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Krieg in der Ukraine: Das Chaos an den Rohstoffmärkten lässt die Aktienkurse erneut fallen

Es droht ein Einfuhrverbot Russisches Öl und Gas die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben. Rohöl der Sorte Brent wurde kurz nach Marktöffnung am Montag mit 139 Dollar (128 Euro) pro Barrel gehandelt, dem höchsten Stand seit Juli 2008. Gaspreis in Europa kletterte ebenfalls um 60 % auf 350 € (381 $) und lag damit deutlich über dem am Freitag aufgestellten Rekord. Vor der russischen Invasion in der Ukraine lag der Preis unter 80 €.

Nicht nur die Öl- und Gaspreise steigen. Auch der Palladiumpreis erreichte mit 3.440 $ je Feinunze ein Rekordhoch. Palladium wird zur Herstellung von Katalysatoren benötigt, einem Gerät, das in Autoabgassysteme eingebaut wird, um schädliche Emissionen zu entfernen. Auf Russland entfallen 38 % der weltweiten Palladiumproduktion.

Auch Nickel stieg zeitweise um mehr als 30 % auf fast 38.000 $ je Tonne, dem höchsten Stand seit 2007. Aluminium, ein weiterer wichtiger Rohstoff für die Automobilindustrie, überschritt erstmals 4.000 Dollar je Tonne. Kupfer erreichte ein Rekordhoch von rund 10.850 $ pro Tonne.

Nach dem “Ende einer außergewöhnlichen Woche” dürfte auch die kommende Woche außergewöhnlich werden, sagten die Rohstoffanalysten der Commerzbank gegenüber der DW.

Der Rückgang der Aktienkurse geht ungebremst weiter

Rasch steigende Rohstoffpreise und Sorgen über weitere militärische Eskalationen treiben die Aktienkurse nach unten. Nach starken Verlusten an den asiatischen Märkten eröffneten auch die europäischen Börsen mit deutlichen Verlusten. Der deutsche DAX-Index stürzte zu Beginn der Sitzung um 5 % auf 12.438 Punkte ab und überschritt leicht die wichtige Barriere von 13.000 Punkten, bevor er sich während der Sitzung leicht erholte.

Gleiches galt für den Eurostoxx-Index der Eurozone, der in den ersten Handelsminuten um 3,7 % fiel, gefolgt von bescheidenen Gewinnen. Investoren sind fliehen zu Gold. Der Preis der Feinunze hat erstmals seit Sommer 2020 wieder über 2.000 US-Dollar erreicht. Ein schwacher Euro bedeutet, dass Gold für Euro-Besitzer schon jetzt so teuer ist wie nie zuvor.

„Wir stehen am Beginn einer neuen Weltwirtschaftsordnung“, sagte Robert Halver, Kapitalmarktstratege der Baader Bank, zu den Rückschlägen an den Finanzmärkten. Die Bürger hätten aufgrund steigender Öl- und Gaspreise dramatische Kaufkraftverluste erlitten, sagte er der DW. Es ist unwahrscheinlich, dass Unternehmen ihre höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben können.

Das Wachstum wird in den kommenden Monaten durch die Rohstoffknappheit stark gehemmt, so Martin Lück, Chefanlagestratege für den deutschsprachigen Raum beim weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock. Einige Sektoren wie die Autoindustrie seien besonders betroffen, sagte er. Insgesamt wird die deutsche und europäische Wirtschaft damit deutlich weniger produzieren.

Auf die gleiche Weise erhöhte EnergiekostenAuch der Krieg in der Ukraine dürfte die Konsumausgaben stark beeinträchtigen, glaubt Lück. Deutschland ist stark abhängig von Energieimporten und dem Welthandel. „Kurzfristig wird die Wirtschaftstätigkeit deutlich gebremst“, sagte Lück der DW.

Gestapelte Aluminiumfässer

Aluminium, hier halbbearbeitet, wird immer teurer

Abschied von der alten Wirtschaftsordnung

Steigende Rohstoffpreise sollten Inflation beschleunigen deutlich und erreichte im Gesamtjahr vielleicht bis zu 5 % in der Eurozone, schätzt Christian Kahler, Aktienmarktstratege bei der DZ-Bank. Dies schafft ein Dilemma für die Europäische Zentralbank, verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Preisstabilität. Die Mitglieder des Vorstands der Bank treffen sich am Donnerstag zu ihrer monatlichen Grundsatzsitzung. Werden sie sich dafür entscheiden, auf die Politik des leichten Geldes zu verzichten, die die Pandemie-Ära geprägt hat?

Eine solche Entscheidung könnte gegen die Inflation ankämpfen, aber auf die Gefahr hin, eine wackelige Erholung zu blockieren und die Wirtschaft in eine Rezession zu stürzen. „Die Lage ist äußerst prekär“, sagte Lück. Die europäischen Aktienmärkte seien seit Jahresbeginn bereits um 20 % gefallen, sagte er. Solange kein Boden in Sicht ist, dürften die Kurse weiter fallen.

„Das ist eine ganz andere Situation als vor zwei Jahren in den ersten Wochen der Corona-Pandemie“, erklärte der Chefstratege von BlackRock.

Damals war klar, dass die Pandemie irgendwann enden würde, und bis dahin würden die Regierungen massive finanzielle Unterstützung leisten, um den Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern.

Heute steht der Staat vor einer noch größeren Herausforderung: die Auswirkungen hoher Energiepreise auf die Verbraucher abfedern. Der Staat hat beispielsweise über Energiesteuern und die Mehrwertsteuer (MwSt.) Einfluss auf mehr als die Hälfte des aktuellen Benzinpreises. Gleichzeitig hat er die Kosten zu tragen die grüne Energiewende und die höheren Verteidigungskosten.

„Wir müssen uns von der alten Wirtschaftswelt verabschieden“, sagte Baader-Bank-Stratege Halver zumindest in Europa. Die Vereinigten Staaten seien besser in der Lage, die Krise zu überwinden, weil das Land weniger von russischer Energie abhängig sei. Die Europäer hingegen müssen jetzt kreativ werden.

Nach dem deutschen Original von Kristie Pladson.

Bearbeitet von: Uwe Heßler

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