Am 12. September 1919 setzten sich in einem holzgetäfelten Zimmer bei N M Rothschild in London fünf Herren an einen Tisch – und bestimmten gemeinsam den Preis für eine Unze Gold. Diese London Fixing Erklärung zeigt, wie aus dieser Runde der heutige LBMA Gold Price wurde: eine elektronische Auktion, die zweimal täglich einen Referenzpreis für den weltweiten Goldmarkt ermittelt.

Was ist das London Fixing überhaupt?

Das London Fixing ist der Referenzpreis für Gold, der bei einer Auktion in London ermittelt wird. Seit 2015 heißt er offiziell LBMA Gold Price und wird von der ICE Benchmark Administration (IBA) auf einer elektronischen Plattform durchgeführt. Zweimal am Tag – um 10:30 Uhr und um 15:00 Uhr Londoner Zeit – geben Banken und Händler Kauf- und Verkaufsaufträge ab, aus denen ein Auktionspreis errechnet wird.

Dieser Preis ist kein Handelspreis, zu dem Sie als Anleger kaufen. Er ist ein Referenzwert: Bergbauunternehmen, Raffinerien, Zentralbanken und Fonds nutzen ihn als Grundlage für Verträge und Bewertungen. Auch der größte Gold-ETF der Welt, der SPDR Gold Shares, bewertet seinen Bestand anhand des Nachmittags-Fixings.

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Die Geschichte: vom Telefonat zur elektronischen Auktion

Über ein Jahrhundert lang funktionierte das Fixing auf erstaunlich analoge Weise. Die fünf Gründungsmitglieder – darunter Mocatta & Goldsmid, Samuel Montagu und N M Rothschild – trafen sich täglich, der Vorsitzende schlug einen Startpreis vor, und über Telefonleitungen meldeten die Mitglieder Angebot und Nachfrage ihrer Kunden. Der Preis wanderte so lange, bis sich Käufer und Verkäufer die Waage hielten.

2004 zog sich Rothschild aus dem Fixing zurück, weitere Banken wechselten. Der eigentliche Wendepunkt kam 2014: Nach den Manipulationsermahnungen rund um den Libor gerieten alle Referenzwerte unter Druck, und mehrere Banken verließen die Fixing-Runde. Die London Bullion Market Association wählte daraufhin die ICE Benchmark Administration als neuen Verwalter. Am 20. März 2015 startete der elektronische LBMA Gold Price – mit offenem Teilnehmerkreis, strengen Regeln und lückenloser Aufsicht.

So läuft die Auktion heute ab

Jede der beiden täglichen Auktionen folgt demselben festen Ablauf:

  1. Startpreis: Die Plattform schlägt einen Eröffnungspreis nahe dem aktuellen Marktpreis vor.
  2. Runden zu je 30 Sekunden: Die direkten Teilnehmer geben in jeder Runde an, wie viele Unzen sie zu diesem Preis kaufen oder verkaufen wollen.
  3. Preisanpassung: Überwiegt das Kaufinteresse, steigt der Preis in der nächsten Runde; überwiegt das Verkaufsinteresse, sinkt er.
  4. Auktionsende: Sobald sich Angebot und Nachfrage annähernd die Waage halten – also die Differenz in eine enge Toleranz fällt –, wird der Preis als LBMA Gold Price festgestellt und veröffentlicht.

Teilnehmen dürfen akkreditierte Banken und Handelsfirmen als direkte Teilnehmer, über diese auch deren Kunden. Das Ergebnis wird in US-Dollar, Euro und Britischem Pfund pro Feinunze veröffentlicht – wichtig für deutsche Anleger, die den Euro-Referenzwert direkt ablesen können.

Heute läuft das London Fixing als elektronische Auktion auf einer Handelsplattform – zweimal täglich, in Runden von jeweils 30 Sekunden.
Heute läuft das London Fixing als elektronische Auktion auf einer Handelsplattform – zweimal täglich, in Runden von jeweils 30 Sekunden.

Die Fixing-Zeiten im Überblick

Auktion London Deutschland (Winter/MEZ) Deutschland (Sommer/MESZ)
Morgen-Fixing (AM) 10:30 Uhr 11:30 Uhr 12:30 Uhr
Nachmittags-Fixing (PM) 15:00 Uhr 16:00 Uhr 17:00 Uhr

Praxistipp: Wenn Sie Nachrichten wie „Gold am Nachmittag-Fixing gestiegen“ lesen, wissen Sie jetzt, dass damit der um 15:00 Uhr Londoner Zeit festgestellte Referenzpreis gemeint ist – nicht ein fortlaufender Handelskurs.

Fixing oder Spotpreis – wo liegt der Unterschied?

Der Spotpreis ist der fortlaufend gehandelte Preis für sofortige Lieferung am außerbörslichen Markt – er tickt rund um die Uhr (werktags) und ist die Basis, an der sich Händlerpreise orientieren. Das Fixing dagegen ist eine Momentaufnahme: ein in einer Auktion ermittelter Referenzpreis, der vor allem für Verträge, Indexberechnungen und Fondsbewertungen dient.

Beide hängen eng zusammen – die Auktion startet nahe dem aktuellen Spotpreis, und große Abweichungen zwischen beiden wären ein Alarmsignal. Als Privatanleger handeln Sie praktisch nie „zum Fixing“, sondern zum Händlerpreis, der sich am Spot orientiert. Das Fixing interessiert Sie vor allem indirekt: Es steckt in der Bewertung Ihres Gold-ETFs oder in den Abrechnungen mancher Sparpläne.

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Nicht nur Gold: Auch Silber, Platin und Palladium haben Referenzpreise

Das Prinzip der Auktion beschränkt sich nicht auf Gold. Für Silber gibt es den LBMA Silver Price, der einmal täglich um 12:00 Uhr Londoner Zeit in einer vergleichbaren elektronischen Auktion ermittelt wird. Platin und Palladium folgen dem LBMA Platinum Price und dem LBMA Palladium Price, die jeweils zweimal täglich festgestellt werden – verwaltet werden diese beiden seit einigen Jahren von der London Stock Exchange Group statt von der ICE Benchmark Administration.

Auch hier gilt dieselbe Logik: Die Auktionspreise dienen als Referenz für Verträge, Indexprodukte und die Industrie – etwa wenn ein Automobilzulieferer seine Katalysator-Metalle über längerfristige Lieferverträge bezieht. Für Sie als Anleger ist vor allem der Goldpreis relevant; die Mechanik dahinter ist bei allen vier Metallen identisch.

Was das London Fixing für Ihre Anlageentscheidung bedeutet

Für Ihre Kaufentscheidung ist das Fixing weniger wichtig als der Händlerpreis vor Ort. Dennoch lohnt sich das Verständnis aus drei Gründen: Erstens erkennen Sie in Marktberichten, ob gerade von einer Auktion oder vom laufenden Handel die Rede ist. Zweitens verstehen Sie, warum Gold-ETFs und Goldfonds ihre Kurse zeitversetzt zum Abend-Fixing anpassen. Drittens sehen Sie, dass der Goldpreis kein Zufallsprodukt ist, sondern aus einem geregelten, beaufsichtigten Verfahren stammt – das Vertrauen in den Markt stärkt.

Häufige Fragen

Was ist das London Fixing einfach erklärt?

Das London Fixing – heute offiziell LBMA Gold Price – ist eine zweimal täglich in London stattfindende Auktion, bei der Banken und Händler aus Kauf- und Verkaufsaufträgen einen Referenzpreis für Gold ermitteln. Der Preis dient als weltweiter Maßstab für Verträge, Fondsbewertungen und Abrechnungen.

Um wie viel Uhr findet das London Fixing statt?

Die Auktionen beginnen um 10:30 Uhr und um 15:00 Uhr Londoner Zeit. In Deutschland entspricht das im Winter 11:30 Uhr und 16:00 Uhr (MEZ), im Sommer 12:30 Uhr und 17:00 Uhr (MESZ). Die Dauer hängt davon ab, wie schnell sich Angebot und Nachfrage einpendeln.

Kann ich als Privatanleger zum Fixing-Preis kaufen?

In der Regel nein. Das Fixing ist ein Referenzwert, kein Handelspreis. Privatanleger kaufen beim Händler zum Tagespreis, der sich am Spotpreis orientiert – zuzüglich des Händleraufgelds. Das Fixing wirkt nur indirekt, etwa über die Bewertung von Gold-ETFs.

Was ist der Unterschied zwischen Fixing und LBMA Gold Price?

Beides bezeichnet im Kern dasselbe: den in London ermittelten Referenzpreis. „London Fixing“ ist der historische, umgangssprachliche Name; „LBMA Gold Price“ ist die offizielle Bezeichnung seit der Umstellung auf die elektronische Auktion im Jahr 2015.