Renditen oder garantierter Wertsteigerungen,
  • Telefonanrufe oder Werbung ohne vorherigen Kontakt,
  • Lagerung nur beim Anbieter oder bei einem verbundenen Unternehmen,
  • Rückkauf nur durch den Anbieter selbst,
  • fehlende unabhängige Preisangaben,
  • Druck zu schneller Entscheidung.

Wer solche Angebote erhält, sollte sehr vorsichtig sein. Ähnliche Muster gibt es auch bei weniger bekannten Platinmetallen. Einen Vergleich dieser Metalle gibt der Artikel Iridium, Platin, Palladium, Rhodium und Ruthenium im Vergleich.

Sinnvollere Wege, vom Thema zu profitieren

Wer an die wachsende Bedeutung Seltener Erden glaubt, hat bessere Möglichkeiten als den Kauf physischer Metalle:

Aktien von Bergbau- und Verarbeitungsunternehmen. Börsennotierte Unternehmen, die Seltene Erden fördern oder verarbeiten, sind täglich handelbar und unterliegen Transparenzpflichten. Sie schwanken allerdings stark und tragen unternehmerische und politische Risiken.

Themen-ETFs. Börsengehandelte Fonds bündeln mehrere Unternehmen aus dem Bereich Seltene Erden und strategische Metalle. Das verteilt das Risiko auf mehrere Firmen, ändert aber nichts an der hohen Schwankungsbreite.

Edelmetalle mit Industriebezug. Silber, Platin und Palladium haben ebenfalls wichtige industrielle Anwendungen, etwa in Solarzellen, Katalysatoren und Brennstoffzellen, und sind gleichzeitig als physische Anlage etabliert. Mehr dazu in den Ratgebern Silber: industrielle Nachfrage und Platin: industrielle Nachfrage.

Recycling und Ersatzstoffe

Ein weiterer Unterschied zu Gold betrifft die langfristige Nachfrage. Industrie und Forschung arbeiten intensiv daran, den Bedarf an Seltenen Erden zu senken. Hersteller von Elektromotoren entwickeln Magnete mit weniger Dysprosium oder setzen auf Motorenkonzepte ganz ohne Permanentmagnete. Gleichzeitig werden Verfahren aufgebaut, um Seltene Erden aus alten Magneten, Festplatten und Motoren zurückzugewinnen. Gelingt das in großem Maßstab, kann die Nachfrage nach neu gefördertem Material langsamer wachsen als erwartet.

Auch das Angebot ist nicht starr. Hohe Preise machen neue Lagerstätten in Australien, Nordamerika, Afrika oder Europa wirtschaftlich interessant. Mehrere Projekte befinden sich in Entwicklung. Für Anleger bedeutet das: Die Preise Seltener Erden können stark schwanken, sowohl nach oben bei Lieferengpässen als auch nach unten, wenn neue Kapazitäten hinzukommen oder Technologien sich ändern.

Gold ist von solchen technologischen Verschiebungen weitgehend unabhängig. Seine Nachfrage beruht auf seiner Rolle als Wertspeicher, als Schmuckmetall und als Reserve der Zentralbanken, nicht auf einer bestimmten Technologie, die durch eine andere ersetzt werden könnte.

Häufige Fragen

Kann ich Seltene Erden wie Gold im Schließfach lagern? Technisch ist das möglich, aber viele Seltene Erden reagieren mit Luft und Feuchtigkeit. Sie werden deshalb meist als Oxid oder in versiegelten Verpackungen gehandelt, und ein späterer Käufer verlangt in der Regel eine Laboranalyse.

Gibt es Barren oder Münzen aus Seltenen Erden? Vereinzelt werden kleine Barren oder Sammlerstücke angeboten. Sie sind jedoch eher Kuriositäten und haben keinen etablierten Wiederverkaufsmarkt.

Gold als ruhender Pol

Gold verfolgt einen anderen Zweck als Seltene Erden. Es ist keine Wette auf eine bestimmte Technologie, sondern ein Wertspeicher, der unabhängig von Industriekonjunkturen, Unternehmen und Staaten funktioniert. Die industrielle Nachfrage macht beim Gold nur einen kleinen Teil aus, wie der Ratgeber Gold in Industrie und Technik zeigt. Gerade diese Unabhängigkeit macht Gold zu einem Stabilisator im Portfolio. Wie viel Gold sinnvoll ist, beschreibt der Ratgeber Wie viel Gold ins Portfolio.

Fazit

Seltene Erden sind 17 Metalle, die für Permanentmagnete, Elektromobilität, Windkraft und Elektronik unverzichtbar sind. China dominiert Förderung und vor allem Verarbeitung, was sie zu einem geopolitischen Thema macht. Für Privatanleger eignen sie sich als physische Anlage aber kaum: Es fehlen transparente Börsenpreise, standardisierte Produkte und ein breiter Ankaufsmarkt, beim Kauf fällt Umsatzsteuer an, und die Lagerung ist aufwendig. Immer wieder gab es unseriöse Angebote mit Verlusten für Anleger. Wer vom Thema profitieren möchte, greift eher zu Aktien oder ETFs. Gold bleibt dagegen der etablierte Wertspeicher mit transparentem Preis und weltweiter Liquidität. Den aktuellen Goldpreis finden Sie auf der Seite Goldpreis.