Dubai ist eines der wichtigsten Goldhandelszentren der Welt. Große Mengen Gold aus Afrika, Asien und anderen Regionen werden hier gehandelt, raffiniert und weiterverkauft. Für Touristen ist vor allem der traditionelle Gold Souk im Stadtteil Deira ein Erlebnis: Hunderte Juweliergeschäfte mit Schaufenstern voller Ketten, Armreifen und Brautschmuck. Viele Urlauber fragen sich, ob sie in Dubai günstiger Gold kaufen können als in Deutschland.

Die Antwort hängt davon ab, was Sie kaufen, wie gut Sie verhandeln und vor allem, wie Sie mit Mehrwertsteuer und Zoll umgehen. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Punkte.

Wie die Goldpreise in Dubai funktionieren

In Dubai werden die Goldpreise täglich für die verschiedenen Feingehalte veröffentlicht, meist pro Gramm in VAE-Dirham. Die Preise gelten als Richtwert für die Juweliere der Stadt und orientieren sich am internationalen Goldpreis.

Feingehalt Goldanteil Typische Verwendung in Dubai
24 Karat 99,9 % Barren, Münzen, einige Schmuckstücke
22 Karat 91,6 % traditioneller Schmuck, besonders für indische Kundschaft
21 Karat 87,5 % Schmuck für arabische Kundschaft
18 Karat 75,0 % Schmuck mit Steinen, westliches Design

Weil die Tagespreise öffentlich bekannt sind, ist der Materialwert für Käufer transparent. Der eigentliche Preisunterschied zwischen den Geschäften liegt im Arbeitslohn. Mehr zu den hohen Feingehalten in den Ratgebern 21 Karat Gold und Türkisches Gold 22 Ayar.

Making Charges: der Arbeitslohn

Zum Goldpreis kommen bei Schmuck sogenannte Making Charges hinzu, also der Aufschlag für Design und Verarbeitung. Sie werden meist pro Gramm oder als Pauschalbetrag angegeben. Bei schlichten Ketten und Armreifen sind sie vergleichsweise niedrig, bei aufwendigen Designs, Handarbeit und Markenschmuck deutlich höher.

Die Making Charges sind in vielen Geschäften verhandelbar. Gute Verhandlungsstrategien:

  • mehrere Geschäfte vergleichen,
  • den Goldpreis pro Gramm und die Making Charges getrennt ausweisen lassen,
  • bei größeren Käufen nach Rabatt auf die Making Charges fragen,
  • sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Wichtig: Beim späteren Verkauf erhalten Sie die Making Charges nicht zurück. Ein Händler in Deutschland bezahlt nur das Material.

Barren und Münzen

Neben Schmuck werden in Dubai auch Goldbarren und Münzen verkauft, etwa Barren lokaler und internationaler Raffinerien. Die Aufschläge auf den Goldpreis sind bei kleinen Barren ähnlich wie in Deutschland. Ein wesentlicher Preisvorteil gegenüber deutschen Händlern ist bei Barren und Münzen oft nicht gegeben, weil Anlagegold auch in Deutschland umsatzsteuerfrei ist und die Händlerspannen bei großen Anbietern gering sind.

Achten Sie bei Barren auf anerkannte Hersteller. Barren unbekannter lokaler Raffinerien können beim Wiederverkauf in Deutschland schwerer zu verkaufen sein. Mehr zur Bedeutung von Herstellern im Ratgeber LBMA Good Delivery Barren.

Mehrwertsteuer in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Seit 2018 gibt es in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Mehrwertsteuer von 5 Prozent. Für Gold gelten Sonderregeln: Anlagegold mit sehr hohem Feingehalt ist unter bestimmten Bedingungen von der Steuer ausgenommen oder mit null Prozent besteuert, Schmuck unterliegt dagegen grundsätzlich der Mehrwertsteuer.

Touristen können sich die Mehrwertsteuer auf Einkäufe bei teilnehmenden Geschäften unter bestimmten Voraussetzungen erstatten lassen. Dazu muss das Geschäft am Erstattungssystem für Touristen teilnehmen, der Einkauf registriert werden und die Erstattung vor der Ausreise am Flughafen beantragt werden. Bei Schmuck bezieht sich die Erstattung nach den geltenden Regeln teils nur auf bestimmte Bestandteile des Preises. Fragen Sie beim Kauf nach, wie die Erstattung im konkreten Fall funktioniert.

Die Einreise nach Deutschland: Zoll und Einfuhrumsatzsteuer

Hier entscheidet sich, ob sich der Kauf lohnt. Bei der Einreise aus einem Land außerhalb der EU gelten Freimengen für Reisemitbringsel. Für Flugreisende liegt die Freimenge bei 430 Euro pro Person für Waren, die nicht unter besondere Regelungen fallen. Goldschmuck über diesem Wert muss beim Zoll angemeldet werden.

Für Waren über der Freimenge fallen an:

  • Zoll: Für Schmuck aus Edelmetall gilt ein Zollsatz im niedrigen einstelligen Prozentbereich, abhängig von der Warenart.
  • Einfuhrumsatzsteuer: 19 Prozent auf den Warenwert einschließlich Zoll.

Anlagegold, also Goldbarren mit mindestens 995 Promille und bestimmte Goldmünzen, ist von der Einfuhrumsatzsteuer befreit. Für Goldschmuck gilt diese Befreiung nicht.

Zusätzlich gilt: Wer Barmittel im Wert von 10.000 Euro oder mehr in die EU einführt, muss diese schriftlich anmelden. Zu den anmeldepflichtigen Barmitteln zählen nach den EU-Regeln auch bestimmte Formen von Gold mit hohem Goldgehalt, etwa Barren und Goldmünzen. Wer anmeldepflichtiges Gold nicht anmeldet, riskiert ein Bußgeld. Ausführliche Hinweise gibt der Ratgeber Gold einführen: Zoll in Deutschland.

Wer Schmuck nicht anmeldet und im roten Ausgang nicht vorzeigt, begeht unter Umständen eine Steuerhinterziehung. Neben der Nachzahlung drohen Zuschläge und Strafverfahren. Der Weg durch den grünen Ausgang mit nicht angemeldetem Gold über der Freimenge ist deshalb keine gute Idee.

Ein Rechenbeispiel

Die folgenden Zahlen sind angenommene, vereinfachte Werte. Angenommen, Sie kaufen in Dubai eine 22-karätige Kette mit 20 Gramm. Der Goldwert beträgt 20 × 0,916 × 100 Euro = 1.832 Euro. Hinzu kommen Making Charges von 150 Euro. Der Kaufpreis beträgt 1.982 Euro zuzüglich der Mehrwertsteuer der VAE, die Sie sich teilweise erstatten lassen.

Bei der Einreise nach Deutschland melden Sie die Kette an. Wichtig: Die Freimenge lässt sich nicht auf einen einzelnen Gegenstand anrechnen, dessen Wert sie übersteigt. Liegt der Wert einer Kette über 430 Euro, wird der volle Wert verzollt und versteuert. Bei einem angenommenen Zollsatz von 2,5 Prozent fallen auf 1.982 Euro rund 50 Euro Zoll an. Die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent wird auf Warenwert plus Zoll berechnet, also auf rund 2.032 Euro, und beträgt rund 386 Euro. Die Kette kostet Sie dann insgesamt rund 2.418 Euro, ohne verbleibende Steuer der VAE.

Ob das günstiger ist als ein vergleichbares Stück in Deutschland, hängt vom deutschen Angebot ab. 22-karätiger Schmuck ist in Deutschland bei spezialisierten Juwelieren erhältlich, wird dort aber ebenfalls mit Umsatzsteuer verkauft. Der Preisvorteil in Dubai liegt vor allem in niedrigeren Making Charges und größerer Auswahl, nicht im Gold selbst.

Echtheit und Qualität

Dubai hat ein staatlich überwachtes System zur Prüfung von Goldschmuck. Die Geschäfte im Gold Souk und in den großen Einkaufszentren gelten als vergleichsweise zuverlässig. Trotzdem sollten Sie:

  • in etablierten Geschäften kaufen,
  • eine Rechnung mit Gewicht, Feingehalt, Goldpreis und Making Charges verlangen,
  • auf Punzen achten,
  • bei Straßenhändlern, die außerhalb von Geschäften Gold oder Uhren anbieten, nicht kaufen.

Die Rechnung ist auch für die Zollanmeldung und den späteren Verkauf in Deutschland wichtig. Wie Sie Punzen lesen, erklärt der Ratgeber Goldpunzen lesen.

Häufige Fragen

Kann ich den Goldpreis in Dubai vor dem Kauf prüfen? Ja. Die Tagespreise für die verschiedenen Feingehalte werden veröffentlicht und hängen in vielen Geschäften aus. Rechnen Sie den Preis pro Gramm in Euro um und vergleichen Sie ihn mit dem internationalen Goldpreis mal dem Feingehalt.

Lohnt sich der Kauf von 24-karätigen Barren in Dubai für Anleger? Meist nicht. Barren werden in Dubai zu ähnlichen Aufschlägen wie in Deutschland verkauft, und bei der Einreise ab 10.000 Euro ist eine Barmittelanmeldung nötig. In Deutschland ist Anlagegold ohnehin umsatzsteuerfrei.

Was passiert, wenn ich Schmuck nicht beim Zoll anmelde? Wird nicht angemeldeter Schmuck über der Freimenge entdeckt, werden Zoll und Einfuhrumsatzsteuer nachgefordert, häufig mit Zuschlägen. Zusätzlich kann ein Steuerstrafverfahren eingeleitet werden. Der Schmuck kann bis zur Klärung einbehalten werden.

Kann ich in Dubai gekauften Schmuck später in Deutschland verkaufen? Ja. Edelmetallhändler und Goldankäufer bewerten ihn nach Gewicht und Feingehalt. Die Making Charges erhalten Sie dabei nicht zurück. Bewahren Sie die Rechnung und den Zollbeleg auf.

Für wen sich der Kauf lohnt

  • Für Schmuckliebhaber: Wer hochkarätigen Schmuck in einer großen Auswahl sucht und gerne verhandelt, findet in Dubai attraktive Angebote.
  • Für Geschenke und Erinnerungen: Ein Schmuckstück aus dem Gold Souk ist ein besonderes Souvenir.
  • Für Anleger eher nicht: Wer vor allem Gold als Wertanlage kaufen möchte, findet in Deutschland Barren und Anlagemünzen ohne Umsatzsteuer und ohne Zollaufwand. Hinweise gibt der Ratgeber Goldbarren kaufen: welche Größe?.

Fazit

In Dubai lässt sich Gold in großer Auswahl und zu transparenten Tagespreisen kaufen, vor allem im Gold Souk in Deira. Der Goldwert selbst ist nicht günstiger als anderswo, Unterschiede entstehen vor allem bei den verhandelbaren Making Charges. In den Vereinigten Arabischen Emiraten fällt auf Schmuck eine Mehrwertsteuer von 5 Prozent an, die sich Touristen teilweise erstatten lassen können. Bei der Einreise nach Deutschland gilt für Flugreisende eine Freimenge von 430 Euro. Darüber fallen auf Schmuck Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer an, und Gold ab 10.000 Euro muss als Barmittel angemeldet werden. Für Schmuckliebhaber kann sich der Kauf lohnen, für reine Anleger ist der Kauf von Anlagegold in Deutschland meist einfacher und günstiger. Den aktuellen Goldpreis finden Sie auf der Seite Goldpreis.