Gold und Palladium gehören beide zu den wertvollsten Edelmetallen, verfolgen im Portfolio eines Anlegers jedoch grundverschiedene Zwecke. Während Gold die traditionsreichste Währungsreserve der Menschheit darstellt, ist Palladium ein extremes Industriemetall mit hoher Preisvolatilität.
Marktfunktion: Weltwährung vs. Industrie-Katalysator
Gold dient seit Jahrtausenden als Wertaufbewahrungsmittel. Über 90 % der Nachfrage entfallen auf Schmuck, Barren, Münzen und die Währungsreserven weltweiter Zentralbanken. Nur ein Bruchteil wird industriell verbraucht.
Palladium hingegen ist zu über 80 % an die globale Automobilindustrie gekoppelt. Es wird primär in Abgaskatalysatoren für Benzin- und Hybridfahrzeuge eingesetzt, um schädliche Kohlenmonoxide und Kohlenwasserstoffe zu neutralisieren.
Förderkonzentration und geopolitische Risiken
Die weltweite Goldförderung ist geographisch stark diversifiziert (China, Australien, Russland, Kanada, USA, Westafrika). Lokale Förderausfälle können den Weltmarkt kaum erschüttern.
Palladium leidet unter einer extremen Klumpenbildung: Rund 40 % der weltweiten Minenproduktion stammen aus Russland (Norilsk Nickel) und weitere 35 % aus Südafrika. Handelsbeschränkungen, Sanktionen oder Minenstreiks führten in der Vergangenheit zu extremen Preissprüngen (wie dem Allzeithoch von über 3.000 USD im Frühjahr 2022).
Liquidität und Besteuerung in Deutschland
Der Goldmarkt ist der mit Abstand liquideste Edelmetallmarkt der Welt. Anlagegold in Form von Barren und Münzen ist in Deutschland und der EU nach § 25c UStG komplett von der Mehrwertsteuer befreit.
Palladiumbarren und -münzen unterliegen in Deutschland dem regulären Mehrwertsteuersatz von 19 %, sofern sie physisch ausgeliefert werden. Für Privatanleger lohnt sich der Kauf von physischem Palladium daher meist nur über ein zollfreies Wertlager (z. B. in der Schweiz), um den Mehrwertsteueraufschlag legal zu vermeiden. Beide Metalle können nach einer Haltedauer von mindestens einem Jahr nach § 23 EStG einkommensteuerfrei veräußert werden.
Fazit: Welches Metall für welche Strategie?
Gold ist das Fundament zur langfristigen Absicherung der Kaufkraft und zum Schutz vor System- und Inflationskrisen. Palladium ist eine zyklische Beimischung für erfahrene Anleger, die von industriellen Engpässen oder Angebotsverknappungen profitieren wollen, aber die damit verbundene Kursschwankung tolerieren können.