12.5 C
Munich

Deutsche Uhren aus Glashütte operieren jetzt auf sicherer Rechtsgrundlage | DW | 11.03.2022


Fällt es Ihnen schwer, die Zeit zu finden, die Dinge zu tun, die Sie schon immer tun wollten? Nun, die kleine Stadt Glashütte im deutschen Bundesland Sachsen kann Ihnen helfen, denn hier können Sie das Wetter ganz einfach verfolgen und gewissermaßen sogar einfangen.

Tatsächlich behauptet die Stadt, die inmitten einer sanft geschwungenen Bergkette nahe der tschechischen Grenze liegt, dass “hier lebt die Zeit” – ein Slogan, den Sie auf Schildern finden, die Besucher auf ihrem Weg begrüßen. .

„Hier lebt die Zeit“ sagt Glashütte seinen Besuchern – die sächsische Stadt hat damit Recht

Es ist das Herz der deutschen Uhrenindustrie, wo die Zeit in jeder feinen Armbanduhr von insgesamt neun namhaften Manufakturen der Branche ein Eigenleben führt. Zwar verlieren sie den Kampf gegen die starke Konkurrenz aus der Schweiz, wenn es um die Menge der dort gefertigten Uhren geht, aber wenn es um die Qualität der Uhren geht, sind die Glashütter Unternehmen sicherlich auf Augenhöhe.

Genauigkeit ist wichtig

NOMOS Glashütte ist eine der neuesten Marken der Stadt, bekannt für ihre ikonischen Zeitmesser, die oft vom Bauhaus inspiriert sind. Die Vielfalt an hochpräzisen Maschinen und Werkzeugen in den Bereichen Drehen und Fräsen ist atemberaubend. Hier werden je nach Modell viele der 100 bis 200 Uhrenkomponenten gefertigt.

Manche dieser Teile sind so klein, dass man sie mit bloßem Auge kaum erkennen kann, und sie in bestmöglicher Qualität herzustellen, ist eine tägliche Herausforderung, erklärt Steffen Kluge, Head of Manufacturing bei NOMOS Glashütte.

„Nicht umsonst haben wir eine temperierte Werkstatt, denn wir wissen, dass schon die kleinste Abweichung von der Standardtemperatur von 24 Grad Celsius [75 degrees Fahrenheit] kann sich auf unsere Produktion auswirken“, sagt er.

Florian Langenbucher und Steffen Kluge

Florian Langenbucher und Steffen Kluge fachsimpeln gerne bei NOMOS Glashütte

Unter dem Label „Made in Glashütte“ zu produzieren, ist bei NOMOS, das mehr Uhren fertigt als jedes andere Unternehmen in Deutschland, Ehre und Verpflichtung zugleich.

„Dass wir von allen deutschen Unternehmen die meisten Uhren herstellen, bedeutet nicht, dass wir Qualitätsstandards vernachlässigen“, sagt Kluge. “Im Gegenteil, wir haben sehr hart daran gearbeitet, unsere Uhren zu perfektionieren, und der Anteil der Verbraucherbeschwerden ist wirklich vernachlässigbar.”

Lange & Söhne in Glashütte

Glashütte ist auch die Heimat von Lange & Son’s – dem Uhrenhersteller, der Sie ein Vermögen kosten kann

lange Tradition

Die Uhrmachertradition von Glashütte reicht bis ins Jahr 1845 zurück, als die erste Manufaktur von Ferdinand Adolph Lange gebaut wurde, der später A. Lange & Söhne gründete. Das Unternehmen besteht immer noch und gehört zu den beliebtesten Luxusuhrenunternehmen der Welt. Seine Uhren können leicht mehrere Hunderttausend Euro kosten, manchmal sogar Millionen Euro.

Weitere bekannte Spieler auf dem Platz sind Glashütte Original, Mühle und Wempe, um nur einige zu nennen. 2020 feierte die Stadt 175 Jahre Uhrmacherei und erinnerte dabei auch an die Aktivitäten in der ehemaligen DDR, als die Industrie verstaatlicht und einzelne Unternehmen zu einer produktionsorientierten Aktiengesellschaft von Massenuhren zusammengeführt wurden.

Teile für NOMOS-Auspuffanlagen

Selbstgemachte Auspuffmontage ist bei NOMOS Glashütte eine Wissenschaft für sich

Im Februar dieses Jahres verabschiedete der Bundesrat schließlich einen Gesetzentwurf, der Glashütter Uhren den Status einer geschützten Ursprungsbezeichnung (gU) zuerkannt.

Wer dieses Label verwendet, muss eine Reihe von Kriterien erfüllen. Mindestens 50 % der Wertschöpfungskette müssen aus Glashütte selbst und einigen angrenzenden Gemeinden stammen, wobei sich das benachbarte Dresden auf Galvanik und Laserarbeiten beschränkt. Die wesentlichen Fertigungsschritte im Sinne des Reglements sind: Herstellung des Uhrwerks, Gehäuse des Uhrwerks und Endkontrolle der Uhren. NOMOS-Geschäftsführer Uwe Ahrendt freut sich, dass es jetzt für alle einen besonderen Schutz gibt.

„Die Verordnung schützt die Arbeitsplätze und Investitionen der heimischen Uhrmacher hier, während es früher keine wirkliche Rechtssicherheit für das Label ‚Made in Glashütte‘ gab“, erklärt er. “Ein Missbrauch des Labels durch Marktteilnehmer außerhalb von Glashütte könnte möglicherweise zu Beschwerden über schlechte Qualitätsstandards und allgemeine Unzufriedenheit der Verbraucher führen.”

Henrik Stock bei NOMOS Glashütte

Henrik Stock von NOMOS Glashütte braucht eine äußerst ruhige Hand, um winzige Teile des Auspuffs des Unternehmens einzustellen

Kluge Investition

Der Geschäftsführer weist darauf hin, dass NOMOS keine Probleme hatte, die Bedingungen des Labels zu erfüllen. Im Gegenteil, so Ahrendt, könne das Unternehmen weit über 90 Prozent der Wertschöpfung in Glashütte schaffen. Dass sie 2014 gelang, ist vor allem einer technologischen Meisterleistung zu verdanken. Damals enthüllte die Firma ihr eigenes Herzstück des Uhrwerks bzw. des Kalibers einer Uhr.

Es ist weithin als „Auspuff“ bekannt – der Hersteller nennt es NOMOS Swing System. Einen Serienauspuff im eigenen Haus zu produzieren, das hat kaum ein anderes Unternehmen der Branche geschafft. Dafür brauchte das Unternehmen sieben Jahre Forschung in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und dem Fraunhofer-Institut sowie eine riskante Investition von 11 Millionen Euro.

„Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung, weil wir dadurch in der Produktion eines ganz entscheidenden Bauteils technologisch unabhängig wurden und wir heute zu den ganz wenigen weltweit gehören, die eigene Auspuffanlagen herstellen können“, sagt Ahrendt. „Es war damals wahrscheinlich eine verrückte Idee, in dieses Projekt einzusteigen, aber jetzt zahlt es sich definitiv aus.“

Er erwähnt, dass der ehemalige Lieferant Swatch Group kürzlich die Lieferungen von Hemmungen für ausländische Uhrenhersteller reduziert habe, was bedeutet, dass NOMOS höchstwahrscheinlich bereits Lieferprobleme bekommen würde.

Uwe Ahrendt, CEO von NOMOS

NOMOS Glashütte Geschäftsführer Uwe Ahrendt sagt, er verspüre seit einiger Zeit eine deutlich steigende Nachfrage nach den Uhren des Unternehmens

Rosa Zukunft?

Generell können die Glashütter Uhrmacher mit neuer Zuversicht in die Zukunft blicken. Jeder von ihnen hat seine Höhen und Tiefen erlebt, insbesondere aufgrund der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. NOMOS Glashütte musste frühzeitig ein Urlaubsprogramm einführen, um die Auswirkungen der weltweit einbrechenden Nachfrage nach seinen Uhren abzufedern.

Aber die Nachfrage hat seit Herbst 2020 zugenommen, und derzeit liegen die Bestellungen deutlich über dem Niveau von vor der Pandemie 2019, sagt Ahrendt. Für 2022 erwartet das Unternehmen ein zweistelliges Umsatzwachstum im Jahresvergleich. Der größte Exportmarkt des Unternehmens ist Nordamerika, gefolgt von Italien. China und Japan sind die großen Märkte in Asien.

Die sächsische Stadt Glashütte

Tatsächlich hat Glashütte mehr Uhrmacher als Einwohner

„Einige unserer Konkurrenten auf dem Platz spielen preislich in einer anderen Liga“, räumt Florian Langenbucher aus der PR-Abteilung ein. „Auch wenn wir die meisten Uhren mit der Herkunftsbezeichnung Glashütte fertigen, gehören wir zu den umsatzstärksten Unternehmen. Ein hochwertiges Produkt zu einem fairen Preis ist Teil unserer Philosophie.“

Entscheidend ist, dass die Glashütter Unternehmen auf ihre Weise zum Ruf der Stadt im Ausland als Zentrum der Feinuhrmacherei in Deutschland beitragen.

„Jedes Unternehmen hier hat sein eigenes Profil, Qualitätsansprüche sowie Corporate Design und Identität, und die ganze Stadt profitiert von dieser Vielfalt“, würdigt CEO Ahrendt.

Der besondere Schutz des Labels „Made in Glashütte“ wird der Uhrmacherei in den kommenden Jahren sicherlich neue Impulse geben.

Bearbeitet von: Arthur Sullivan





Source link

Latest article