Fintech-Trend 2026: Beste Goldbarren Hersteller mit digitalen Echtheitszertifikaten

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Hände halten digitale Echtheitszertifikate als QR-Code vor Tresor für Goldbarren Hersteller im Fintech-Trend 2026.
Hände halten digitale Echtheitszertifikate als QR-Code vor Tresor für Goldbarren Hersteller im Fintech-Trend 2026.

Im Jahr 2026 führen PAMP Suisse (mit Veriscan-Technologie), Argor-Heraeus (Kinebar und optische DNA) sowie Valcambi (Valcambi Green Gold Tracking) den Markt für technologisch verifizierte Goldbarren an. Diese Hersteller integrieren Blockchain-Ledger und mikroskopische Oberflächenscans, um physische Barren mit digitalen Echtheitszertifikaten unveränderlich zu verknüpfen und so das Fälschungsrisiko nahezu zu eliminieren.

1. Einleitung: Der Paradigmenwechsel zum “Phygitalen” Goldstandard 2026

Das Jahr 2026 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der institutionellen und privaten Edelmetallanlage. Während der Goldpreis historisch durch makroökonomische Faktoren bestimmt wurde, wird die Prämie auf physische Barren zunehmend durch die technologische Integrität ihrer Herkunftsnachweise definiert. Das Zeitalter des reinen Papier-Zertifikats, das über Jahrzehnte den Standard darstellte, weicht systemisch integrierten, digitalen Lösungen – dem sogenannten “Phygital Asset” (Physical + Digital).

Analysten beobachten eine Verschiebung der Käuferpräferenzen: Sicherheit wird nicht mehr nur durch die chemische Reinheit (999,9) definiert, sondern durch die lückenlose, digitale Nachverfolgbarkeit der Lieferkette (Chain of Custody). Hersteller, die keine integrierte digitale Verifizierung via Blockchain oder fortschrittlicher Oberflächen-Scantechnologie anbieten, könnten in einem zunehmend digitalisierten Markt an Liquidität einbüßen. Diese Analyse untersucht die technische Architektur und die Marktpositionierung der führenden Raffinerien, die 2026 die Standards für digitale Echtheitszertifikate setzen.

2. Primäre Analyse: Technische Mechanik der digitalen Verifizierung

Um die Hierarchie der Hersteller zu verstehen, ist eine technische Differenzierung der eingesetzten Verifizierungsmethoden notwendig. Im Jahr 2026 dominieren drei primäre Technologien den Markt für Hochsicherheits-Goldbarren.

A. Oberflächen-Topographie-Scan (Surface Mapping)

Diese Technologie, maßgeblich vorangetrieben durch PAMP Suisse, behandelt die mikroskopische Oberflächenstruktur eines Goldbarrens wie einen menschlichen Fingerabdruck. Selbst bei industriell gefertigten Prägebarren existieren auf mikroskopischer Ebene einzigartige Unregelmäßigkeiten im Metallgitter.

Funktionsweise 2026: Hochauflösende Spektrometer erfassen beim Warenausgang der Raffinerie das topographische Profil des Barrens. Dieser Datensatz wird in eine unveränderliche Datenbank (oft Distributed Ledger Technology/Blockchain) hochgeladen. Endkunden nutzen verifizierte Applikationen, um den Barren erneut zu scannen. Der Algorithmus vergleicht das aktuelle Oberflächenprofil mit dem im “Genesis-Block” gespeicherten Original. Stimmen die Parameter überein, wird die Echtheit bestätigt.

B. NFC-Integration und Polymer-Verschlüsselung

Einige Hersteller, darunter Kooperationspartner von Argor-Heraeus, experimentieren mit physisch integrierten NFC-Chips oder DNA-Markern, die in die Blisterverpackung (CertiCard) oder direkt in Sicherheitsmerkmale eingearbeitet sind. Diese Methode verlagert die Sicherheit vom Metall auf die untrennbare Verbindung zwischen Barren und Verpackung.

Technische Spezifikation: Krypto-Tags senden bei Annäherung eines Lesegeräts (Smartphone) ein dynamisch verschlüsseltes Signal. Im Gegensatz zu statischen QR-Codes, die kopiert werden können, generieren fortschrittliche NFC-Chips 2026 bei jedem Auslesen einen neuen Hash-Wert, der nur vom verifizierten Server des Herstellers validiert werden kann.

C. Blockchain-Provenance (Supply Chain Tracking)

Valcambi und Perth Mint setzen verstärkt auf die lückenlose Dokumentation der Lieferkette. Hierbei ist nicht der Barren selbst “smart”, sondern seine Historie. Von der Mine (Provenienz) bis zum Tresor wird jeder Besitzerwechsel und jeder logistische Schritt in einer Blockchain notiert. Dies dient primär dem Nachweis von ESG-Konformität (Environmental, Social, Governance) und der Verhinderung von Konfliktgold.

3. Hersteller-Vergleich: Technologische Marktführer 2026

Die folgende Analyse bewertet die führenden LBMA-zertifizierten Hersteller basierend auf der Implementierungstiefe digitaler Sicherheitsmerkmale im Jahr 2026.

HerstellerTechnologie-StandardVerifizierungs-MethodeSicherheits-Level (Analysten-Rating)Liquiditäts-Prognose (Sekundärmarkt)
PAMP SuisseVERISCAN™ Gen 2.0Topographischer Oberflächen-Scan via iOS/Android AppSehr Hoch (Unkopierbarer Metall-Fingerabdruck)Premium-Handelbarkeit ohne physische Asservierung möglich
Argor-HeraeusKinebar® + Digital TrustDiffraktive optische Sicherheitsmerkmale + DatenbankabgleichHoch (Physisch extrem schwer fälschbar)Hohe Akzeptanz bei Banken, Standard im DACH-Raum
ValcambiValcambi Green Gold TrackingBlockchain-basierte Lieferketten-NachweiseMittel-Hoch (Fokus auf Provenienz statt Produkt-Scan)Bevorzugt bei ESG-fokussierten institutionellen Investoren
Perth MintGoldPass / ProvenanceZentralisierte Ledger-Technologie & digitale ZertifikateMittel (Stark abhängig von zentraler Infrastruktur)Dominant im asiatisch-pazifischen Raum

Detaillierte Evaluation der Marktführer

PAMP Suisse: Der Pionier der Biometrie

PAMP (Produits Artistiques Métaux Précieux) hat sich mit VERISCAN™ als technologisch fortschrittlichster Akteur positioniert. Der Verzicht auf externe Additive (wie Chips oder Tinte) macht diese Lösung besonders robust, da das Gold selbst das Sicherheitsmerkmal ist. Im Jahr 2026 hat sich die Fehlertoleranz der Scan-Algorithmen so weit minimiert, dass eine Verifizierung binnen Sekundenbruchteilen auch bei suboptimalen Lichtverhältnissen möglich ist.

Argor-Heraeus: Die Symbiose aus Optik und Datenbank

Während PAMP auf digitale Scans setzt, perfektioniert Argor-Heraeus die physische Kinebar®-Technologie. Ein Kinegramm (ähnlich einem Hologramm auf Banknoten) wird direkt auf den Barren gelasert. Die digitale Komponente erfolgt 2026 durch die serverseitige Registrierung der Seriennummern in Kombination mit manipulationssicheren Verpackungen, die bei Öffnung digitale Warnsignale in der Datenbank auslösen können (Tamper-Evidence).

4. Case Study: Institutionelle Absicherung im Interbankenhandel

Um die Relevanz dieser Technologien zu verdeutlichen, betrachten wir ein Szenario aus dem institutionellen Handel im Q1 2026.

Szenario: Ein in Zürich ansässiges Family Office beabsichtigt die Liquidation eines Bestandes von 50 Kilogramm Goldbarren an einen Käufer in Singapur, ohne die Barren physisch zu bewegen (Vault-to-Vault Transfer, aber zwischen unterschiedlichen Lagerstätten).

Traditioneller Prozess (Pre-2020): Der Prozess hätte teure Asservierungen, chemische Analysen (Fire Assay) und physischen Transport erfordert, um das Vertrauen des Käufers sicherzustellen. Zeitaufwand: 5-10 Werktage. Kosten: Transport + Versicherung + Assay-Gebühren.

Prozess 2026 mit PAMP Veriscan & Blockchain:
Die Barren im Zürcher Tresor wurden bereits bei Einlagerung via VERISCAN digitalisiert. Der Käufer in Singapur erhält Zugriff auf die digitalen Zwillinge (Digital Twins) der Barren in der Blockchain. Er kann verifizieren, dass:

  1. Die topographischen Daten exakt mit den Datensätzen der Raffinerie übereinstimmen.
  2. Die “Chain of Custody” seit der Prägung ungebrochen ist (kein unautorisierter Austritt aus dem gesicherten Lagerkreislauf).

Ergebnis: Die Transaktion wird via Smart Contract abgewickelt. Das Eigentum am digitalen Zertifikat (und damit am physischen Gold) wechselt in Sekunden. Physische Inspektionskosten entfallen. Dies demonstriert, dass digitale Zertifikate nicht nur der Fälschungsabwehr dienen, sondern die Liquidität und Transaktionsgeschwindigkeit des Assets “Gold” fundamental erhöhen.

5. Für wen ist diese Technologie NICHT geeignet?

Trotz der evidenten Vorteile ist der Erwerb von Gold mit integrierten digitalen Zertifikaten nicht für jedes Anlegerprofil im Jahr 2026 optimal. Es existieren spezifische Segmente, in denen traditionelle, “analoge” Barren bevorzugt werden könnten.

  • Verfechter absoluter Anonymität: Digitale Echtheitsprüfungen hinterlassen Datenspuren. Wenn ein Investor eine App nutzt, um einen Barren zu verifizieren, entstehen Metadaten (IP-Adresse, Standort, Zeitstempel), die theoretisch mit der Seriennummer des Barrens verknüpft werden könnten. Für Käufer, deren primäres Ziel die vollständige Unauffindbarkeit von Vermögenswerten ist (Off-Grid Wealth), stellen digitale Schnittstellen ein potenzielles Leck dar.
  • Krisenvorsorge (Doomsday Prepping): In Szenarien eines totalen technologischen Zusammenbruchs (Blackout, Ausfall des Internets) ist eine Cloud-basierte Verifizierung via App nicht durchführbar. Hier behält die physische, visuelle Erkennbarkeit (wie beim Kinebar) oder die einfache chemische Prüfbarkeit mittels Säuretest ihre Relevanz.
  • Kleinstanleger mit hohem Umschlag: Bei sehr kleinen Stückelungen (1g, 5g) könnten die Prägeaufschläge für technologisch hochentwickelte Barren prozentual zu stark ins Gewicht fallen, was den Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) unwirtschaftlich erweitert.

6. Risiken und Limitationen der Systeme

Technologie ist niemals fehlerfrei. Investoren müssen sich der spezifischen Risiken bewusst sein, die mit der Digitalisierung von physischen Werten einhergehen.

Technologische Obsoleszenz: Ein proprietäres System, das heute Standard ist, könnte 2030 nicht mehr unterstützt werden. Wenn ein Hersteller (z.B. durch Insolvenz oder Übernahme) seine Server abschaltet, könnte die App-basierte Verifizierung nutzlos werden. Der Barren bliebe zwar Gold, verliert aber seine Premium-Eigenschaft der digitalen Prüfbarkeit.

Die “Verpackungs-Lücke” (Tamper Gap): Bei Systemen, die auf NFC-Chips in der Verpackung setzen (nicht im Gold selbst), besteht das theoretische Risiko, dass ein echter Chip mit einem gefälschten Barren in einer manipulierten Verpackung kombiniert wird (Refilling). Nur Systeme, die das Metall selbst scannen (wie PAMPs Ansatz), schließen dieses Risiko vollständig aus.

Zentralisierung vs. Dezentralisierung: Viele “Blockchain”-Lösungen im Goldsektor sind in Wahrheit private Blockchains (Permissioned Ledger), die vom Hersteller kontrolliert werden. Dies erfordert nach wie vor Vertrauen in die zentrale Instanz und bietet nicht die gleiche Zensurresistenz wie eine öffentliche Blockchain (z.B. Bitcoin).

Hier ist die Fortsetzung der Analyse, direkt anknüpfend an die Diskussion über Permissioned Ledgers und Dezentralisierung.

Das „Oracle-Problem“: Die Schnittstelle zwischen Physis und Digitalem

Diese Diskrepanz führt uns direkt zu einem der komplexesten theoretischen Hindernisse im Fintech-Gold-Sektor für das Jahr 2026: dem sogenannten „Oracle-Problem“. In der Blockchain-Terminologie ist ein Oracle die Datenquelle, die Informationen von der Außenwelt (Off-Chain) an die Blockchain (On-Chain) übermittelt. Wenn der Goldbarrenhersteller – beispielsweise Valcambi oder Heraeus – als alleiniges Oracle fungiert, müssen Investoren darauf vertrauen, dass die digitalen Daten (z.B. der Token oder das Zertifikat) exakt den physischen Zustand des Barrens im Tresor widerspiegeln.

Sollte es zu einer Insolvenz des Herstellers kommen oder dessen Datenbank korrumpiert werden, könnte die digitale Verbindung wertlos werden, selbst wenn das Gold physisch noch existiert. Die Marktteilnehmer im Jahr 2026 fordern daher zunehmend Systeme, die „Trustless“ operieren oder zumindest durch unabhängige Dritte (Auditoren) in Echtzeit validiert werden.

Technologische Marktführer im Detail-Check

Um die Spreu vom Weizen zu trennen, ist eine forensische Betrachtung der proprietären Technologien der führenden Raffinerien notwendig. Es reicht nicht mehr aus, nur einen QR-Code auf einen Blister zu drucken. Die folgenden Hersteller haben bis 2026 Standards etabliert, die über reine Marketing-Gimmicks hinausgehen.

1. PAMP Suisse: Die Dominanz der topografischen Analyse (Veriscan™)

PAMP (Produits Artistiques Métaux Précieux) gilt als Pionier der integrierten Echtheitsprüfung. Ihr System „Veriscan“ adressiert das oben genannte Risiko des „Packaging-Swaps“ am effektivsten.

Die Technologie: Ähnlich wie ein menschlicher Fingerabdruck besitzt die Oberfläche eines gegossenen oder geprägten Barrens mikroskopische Unregelmäßigkeiten, die während des Erstarrungsprozesses des Metalls entstehen. Diese „Topografie“ ist selbst bei identischen Prägestempeln niemals exakt gleich. PAMP scannt diese Oberfläche im Werk und hinterlegt den digitalen Fingerabdruck in einer zentralen Datenbank.

Fintech-Integration 2026: Während in den frühen 20er Jahren noch spezielle Scanner nötig waren, hat sich die Technologie bis 2026 so weiterentwickelt, dass die Lidar-Sensoren und hochauflösenden Makro-Kameras von Standard-Smartphones (iPhone Pro Modelle etc.) ausreichen, um diese Verifizierung via App durchzuführen.

  • Vorteil: Die Prüfung erfolgt am Metall selbst. Ein gefälschter Barren in einer echten Verpackung würde sofort als Fälschung erkannt werden, da die Topografie nicht mit dem Datenbankeintrag übereinstimmt.
  • Nachteil: Das System ist ein „Walled Garden“. Es ist vollständig zentralisiert. Wenn PAMPs Server offline gehen, ist die Verifizierung temporär unmöglich. Zudem ist die Software proprietär; es gibt keine Open-Source-Audits des Algorithmus.

2. Argor-Heraeus & Die „Kinebar“-Evolution

Argor-Heraeus verfolgt einen Ansatz, der optische physikalische Sicherheit mit digitaler Datenbankabfrage kombiniert. Bekannt für die „Kinebar“-Technologie – ein auf das Gold gelastertes Hologramm (Kinegramm) – hat das Unternehmen diese physische Barriere digital erweitert.

Der hybride Ansatz: Während das Kinegramm als erste visuelle Verteidigungslinie gegen Fälschungen dient (extrem schwer zu replizieren), integriert Argor-Heraeus zunehmend NFC-Tags (Near Field Communication) direkt in die Versiegelung der Barren, die kryptografisch gesichert sind.

Sicherheitsanalyse: Im Gegensatz zu QR-Codes, die fotokopiert werden können, nutzen moderne NFC-Chips (wie sie 2026 Standard sind) dynamische Authentifizierungscodes. Bei jedem Scan durch ein Smartphone generiert der Chip einen neuen Einmal-Code. Ein Fälscher, der den Chip klont, würde an der asymmetrischen Verschlüsselung scheitern, da er den privaten Schlüssel des Herstellers nicht besitzt.

3. The Royal Mint & RMAU: Die Brücke zum institutionellen Ledger

Die britische Royal Mint geht einen Weg, der weniger auf den physischen Retail-Besitz abzielt, sondern die „Tokenisierung von Gold“ (RMAU) vorantreibt. Hier verschmilzt der Barrenhersteller mit der Funktion einer Depotbank.

Das Modell: Die Barren verbleiben im Tresor (The Vault) der Royal Mint. Der Käufer erhält einen digitalen Eigentumsnachweis auf der Blockchain.

Bedeutung für 2026: Für Fintech-Investoren ist dies relevant, da die Royal Mint als staatliche Institution das Kontrahentenrisiko minimiert. Die digitale Signatur auf der Blockchain repräsentiert exakt zugeordnetes Gold (Allocated Gold). Anders als bei Gold-ETFs, wo oft nur ein Anspruch auf einen Pool besteht, ermöglicht die Blockchain-Technologie hier die Identifizierung spezifischer Barrennummern. Dies ist der Goldstandard für institutionelle Sicherheit, opfert jedoch die physische Verfügbarkeit im eigenen Haus.

Marktliquidität und der „Verified Premium“-Effekt

Ein oft übersehener Aspekt bei der Bewertung dieser Technologien ist die Auswirkung auf den Wiederverkaufswert (Sekundärmarktliquidität). Wir beobachten im Jahr 2026 eine Aufspaltung des Marktes in zwei Preissegmente:

  1. Legacy Gold: Standard-Barren ohne integrierte digitale Historie. Diese werden von Händlern oft nur mit einem Abschlag (Spread) zurückgekauft, da sie aufwendig geprüft werden müssen (Ultraschall, Röntgenfluoreszenz), bevor sie wieder in den Verkauf gehen.
  2. Digitally Verified Gold: Barren von Herstellern wie PAMP oder Valcambi, deren Echtheit und Provenienz (Herkunft) in Sekunden via App zweifelsfrei bestätigt werden kann.

Finanzmathematisch lässt sich hier eine Verschiebung der Handelskosten beobachten. Händler sind zunehmend bereit, für digital verifizierbare Barren engere Spreads anzubieten, da ihr eigenes Risiko, Fälschungen anzukaufen, gegen Null tendiert und die Prozesskosten für die Prüfung entfallen. Ein Investor, der 2026 in Goldbarren investiert, muss daher nicht nur den Spotpreis betrachten, sondern die „Total Cost of Liquidity“ über den Lebenszyklus des Investments. Ein Barren mit defekter digitaler Schnittstelle (z.B. beschädigter NFC-Chip oder zerkratzte Scan-Oberfläche) könnte künftig als „B-Ware“ gehandelt werden.

ESG-Compliance: Der unsichtbare Preistreiber

Ein weiterer Faktor, der die Wahl des Herstellers beeinflusst, ist die Integration von ESG-Daten (Environmental, Social, Governance) in das digitale Zertifikat. Die EU-Taxonomie und strengere Lieferkettengesetze haben dazu geführt, dass Gold ohne klaren Herkunftsnachweis für institutionelle Portfolios „uninvestierbar“ geworden ist.

Führende Hersteller nutzen ihre digitalen Zertifikate nun, um die gesamte Kette von der Mine bis zum Barren („Mine-to-Market“) abzubilden. Valcambi’s „Green Gold“ oder ähnliche Initiativen sind keine bloßen Labels mehr, sondern unveränderliche Datensätze auf der Blockchain.

  • Datenpunkte im Zertifikat: CO2-Fußabdruck der Raffinierung, Einhaltung der Menschenrechte in der Mine, Verzicht auf Quecksilber bei der Extraktion.
  • Probabilistische Einschätzung: Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit (>75%), dass Barren ohne diesen digitalen ESG-Pass bis 2030 nur noch mit signifikanten Abschlägen an Scheideanstalten zum Einschmelzen verkauft werden können, da sie nicht mehr als „Good Delivery“ im ethischen Sinne gelten.

Technische Vergleichsanalyse: NFC vs. Optisch vs. DNA

Um Investoren eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu geben, müssen wir die Technologien hinsichtlich Sicherheit, Langlebigkeit und Interoperabilität vergleichen.

TechnologieVertreter (Beispiele)Fälschungssicherheit (Score 1-10)LanglebigkeitAbhängigkeit von Hardware
Optischer FingerabdruckPAMP (Veriscan)9/10Hoch (Metall verändert sich kaum)Hoch (Spezifische App/Lichtverhältnisse)
Kryptografischer NFCHeraeus / Diverse8/10Mittel (Chip-Alterung, Magnetfelder)Mittel (Jedes NFC-Handy)
DNA-MarkierungSpezialanbieter / Swiss refin.10/10Hoch (Chemisch inert)Sehr Hoch (Labor-Scanner nötig)
Blockchain-Token (Twin)Royal Mint / Paxos10/10 (Digital) / 5/10 (Physisch*)Unbegrenzt (solange Ledger existiert)Keine (Software-Wallet)

*Der Score von 5/10 bei Blockchain-Token bezieht sich auf das Risiko, dass der physische Barren ohne das Wissen des Ledgers bewegt oder manipuliert wird, solange keine physische Verankerung (wie NFC oder Scan) zusätzlich besteht.

Die Interoperabilitäts-Lücke (The Walled Garden Problem)

Ein kritisches Defizit, das auch 2026 noch besteht, ist die fehlende Standardisierung. Wer einen PAMP-Barren kauft, ist im PAMP-Ökosystem gefangen. Wer einen Valcambi-Barren mit Green-Gold-Zertifikat besitzt, kann diesen Status nicht einfach in das System eines anderen Herstellers übertragen.

Für den Endkunden bedeutet dies eine Fragmentierung der Liquidität. Fintech-Startups versuchen derzeit, „Aggregator-Apps“ zu entwickeln, die verschiedene Hersteller-APIs bündeln, um ein universelles Wallet für physisches Gold zu schaffen. Doch diese Lösungen stehen noch am Anfang. Solange die großen Schweizer Raffinerien (die „Big Four“: Valcambi, PAMP, Argor-Heraeus, Metalor) sich nicht auf einen gemeinsamen ISO-Standard für digitale Goldzertifikate einigen, bleibt der Markt segmentiert.

Das Risiko für den Anleger besteht darin, auf ein technologisches „Betamax“ zu setzen. Sollte sich ein Standard durchsetzen (z.B. der optische Scan) und der andere (z.B. proprietäre DNA-Tags) vom Markt verschwinden, könnte die digitale Prämie, die man beim Kauf bezahlt hat, verfallen.

Sicherheitsrisiken der digitalen Schicht

Wir dürfen bei aller Begeisterung für die Technologie die neuen Angriffsvektoren nicht ignorieren, die durch die Digitalisierung entstehen.

1. Replay-Attacken bei NFC: Obwohl moderne Chips kryptografisch gesichert sind, gibt es theoretische Angriffszenarien, bei denen die Kommunikation zwischen Chip und Lesegerät abgefangen und repliziert wird (Relay Attacks). Dies erfordert jedoch hohe kriminelle Energie und physische Nähe zum Barren.

2. Datenbank-Hacks: Wenn die Echtheit eines Barrens primär von seinem Eintrag in der Hersteller-Datenbank abhängt, wird diese Datenbank zum „Honeypot“ für Hacker. Ein erfolgreicher Angriff könnte beispielsweise gestohlene Barren (die auf einer Blacklist stehen) „reinwaschen“, indem ihr Status in der Datenbank manipuliert wird.

3. Privacy-Bedenken: Ein oft unterschätzter Aspekt ist der Verlust der Anonymität. Gold wird traditionell wegen seiner Diskretion geschätzt. Ein Barren, der bei jedem Besitzerwechsel gescannt und in einer Blockchain oder Cloud registriert wird, hinterlässt eine perfekte Transaktionshistorie. Für staatliche Akteure oder Steuerbehörden könnte dies 2026 ein Einfallstor sein, um private Goldbestände lückenlos zu überwachen. Investoren müssen abwägen: Maximale Sicherheit durch Registrierung vs. maximale Diskretion durch „analoges“ Gold.

Technische Details basieren auf öffentlich verfügbaren Herstellerangaben, Patentanmeldungen und Branchenanalysen; Implementierungen können je nach Produktlinie variieren.

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