Das Wichtigste in Kürze
- Zahngold trägt keine Punze – der Feingehalt lässt sich nicht ablesen und muss per Analyse bestimmt werden.
- Dentales Gold ist oft hochgoldhaltig (bis 900 Tausendteile), aber die Legierung variiert stark.
- Bewertung in vier Schritten: sammeln, wiegen, Feingehalt analysieren lassen, Materialwert mit Tageskurs berechnen.
- Verkaufen Sie nur an seriöse Ankäufer mit transparenter Analyse – vergleichen Sie mehrere Angebote.
Was ist Zahngold überhaupt?
Zahngold und Ethik: Was passiert mit dem Erlös?
Viele Patienten fragen sich, was mit ihrem alten Zahngold geschieht, wenn sie es in der Praxis lassen. Die gute Nachricht: In den meisten Zahnarztpraxen wird Zahngold treuhänderisch gesammelt und – mit Ihrem Einverständnis – einer Scheideanstalt zugeführt. Der Erlös fließt häufig karitativen Projekten zu, etwa der Versorgung bedürftiger Patienten oder internationalen Hilfsprojekten. Fragen Sie in Ihrer Praxis gezielt nach, was mit dem Material geschieht, wenn Sie es nicht selbst mitnehmen möchten.
Rechtlich gehört das entnommene Zahngold grundsätzlich Ihnen als Patient – es ist Ihr Eigentum. Die Praxis darf es nur mit Ihrer Zustimmung verwerten oder spenden. Lassen Sie sich im Zweifel eine kurze Bestätigung geben, wenn Sie das Material in der Praxis belassen.
Häufige Fehler bei der Zahngold-Bewertung
- Pauschalpreis ohne Analyse akzeptieren: Ein Angebot „X Euro pro Gramm“ ohne Feingehaltsbestimmung ist unseriös – bestehen Sie auf einer RFA-Messung.
- Platin- und Palladiumanteile übersehen: Viele Dentalllegierungen enthalten wertvolle Platinmetalle. Eine unvollständige Analyse verschenkt Geld.
- Kleinstmengen wegwerfen: Auch wenige Gramm summieren sich – sammeln Sie, bis sich der Weg zum Ankäufer lohnt.
- Keramikreste mitwiegen lassen: Verblendungen und Zementreste gehören nicht zum Metallgewicht – auf saubere Trennung achten.
Zahngold bezeichnet goldhaltige Legierungen aus dem zahnmedizinischen Bereich: alte Kronen, Brücken, Inlays oder Teleskopkronen, die nach einer Erneuerung der Versorgung nicht mehr benötigt werden. Anders als Schmuck wurde Zahngold nie zur Zierde getragen, sondern als funktionaler Werkstoff im Mund – entsprechend pragmatisch sind die Legierungen zusammengesetzt.
Typische Dentalllegierungen enthalten neben Gold vor allem Platin, Palladium, Silber und Kupfer in wechselnden Anteilen. Der Goldanteil liegt häufig zwischen 600 und 900 Tausendteilen, kann aber auch deutlich darunter liegen – etwa bei palladiumbasierten oder silberbasierten Legierungen, die nur geringe Goldanteile enthalten. Genau diese Bandbreite macht die Bewertung so anspruchsvoll: Zwei optisch ähnliche Kronen können völlig unterschiedliche Goldgehalte haben.
Wichtig zu wissen: Zahngold ist kein Sondermüll und kein Fall für die Restmülltonne. Es handelt sich um wertvolles Edelmetall, das über Scheideanstalten wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird. Viele Zahnarztpraxen sammeln Zahngold treuhänderisch und lassen es – mit Einverständnis der Patienten – zugunsten sozialer Zwecke scheiden.
Warum lässt sich der Feingehalt nicht ablesen?
Bei Schmuck verrät die Punze den Feingehalt auf einen Blick. Bei Zahngold gibt es keine Punze – aus gutem Grund: Die Teile sind zu klein, die Oberfläche zu unregelmäßig, und im Mund wäre eine Prägung ohnehin schnell abgetragen. Auch die Farbe hilft nicht weiter: Dentales Gold reicht von sattem Gelb über blasses Strohgelb bis zu weißlichen Tönen, je nach Palladium- und Silberanteil.
Selbst erfahrene Goldankäufer können den Goldgehalt einer Krone nicht durch bloßes Ansehen bestimmen. Jede seriöse Bewertung beginnt daher mit einer Analyse – alles andere ist Raten. Lassen Sie sich von keinem Händler auf einen Pauschalpreis pro Gramm ein, ohne dass der Feingehalt ermittelt wurde.
Wie wird der Feingehalt von Zahngold bestimmt?
Es gibt zwei etablierte Verfahren:
- Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA): Das zerstörungsfreie Standardverfahren. Ein Handgerät oder Laborgerät bestrahlt die Oberfläche mit Röntgenstrahlen und bestimmt daraus die Zusammensetzung in Sekunden. Viele Juweliere, Goldankäufer und Scheideanstalten bieten die RFA an – oft kostenlos bei Ankaufsinteresse. Einschränkung: Die RFA misst nur die Oberfläche; bei beschichteten oder stark verunreinigten Teilen kann das Ergebnis abweichen.
- Schmelzanalyse in der Scheideanstalt: Das präziseste Verfahren. Die Teile werden eingeschmolzen, homogenisiert und im Labor nasschemisch oder per ICP-Analyse untersucht. Das Ergebnis ist auf die Nachkommastelle genau – dafür ist das Stück danach unwiederbringlich eingeschmolzen. Scheideanstalten arbeiten so bei größeren Mengen oder wenn es auf höchste Genauigkeit ankommt.
Für den privaten Verkäufer kleiner Mengen reicht in der Regel die RFA beim Händler – vorausgesetzt, sie erfolgt transparent und nachvollziehbar vor Ihren Augen.
Zahngold bewerten in vier Schritten
Schritt 1: Sammeln und reinigen
Sammeln Sie alle Teile – auch kleine Fragmente und Brückenzwischenglieder. Reinigen Sie sie grob (weiche Bürste, mildes Spülmittel), damit anhaftende Rückstände das Wiegeergebnis nicht verfälschen. Entfernen Sie, was eindeutig kein Metall ist (etwa Keramikverblendungen, soweit sie sich lösen lassen).
Schritt 2: Wiegen
Wiegen Sie mit einer Feinwaage (0,1 g Genauigkeit). Notieren Sie das Gesamtgewicht. Bei wenigen Gramm macht bereits ein Zehntelgramm einen spürbaren Unterschied im Erlös.
Schritt 3: Feingehalt analysieren lassen
Lassen Sie den Feingehalt per RFA bestimmen – idealerweise bei zwei unabhängigen Stellen, wenn es um größere Werte geht. Das Ergebnis erhalten Sie in Tausendteilen (z. B. 750) oder Prozent. Multiplizieren Sie:
Feingoldgewicht = Gesamtgewicht × (Feingehalt ÷ 1000)
Beispiel: 12 g Zahngold mit ermittelten 680 Tausendteilen enthalten 12 × 0,68 = 8,16 g reines Gold.
Schritt 4: Materialwert mit Tageskurs berechnen
Materialwert = Feingoldgewicht × aktueller Goldpreis pro Gramm
Den Tageskurs entnehmen Sie der aktuellen Preisübersicht von Dutch Bullion. Beispielrechnung mit fiktiven Zahlen: Angenommener Goldpreis 80 € pro Gramm Feingold – ein reiner Rechenwert, kein aktueller Kurs. Beispiel: 8,16 g × 80 € = 652,80 € Materialwert (mit Platzhalter). Mit dem echten Tageskurs erhalten Sie den tatsächlichen Wert.
Was ist Zahngold wert? Realistische Größenordnungen
Der Erlös hängt von drei Faktoren ab: Menge, Feingehalt und Ankaufskonditionen. Beispielrechnung mit fiktiven Zahlen: Eine 3 g schwere Krone mit 700 Tausendteilen enthält 2,1 g Feingold – beim fiktiven Rechenkurs von 80 € pro Gramm (kein Marktkurs) wären das 168 € Materialwert pro Krone. Ersetzen Sie die fiktiven Zahlen durch Ihre echten Werte und den Tageskurs.
Vom Materialwert zieht der Ankäufer Kosten für Schmelze, Analyse und Marge ab – wie hoch der Abschlag ausfällt, hängt von Menge und Anbieter ab; bei Kleinstmengen fällt er tendenziell höher aus. Lassen Sie sich auch hier die Kalkulation (Gewicht, Feingehalt, Kurs, Abschlag) schriftlich geben.
Wo kann man Zahngold verkaufen?
- Scheideanstalten: Die fairste Adresse für größere Mengen – präzise Analyse, transparente Abrechnung, Auszahlung per Überweisung. Manche arbeiten erst ab Mindestmengen.
- Goldankauf-Händler und Juweliere: Unkompliziert, auch für kleine Mengen. Auf RFA-Analyse vor Ort bestehen und mehrere Angebote vergleichen.
- Zahnarztpraxis: Viele Praxen sammeln Zahngold für gemeinnützige Zwecke – eine Option, wenn Ihnen der Erlös weniger wichtig ist als der gute Zweck.
- Online-Ankäufer: Möglich, aber nur bei Anbietern mit transparentem Analyseverfahren und versichertem Versand. Vorsicht bei Pauschalangeboten ohne Feingehaltsbestimmung.
Häufige Fragen zu Zahngold
Kann ich Zahngold selbst auf den Feingehalt prüfen?
Nicht zuverlässig. Hausmittel wie Säuretests sind ungenau und beschädigen die Teile. Die RFA beim Profi ist der einzig sinnvolle Weg.
Enthält Zahngold auch Platin oder Palladium?
Häufig ja. Viele Dentalllegierungen enthalten Platin- oder Palladiumanteile, die ebenfalls wertvoll sind. Eine gute Analyse weist alle Edelmetalle aus – fragen Sie gezielt danach, damit Ihnen kein Wert entgeht.
Muss ich den Verkaufserlös versteuern?
Privates Zahngold (etwa nach einer Behandlung) fällt in Deutschland in der Regel unter die einjährige Spekulationsfrist des § 23 EStG – nach deren Ablauf ist der Verkauf steuerfrei. Bei Unsicherheiten oder größeren Beträgen hilft ein Steuerberater.
Nimmt der Zahnarzt mein altes Zahngold zurück?
Das entnommene Zahngold gehört grundsätzlich Ihnen als Patient. Viele Praxen bieten an, es treuhänderisch zu sammeln und – mit Ihrem Einverständnis – einer Scheideanstalt zuzuführen, oft zugunsten karitativer Projekte. Sie können es aber auch selbst mitnehmen und verkaufen.
Fazit: Analyse schlägt Schätzung
Zahngold zu bewerten folgt einer einfachen Regel: Wiegen, analysieren, rechnen. Weil die Punze fehlt, ist die professionelle Feingehaltsbestimmung kein Luxus, sondern die Grundlage jeder fairen Bewertung. Wer den Feingehalt kennt und mit dem Tageskurs rechnet, erkennt sofort, ob ein Ankaufsangebot seriös kalkuliert ist – und holt aus alten Kronen und Brücken den Wert heraus, der ihnen zusteht.




