Das Wichtigste in Kürze
- Altgold und Bruchgold bewerten Sie in vier Schritten: sortieren, wiegen, Feingehalt bestimmen und Materialwert berechnen.
- Der Materialwert ergibt sich aus: Gewicht × Feingehalt × aktuellem Goldpreis pro Gramm.
- Ziehen Sie Nicht-Gold-Anteile wie Steine oder Uhrwerke vom Gewicht ab.
- Vergleichen Sie immer mehrere Ankaufsangebote und lassen Sie sich die Abrechnung schriftlich geben.
Was zählt als Altgold und Bruchgold?
Altgold ist der Sammelbegriff für gebrauchte Goldgegenstände, die nicht mehr getragen oder verwendet werden: alte Ringe, Ketten, Armbänder, Broschen, defekte Uhren oder einzelne Ohrringe, deren Partner verloren ging. Bruchgold geht noch einen Schritt weiter – damit sind beschädigte, unvollständige oder anderweitig nicht mehr verwertbare Goldteile gemeint, etwa gerissene Ketten, verbogene Ringe oder ausgebrochene Fassungen.
Für die Bewertung spielt die Unterscheidung kaum eine Rolle: Entscheidend ist allein der Materialwert, also wie viel reines Gold in den Teilen steckt. Ob ein Ring noch tragbar ist oder die Kette gerissen – im Schmelz- und Scheideprozess wird daraus wieder reines Feingold gewonnen. Der ideelle oder modische Wert fließt in den Ankaufspreis nicht ein.
Nicht zum Altgold im engeren Sinne gehören: vergoldete Gegenstände (nur eine hauchdünne Goldschicht auf unedlem Trägermetall), Doublé sowie Anlageprodukte wie Goldmünzen und Goldbarren in bankhandelsfähigem Zustand – diese werden nach anderen Maßstäben bewertet und meist näher am aktuellen Kurs gehandelt.
Schritt 1: Sortieren und Punzen lesen
Sortieren Sie Ihre Teile zunächst nach der Punzierung – dem kleinen Stempel, der den Feingehalt angibt. Die gängigsten Punzen bei deutschem Altgold sind:
- 333 (8 Karat): 33,3 % reines Gold – häufig bei älterem oder preiswertem Schmuck
- 375 (9 Karat): 37,5 % reines Gold
- 585 (14 Karat): 58,5 % reines Gold – der Klassiker bei deutschem Goldschmuck
- 750 (18 Karat): 75 % reines Gold – hochwertiger Schmuck, oft aus Südeuropa oder Asien
Die Punze finden Sie meist an unauffälligen Stellen: bei Ringen auf der Innenseite der Schiene, bei Ketten und Armbändern am oder im Verschluss, bei Broschen auf der Rückseite. Eine Lupe oder die Makrofunktion Ihres Smartphones hilft beim Entziffern. Bilden Sie pro Feingehalt einen separaten Stapel – das erleichtert alle weiteren Schritte.
Was tun, wenn keine Punze zu finden ist? Gerade bei sehr altem, stark abgetragenem oder ausländischem Gold fehlt die Stempelung manchmal. Auch grobe Fälschungen tragen gelegentlich falsche Punzen. Verlassen Sie sich in Zweifelsfällen nicht auf Hausmittel wie Säuretests aus dem Internet – sie beschädigen das Stück und sind ungenau. Eine zuverlässige Bestimmung gelingt per Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA), die viele Juweliere und Scheideanstalten anbieten, oft kostenlos bei gleichzeitigem Ankaufsinteresse.
Schritt 2: Korrekt wiegen
Wiegen Sie jede Feingehaltsgruppe separat mit einer genauen Waage. Eine Feinwaage mit 0,1-Gramm-Anzeige kostet nur wenige Euro und reicht völlig aus; Küchenwaagen sind zu ungenau und runden oft grob.
Entscheidend: Ziehen Sie alle Nicht-Gold-Anteile vom Gewicht ab. Edelsteine, Perlen, Uhrwerke, Stahlfedern, Emaille-Einlagen oder Lederbänder gehören nicht zum Goldgewicht. Bei besetzten Stücken schätzen Profis das Steingewicht anhand von Größe und Schliff und bringen es in Abzug. Als Laie gehen Sie pragmatisch vor: Wiegen Sie, was eindeutig aus Gold besteht, und lassen Sie den Rest beim Ankäufer bestimmen – seriöse Händler wiegen transparent vor Ihren Augen und erklären jeden Abzug.
Notieren Sie sich pro Stapel: Anzahl der Teile, Gesamtgewicht und Feingehalt. Diese Liste ist Ihre Verhandlungsgrundlage.
Schritt 3: Feingoldgehalt berechnen
Der Feingehalt gibt an, wie viel reines Gold in der Legierung steckt. Multiplizieren Sie das Gewicht mit dem Feingehaltsanteil, um das Feingoldgewicht zu erhalten:
Feingoldgewicht = Gesamtgewicht × (Feingehalt ÷ 1000)
Beispiel: Eine Kette wiegt 20 Gramm und trägt die Punze 585. Das Feingoldgewicht beträgt 20 g × 0,585 = 11,7 Gramm reines Gold. Ein 333er Ring von 8 Gramm enthält 8 g × 0,333 = 2,66 Gramm Feingold.
| Gegenstand | Gewicht | Punze | Feingoldgewicht |
|---|---|---|---|
| Kette | 20 g | 585 | 11,70 g |
| Ring | 8 g | 333 | 2,66 g |
| Armband | 15 g | 750 | 11,25 g |
| Summe | 43 g | – | 25,61 g |
Schritt 4: Materialwert berechnen
Der Materialwert ist das Feingoldgewicht multipliziert mit dem aktuellen Goldpreis pro Gramm Feingold. Den Tageskurs entnehmen Sie der aktuellen Preisübersicht von Dutch Bullion – rechnen Sie niemals mit einem veralteten oder erinnerten Kurs, denn der Goldpreis schwankt täglich.
Beispielrechnung mit fiktiven Zahlen: Angenommener Goldpreis 80 € pro Gramm Feingold – ein reiner Rechenwert, kein aktueller Kurs. Er dient nur dazu, die Rechenmethode zu veranschaulichen.
Materialwert = Feingoldgewicht × aktueller Goldpreis pro Gramm
Mit dem Platzhalter: 25,61 g Feingold × 80 € = 2.048,80 € Materialwert für das obige Beispiel. Ersetzen Sie die 80 € durch den tatsächlichen Tageskurs, um Ihren echten Materialwert zu erhalten.
Der Materialwert ist die Obergrenze dessen, was Ihr Altgold als Rohstoff wert ist. Der Ankaufspreis liegt darunter, weil der Händler Kosten und Marge einkalkulieren muss.
Was mindert den Ankaufspreis?
Vom Materialwert zieht der Ankäufer seine Kosten ab: Einschmelzen, Scheiden und Feinanalyse, Handling sowie die eigene Marge. Wie hoch der Abschlag ausfällt, ist je nach Menge, Feingehalt und Anbieter sehr unterschiedlich – holen Sie deshalb immer mehrere Angebote ein. Größere Mengen und hohe Feingehalte (585er, 750er) erzielen tendenziell bessere Konditionen als ein paar Gramm 333er Gold, bei dem der Aufwand im Verhältnis zum Ertrag hoch ist.
Seien Sie skeptisch bei Angeboten, die deutlich unter vergleichbaren Angeboten liegen, bei intransparenten Pauschalpreisen (beispielsweise „wir zahlen 30 € pro Gramm, egal was“) oder wenn der Händler Gewicht und Feingehalt nicht nachvollziehbar dokumentiert. Ein seriöser Ankäufer nennt Ihnen Gewicht, ermittelten Feingehalt, zugrunde gelegten Kurs und Abschlag – schriftlich.
Wo kann man Altgold verkaufen?
- Scheideanstalten: Oft die besten Konditionen, vor allem bei größeren Mengen. Dafür gibt es Mindestmengen, und die Abwicklung ist formaler (Abrechnung, Auszahlung per Überweisung).
- Goldankauf-Händler vor Ort: Schnell und unkompliziert, ideal für kleinere Mengen. Unbedingt mehrere Angebote einholen – die Unterschiede sind erheblich.
- Juwelier: Manche Juweliere kaufen Altgold an oder nehmen es in Zahlung. Die Konditionen variieren stark.
- Online-Ankäufer: Bequem, aber mit Versandrisiko. Nur versichert versenden, Anbieter anhand von Impressum, Bewertungen und AGB prüfen und niemals Originale ohne dokumentierte Vorab-Bewertung aus der Hand geben.
Faustregel: Mindestens drei Angebote einholen, Abrechnungsmodus schriftlich geben lassen und nichts überstürzen. Druckmaschen wie „Nur-heute-Preise“ sind ein Warnsignal.
Häufige Fehler beim Altgold-Verkauf
- Gold ungeprüft und unversichert an einen unbekannten Online-Ankäufer schicken.
- Das erste Angebot unter Zeitdruck annehmen.
- Steine, Uhrwerke und andere Nicht-Gold-Anteile mitwiegen und mitbezahlen lassen – beziehungsweise deren Abzug nicht hinterfragen.
- Mit einem veralteten Goldpreis kalkulieren statt den Tageskurs zu prüfen.
- 333er und 585er Teile vermischen und zum schlechtesten Satz abrechnen lassen.
Häufige Fragen zu Altgold und Bruchgold
Lohnt sich der Verkauf kleiner Mengen?
Das hängt vom Feingehalt ab. Wenige Gramm 585er oder 750er Gold summieren sich schnell zu einem dreistelligen Betrag. Bei sehr kleinen Mengen 333er Gold fressen Fixkosten und Mindestabschläge den Erlös allerdings weitgehend auf – hier lohnt das Sammeln, bis eine lohnende Menge zusammenkommt.
Muss ich den Verkauf versteuern?
Privates Altgold (etwa geerbter oder geschenkter Schmuck) ist in Deutschland nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist in der Regel steuerfrei. Für eine verbindliche Einschätzung – insbesondere bei größeren Beträgen oder gewerblichem Handel – ziehen Sie einen Steuerberater hinzu.
Was passiert mit Steinen aus meinem Schmuck?
Kleine, minderwertige Besatzsteine (etwa Zirkonia) werden meist entfernt und entsorgt. Wertvolle Edelsteine wie Brillanten ab etwa 0,3 Karat können separat verwertet werden – sprechen Sie den Ankäufer gezielt darauf an oder lassen Sie größere Steine vorab von einem Gutachter bewerten.
Kann ich auch Zahngold verkaufen?
Ja. Zahngold besteht häufig aus hochgoldhaltigen Legierungen und wird wie anderes Altgold nach Gewicht und Feingehalt bewertet. Da die Punze fehlt, bestimmt eine Scheideanstalt oder ein Labor den Feingehalt per Analyse.
Fazit: So holen Sie den fairen Wert heraus
Altgold und Bruchgold zu bewerten ist keine Hexerei: sortieren, präzise wiegen, Feingoldgehalt ausrechnen und mit dem aktuellen Tageskurs multiplizieren. Wer diese vier Schritte beherrscht, erkennt sofort, ob ein Ankaufsangebot fair ist oder nicht. Nehmen Sie sich die Zeit für mehrere Angebote, bestehen Sie auf einer transparenten Abrechnung – und rechnen Sie immer mit dem tagesaktuellen Goldpreis, nicht mit einem Kurs von gestern.




