Wer zum ersten Mal Gold kauft oder einen geerbten Ring verkaufen möchte, stößt schnell auf eine eigene Fachsprache. Händler sprechen vom „Aufgeld“, Analysten vom „Fixing“, auf Barren steht „999,9“ und auf dem Ring „585“. Viele Missverständnisse beim Gold entstehen nicht durch fehlendes Interesse, sondern durch Begriffe, die niemand erklärt.
Dieses Glossar sammelt die Begriffe, die Ihnen beim Kauf, Verkauf und bei der Lagerung von Gold am häufigsten begegnen. Es ist alphabetisch sortiert, erklärt jeden Begriff in wenigen Sätzen und verweist dort, wo es sinnvoll ist, auf ausführlichere Ratgeber. Für Silber und Platin gibt es eigene Glossare: das Silber-Glossar und das Platin-Glossar.
A wie Agio bis Au
Agio (Aufgeld): Der Betrag, den Sie beim Kauf über dem reinen Materialwert bezahlen. Er deckt Herstellung, Prägung, Logistik und die Händlermarge. Kleine Barren und Münzen haben ein höheres Aufgeld als große Barren. Ausführlich erklärt im Ratgeber zum Gold-Aufgeld.
Altgold: Sammelbegriff für Gold, das nicht mehr als Schmuck oder Anlageprodukt genutzt wird: alte Ringe, Ketten, Zahngold, beschädigte Stücke. Altgold wird nach Gewicht und Feingehalt bewertet und in der Regel eingeschmolzen.
Anlagegold: Ein steuerrechtlicher Begriff. Gemeint sind Goldbarren mit einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendstel sowie bestimmte Goldmünzen mit mindestens 900 Tausendstel, die nach 1800 geprägt wurden, gesetzliches Zahlungsmittel sind oder waren und üblicherweise nahe am Materialwert gehandelt werden. Anlagegold ist in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit.
Ankaufspreis: Der Preis, zu dem ein Händler Gold von Ihnen zurückkauft. Er liegt unter dem Verkaufspreis desselben Händlers. Die Differenz heißt Spread.
Au: Das chemische Symbol für Gold, abgeleitet vom lateinischen „aurum“. Ordnungszahl 79.
B wie Barren bis Briefkurs
Barren: Ein Goldstück in Barrenform, entweder gegossen oder geprägt. Barren gibt es von 1 Gramm bis zum rund 12,5 Kilogramm schweren Good-Delivery-Barren des Großhandels.
Briefkurs: Der Preis, zu dem ein Marktteilnehmer bereit ist zu verkaufen (englisch „ask“). Gegenstück ist der Geldkurs.
Bruchgold: Beschädigter oder zerbrochener Goldschmuck. Für die Bewertung spielt der Zustand keine Rolle, entscheidend sind Gewicht und Feingehalt.
D wie Doublé bis Dukat
Doublé: Ein unedles Grundmetall, auf das eine dünne Goldschicht mechanisch aufgebracht wurde. Doublé sieht aus wie Gold, hat aber nur einen sehr geringen Goldanteil und wird von Ankäufern meist nicht oder nur symbolisch vergütet.
Dukat: Historische Goldmünze, heute vor allem als österreichische Nachprägung mit einem Feingehalt von 986 Tausendstel bekannt.
F wie Feingehalt bis Fixing
Feingehalt: Der Anteil reinen Goldes an einer Legierung, angegeben in Tausendstel. „585“ bedeutet 585 von 1.000 Teilen sind Gold, also 58,5 Prozent. Eine Übersicht aller Stufen bietet die Feingehalt- und Karat-Tabelle.
Feingewicht: Das Gewicht des reinen Goldes in einem Stück. Ein Ring mit 10 Gramm aus 585er Gold enthält 10 × 0,585 = 5,85 Gramm Feingold.
Feingold: Gold mit einem Feingehalt von mindestens 999 Tausendstel, auch „24 Karat“ genannt.
Feinunze: Die Gewichtseinheit im Edelmetallhandel. Eine Feinunze (Troy-Unze, oz t) entspricht 31,1034768 Gramm. Mehr zur Umrechnung unter Feinunze in Gramm.
Fixing: Ein festgestellter Referenzpreis. Beim Gold wird der LBMA Gold Price zweimal täglich in London ermittelt. Wie das funktioniert, erklärt der Ratgeber Wie entsteht der Goldpreis.
G wie Geldkurs bis Gramm
Geldkurs: Der Preis, zu dem ein Marktteilnehmer bereit ist zu kaufen (englisch „bid“).
Goldsparplan: Regelmäßiger Kauf kleiner Goldmengen, meist monatlich, oft mit Lagerung beim Anbieter. Funktionsweise und Kosten erklärt der Ratgeber Was ist ein Goldsparplan.
Good Delivery: Ein Standard der London Bullion Market Association für Großbarren, die im internationalen Großhandel akzeptiert werden. Ein Good-Delivery-Goldbarren wiegt zwischen 350 und 430 Feinunzen und hat mindestens 995 Tausendstel Feingehalt.
K wie Karat bis Krügerrand
Karat: Alte Angabe des Feingehalts in 24 Teilen. 24 Karat entsprechen Feingold, 18 Karat entsprechen 750 Tausendstel, 14 Karat entsprechen 585 Tausendstel. Nicht zu verwechseln mit dem Karat als Gewichtseinheit für Edelsteine (0,2 Gramm).
Kilobarren: Goldbarren mit einem Kilogramm Gewicht. Er hat das niedrigste Aufgeld pro Gramm unter den gängigen Privatanleger-Barren.
Krügerrand: Südafrikanische Goldmünze, seit 1967 geprägt, aus 916,7er Gold. Die Ein-Unzen-Münze wiegt rund 33,93 Gramm und enthält genau eine Feinunze Gold.
L wie LBMA bis Legierung
LBMA: Die London Bullion Market Association ist der Branchenverband des Londoner Edelmetall-Großhandels. Sie legt Standards für Barren und Raffinerien fest und organisiert das Gold- und Silberpreis-Fixing.
Legierung: Mischung aus Gold und anderen Metallen wie Silber, Kupfer, Palladium oder Zink. Legierungen machen Gold härter und verändern die Farbe, etwa zu Rotgold oder Weißgold.
M bis P
Mehrwertsteuer: Auf Anlagegold fällt in Deutschland keine Umsatzsteuer an, auf Goldschmuck, Goldmedaillen und Sammlermünzen dagegen schon.
Münzbarren (geprägter Barren): Ein Barren, der aus einem Goldstreifen ausgestanzt und anschließend geprägt wird. Geprägte Barren haben scharfe Kanten und eine glänzende Oberfläche, gegossene Barren sind etwas rauer.
Punze (Punzierung): Eingeschlagener Stempel auf Schmuck oder Barren, der den Feingehalt oder den Hersteller angibt. Wie Sie Punzen lesen, erklärt der Ratgeber Goldpunzen lesen.
Polierte Platte (PP): Besonders sorgfältige Prägequalität bei Münzen mit spiegelndem Feld und mattem Motiv. Für Sammler interessant, für den reinen Goldwert unerheblich.
R bis S
Raffinerie (Scheideanstalt): Betrieb, der Altgold und Rohgold einschmilzt, chemisch trennt und zu Feingold verarbeitet.
Schmelzwert: Der reine Materialwert eines Goldstücks, also Feingewicht mal Goldpreis. Ankäufer zahlen in der Regel etwas weniger als den Schmelzwert.
Spekulationsfrist: Die Haltedauer von einem Jahr, nach der Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold in Deutschland für Privatpersonen steuerfrei sind. Details im Ratgeber Goldverkauf nach einem Jahr.
Spotpreis: Der aktuelle Großhandelspreis für Gold zur sofortigen Lieferung, meist in US-Dollar je Feinunze angegeben. Den aktuellen Wert in Euro zeigt die Seite Goldpreis.
Spread: Die Differenz zwischen Verkaufs- und Ankaufspreis eines Händlers. Je kleiner der Spread, desto günstiger ist der Handel für Sie.
T bis Z
Tafelbarren: Ein Barren, der aus vielen kleinen, abbrechbaren Einheiten besteht, etwa 50 × 1 Gramm. Bekanntestes Beispiel ist die Valcambi CombiBar.
Tafelgeschäft: Kauf oder Verkauf von Edelmetall gegen Barzahlung am Schalter. Bis zur Grenze von unter 2.000 Euro ist dies in Deutschland ohne Identitätsfeststellung möglich, siehe Tafelgeschäft.
Troy-Unze: Anderer Name für die Feinunze. Der Name geht auf die französische Stadt Troyes zurück, einen mittelalterlichen Handelsplatz.
Weißgold: Goldlegierung mit hellen Metallen wie Palladium oder Silber. Weißgoldschmuck ist häufig zusätzlich rhodiniert.
XAU: Der internationale Währungscode für eine Feinunze Gold. Der Unterschied zwischen dem Börsenkürzel und physischem Gold ist im Ratgeber XAU vs. physisches Gold erklärt.
Zollfreilager: Lager unter Zollaufsicht, in dem Waren ohne Erhebung von Einfuhrabgaben gelagert werden können. Für Gold weniger relevant als für Silber oder Platin, auf die Mehrwertsteuer anfällt.
Begriffe, die oft verwechselt werden
Drei Paare sorgen in der Praxis besonders häufig für Missverständnisse:
| Begriff | Wird verwechselt mit | Unterschied |
|---|---|---|
| Feingehalt | Feingewicht | Feingehalt ist ein Anteil (z. B. 585), Feingewicht eine Masse (z. B. 5,85 g) |
| Karat (Gold) | Karat (Edelstein) | Beim Gold ein Anteil in 24 Teilen, beim Edelstein eine Gewichtseinheit |
| Spotpreis | Händlerpreis | Der Spotpreis ist ein Großhandelspreis, Händler verkaufen darüber und kaufen darunter |
| Unze | Feinunze | Die Handelsunze (28,35 g) ist leichter als die Feinunze (31,10 g) |
Gerade die Verwechslung von Unze und Feinunze führt zu Rechenfehlern: Wer mit 28,35 Gramm statt mit 31,10 Gramm rechnet, unterschätzt den Wert einer Unzenmünze um fast zehn Prozent.
Wie Sie das Glossar nutzen
Wenn Ihnen in einem Angebot ein Begriff unklar ist, lohnt sich ein kurzer Blick hierher, bevor Sie unterschreiben oder Geld überweisen. Fragen Sie im Zweifel beim Händler nach, was genau mit einem Begriff gemeint ist. Seriöse Anbieter erklären ihre Preisbestandteile ohne Umschweife. Wenn Sie den Wert eines konkreten Stücks berechnen möchten, hilft der Goldwert-Rechner, der Feingehalt und Gewicht berücksichtigt.




